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Bausparen - Geldanlage in der Krise

, aktualisiert am

Mittels Bausparvertrag kann über sechs Jahre eine (vorher vereinbarte) Mindestsparsumme angespart werden. Möglich ist auch ein Einmalerlag zu Beginn des Bausparvertrags. Weiters gibt es Spezialtarife für Jugendliche oder sogenanntes Vorsorge-Bausparen, das sogar über zehn Jahre läuft.

Beurteilung

Sicherheit sehr hoch
Renditechancen gering
Kosten gering
Liquidität mittel
Komplexität, Handhabung, Bequemlichkeit sehr einfach
Mindestveranlagung 20 Euro/Monat
Anteil am Portfolio in Höhe der Fördersumme


Bei allen Bauspar-Varianten kann meist zwischen fixer und variabler Verzinsung gewählt werden; dazu kommt eine staatliche Prämie, deren Höhe jedes Jahr je nach den Kapitalmarktkonditionen vom Finanzminister neu festgelegt wird.

Nach Ablauf der sechs Jahre kann man sich den Bausparvertrag entweder auszahlen lassen, den ersparten Betrag zu einer bestimmten Grundverzinsung (ohne weitere staatliche Förderung) auf dem Bausparkonto liegen lassen, einen neuen Vertrag abschließen oder ein Bauspardarlehen in Anspruch nehmen. Dieses hat in Zeiten steigender Leitzinsen den Vorteil, dass der Zinssatz nach oben hin mit 6 % limitiert ist. In Niedrigzinszeiten ist das Darlehen nicht unbedingt günstiger als andere Hypothekarkredite.

Sicherheit

Bausparverträge unterliegen der österreichischen Einlagensicherung; ein Kapitalverlust ist daher sehr unwahrscheinlich. Mehr zu diesem Thema unter "Einlagensicherung neu" 2/2016.

Renditechancen, Kosten

Renditechancen

Möglich sind zwei Arten von Bausparverträgen:

  • mit variabler Verzinsung – zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Buches zwischen 0,5 und maximal 4,25 %;
  • mit fixer Verzinsung – zum aktuellen Zeitpunkt 1,25 % pro Jahr.

Dazu kommt die staatliche Prämie, die zwischen mindestens 1,5 und höchstens 4 % des monatlich (100 Euro) oder jährlich (1.200 Euro) förderbaren Sparbetrags liegt. Beim niedrigsten Zinssatz von 1,5 % sind das somit 18 Euro, die der Staat pro Jahr zuschießt. Was am Ende herauskommt, ist nie hundertprozentig gewiss, auch wenn man sich für eine fixe Verzinsung über sechs Jahre entschieden hat: Die staatliche Prämie wird Jahr für Jahr vom Finanzminister neu festgelegt.

Faktum ist aber, dass die Bausparverträge schon seit Längerem nicht mit der Rendite von Kapitalsparbüchern und Termingeld mithalten können. Die oft beworbenen Zinssätze von 3 bis 4 % gelten nur für das erste Jahr, danach werden variable Zinsen verrechnet, die unter 1 % liegen. Eine etwas bessere Rendite schaut bei Online-Bausparverträgen heraus.

Das Argument, man sollte sich die staatliche Prämie nicht entgehen lassen, sollte aber in keinem Fall ausschlaggebend sein, wenn man sich um eine möglichst ertragsstarke Geldanlage umsieht. Dazu ist die Prämie – derzeit jedenfalls – viel zu gering. Für zukünftige Häuslbauer, Wohnungskäufer oder -renovierer kann ein Bausparvertrag wegen des damit verbundenen Darlehens hingegen durchaus Sinn machen, wie bereits eingangs erwähnt.

