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Wetterjacken mit Innenjacke - Nicht ganz dicht

  • Membran oder Beschichtung – zwei Systeme im Vergleich
  • Manche Modelle lassen Sie im Regen stehen
  • Einige entpuppen sich als echt schweißtreibend
  • Unternehmens-Ethik: wenig ambitioniert

Warm halten aber auch Regen und Sturm abhalten

Zeitgemäße Wetterjacken sollen unterschiedliche Funktionen erfüllen. Sie sollen Regen und Sturm standhalten und dennoch atmungsaktiv sein, also dafür sorgen, dass der Schweiß nach außen geleitet wird. Dank speziell präparierter Materialien (Gore-Tex ist das bekannteste davon) ist das heute keine Hexerei mehr. Aber damit nicht genug. In unseren Breitengraden spielt auch das Warmhaltevermögen eine große Rolle.

Die Sportbekleidungsindustrie versucht, das alles in einem Kleidungsstück zu vereinen. Deshalb bietet sie Jacken mit wasserdichter Außenhaut und einer wärmeisolierenden Innenjacke an, die mittels Reißverschluss je nach Bedarf herausgenommen oder auch getrennt getragen werden kann.

Es gibt zwei Systeme für die Außenjacke

Für die Außenjacke kommen grundsätzlich zwei Systeme infrage, die sicherstellen, dass Wasserdampf nach außen entweicht, während Regentropfen nicht nach innen dringen können: Entweder wird eine Membran auf die Innenseite des Oberstoffes aufgeklebt – die kann aus Teflon (PTFE) sein wie bei Gore-Tex, aus Polyurethan (PU) oder aus Polyester (PES). Oder es wird eine hauchdünne Schicht (meist Polyurethan) in flüssiger Form auf den Oberstoff aufgetragen, die dieselbe Funktion erfüllt.

Die Innenjacken sind überwiegend aus Polyester-Fleece, weil es meist eine bessere Atmungsaktivität als Wattierungen aufweist und auch robuster ist. Im Test sind The North Face, Lowe und Salewa mit wattiertem Steppinnenteil versehen.

Innenjacke herausnehmbar oder getrennt

Ob eine herausnehmbare Jacke praktischer ist als eine getrennte, daran scheiden sich die Geister. Zumindest der österreichische Marktführer Löffler bietet dieses Produkt nicht mehr an und ist deshalb auch nicht im Test vertreten. Unter den 11 Teilnehmern finden sich auch recht günstige Angebote, so beträgt der Richtpreis für die Columbia Tundra-Jacke 190 Euro.

Härtetest im Regenturm

Die Testobjekte mussten eine strenge Prüfung durchlaufen, schließlich erwartet sich der Käufer einer Funktionsjacke, dass sie ihre Funktionen erfüllt. Am härtesten ist die Prüfung im Regenturm. Dort wird die Jacke (samt Puppe) einer Dauerberegnung ausgesetzt: 450 Liter pro Stunde und Quadratmeter – eine Belastung, die sonst nur Berufskleidung bestehen muss. Und hier trennt sich auch die Spreu vom Weizen.

Bei fünf Produkten zierten große nasse Flecken das Hemd der Puppe; bei Salewa und Fjällräven bereits im Neuzustand, bei den anderen immerhin erst nach fünfmaligem Waschen. Aber auch bei der Atmungsaktivität wurden Schwächen offenbar. Insgesamt erwies sich die eher unbekannte Marke Lafuma als die funktionstüchtigste im Test.

Warm: Thunder & Lightning (Jack Wolfskin)

Das Ergebnis der Wärmeisolationsprüfung wurde nicht in der Bewertung berücksichtigt, weil es vom Einsatzbereich abhängt, wie warm die Jacke halten soll. Im Winter ist eine „sehr hohe“ Wärmeisolation empfehlenswert, die nur von drei Modellen erfüllt wurde, darunter die Thunder & Lightning von Jack Wolfskin mit gutem Gesamturteil. In jedem Fall sollte man das Zwiebelprinzip beherzigen – mehrere Schichten tragen, die bei Bedarf ausgezogen werden können.

Schwächen bei der Kapuze

Die meisten Beanstandungen im Tragekomfort sind auf die Kapuze zurückzuführen. Wichtig ist, dass sie mit Gummizug (auch hinten) und Klettverschluss gut dem Kopf angepasst werden kann, damit das Sichtfeld nicht eingeschränkt wird. Weiters soll sie auch einfach im Kragen verstaut werden können. Damit der Oberstoff der Jacken nicht frühzeitig von den Schultergurten des Rucksacks abgewetzt wird, sind die meisten Jacken an den exponierten Stellen entsprechend verstärkt. Dennoch hat es auch bei der Scheuerbeständigkeit Aussetzer gegeben (Vaude). Insgesamt haben vier Modelle ein gutes Ergebnis erzielt. Sie liegen knapp beisammen, wobei The North Face Men’s Varius Acclimate Jacket die Nase vorne hat.

