Wanderstöcke - Auf allen Vieren

  • Jeder sollte Stöcke verwenden – aber nicht ständig
  • Mehr Sicherheit und weniger Belastung
  • Sie müssen leicht verstellbar sein und trotzdem halten

Raus in die Natur

Wenn die ersten Frühlingsboten erscheinen, erwachen bei vielen Menschen die Lebensgeister. Man bekommt wieder Lust, die Natur zu erleben. Und beim Wandern wird immer mehr Wert auf gute Ausrüstung gelegt. Dazu gehören nicht nur feste Schuhe und Funktionskleidung. Auch Wanderstöcke sind für viele Naturbegeisterte schon zur Standardausrüstung geworden. Vorbei die Zeiten, als Stöcke nur als Behelfsmittel für alte Leute angesehen wurden. Viele, die es einmal ausprobiert haben, wollen die Hilfe der Arme beim Wandern nicht mehr missen.

Auf allen Vieren gehen

Also auf allen Vieren laufen? Warum nicht – jedes Tier mit vier Beinen steht viel sicherer als der Mensch, vor allem in geneigtem Gelände. Die Stöcke können die fehlenden Vorderbeine recht gut ersetzen. Das bringt drei große Vorteile:

  • Entlastung: Das Gewicht des Körpers (und des mitgeführten Gepäcks) wird auf vier anstatt zwei Punkte verteilt. Der Bewegungsapparat (Gelenke, Wirbelsäule) wird entsprechend entlastet. Vor allem die Gelenkknorpel und die Meniskusscheibe des Kniegelenks haben bei langen Märschen enorme Belastungen zu tragen, was häufig zu Verschleißerscheinungen führt. Beim Bergabgehen bekommt die Wirbelsäule unzählige Schläge verpasst. Mit Stöcken lassen sich diese Belastungen um 30 bis 35 Prozent verringern.
  • Mehr Kraft:  Besonders beim Bergaufgehen kann man dank „Allradantrieb“ mehr Kraft einsetzen, man kommt schneller voran und bleibt länger leistungsfähig. Die Beinmuskeln werden entlastet, gleichzeitig können auch Arm- und Oberkörpermuskulatur trainiert werden. Beim Gehen mit Stöcken werden bis zu 90 Prozent der gesamten Muskulatur aktiviert. Es werden also mehr Muskeln und diese gleichmäßiger beansprucht, dadurch kommt auch ein höherer Kalorienverbrauch zu Stande.
  • Mehr Sicherheit: Dank Stöcken kann man das Gleichgewicht besser halten, was sich vor allem auf schwierigeren Wegabschnitten bemerkbar macht: bei vereistem oder matschigem Untergrund, auf steilen und holprigen Bergabstrecken; Felsstufen kann man mit Doppelstockeinsatz leicht und schnell überwinden.

Teleskopstöcke nötig

Zum Wandern sind – anders als beim alpinen Schilauf, beim Langlaufen oder Nordic Walking – Teleskopstöcke erforderlich. Sie bestehen (meist) aus drei gleich langen Teilen, die sich beliebig auseinander- oder zusammenschieben lassen. Je nach Geländeneigung kann man ihre Länge optimal einstellen; verwendet man sie nicht, lassen sie sich am Rucksack befestigen. Auch für Schitouren sind Wanderstöcke übrigens besser geeignet als Schistöcke.

Rechts, links, rechts, links

Das Gehen mit Stöcken muss man nicht extra lernen, man geht nicht anders als ohne Stöcke. Dennoch sollten sich Anfänger ihre Gehbewegungen bewusst machen, um Fehler zu vermeiden. In der Regel erfolgt der Bewegungsablauf wie beim normalen Gehen diagonal, das heißt, wenn das linke Bein nach vorne geführt wird, beginnt der Stockeinsatz mit dem rechten Arm und umgekehrt. Aufgesetzt wird der Stock etwa in gleicher Höhe des gegenüber aufsetzenden Fußes (oder leicht davor). Ausnahmen vom diagonalen Einsatz gibt es in besonders steilem Gelände, vor allem beim Bergabgehen kann man mit dem gleichzeitigen Einsatz beider Stöcke (Doppelstockeinsatz) die Sicherheit erhöhen und Belastungen auf Wirbelsäule und Knie verringern.

Wie bei den Schistecken

Die Stocklänge sollte so gewählt werden, dass in Standposition Ober- und Unterarm einen rechten Winkel (90 Grad) bilden. Zumindest gilt dies für ebenes und schwach geneigtes Gelände. Je steiler es bergan geht, desto kürzer können die Stöcke eingestellt werden, je steiler bergab, desto länger. Bei längeren Hangquerungen kann es sinnvoll sein, die Stöcke unterschiedlich einzustellen: den unteren Stock länger, den oberen kürzer. Bei Richtungswechsel (auf einem Serpentinenweg) nimmt man die Stöcke jeweils in die andere Hand.

