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Banken - Treue lohnt sich nicht

Viele Vorschriften des neuen Zahlungsdienstegesetzes werden von den Banken eingehalten. Die Geldinstitute sind allerdings sehr kreativ, wenn es um das Erschließen neuer Einnahmequellen geht.

Mit 1. November 2009 wurde der Zahlungsverkehr in Österreich neu geregelt. So verbietet das Zahlungsdienstegesetz Schließgebühren, wenn jemand mit seinem Girokonto zu einer anderen Bank wechselt. Im Auftrag der Wiener Arbeiterkammer haben wir untersucht, ob sich die Geldinstitute daran halten und wie das Wechseln funktioniert.

Eröffnen meist problemlos

Nachdem wir Konten bei sieben Banken im Raum Wien (Bank Austria, BAWAG, Erste Bank, easybank, Hypo NÖ, Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien und Volksbank Wien) eröffnet und dort Transaktionen durchgeführt hatten, veranlassten wir etwa sechs Wochen später den Wechsel zu einer anderen Bank. Als Erstes besuchten unsere Tester Bankfilialen, ließen sich ein Informationsblatt geben und wählten mit dessen Hilfe eine Kontovariante aus – im Allgemeinen die billigste, bei der eine Bankomatkarte inkludiert ist. Dann wurde der Kontoantrag ausgefüllt und abgegeben.

Internetbank easybank

Bei der easybank, die eine reine Internetbank ist, läuft es anders: Hier holt man sich Infos und Antrag aus dem Internet und geht damit in eine BAWAG- oder Postfiliale. Im ländlichen Raum erlitten wir damit jedoch zweimal Schiffbruch. Die Postmitarbeiter wussten entweder nichts damit anzufangen oder verwiesen uns an die BAWAG. Generell müssen wir kritisieren, dass wichtige Unterlagen wie Kundenrichtlinien, Geschäftsbedingungen oder Preisblatt dem Neukunden nicht bei allen Banken ausgehändigt wurden.

Keine Qual der Wahl

Keine Qual der Wahl

Wer mit seiner Bank unzufrieden ist, sollte aber nicht einfach zur nächstbesten wechseln. Das Angebot ist unüberschaubar: Jedes größere Institut bietet unzählige Kontovarianten. Angestellte in Bankfilialen sind hier nach unseren Erfahrungen leider keine große Hilfe. Daher sollte man als Erstes anhand der Kontoauszüge die ungefähre Anzahl der üblichen Buchungen feststellen.

Internetseite der Arbeiterkammer

Auf der Internetseite der Arbeiterkammern Bankenrechner gibt man Nutzerverhalten (Wenig-, Normal- oder Intensivnutzer), Verrechnungsart (einzeln oder Pauschalpaket), Häufigkeit der Überziehung und das Bundesland ein, und schon erhält man die Reihung der Kontokosten einzelner Institute. Für einen Normalnutzer in Wien etwa, der sein Konto nie überzieht, reicht die Bandbreite der Kontospesen von null (bankdirekt.at, easy gratis und direktanlage.at) bis 175 Euro und mehr im Jahr (ErfolgsKonto Gold der Bank Austria, BTV-Prestige und Hypo VIP Konto der Hypo Alpe Adria).

Alles im grünen Bereich

Auf den Testkonten führten wir auch mehrere Überweisungen per Onlinebanking durch. Alle Überweisungen brauchten immer einen Bankarbeitstag: Veranlassten wir die Überweisung am Freitag, war das Geld am Montag angekommen. Die Beträge wurden immer sofort gutgeschrieben. Auch bei Daueraufträgen und Einzugsermächtigungsverfahren, die wir durchführen ließen, traten keine Probleme auf.

SEPA-Überweisungen

Wir veranlassten auch SEPA-Überweisungen. SEPA (Single European Payment Area = einheitlicher europäischer Zahlungsraum) heißt das neue europäische Zahlungssystem zur Beschleunigung des Geldverkehrs. Diese Überweisungen sind vor allem bei Geldtransfers in EU-Staaten sowie in die Schweiz, nach Liechtenstein, Island und Norwegen sinnvoll, weil die Transaktion dann nicht teurer kommt als eine Inlandsüberweisung. Dafür müssen aber unbedingt die Kennzahlen IBAN und BIC angegeben werden, Kontonummer und Bankleitzahl genügen nicht. In den meisten Fällen kann man IBAN und BIC jedoch mithilfe der Internetseite IBAN-Rechner  aus Kontonummer und Bankleitzahl errechnen.

