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Schischuhe - Auf der Suche nach Komfort

, aktualisiert am

  • Die neuen Modelle bieten wieder mehr Halt
  • Festen Halt ohne Druck gibt es nicht
  • Innovation auf kleine, aber feine Details beschränkt

Nur ein Glimmen am Horizont

Statt des angekündigten Lichtstreifens gab es nur ein kurzes Glimmen am Horizont: Soft- oder Komfortschuhe – so hieß es vor zwei Jahren – würden die geplagten Füße der Schifahrer künftig entlasten. Textil- und Lederteile in Kombination mit Kunststoff, Schnürungen statt Schnallen und ein geringeres Gewicht sollten den Tragekomfort deutlich erhöhen.

Softschuhe nicht für harte Pisten

Letztes Jahr hatten wir die erste Generation Softschuhe im Test. Das Ergebnis: Bei gemächlichem Gleiten auf einfachen und gut präparierten Pisten haben sie sich bewährt. Aber für sicheres Fahren auf anspruchsvollen, harten Pisten oder auch bei schwerem Schnee waren sie weniger geeignet. Denn da muss die Kraftübertragung vom Bein über den Schuh auf den Schi rasch und direkt
erfolgen, und das kann nur mit festem Halt funktionieren. Und eben der war bei den Softschuhen nicht ausreichend gegeben. Komfort und Funktionalität auf ein gleichermaßen hohes Niveau zu heben, war nicht gelungen.

 

Altbewährtes statt Softschuhen

Bei der Entwicklung der Komfortschuhe für die heurige Saison haben die Hersteller wieder auf die herkömmliche Machart zurückgegriffen. Die Schuhe haben nach vorne zu öffnende Kunststoffschalen und sind meistens mit drei bis vier Schnallen und Schaftband zu schließen. Schnürungen gibt es nur mehr vereinzelt. Die neuen Kollektionen wirken auf den ersten Blick sehr groß. Doch de facto bestehen sie aus einigen wenigen Basismodellen, die sich in Details, je nach Preisklasse, voneinander unterscheiden.

Niedrige bis mittlere Preisklasse

Wir haben die neuen Modelle (11 für Damen, 12 für Herren) der niedrigen bis mittleren Preisklasse technisch und praktisch geprüft. Welches Modell individuell das richtige sein könnte, hängt wesentlich vom Fahrstil, vom Können und nicht zuletzt von der Fußform ab. Ein Ziel unseres Praxistests war es daher herauszufinden, für welche Zielgruppen sich die Schuhe eignen.

Bequeme Schuhe nur zum Rutschen

Anfänger haben oft Probleme mit Schischuhen. Die ungewohnte Haltung, in die der Fuß gezwängt wird, das Gewicht, der strenge Verschluss … da ist die Verlockung schon groß, zu einem Modell zu greifen, das möglichst wenig einengt. Doch davon raten wir ab. Denn allzu bequeme Schuhe reichen gerade einmal zum Rutschen. Wer darüber hinaus ist, braucht mehr Halt und folglich andere Schuhe. Schade ums Geld für das erste Paar.

Standardleisten passen nicht auf jeden Fuß

Die meisten Modelle unseres Tests eignen sich für gemütliches Fahren bis hin zu technisch versierter Bewältigung schwieriger Pisten. Die Kraftübertragung Bein–Schi funktioniert weitgehend gut bis passabel, beim Performa CF von Salomon für Damen sogar sehr gut. Doch mit diesem eher weniger komfortablen Schuh werden wiederum nur sportliche Schiläuferinnen mit schlankem Fuß Freude haben. Ein Herrenmodell, Tecnica Entryx TS, konnten wir keiner Zielgruppe zuordnen.

Einfach einsteigen und schließen

Woran ist nun der aktuelle Komfortschuh zu erkennen? In der Theorie ist es ganz einfach: Einsteigen und Schließen sollten nicht viel Mühe bereiten, die Schischuhe sollten einen gut gepolsterten Schaftrand und einen weichen, anpassbaren, faltenfreien Innenschuh haben. Weiters sind Ausnehmungen für die Knöchel, Fersenbettung und ausreichend Platz für die Zehen ein Muss. Zudem sollte der Schaftverlauf bei Damenmodellen tulpenförmig sein, da Frauen einen niedrigeren Wadenansatz als Männer haben. Ist der Schaft zu eng, kann der Schuh vorne nicht fest geschlossen werden, was wiederum die Kraftübertragung mindert.

Zu wenige Leistenformen

Selbst wenn all diese Anforderungen einwandfrei erfüllt sind: In der Praxis bedeutet das noch lange nicht, dass jedes Modell für jeden Fuß komfortabel ist. Schischuhe werden nach wie vor über einige wenige Leistenformen erzeugt, doch Fußformen gibt es viele. Über die Schnalleneinstellung lässt sich die Schale nur bedingt an die Fußform anpassen. Kurz, welcher Schuh Ihnen passt, das können Sie so wie seit jeher ausschließlich durch ausgiebiges Probieren feststellen.