Manche Stöcke sind mit einer Federung ausgestattet; sie geben beim Aufsetzen etwas nach, was Handgelenke, Ellbogen und Schultern schont. Das ist gewiss ein Vorteil, allerdings sollte die Federung auch abgestellt werden können, weil sie nicht immer erwünscht ist. Beim Bergaufgehen bringt sie wenig und hat obendrein den Nachteil, dass sie die eingesetzte Kraft schluckt. Das Ein- und Abstellen des Federmechanismus wurde bei Black Diamond Ascent schlecht bewertet, weil sich die jeweilige Position auch ungewollt verstellen kann.

20 Modelle getestet

Wir haben 20 Modelle einer Labor- und Praxisprüfung unterzogen. Sechs Hersteller prägen den Markt: Komperdell, Kohla und Erbö aus Österreich, Leki und Exel aus Deutschland sowie Black Diamond aus den USA. Daneben gibt es einige Handelsmarken, die bei Markenfirmen produzieren lassen. So sind beispielsweise die Modelle Edelweiss von Komperdell und Outdoor Time bis auf die Bedienungsanleitung ident. Nicht immer sind No-Name-Produkte allerdings gleichwertig mit ihren Vorbildern. Beispielsweise TCM Natur Trail, ein kurzfristiges Angebot bei Tchibo/Eduscho, das weitgehend baugleich mit einem Markenprodukt war – bis auf die Verstellmutter des Spreizkeiles; die war aus Kunststoff statt aus Metall. Und prompt ist sie bei der Festigkeitsprüfung gebrochen.

Preise zwischen 20 und 110 Euro

Die Preise in unserer Auswahl schwanken zwischen 20 und 110 Euro. Fast alle Stöcke sind aus Leichtmetall (Aluminiumlegierungen), mit Ausnahme der beiden Modelle von Exel: Sie sind aus dem superleichten Material Carbon. Das erfordert übrigens ein eigenes System zum Verklemmen der drei Stockteile. Während üblicherweise ein innen liegender Spreizkeil, der durch Verdrehen der Stockteile auseinander getrieben wird, den Stock in der eingestellten Länge hält, wird dies bei Exel durch eine außen liegende Quetschhülse besorgt. Black Diamond weist ein drittes System auf: eine ebenfalls außen liegende Klemme. In der Praxis stießen die alternativen Befestigungen auf keine große Begeisterung (in der Tabelle: Punkt Teleskopverstellung), während sich die Spreizkeile meist problemlos verstellen ließen.

Festigkeit des Klemmsystems wichtig

Noch wichtiger als das Verstellen ist allerdings die Festigkeit des Klemmsystems. Wenn die Teleskopstöcke bei Belastung nachgeben, kann dies zu gefährlichen Situationen führen: Man könnte auf einem Steilhang das Gleichgewicht verlieren und in die Tiefe stürzen. Dazu wurden die Stöcke im Labor geprüft. Mit einem Drehmoment von 1,4 Newtonmeter– das entspricht etwa der Handkraft eines Erwachsenen – zusammengedreht, wurden sie einer Belastung bis 160 kg ausgesetzt. Nur 4 Modelle hielten mehr als 80 kg stand und wurden mit der Bestnote bewertet.

Naturkork wird mit der Zeit porös

Die Stockgriffe sind meist aus Kunststoff oder aus einem Kork-Gummi-Gemisch, das von vielen als angenehmer empfunden wird. Ähnliches gilt für die (moosgummiartigen) Neopren-Griffe von Komperdell. Naturkork (Black Diamond) wird mit der Zeit porös. Die meisten Griffe sind gerade. Geneigte Griffe (wie von Testsieger Leki) gelten als ergonomischer, sind aber wohl auch eine Frage der persönlichen Vorliebe. Sehr praktisch ist eine Griffverlängerung auf dem Schaft (eine etwa 20 cm breite Ummantelung des Stockes unterhalb des Griffes). Die beiden Komperdell-Modelle sind damit ausgestattet. Das erleichtert das Queren von Hängen – man braucht die Stocklänge nicht zu verstellen.

Noch ein Tipp: Bei langen Wanderungen kann die Haut an empfindlichen Stellen (Daumeninnenseite) aufscheuern. Handschuhe (Fahrradhandschuhe) bieten einen guten Schutz dagegen.

Austauschbare Stockspitzen

Die Stockspitzen sind einer großen Belastung ausgesetzt, es ist daher wichtig, dass sie ausgetauscht werden können, was leider nicht selbstverständlich ist. So manches Billigmodell kommt dann eigentlich ziemlich teuer, wenn man es wegen einer unbrauchbar gewordenen Spitze wegwerfen muss.

Auch die Teller sollte man einfach tauschen können. Statt der universell einsetzbaren kleinen Kunststoffteller kann man auch größere (nur gegen Aufpreis erhältlich) verwenden, was vor allem für Schitouren im Tiefschnee nötig sein wird. Und es gibt auch Gummipuffer, die man auf die Spitze stecken kann, wenn man die Wanderstöcke auf Asphalt einsetzen will.