Kosten

Bausparen verursacht im Prinzip keine nennenswerten Spesen. Lediglich für die Kontoführung fallen zwischen 4 und 7 Euro pro Jahr an. Das wirkt sich vor allem bei niedrig besparten Verträgen erheblich auf die Rendite aus. Es gibt allerdings zwei Situationen, wo sich eine ordentliche Kostenfalle auftun kann:

- Das ist einmal eine vorzeitige Kündigung, die Extrakosten verursacht und oft mühsam ersparte Zinsen sowie staatliche Förderungen zunichte macht:

  • Erstens wird die staatliche Prämie rückverrechnet, da diese nur bei Einhaltung der Laufzeit zusteht.
  • Zweitens werden die (ohnehin schon nicht gerade üppigen) Sparzinsen im Nachhinein reduziert.
  • Drittens fällt ein Verwaltungskostenbeitrag in Höhe von 0,5 bis 2 % der vereinbarten (nicht der tatsächlich erreichten!) Mindestsparsumme an. Im Einzelfall kann der Schaden bei vorzeitiger Kündigung mehr als 200 Euro ausmachen.

- Zum anderen drohen "Strafzahlungen", wenn das vereinbarte Sparziel nicht erreicht wird, sei es wegen des eben erwähnten frühzeitigen Ausstiegs oder weil Sparraten "ausgelassen" oder nur zum Teil eingezahlt wurden.

Wer einen Neuvertrag abschließt, sollte im Zweifelsfall besser eine geringere Startsumme für den Bausparvertrag wählen. Ein nachträgliches Erhöhen der Einzahlungen ist immer und ohne Kosten möglich – normalerweise erhält man sogar vor Jahresende die Möglichkeit, auf die maximal mögliche Sparsumme pro Jahr aufzuzahlen.

Andererseits: Je niedriger der Einzahlungsbetrag, desto stärker fallen die Kontoführungsgebühren ins Gewicht. Wer das Bausparen rein zum Geldanlegen verwendet, sollte dann besser eine weniger kostenträchtige Ansparform (wie z.B. ein Ansparbuch ohne Gebühren) wählen.

Vermittler von Bausparverträgen sind, was die Mindestsparsumme betrifft, nach unseren Erfahrungen nicht die idealen Berater: Da ihre Provision zumeist aus dem Ursprungsvertrag bezahlt wird, raten sie Sparern bereits bei Vertragsabschluss eher zu höheren Mindestbeträgen, denn von nachträglichen Erhöhungen haben sie oft nichts.

Nichterreichen des Sparziels

Auch bei Nichterreichen des Sparziels sollten Sie sich vor Ablauf des Vertrags unbedingt mit Ihrer Bausparkasse in Verbindung setzen. Durch ein persönliches Gespräch lässt sich die Gebühr wegen Nichterreichen des Sparziels manchmal vermeiden oder zumindest etwas reduzieren - insbesondere wenn man Bereitschaft zeigt, nach Ablaufen des alten "Bausparers" einen neuen Vertrag abzuschließen.

Besteht die Möglichkeit, "versäumte" Sparraten nachzuzahlen, sollten Sie diese nützen, sofern es sich finanziell ausgeht. Eine solche Aufzahlung auf das Sparziel ist oft kurzfristig erledigt und da der Vertrag dann meistens bald ausgezahlt wird, ist das Geld auch nur kurz gebunden. Dafür sparen Sie sich unter Umständen einiges an Kosten bzw. erreichen die bestmögliche Rendite.

Vorzeitige Kündigung

Ehe Sie Ihren Bausparvertrag vorzeitig kündigen, lassen Sie Ihren Vertrag vom Bausparkassenberater genau durchrechnen. In der Anfangsphase erhält man in diesem Fall weniger ausbezahlt, als man bereits eingezahlt hat – aber natürlich kann ein vorzeitiger Ausstieg letzten Endes noch immer günstiger kommen als die Aufnahme eines Kredits. Handelt es sich nur um einen vorübergehenden finanziellen Engpass, kann man Verträge auch kurzzeitig prämienfrei stellen oder die Zahlungen reduzieren und die entsprechenden Sparraten später nachholen.