Auf Details geachtet

Doch es gibt etliche Kleinigkeiten, die in anderer Hinsicht für Komfort sorgen: eine Schlaufe, mit der sich die Schuhzunge vorziehen lässt, zum leichteren Einsteigen; einen Umstellmechanismus, mit dem die Schaftbewegung an das Fahren beziehungsweise Gehen angepasst werden kann; Gummieinsätze auf der Sohle, damit Sie auf dem Weg zum Lift oder auf dem gefliesten Boden der Schihütte nicht ausrutschen.

Kein herausragender Sieger

Auf diese Details haben wir letztendlich den Schwerpunkt unseres Tests gelegt. Ein Siegermodell schlechthin konnten wir unter den getesteten Komfortschuhen nicht ausmachen, sie unterscheiden sich in Funktionalität und Ausstattung nicht allzu sehr voneinander. Dem entsprechend liegen auch die Testnoten dicht beisammen. Die Differenz zwischen billigstem und teuerstem Schuh ist zwar recht groß (200 Euro bei den Herren-, 150 Euro bei den Damenmodellen), doch die Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Modell kann in diesem Fall nicht vorrangig vom Preis abhängig gemacht werden: Denn schmerzende Schuhe sind immer zu teuer erkauft.

Die besten Schischuhe für Damen

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Die besten Schischuhe für Herren

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Welcher Schuh passt?

  • Anprobe als Nachmittagstermin. Schischuhe probieren Sie am besten nachmittags, da die Füße im Lauf des Tages leicht anschwellen können, und mit solchen Socken, wie Sie sie auch zum Fahren verwenden. Kunststoffsocken sind besser als Wollsocken. Denn Kunststoff leitet Feuchtigkeit ab, Wolle saugt sie auf. Feuchte Füße werden über kurz oder lang zu kalten Füßen.
  • Passend zum Fahrstil. Informieren Sie den Verkäufer über Ihre Fahrkenntnisse und Ihren Fahrstil, damit er eine geeignete Vorauswahl treffen kann. Wer eher aufrecht fährt, findet mit etwas bequemeren Schuhen das Auslangen. Wer sportlich unterwegs ist, braucht Halt; das bedeutet auch Druck (nicht aber Schmerz!) durch den Schuh.
  • Bockige Schale. Kunststoffschalen sind bei Raumtemperaturen nachgiebiger als bei Kälte. Im Geschäft sollten Sie daher ohne allzu große Mühe in den Schuh einsteigen und die Schnallen schließen können, damit Sie später auch im Freien nicht auf Assistenz angewiesen sind.
  • Ausgiebig durchprobieren. Schuhe auf jeden Fall eine Viertelstunde anbehalten. Erst dann lässt sich feststellen, ob sie schmerzen.

Anfänger oder Profi? Zielgruppenbeschreibung

Die Zielgruppenempfehlungen in unserer Tabelle basieren auf folgender Einteilung:

  • Zielgruppe 1. Einsteiger mit geringem Fahrkönnen, bevorzugt blaue, gut präparierte Pisten, ist in moderatem Tempo unterwegs.
  • Zielgruppe 2. Hat bereits Gefühl für den Schi entwickelt, aber noch keine ausgeprägte Fahrtechnik, kommt auf leichten Pisten gut zurecht.
  • Zielgruppe 3. Durchschnittlicher Schifahrer, fährt blaue und rote Pisten, legt Wert auf gute Ausrüstung.
  • Zielgruppe 4. Technisch guter Schifahrer, fährt alle Pisten und im Gelände, legt großen Wert auf gute Ausrüstung.
  • Zielgruppe 5. Sehr guter, sportlicher Schifahrer (Schilehrer-Niveau), beherrscht die Schi auch bei hohem Tempo und schwierigen Pistenverhältnissen, sucht nach dem besten Material.
  • Zielgruppe 6.   Der Rennläufer.

Anbieteradressen:

  • Dal Bello Sportschuh GesmbH , Rummerweg 1, A-5600 St. Johann im Pongau, (06412) 53 60-0
  • Head Sport AG , Wuhrkopfweg 1, A-6921 Kennelbach, (05574) 608-0
  • Lowa Sportschuhe GesmbH , Breitenaich 50, A-4973 St. Martin im Innkreis, (07751) 89 17-0
  • Rossignol Österreich GmbH , Bernhard-Höfel-Straße 14, A-6020 Innsbruck, (0512) 36 45 85-0
  • Salomon Österreich GmbH , Adi-Dassler-Gasse 6, A-9073 Klagenfurt-Viktring, (0463) 29 46 09
  • Tecnica: Sportivo Sportartikel VertriebsgesmbH, Sportplatzstraße 357, A-5541 Altenmarkt, (06452) 203 57

Kompetent mit Konsument

  • Gut zu fahren. Die Kraftübertragung funktioniert mit allen Modellen recht gut. Etliche sind auch für schwierige Pisten und anspruchsvolle Fahrten im Gelände geeignet.
  • Weitgehend ähnlich. Die Modelle unterscheiden sich hauptsächlich in Details voneinander. Ob ein Schuh passt, lässt sich nur durch ausgiebiges Probieren feststellen.
  • Nette Kleinigkeiten. Rutschfester Gummi auf der Sohle, eine Schlaufe auf der Schuhzunge und die Möglichkeit, den Schaft auf Fahren oder Gehen einzustellen, sollten vorhanden sein.

