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Laufschuhe im Test - Dämpfen oder stützen

  • Herrenmodelle mit Stoßdämpfung und/oder Stützfunktion
  • Geringe Lebensdauer auch bei teuren Modellen
  • Wie billig können gute Laufschuhe sein?
  • Bei dem riesigen Angebot an Laufschuhen fällt es schwer, das richtige Modell zu finden. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist die Beschaffenheit der Sohle. Diese ist nicht nur eine Hülle, sie muss bestimmte Funktionen erfüllen. Sie soll die Belastung beim Aufprall auf dem oft harten Boden dämpfen – das geschieht durch den Einbau weicher Dämpfungsmaterialien, die aber auch nicht zu weich sein dürfen, damit der Fuß nicht seinen Halt verliert. Auch durch eine effiziente Druckverteilung auf Ferse und Vorfuß kann die Sohle die ­Belastung vermindern.

    Dämpfung und Stützfunktion

    Andererseits hat sie aber auch eine Stützfunktion. Beim Aufsetzen sinkt der Fuß nach innen und sorgt so für eine natürliche Dämpfung (Pronation). Bei einer Überpronation sinkt der Fuß zu stark nach innen, sodass Sehnen, Gelenke und Bänder stark belastet werden und in der Folge auch Knie- und Hüftschmerzen auftreten können. Eine Versteifung der Sohle (Prona­tionskontrolle) kann diese Überpronation verhindern.

    Zwei Gruppen von Laufschuhen

    Damit lassen sich zwei Gruppen von Laufschuhen unterscheiden: neutrale, die die Stützfunktion eher gering halten und den Schwerpunkt auf die Dämpfung legen, sowie Stabilschuhe, bei denen die Stützfunk­tion im Vordergrund steht. Denn letztlich ist Dämpfen und Stützen ein Gegensatz. Bei Sohlen mit extremer Versteifung geht die dämpfende Wirkung stark verloren und ­umgekehrt. Alle Markenhersteller haben mehrere Modelle im Angebot, bei denen diese widerstreitenden Faktoren in unterschiedlichem Verhältnis zueinander stehen.

    Lesen Sie auch Laufschuhe: Hersteller im Ethik-Test 6/2009

    Dämpfen und Stützen

    Das richtige Verhältnis

    Das optimale Verhältnis zwischen Dämpfen und Stützen gibt es nicht, es hängt vom Benutzer ab. Viele Freizeitsportler werden vermutlich eine gewisse Stützfunktion benötigen und auch zu schätzen wissen. Es gibt aber auch eine Menge Läufer, die einen sauberen Laufstil haben und keine Fehlhaltung aufweisen. Für sie sind Neutral-Laufschuhe die bessere Lösung, weil sie den natür­lichen Bewegungsablauf weniger beeinflussen. Wir haben im vorliegenden Test die Dämpf- und Stützeigenschaften einer Auswahl gängiger Herrenmodelle im ­Labor gemessen, diese aber aus besagten Gründen nicht bewertet, daher gibt es auch kein Endurteil. Beurteilt wurde jeder Schuh hingegen in drei Einzelkategorien: nach der Bewertung durch 20 Testläufer in der Praxis, nach der Überprüfung durch zwei Orthopäden und schließlich in puncto Haltbarkeit.

    Eklatante Unterschiede im Praxistest

    Die Unterschiede sind beträchtlich – die besten Modelle (Adidas, Asics, Mizuno) heimsten im Praxistest fast 80 Prozent der möglichen Punkte ein, am anderen ­Ende musste sich der Nike Zoom Victory mit 44 Prozent zufriedengeben. Orthopädisch gab es wenig zu beanstanden, in den ­meis­ten Fällen wurde die Fußfreundlichkeit bei Konstruktion und Verarbeitung mit sehr gut bis gut eingestuft. Weniger Freude machte hingegen der Punkt Haltbarkeit.

    Passable Modelle auch um 50 Euro

    Abnutzungserscheinungen sind bei allen Modellen ziemlich bald aufgetreten, bekannte Schwachpunkte sind dabei die Einlegesohle und das Fersenfutter, das schnell abgewetzt wird. In diesen Prüfungen gab es fast keine Note über „durchschnittlich“. Die meisten Testkandidaten konnten sich nur durch Bestnoten in der Biegefestigkeit der Sohle ein „gutes“ Gruppenurteil in der Haltbarkeit sichern – Sohlenrisse sind also kaum zu befürchten (unrühmliche Ausnahme: Asics).

    Neben den teuren Markenmodellen, die meist weit über 100 Euro kosten, wurden zum Vergleich auch preiswerte Modelle herangezogen. Darunter befinden sich nicht nur Angebote der üblichen Handelskonzerne, sondern auch zwei Billigschuhe von Markenfirmen: Adidas und Nike. Preis laut Hersteller: 50 Euro.

    Laufschuhe um 10 Euro?