Hindernisse beim Wechsel

Wechsel mit wenig Hindernissen

Als nächsten Schritt erledigten wir den Kontowechsel. Nur Bank Austria, BAWAG und Erste Bank behandeln dieses Thema ausführlich auf ihrer Homepage, sonst heißt es meist nur sinngemäß: „Wechseln Sie zu uns, wir erledigen den Rest.“ In den meisten Fällen wurde dieses Versprechen auch eingelöst. Nur bei der easybank muss man selbst tätig werden: In der BAWAGFiliale werden zwar die Formulare angenommen, diese muss man aber aus dem Internet ausdrucken, ausfüllen, Dauer- und Einziehungsaufträge eintragen und unterschreiben.

Dauer unterschiedlich

Der Wechsel selbst klappte in allen Fällen problemlos, die Dauer vom Erteilen des Auftrags bis zum endgültigen Übertrag und zur Stilllegung des Kontos war allerdings sehr unterschiedlich. Beim Wechsel von der easybank zur Bank Austria war binnen vier Tagen alles erledigt. Doch in Einzelfällen dauerte der Vorgang sogar 21 Bankwerktage – laut Empfehlung des Bankenverbandes soll ein Übertrag allerdings nicht länger als sieben Bankwerktage brauchen! Ein Grund könnte darin liegen, dass die Unterlagen oft direkt von Bankmitarbeiterin A zu Bankbetreuer B übergeben werden. Urlaub oder Krankenstand erweisen sich da als Sand im Getriebe.

Abrechnungen korrekt

Abgerechnet wurde überall korrekt. Kontoführungsgebühren wurden aliquot verrechnet, also nur für jenen Zeitraum, in dem das Konto tatsächlich genutzt worden war. Der abschließende Kontoauszug kam jedoch meistens per Post, mit den Portospesen von 55 Cent wurde das alte Konto belastet. Schließgebühren wurden generell nicht verlangt.

 Heikle Einzugsaufträge

Das Transferieren von Einzugsaufträgen sollte man nicht der neuen Bank überlassen. Dabei erteilt ein Gläubiger (E-Werk, Mobilfunkbetreiber, Autofahrerclub usw.) den Auftrag, einen bestimmten Betrag zu einer bestimmten Zeit abzubuchen. Hat der Auftraggeber aber nicht die neue Kontonummer seines Schuldners, erzeugt dies Kosten für den fehlgeschlagenen Einzugsversuch, die natürlich der Konsument tragen muss. Uns wurde von Summen zwischen 8 und 10 Euro berichtet. Wenn dann (etwa infolge einer Adressänderung) auch keine Mahnungen zugestellt werden, könnten auch Strom oder Handy abgedreht werden. Bei einem Kontowechsel sollte man daher die neue Kontonummer immer selbst dem Auftraggeber von Einzugsaufträgen bekannt geben. Geldinstitute weisen ihre Kunden beim Wechseln nur selten auf diese Problematik hin und bieten auch wenig Unterstützung.

Neues Gesetz

Neues Gesetz – neue Probleme

Das Zahlungsdienstegesetz hat für Konsumenten teils erhebliche Verbesserungen gebracht, etwa taggleiche Wertstellung bei Eingängen, kürzere Laufzeiten bei Überweisungen, mehr Transparenz bei Überweisungsspesen, eine längere Einspruchsfrist bei Einzugsermächtigungen und bessere Vorausinformation über Lastschriften. Das alles aber kostet Geld – Geld, das sich die Banken wohl anderswo holen werden.

Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien stellt um

Aktuell kündigt die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien ihren Kunden an, dass die Kontopakete umgestellt werden, natürlich verbunden mit Spesenerhöhungen; auch die Zahl der Gratis-Buchungen wird reduziert. Immerhin kann man schriftlich binnen zwei Monaten ab Zustelldatum dagegen Einspruch erheben. Dann bleibt kontomäßig alles beim Alten. Die Form der Änderung „Wer schweigt, stimmt zu“ ist hier leider rechtlich gedeckt. Es ist damit zu rechnen, dass dies kein Einzelfall bleibt.

Spesen rauf, Verrechnung geändert

Letztes Jahr gab es viel Aufregung, als die Raiffeisenlandesbank Tirol 60 Cent verlangte, wenn Kunden ihr Geld aus dem Bankomaten einer fremden Bank holten. Diese Gebühren waren hierzulande bis dahin unbekannt. Der Rückzieher folgte zwar umgehend, aber jetzt lässt die Raiffeisenbank Region Ried im Innkreis einen weiteren Versuchsballon steigen und verlangt 41 Cent für Bargeldbehebungen bei Fremdbanken.

Überziehen wird teuer

Ab April will die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien nicht nur höhere Kontospesen einheben, sondern die Girokonten auch auf monatliche Abschlüsse umstellen. Das wird vor allem jene treffen, die das Konto öfter überziehen. Denn die kürzeren Abrechnungsintervalle machen Überziehungen teurer. Umgekehrt haben aber jene Konsumenten kaum einen Vorteil, deren Konto immer im Plus ist, denn bei Girokonten liegen die Habenzinsen traditionell sehr niedrig. Auch das wird wohl kein Einzelfall bleiben. Anfang März hat die PSK die Habenzinsen von 0,5 auf 0,25 % gesenkt.

Zusammenfassung

Zusammenfassung

  • Wechsel des Girokontos kann lohnen. Auf www.bankenrechner.at findet man das billigste Konto, abgestimmt auf das Nutzerverhalten. Banken helfen Neukunden beim Wechsel, Schließgebühren sind nicht mehr erlaubt.
  • Einzugsermächtigungen selbst übertragen. Mithilfe der Kontoauszüge alle Einzieher feststellen und die Auftraggeber (Energieversorger, Telekom, Vermieter, Verlage, Vereine …) über den Kontowechsel informieren.
  • Neue Form der Überweisungen. Auch IBAN und BIC sollten Sie angeben; vor allem bei Auslandsüberweisungen in den SEPA-Raum (EU-Staaten, Schweiz, Liechtenstein, Island, Norwegen). Beim Umrechnen hilft der IBAN-Rechner.
  • Kontoumstellungen nicht einfach hinnehmen. Auf mögliche Nachteile achten, wenn die Bank Änderungen beim Girokonto ankündigt. Fristgerecht Widerspruch einlegen oder zu einer anderen Bank wechseln.

Weg zur neuen Bank

Schritt für Schritt zur neuen Bank

Mit Lichtbildausweis zur gewünschten Bank gehen. Liste der Einzüge und Daueraufträge mitbringen. Auftraggeber von Einzügen unbedingt auch selbst über den Kontowechsel informieren. Ebenso alle Stellen, von denen Sie regelmäßig Eingänge erhalten (Arbeitgeber/Pensionsversicherung, Mieter …). Eventuelles Minus des alten Kontos vor dem Schließen abdecken. Für ausreichend Bargeld sorgen, weil in der Übergangszeit Bankomat- und Kreditkarten oft nicht verfügbar sind. Kontrollieren, ob alle Zahlungseingänge, Dauer- und Einziehungsaufträge auf das neue Konto übertragen sind. Erst dann altes Konto schließen lassen.

Leserreaktionen

DKB

Mich hätten Erfahrungen mit der Deutschen Kreditbank interessiert, die ihr Online-Konto auch in Österreich anbietet.

Benutzer "Brsa"
Online-Leserforum
(aus Konsument 05/2010)

Konto bei Gratisbank

Es ist mir nicht möglich, bei einer anderen Bank als der Bank Austria ein Konto zu eröffnen.(…) 2007 war ich mit dem Privatkonkurs fertig; behandelt werde ich aber wie ein lästiges Insekt und wie gesagt: Andere Banken beantworten meine Anfragen nicht.

Benutzer "brigitte1948"
Online-Leserforum
(aus Konsument 05/2010)

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