So haben wir getestet

11 Damen- und 12 Herrenmodelle in einer Preiskategorie von Euro 150,- bis 350,- wurden im Labor und auf der Piste getestet, wobei der technische Teil mit 40 Prozent und der praktische Teil mit 60 Prozent das Testurteil beeinflussten.

Die technische Prüfung umfasste 14 Teilprüfungen, der Praxistest 23. Ein Schischuhtest, der nicht auf Leistung und Passform abgestimmt ist, sondern auf Bedienungsfreundlichkeit und Komfort. Fehlender Komfort, wie z.B. Umstellfunktionen für Gehen/Stehen/Schilauf etc. wurden daher negativ beurteilt. Das ist auch der Grund, warum keines der getesteten Modelle die Note "sehr gut" erhielt.

Markenhersteller wie Atomic, Kneissl, Nordica und Dolomite konnten in den Test nicht einbezogen werden, da zum Testzeitpunkt keine fertigen Modelle zur Verfügung standen.

Der Test gliedert sich in eine technische Prüfung, einen Praxistest und in eine Zielgruppenempfehlung.

TECHNISCHE PRÜFUNG
Sie umfasst die Beurteilung folgender Punkte:

Größenangaben
Messung und Beurteilung der Differenz zwischen angegebener und effektiver Größe (Mondopoint)

Verarbeitung
Verarbeitung des Innenschuhs, Nähte, Falten, Lasche- und Ausführung und Schutz gegen Verschiebung. Materialbeständigkeit gegen Druck, besonders im Knöchelbereich. Neigung zur Rauhigkeit im Einstiegsbereich.

Schaftbewegung
Erfolgt die Schaftbewegung in Richtung Schispike, bewegt sich der Schaft mit dem Bein, oder wird nur der Schaft gedehnt. Nimmt der Widerstand gegen den Beindruck zu (ansteigender Schaftwiderstandsverlauf)? Ist die Bewegung groß genug (30 bis 35° von der Senkrechten)? Sind die Stellung und die Ausnehmung für Innen- und Außenknöchel berücksichtigt?

PRAKTISCHE PRÜFUNG

Einstieg
Öffnen des Einstieges und Vorziehen der Lasche. Beurteilung der Einstiegsöffnung und des Hineingleitens für nicht sehr gelenkige Füße in Wollsocken (Socken ohne Struktur jedoch mit durchschnittlicher Rauhigkeit) bei Raumtemperatur ca. 20°C. Bei Damenschuhen Berücksichtigung der Wadenstärke und des Wadenansatzes.

Schließen
Handhabung, Verstellmöglichkeit, Wirkung auf Schale und Schaft. Beurteilung der Anpassungsmöglichkeit durch Schließenerstellung an die Fußform. Beurteilung der Handhabung mit Schihandschuhen. Ist ein Schaftband vorhanden, so wird seine Stabilität und Wirkung in die Beurteilung dieses Punktes miteinbezogen.

Kraftübertragung
Beurteilung, ob der Schuh durch seine Gesamtkonstruktion die Kraftübertragung von Beim auf den Schi aktiv unterstützt. Beurteilung im Hinblick auf den Schaufeldruck und die seitliche Stabilität beim Aufkanten.

Tragekomfort
Zusammenfassung einer Reihe von Einzelbeurteilungen wie z.B. Gehen und Stehen, Schaftrandabschluss, Schlaufe an der Zunge oder Schale zur Erleichterung des Einstieges, Umstellfunktion für Gehen und Schifahren. Fersenbettung, Zehenfreiraum, griffige und leicht gerundete Absatzkante, druckstellenfreier Innenschuh (Nähte).

ZIELGRUPPENEMPFEHLUNG
Unabhängig davon, ob die allgemeine Beurteilung (Testurteil) "sehr gut" oder nur "durchschnittlich" ist, bestimmt ausschließlich der Anwender, ob das Produkt seinen Ansprüchen genügt. Für die einzelnen Modelle wird daher auch eine Zielgruppenempfehlung ausgewiesen, wobei nach unserer Ansicht ein Modell nur für zwei ineinandergreifende Zielgruppen gut geeignet sein kann.

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