Liquidität, Handhabung, Anteil am Portfolio

Liquidität

Für sechs Jahre kann man auf sein Geld nicht zugreifen, und wenn man es im Notfall doch tut, nur mit erheblichen Abschlägen – angesichts der aktuell niedrigen Verzinsung und der doch langen Laufzeit ein Nachteil.

Komplexität, Handhabung, Bequemlichkeit

Bausparverträge sind relativ einfach gestrickt: Man schließt einen Vertrag ab und muss sich die nächsten sechs Jahre eigentlich um nichts kümmern. Die einzigen zwei Punkte, die man sich vor Abschluss überlegen muss, sind:

  • die Art der Verzinsung: fix, wenn man sich den bestehenden Zinssatz für die nächsten sechs Jahre sichern will; variabel, wenn man hofft, dass die Zinsen während der Laufzeit eher steigen werden;
  • die Mindestansparsumme oder auch Vertragssumme: Wie viel gehen sich pro Monat aus, und das längerfristig?

Läuft der Vertrag ab, hängt die weitere Vorgangsweise davon ab, ob in nächster Zeit Bedarf an einem Bauspardarlehen besteht. Wenn nicht, sollte man das Guthaben nicht allzu lange auf dem Bausparkonto liegen lassen: Üblicherweise ist die Verzinsung (vor allem nach Wegfall der staatlichen Prämie) nicht gerade berauschend.

Mindestveranlagung

Mit 20 bis 30 Euro pro Monat ist man bei den vier Bausparkassen in Österreich dabei. Die Maximalveranlagung sollte allerdings 100 Euro pro Monat bzw. 1.200 Euro im Jahr nicht übersteigen, da der Rest so schlecht verzinst ist, dass sich andere Anlageformen wie etwa ein Sparplan oder ein Kapitalsparbuch häufig mehr rentieren.

Anteil am Portfolio

Eingezahlt werden sollte nur so viel, wie staatlich gefördert wird. Das waren zu Redaktionsschluss 1.200 Euro pro Jahr oder 7.200 Euro über die gesamten sechs Jahre. Für alles, was darüber hinaus eingezahlt wird, gibt es nur die Zinsen der Bausparkasse, und die fallen ohne die staatliche Prämie noch spärlicher aus, als sie ohnehin schon sind.

Vorsicht bei kurzen Fixzinsperioden

Variable Zinsen nach dem EURIBOR

Seit der Bausparreform im Jahr 1999 gibt es auch beim Bausparen variable Konditionen. Die Zinssätze basieren auf sogenannten Zinsanpassungsklauseln und orientieren sich am Geld- und Kapitalmarkt. Orientierungsgröße ist hier meist der sogenannte EURIBOR.

Nur die S-Bausparkasse und Wüstenrot bieten derzeit zusätzlich auch fixe Zinssätze an, die für die gesamte Laufzeit von sechs Jahren gelten.

Vorsicht bei kurzen Fixzinsperioden

Die Zinsanpassungsklauseln greifen erst nach einer meist kurzen Fixzinsphase, die je nach Bausparkasse unterschiedlich lang ist. In der Fixzinsphase liegt die Verzinsung relativ hoch. Wenn die Zinsanpassungsklausel dann angewandt wird, ist der Zinssatz deutlich schlechter.

Einstiegszinssätze können daher keinesfalls als Basis für die Entscheidung über ein Angebot dienen, weil es sich um Lockangebote handelt. Vielmehr ist entscheidend, welcher Zinssatz nach der Fixzinsphase gilt.

Erlaubte Zins-Schwankungsbreite beachten

Vor allem sollten Sie die Bandbreiten beachten, in denen sich die Zinssätze bewegen dürfen. Auch die Angaben in Prospekten der Bausparkassen sind mit Vorsicht zu genießen, weil die Bausparkassen dabei mit den günstigeren Einstiegszinssätzen rechnen.

Variabler Zinssatz oder Fixzins?