    Es gibt aber noch weit billigere Angebote auf dem Markt. Bei Lidl war ein Laufschuh­modell um ganze 10 Euro in den Regalen zu finden. Da bei Aldi, Lidl oder Reno die Angebote schnell wechseln, wurden deren Modelle zwar mitgetestet, aber nicht in die Übersicht einbezogen. Nur so viel sei erwähnt: Sie konnten in keiner Weise zufriedenstellen. Weder die Testläufer noch die Orthopäden waren mit diesen Schuhen ­zufrieden, und auch die Haltbarkeit ließ zu wünschen übrig. Nicht so bei den Modellen, die 40 bis 50 Euro kos­ten: Sie konnten mit den teuren Markenmodellen (zumindest mit dem unteren Drittel) mithalten. Am bes­ten wurde von den Testläufern das Adidas-Modell bewertet, mit immerhin 62 Prozent des Punktemaximums. Nicht viel schlechter der Schuh von Deichmann, der orthopädisch sogar besser bewertet wurde; dagegen fiel Nike schon etwas ab. Die Lehre daraus: Man kann Laufschuhe schon zu einem mode­raten Preis kaufen, ohne befürchten zu müssen, sich die Füße zu ruinieren.

    Soziale Verantwortung ebenfalls überprüft

    Man sollte aber auch daran denken, durch den Kauf seiner Laufschuhe nicht die Umwelt zu schädigen oder die Arbeiter auszubeuten. Wie sehr die Hersteller ihre soziale Verantwortung wahrnehmen, wurde in ­einem Ethik-Test untersucht. Nur Adidas schaffte es, sowohl im Produkt- als auch im Ethik-Test im ­Spitzenfeld zu landen.

    Tabelle: Laufschuhe

    Zusammenfassung

    Laufschuhe: Kompetent mit "Konsument"

    • Laufverhalten. Neigen Sie zum seitlichen Einknicken, brauchen Sie stark gedämpfte Schuhe? Den Laufstil erkennt man am besten auf einem Laufband mit Videokamera (größere Sportgeschäfte haben so etwas).
    • Probelauf. Vor dem Kauf Probe laufen, am besten nachmittags, da die Füße im Tagesverlauf anschwellen.
    • Daumenfrei. Achten Sie nicht auf Schuhgrößen, das Tohuwabohu mit europäischen, britischen (UK-) und US-Größen ist selbst für Experten schwer zu durchschauen. Die richtige Größe haben Sie dann gefunden, wenn im Zehenbereich eine Daumenbreite frei ist und der Schuh dennoch fest sitzt.
    • Damenmodelle. Frauen brauchen speziell konstruierte Modelle. Sie können sich aber am Testergebnis der Herrenmodelle orientieren, denn die Eigenschaften der Herren- und Damenversion eines Modells sind (das zeigte sich bei früheren Tests) meist ähnlich.

    Testkriterien

    Testkriterien 

    Im Rahmen einer internationalen Kooperation wurden Herren-Laufschuhe getestet. Für den Test wurden neutrale Schuhe und solche mit Pronationskontrolle (Stützfunktion) sowie Niedrigpreis-Modelle ausgewählt. Für die Biomechanik wurde kein Gruppenurteil vergeben, somit wurde auch auf ein Endurteil verzichtet.

    Praktische Prüfung

    20 erfahrene Läufer (10 Überpronierer und 10 Normalfußläufer) legten mit jedem Schuh eine Strecke von 5 km zurück. Nach jedem Lauf beurteilten die Testläufer den Schuh mithilfe eines Fragebogens. Bewertet wurden u.a. Gesamteindruck, Fußkomfort (Passform, Druckstellen, Fußklima), Abrollverhalten, Stützfunktion und Dämpfung. Jeder Läufer musste die drei besten und die drei schlechtesten Testschuhe bestimmen. Passform und Komfort wurden zusätzlich mit einem ausgewählten Vergleichsschuh ermittelt.

    Biomechanik

    Die biomechanischen Prüfungen erfolgten an den eingelaufenen Schuhen (nach 100 km). 21 erfahrene Läufer führten mit jedem Schuh 5 Versuche auf einer definierten Messstrecke im Labor durch.

    Für die Stützfunktion (Pronationskontrolle) wurden Pronationsausmaß und -geschwindigkeit mittels Elektrogoniometer erfasst (Messen des Achillessehnenwinkels und der Beschleunigung an der inneren Schienbeinkante). Für die Stoßdämpfung wurden die maximale Beschleunigung an der inneren Schienbeinkante (mediale Tibia), die Kraftanstiegsraten und das Frequenzspektrum des Vertikalkraftsignals gemessen.

    Die Druckverteilung (maximale Druckbelastung sowie die jeweiligen Druckanstiegsraten an der Ferse und am Vorfuß) wurde an sieben definierten Punkten unter dem Fuß mittels Drucksensoren gemessen.

    Orthopädische Beurteilung

    Ein Orthopäde und ein Orthopädie-Schuhtechniker beurteilten Fersenführung, Flexibilität der Sohle, Abrollverhalten des Schuhs, Torsion, Schnürung, Passform und Zehenfreiheit.

    Haltbarkeit

    Der Abrieb an Fersenfutter und Einlegesohle wurde in Anlehnung an die DIN EN ISO 12947 untersucht. Nach jeweils 25.600 Reibtouren wurden die Materialproben gesichtet und das Ausmaß der Schäden wurde beurteilt. Die Biegefestigkeit der Sohle wurde in Anlehnung an DIN EN ISO 17707 ermittelt. Nach 30.000 Biegungen wurde jede Schuhsohle auf Erweiterung der Einstichstelle, Spontanrisse und Schäden an anderen Stellen der Sohle untersucht.

     

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