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Schi - Preis-Slalom

, aktualisiert am

  • Prospekt-Preise sind reine "Hausnummern".
  • Sondermodelle sind durchaus konkurrenzfähig
  • Damen- und Herrenschi in den Eigenschaften ähnlich

Bei der Unterkunft boomen Pauschal-Angebote, bei den Schi entwickelt sich die Sache ähnlich, nämlich in Richtung Set-Angebote, bestehend aus "Brettln" und Bindung.

Trend geht zum Set

Die Industrie argumentiert mit der optimalen Abstimmung zwischen Schi und Bindung und hat damit durchaus Recht. Andererseits sind in der Schi-Industrie viele Firmen eng miteinander verwoben und haben Interesse daran, die Produkte des eigenen Konzerns im Paket zu verkaufen. Aber Herr und Frau Durchschnitts-Österreicher, die höchstens ein bis zwei Wochen im Jahr über die Pisten carven, sind möglicherweise gar nicht gewillt, sich mit Details auseinander zu setzen, die über den Preis und das Design hinausgehen. Der Fachhandel hat jedenfalls mit Set-Angeboten begonnen, und die Hersteller sind auf den Zug aufgesprungen.

Schi für den Durchschnittsfahrer

Jetzt aber zu den Fakten des aktuellen Tests: Vorgabe war ein Richtpreis von ungefähr 300 Euro ohne Bindung. Dafür bekommt man keine Spitzenmodelle, aber brauchbare Schi, die dem Durchschnittsfahrer Spaß machen und meist auch seine Fahrfehler verzeihen. Daher finden sich in der Tabelle keine "sehr guten", aber entsprechend viele "gute" Modelle. Ganz wichtig ist, dass die Schi die klassischen, gerutschten Schwünge, die vielen von uns noch aus der Alpinschi-Zeit in den Beinen stecken, ohne großes Aufsehen schlucken. Was die Schilänge betrifft, so werden die Carver weiterhin sehr kurz gefahren. 181 Zentimeter sind derzeit die Obergrenze bei den getesteten Modellen.

Damen- und Herrenmodelle im Vergleich

Zu Vergleichszwecken haben wir diesmal Damen- und Herrenmodelle getestet. Allgemeine Kennzeichen der erstgenannten sind zum Beispiel ein geringeres Gewicht bei gleicher Länge und eine weichere Schaufel, die etwas mehr Komfort bieten soll. Unsere Testerinnen und Tester sind sämtliche Schi gefahren und siehe da: Es ergaben sich letztlich keine Präferenzen. Die Frage ist berechtigt, ob die speziellen Damenschi nicht doch eher eine Marketingsache sind. Die Gewichtsfrage stellt sich im Übrigen weniger beim Fahren als vielmehr beim Tragen.

Stark im Kommen sind die im Handel preisgünstig angebotenen Sondermodelle. Die Sache kann man sich in etwa so vorstellen, dass der Händler aus der Palette eines Herstellers ein bestimmtes Modell in großer Stückzahl und mit neuer Modellbezeichnung ordert.

Tarnen und täuschen

So wird beispielsweise aus einem Atomic C 9.18 ein Atomic C 9.16 – oder auch nicht. Und genau hier liegt die Unsicherheit für die Kunden. Denn in den Verkaufsgesprächen wird oft damit argumentiert, dass ja eigentlich dieses oder jenes Modell dem Angebots-Schi entspreche. Der Kunde hat aber nicht einmal die Möglichkeit des Preisvergleichs, weil der Schi bei der Konkurrenz zum Beispiel C 9.21 heißt und in den Hersteller-Katalogen gar nicht aufscheint.

Sondermodelle konnten mithalten

Dass ein Sondermodell nicht grundsätzlich etwas Schlechtes sein muss, beweist allerdings unser Test. Hier konnten die Sondermodelle gut mit der Konkurrenz aus der Serie mithalten und fanden auch bei unseren Testfahrern Gefallen.

Qualität meist in Ordnung

Ausreißer gab und gibt es überall, wie die technische Prüfung zeigt. Es handelt sich dabei nicht um die Simulation von Fahrsituationen, sondern um eine Qualitäts-Vergleichsprüfung. Ein Schi, der bei der technischen Prüfung schlecht abschneidet, kann in der Praxis dennoch überzeugen und wird auch nicht beim ersten Schwung aus dem Leim gehen. Trotzdem sagt die Prüfung etwas über die Verarbeitungsqualität aus. Im Großen und Ganzen ist die Qualität in der getesteten Preisklasse zufriedenstellend.