Die Tabelle Bausparen zeigt die aktuellen Einstiegszinssätze und wie sich die variablen Zinsen nach der Fixzinsphase entwickeln. Nach der Fixzinsphase greifen die Zinsanpassungsklauseln – diesen variablen Zinssatz "danach" ermitteln wir auf Basis der aktuellen Kapitalmarktdaten. Aus Fixzinssatz und dem variablen Zinssatz errechnen wir die Werte "Guthaben nach 6 Jahren" bzw. "jährliche Rendite".

Zinsberechnung für Bausparverträge

Zinsberechnung für Bausparverträge

Der Ausgangspunkt für die Berechnung der Zinsen von Bausparverträgen ist immer ein Indikator. Indikatoren bilden die Entwicklung der Zinsen ab und werden zum Beispiel auf der Seite der Oesterreichischen Nationalbank  veröffentlicht.

Meistens nach dem 12-Monats-Euribor

Drei der vier Bausparkassen verwenden den 12-Monats-Euribor, nur die s-Bausparkasse verwendet den Zinsswap 3-Jahre. Um den Zinssatz für das Folgejahr zu ermitteln, wird dieser Indikator um den in den Zinsgleitklauseln bzw. Darlehensverträgen vereinbartem Abschlag vermindert und kaufmännisch (meist auf Zehntelprozent) gerundet. Der Stichtag bzw. die Stichtage für den Indikator ist ebenfalls in der Zinsgleitklausel geregelt (z.B. Durchschnitt aus den Werten vom 15.8., 15.9. und 15.10.des Vorjahres).

Beispiel Wüstenrot: Euribor minus 1,3 %

(Wüstenrot): "Die in einem Kalenderjahr unveränderliche Verzinsung des Bausparguthabens ist während der ersten 6 Jahre ab Vertrabsbeginn gleich dem maßgeblichen 12-Monats-Euriborsatz abzüglich 1,3 Prozentpunkte, kaufmännisch gerundet auf volle Zehntelprozentpunkte. Der maßgebliche 12-Monats-Euriborsatz ist der Durchschnitt der 12-Monats-Euribor-Tagessätze (veröffentlich auf der Website der ÖNB) der letzten 3 Bankarbeitstage im November des vorangegangenen Jahres. Als Obergrenze gilt ein Zinssatz von 4,5% jährlich und als Untergrenze ein solcher von 1,1% jährlich."

In anderen Worten: Beträgt der durchschnittliche 12-Monats-Euriborsatz der letzten drei Novembertage beispielsweise 2,56 %, errechnet sich daraus ein Zinssatz für das Folgejahr von 1,3 % (2,56 - 1,3 Abschlag ergibt 1,26 – gerundet auf Zehntel ergibt 1,3 %).

Abschlagshöhe und Anpassungszeitpunkt entscheidend

So oder so ähnlich verfahren auch die anderen Bausparkassen. Somit ist vordergründig die Höhe des Abschlages bzw. der Anpassungszeitpunkt entscheidend.

Nicht alle Bausparkassen nützen die in ihren Bedingungen genannten Aufschläge voll aus. Raiffeisen verwendet (Stand: Sommer 2009) standardmäßig einen Abschlag von 1 % (statt 2 % laut Geschäftsbedingungen).

Die Tabelle zeigt die Zinsgleitklauseln im Detail (laut Geschäftsbedingungen):

  ABV Raiffeisen s-Bausparkasse Wüstenrot
 Indikator  12-Monats-
Euribor
 12-Monats-
Euribor
 Zinsswap
3-Jahre
 12-Monats-
Euribor
 Aufschlag  1 %  2 %   1,25 %   1,3 % 
 kaufm. Rundung auf 1/8 %  1/10 %  1/10 %  1/10 % 
 Bandbreite  1-4 %   0,5-4 %   1-4 %   1,1-4,5 % 
 Beobachtungszeitraum
 bzw. Stichtag(e)
30.November Durchschnitt
des Monats 
November
15. August 
15.September
15.Oktober
28.November
29.November
30.November

 

Daten aus Sommer 2009

Tabelle: Bausparen

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