Sehr Gute Jacke von Berghaus ist vergriffen

Wie bei den meisten anderen gibt es dazu auch ein Damenmodell, nur Schöffel und Fjällräven haben keines. Eine gute Kombijacke bietet auch die britische Firma Berghaus an: Das Modell Arctic Gemini (um rund 290 Euro) ist aber derzeit vergriffen und wird aus diesem Grund nicht in der Tabelle berücksichtigt. Es hätte das beste Ergebnis erzielt (mit „sehr gutem“ Urteil in der Funktion).

Ausstattungsdetails

Was die Ausstattungsdetails anlangt, so ist man oft zum Kompromiss gezwungen. Viele Taschen sind zwar praktisch (Salewa hat 13 davon), doch ein Angriffspunkt für Regen. Meistens sind unzureichend abgedichtete Nähte für die mangelnde Wasserdichtheit verantwortlich. Nur wenige Jacken haben einen genügend großen Schlitz unter der Achsel, der mit Klettband bzw. Zipp geschlossen werden kann (Jack Wolfskin, Vaude und das Herrenmodell von Columbia). Die Öffnung dient der Belüftung. Denn bei anstrengenden Bergtouren kommt die Membran oder die PU-Beschichtung oft nicht mit dem Schweiß-Abtransport nach, dank der Luftzufuhr kann der Schweiß verdunsten.

Lieber größer als genau passend kaufen

Die Jacke sollte nicht zu eng sitzen (lieber eine Nummer größer wählen). Vor allem auf der Rückseite sollte sie lang genug sein. Die Ärmelweite muss verstellbar sein (Klettverschluss), damit auch Handschuhe darunter passen.

Waschen mit speziellen Feinwaschmittel

Waschen sollte man Funktionsjacken sehr schonend, am besten mit einem speziellen (für Gore-Tex & Co geeigneten) Feinwaschmittel. Gut spülen und keinesfalls Weichspüler verwenden! Je nach Pflegeanleitung in den Trockner geben oder auf kleiner Stufe bügeln, um die Imprägnierung zu reaktivieren (Wassertropfen müssen danach wieder abperlen).

Jackenhersteller im Ethik-Test

Wenig ambitioniert

In der Bekleidungsbranche steht es mit sozialer Verantwortung nicht zum Besten. Die meisten Markenfirmen haben ihre Produktion in Länder ausgelagert, wo die sozialen und ökologischen Standards beschämend niedrig sind (China, Indonesien, Rumänien…). Gespannt durfte man daher die Untersuchung der deutschen Stiftung Warentest erwarten, die fast alle namhaften Hersteller von Sportbekleidung umfasste. Nur die österreichische Firma Löffler, die zum Teil noch im Inland produziert, war nicht dabei.

Wolfskin und Lowe schweigen

Das Ergebnis: Immerhin drei Unternehmen zeigen eine deutliche Initiative zu mehr Verantwortung (mit dem nicht im Produkttest vertretenen Anbieter Berghaus sind es vier). Beim Großteil der Firmen sind bestenfalls Ansätze zu bemerken. Zwei renommierte Unternehmen, nämlich Jack Wolfskin und Lowe Alpine, zogen es vor zu schweigen.

Kaum unabhängige Kontrolle

Erfreulich ist, dass die meisten Unternehmen ihren Zulieferern Auflagen erteilen, gewisse Mindeststandards einzuhalten, und dies auch kontrollieren. Meist durch unternehmensabhängige Auditoren, aber zumindest Patagonia lässt eine unabhängige Kontrolle zu.

Umwelt: schwach

Weniger ambitioniert sind die Auflagen im Umweltbereich. Nur wenige bemühen sich, Umweltbelastungen durch die Produktion zu minimieren. Mindeststandards beziehen sich meist nur auf das Produkt. In der Regel verlangen die Markenfirmen von ihren Zulieferern, die Anforderungen des Öko-Tex-Standards 100 zu erfüllen (Schadstoffminimierung). Dass bei keinem der getesteten Jacken Azofarbstoffe nachgewiesen wurden, ist noch kein Grund zum Jubel, denn dies wäre ein glatter Gesetzesbruch.

Etwas mehr hätte man sich auch im Bereich Transparenz  erwartet. Bewertet wurde dabei, ob es öffentlich zugängliche Berichte zum Thema Ethik gibt, ob der Fragebogen ausgefüllt und eine Überprüfung am Firmensitz zugelassen wurde und wie Kundenanfragen beantwortet werden. Nur Fjällräven kam hier auf ein akzepables Ergebnis.

Funktionskleidung

Wie die verschiedenen Systeme funktionieren

Mikroporöse Membranen

Sind 10 bis 25 Mikrometer dünn und bestehen aus Polytetrafluorethylen (PTFE) – der Stoff, aus dem auch Bratpfannenbeschichtungen sind (Teflon). Die Poren der Membran sind so klein, dass nicht einmal der kleinste Regentropfen hindurchpasst. Für ein einzelnes Wasserdampfmolekül (Schweiß) ist eine Pore hingegen groß wie ein Scheunentor – es kann mühelos nach außen gelangen. Gore-Tex hat dieses System bekannt gemacht.