Grobe Verrenkungen beim Preis

Zum Stichwort Preis noch ein kurioses Erlebnis: Wir haben im Fachhandel ein Paar eines Sondermodells im Angebot für 299 Euro inklusive Bindung gekauft. Acht Tage später kam der neue Prospekt heraus, in dem die Schi in Aktion angeboten wurden: für 299 Euro ohne Bindung! Wenige Wochen danach begann der Winterschlussverkauf. Da kostete dasselbe Modell mit Bindung 399 Euro und im klein Gedruckten stand: "statt 599 Euro". Ein Beweis mehr, dass „Statt“-Preise nicht mehr bedeuten als eine "Hausnummer".

Tipps für ein langes Schileben

  • Schi pflegen. Nach dem letzten Schwung sollten Sie den Schnee von Schi und Bindung entfernen und sie trockenwischen. Auf dem Autodach vor Nässe und Salz schützen.
  • Regelmäßiger Service. Lassen Sie Belag und Kanten – je nach Beanspruchung – zumindest einmal jährlich warten. Dies erhöht die Sicherheit und den Fahrspaß. Am besten für den Schi ist die Durchführung des Service gleich am Saisonende.
  • Bindung überprüfen lassen. Schmutz und Abnützung können die Funktion beeinträchtigen. Zur jährlichen Überprüfung die Schischuhe mitnehmen!

Schihelme - Schutz für kluge Köpfe

Harte Pisten. Während der Fahrradhelm mittlerweile bei Kindern und Erwachsenen „gesellschaftsfähig“ geworden ist, steht diese Entwicklung im Schisport noch aus. Dabei sind präparierte Pisten aufgrund des Kunstschnee-Einsatzes kaum weicher als Asphalt, und die Geschwindigkeiten sind mit der Einführung der Carving-Schi gestiegen. Im freien Gelände lauern unter der Schneedecke Felsen und Baumstümpfe oder werden Äste zur heimtückischen Falle.

Der Großteil der Kopfverletzungen sind Gehirnerschütterungen, Platzwunden und Gesichtsverletzungen. Ein Hartplastik-Schihelm könnte nach Angaben des Instituts „Sicher Leben“ rund 85 Prozent aller schweren Kopf- und Gehirnverletzungen verhindern.

Auch Leihhelme. Das Angebot an Kinder- und Erwachsenenhelmen ist mittlerweile recht groß, die Preise bewegen sich zwischen 25 und 100 Euro. Im Fachhandel und in Schischulen gibt es auch Leihhelme. Der Helm sollte ohne Mütze darunter getragen werden und

  • der Norm EN 1077 entsprechen,
  • nicht drücken, aber auch nicht wackeln (durch Kopfschütteln testen!),
  • auch mit Schi- oder Sonnenbrille bequem zu tragen sein,
  • einen mindestens zwei Zentimeter breiten, mit der Helmschale fest verbundenen Kinnriemen haben.

Kompetent mit Konsument

  • Nicht schlechter. Die von den Sportfachhandelsketten angebotenen Sondermodelle stehen im Großen und Ganzen nicht hinter den Serienmodellen zurück. Der Nachteil: Sie wissen nicht, welcher Schi tatsächlich dahinter steckt.
  • Probe fahren. Nützen Sie vor dem Kauf das Schiverleihangebot der Fachhändler, und fahren Sie mehrere Modelle Probe. Ein entscheidender Unterschied (Design ausgenommen) zwischen Damen- und Herrenmodellen trat im Praxistest nicht zu Tage.
  • Seitenradius wichtig. Er ist längen- und modellabhängig. Ein kleiner Radius bedeutet enge Kurven und eignet sich gut für kurze Schwünge.

So haben wir getestet

Im Test
34 Allround-Schi in der Preisklasse von rund 300 Euro (ohne Bindung). Davon 12 Damen-, 12 Herren- und 10 Sondermodelle.

Praxistest
Die Schi wurden von Testfahrern unterschiedlicher Könnensstufen in Anlehnung an die Önorm ISO 8783 Probe gefahren. Bewertet wurden Fahreigenschaften (Schwingen), Schidynamik sowie Komfort/Toleranz auf einem vorgegebenen Kurs. Zusätzlich wurde auf nicht präparierten Pisten im Gelände getestet.

Technische Prüfung
Die Ausreißfestigkeit der Kanten wurde mit einem Schlagpendel (definiertes Gewicht und Fallhöhe) geprüft. Es wurden Schläge an zwei verschiedenen Stellen eines Schi durchgeführt und danach die Verformung der Kante gemessen. Die Kantenstärke wurde durch Vermessen der Kante in der Schimitte ermittelt.
Vor der Prüfung beim Aufpralltest wurden die Schi bei minus 20 °C zwölf Stunden lang gelagert. Dann wurden Schaufel und Schiende mit unterschiedlichem Gewicht (dreimal mit 50 kg, einmal mit 60 kg und einmal mit 70 kg) hochgezogen, auf eine Stahlplatte aufgeschlagen und danach auf sichtbare Schäden überprüft.

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