Trocken und sauber

Abgesehen von der Reinigung benötigen die Stöcke keine spezielle Pflege. Man sollte darauf achten, dass die Rohre trocken und sauber sind; keinesfalls dürfen die Klemmverbindungen geschmiert werden.

Verschiedene Klemmsysteme

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Gehen als Trendsport
Nordic Walking – was ist anders?

Zunächst war es nur Sommertraining für Langläufer, doch in den letzten Jahren hat es sich in Skandinavien zu einem Massenphänomen entwickelt, und auch hier zu Lande ist Nordic Walking auf dem besten Weg zu einer Trendsportart. Eine der wenigen, die auch von (seriösen) Orthopäden vorbehaltlos empfohlen werden können.

Spezielle Stöcke. Der Bewegungsablauf ist dem Schilanglauf nachempfunden. Im Gegensatz zum Wandern mit Stöcken ist die Bewegung schneller, kraftvoller, exakter; man bleibt eher in ebenem Gelände auf befestigten Wegen (Asphalt). Es gibt spezielle Nordic-Walking-Stöcke – leichter und dünner als Wanderstöcke. Sie sind meist aus Carbon (oder Aluminium) und feststehend (also nicht zusammenschiebbar). Die Schlaufen müssen so eingestellt werden, dass sie eng an der Hand liegen.

  Die Griffverlängerung bei Komperdell macht sich bei Hangquerungen bezahlt

Einen Test von Nordic-Walking-Stöcken bringen wir in einer der nächsten Ausgaben.

Anbieteradressen

Black Diamond: board & climbing, Sonnberg 146, A-5771 Leogang, (0664) 421 02 16

ERBÖ: Böhm Ernst Sportartikel-Großhandel GmbH & CoKG, Figulystraße 25, A-4020 Linz, (0732) 65 33 36

Exel GmbH , Meisenstraße 3, D-83101 Rohrdorf-Thansau, (0049 8031) 274 50

High Colorado: Zentrasport Österreich reg.Gen.m.b.H., Ohlsdorfer Straße 10, A-4694 Ohlsdorf, (07612) 780-0

KilimAnjaro: Hervis Sports, Europastraße 1, A-5020 Salzburg, (0662) 43 52 84

Kohla-Tirol: Ibex Sportartikel GmbH, Rossaugasse 28, A-6021 Innsbruck, (0512) 335 10-0

Komperdell Ski Austria Sportartikel GmbH , St. Lorenz 300, A-5310 Mondsee, (06232) 42 01-0

Leki-Sport Handels GesmbH , Wolfurter Straße 4, A-6923 Lauterach, (05574) 620 60

Outdoor Time: Intersport Austria GesmbH, Flugplatzstraße 10, A-4600 Wels, (07242) 233-0

TCM: EDUSCHO (Austria) GmbH, Gadnergasse 71, A-1110 Wien, (01) 766 22

Kompetent mit Konsument

  • Stöcke – für wen? Auf jeden Fall für Personen mit Abnützungserscheinungen am Bewegungsapparat, mit Übergewicht oder bei schwerem Gepäck. Gesunde Erwachsene und vor allem Jugendliche sollten die Stöcke nicht ständig verwenden, um das Training der Gehtechnik nicht zu vernachlässigen.
  • Die besten sind teuer.  Der Spitzenreiter Leki Super Makalu kostet 100 Euro, bietet aber komplette Ausstattung. Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis weist das Nachbaumodell Outdoor Time Edelweiss auf. Für die 36 Euro gibt es aber keine Dämpfung, die Spitzen sind nicht austauschbar.
  • Sie dürfen nicht nachgeben.  So prüfen Sie die Festigkeit der Teleskopfixierung: Stützen Sie sich mit vollem Körpergewicht auf den Stock – die Teleskopteile dürfen nicht zusammenrutschen.

So haben wir getestet

20 verstellbare Wanderstöcke wurden einer technischen und einer praktischen Prüfung unterzogen.

Technische Prüfung: Zur Überprüfung der Festigkeit des Klemmsystems wurden die Stöcke mit einem Drehmoment von 1,4 Nm fixiert, in einer standardisierten Prüfapparatur eingespannt und einer vertikalen Kraft – ansteigend bis 160 kg – ausgesetzt. Zur Verifizierung des standardisierten Testverfahrens wurden die Testobjekte durch manuellen Kraftaufwand fixiert und abermals der dargestellten Prüfung unterzogen.

Praktische Prüfung: Acht Testpersonen unterschiedlichen Geschlechts und Alters beurteilten die Wanderstöcke hinsichtlich der vom Hersteller bereitgestellten Gebrauchsanleitungen sowie Griff, Schlaufe (Einstellung der Länge, Materialkomfort), Teleskopverstellung, Spitzentausch, Tellertausch, Dämpfung, Federungseinstellung, Spreizkeiltausch; weiters wurde das Gewicht beurteilt.

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