Hydrophile Membranen

Die Moleküle der Membran fangen den vom Körper abgegebenen Wasserdampf auf (hydrophil = wasseranziehend) und reichen ihn an die nächste Schicht weiter. So diffundiert der Dampf durch die Membran, während auch hier die Wassertropfen draußen bleiben.

Laminate

Diese Membranen werden punktweise auf dem Oberstoff (zB einer Jacke) aufgeklebt – man spricht von Zwei-Schicht-Laminat. Ist darauf zusätzlich ein Innenfutter aufgebracht, spricht man von einem Drei-Schicht-Laminat. Dieses ist generell strapazierfähiger, aber weniger flexibel als Zwei-Schicht-Laminat.

Beschichtungen

Werden bei der Herstellung flüssig als hauchdünne Schicht auf den Oberstoff aufgetragen. Beschichtungen bestehen meist aus Polyurethan (PU). Sie funktionieren wie die Membranen: entweder durch Mikroporen oder durch ihre hydrophilen Eigenschaften.

Anbieteradressen

Columbia Sportswear Austria,
Businesspark top 3–23,
Valiergasse 60, A-6020 Innsbruck, 
(0512) 28 53 70

Fjällräven : Schefzig Andreas Regional Sales Österreich,
MGC Salzburg, Moosfeldstraße 1,
A-5101 Bergheim,
(0662) 45 80 33

Jack Wolfskin : Wiesinger Markus HandelsgesmbH,
Nr. 90,
A-4725 Aegidi,
(07717) 77 50

Lafuma Group GmbH ,
Fabrikstraße 35,
D-73266 Bissingen/ Teck,
(0049 7023) 95 11-0

Lowe Alpine Deutschland GmbH ,
Lochhamer Straße 29,
D-82152 Martinsried,
(0049 89) 89 96 03-0

Mammut Sports Group Austria GmbH ,
Neubaustraße 15,
A-4400 Steyr,
(07252) 460 51-0

Patagonia Munich ,
Leopoldstraße 47,
D-80802 München,
(0049 89) 39 92 99

Salewa VertriebsgesmbH ,
Furtmühlstraße 34,
A-5101 Bergheim,
(0662) 45 12 70-0

Schöffel : Les Sports TextilhandelsgesmbH,
Kärnter Straße 28,
A-6020 Innsbruck,
(0512) 34 60 00-0

The North Face :
VF Germany Textil-Handels GmbH The North Face Division,
Alois-Wolfmüller-Straße 8,
D-80939 München,
(0049 89) 32 45 57-0

Vaude : Outdoor Marketing Agentur GmbH,
Moosfeldstraße 1,
A-5101 Bergheim,
(0662) 45 98 88

Kompetent mit Konsument

  • Nicht alle halten dicht . Wasserdicht und atmungsaktiv sollen Funktionsjacken sein. Aber nur ein Drittel der Modelle kann diese Ansprüche auch wirklich erfüllen. Der Vergleich zwischen Membran und PU-Beschichtung endet ohne klaren Sieger.
  • Ab 190 Euro. Die Kombijacken (mit herausnehmbarer Innenjacke) gibt es schon ab 190 Euro. Die beiden Erstplatzierten (The North Face und Lafuma) kosten 250 Euro, die teuerste im Test kommt auf nahezu doppelt so viel.
  • Drei zeigen auch Verantwortung. Unterschiedlich fällt die Bewertung der sozialen Verantwortung aus. Patagonia, Vaude und Fjällräven sind hier hervorzuheben.

So haben wir getestet

Aus einem Test der Stiftung Warentest präsentieren wir 11 in Österreich erhältliche Funktionsjacken (mit Membran oder Beschichtung) mit herausnehmbarer Innenjacke. Die Ergebnisse für die Herrenmodelle können im Wesentlichen auf die Damenmodelle umgelegt werden.

Funktion

Die Regendichtheit wurde mit abgedeckter Kapuze in Anlehnung an EN 14360 geprüft: neu und nach fünfmaligem Waschen. Beurteilung des Abperleffekts in Anlehnung an EN 29865. Atmungsaktivität der Außen- und Innenjacke und Wärmeisolationsvermögen bestimmt in Anlehnung an EN 31092 (Hautmodell).

Tragekomfort

Passform für das Herrenmodell (Größe L). Anziehen, Verstellen der Jacke und Kapuze geprüft von 5 Personen. Die Prüfung auf Azofarbstoffe haben alle Modelle bestanden.

Haltbarkeit

Prüfung der Scheuerbeständigkeit der Außenjacke in Anlehnung an EN 12947-2 mit Cordura; Waschverhalten bei 5 Waschgängen, Lichtechtheit in Anlehnung an EN 105-B02 sowie Verarbeitung.

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