Buggys und Kombi-Kinderwägen - Chemie an Bord

  • Nur vier Modelle sind schadstofffrei
  • Beim Komfort herrscht Verbesserungsbedarf

Auf Schadstoffe untersucht

Finger, Zehen, Spielzeug, ein Polsterzipfel, die Haltestange des Kinderwagens – Babys lutschen gerne an allem, was nur irgendwie erreichbar ist. Schlimm, wenn ausgerechnet Produkte für die Kleinen mit Schadstoffen belastet sind. Die deutsche Stiftung Warentest hat Buggys getestet und auf schädliche Substanzen untersucht: Schockierendes Ergebnis: Bei den meisten Modellen wurde sie fündig. Die Schadstoffe (unter anderem Weichmacher) stecken in Griffen, Schutzbügeln, Polstern und Textilbezügen – also in Teilen, die die Eltern berühren müssen und an die auch die Kleinen leicht herankommen.

Es geht auch ohne

Nach heutigem Wissensstand ist das zwar nicht akut gefährlich, doch was eine Dauerbelastung über mehrere Jahre bewirkt und ob oder wie sich mehrere bedenkliche Stoffe ergänzen, ist offen. Noch dazu sind die potenziell gefährlichen Substanzen im Kinderwagen komplett unnötig. Denn dass es auch ohne geht, beweisen Peg-Pérego Pliko lite, Graco CitiSport, Mini Star by Hauck und Stokke Xplory Complete – sie alle sind schadstofffrei.

Für kleine Städter

Ein weiteres ernüchterndes Ergebnis des Tests ist, dass der ideale Kinderwagen für jedes Alter noch nicht erfunden wurde. Buggys sind für Kinder geeignet, die bereits gut alleine sitzen können. Das ist frühestens mit einem halben Jahr der Fall. Davor ist ein Wagen mit Liegeaufsatz die richtige Wahl. Buggys können in etwa bis zum dritten Geburtstag benutzt werden (als Obergrenze geben die Hersteller meist 15 Kilo Körpergewicht an).

Wenig komfortabel

Buggys mit ihren kleinen Rädern eignen sich zum Fahren auf Asphalt, geländegängig sind sie in der Regel nicht. Wenn Sie viel auf unbefestigten Wegen fahren, sind Sie mit einem Sportwagen mit großen Rädern besser dran. In der Stadt können Buggys aber gute Dienste leisten und dem Nachwuchs zwischendurch Gelegenheit zum Ausruhen bieten. Alle Wagen im Test lassen sich auch zum Liegen einstellen. Klar, dass sie sowohl für die Kleinen als auch für die Großen komfortabel sein sollten. Doch daran hapert es oft.


Lesen Sie auch unserenBuggys - Nichts für Babys.

Kinder probesitzen lassen

Peg-Perego Pliko lite, das beste Modell im Test, ist für die Kleinen recht gut gerüstet: angemessen gefedert, mit gutem Gurtsystem und ebensolchem Regenschutz. Doch der Sitz ist ziemlich schmal. Für kräftigere Kinder wird es darin schnell zu eng.

Damit sich die Kleinen wohl fühlen, ist auch eine gute Fußstütze wichtig, die sich im Idealfall individuell anpassen lässt. Doch damit ist nur der teure Stokke ausgestattet. Bei manchen Modellen sind die Stützen sogar so weit vom Sitz entfernt, dass die Füße kleinerer Kinder in der Luft baumeln. Lassen Sie Ihren Nachwuchs daher unbedingt Probe sitzen, bevor Sie sich für einen Kinderwagen entscheiden.

Aufklappen kann mühsam sein

Und probieren Sie Modelle der engeren Wahl auch selbst gründlich durch: Denn nicht alle Buggys sind rundum praktisch. Speziell mit dem Zusammenfalten und Aufklappen hatten die Tester oft ihre liebe Mühe. Eher umständlich ist mitunter auch das Sichern gegen Wegrollen. Bei manchen Modellen sind rechtes und linkes Rad nur separat zu blockieren. Und natürlich sollten sich die Bremsen ohne übermäßigen Kraftakt oder Zurückschnalzen des Bremshebels wieder lösen lassen.

Handling ausprobieren

Drehen Sie einige Runden im Geschäft und – sofern möglich – auch außerhalb: Gibt Ihnen das Modell genügend Schrittfreiheit, lassen sich Stufen problemlos bewältigen? Auch die Schieberhöhe muss passen. Umso besser, wenn sie sich noch verstellen lässt. Vergessen Sie auch nicht auszuprobieren, ob Sie den Wagen problemlos in Ihrem Auto verstauen können.

Hoco nicht dabei

Falls Sie in der Tabelle Buggys des österreichischen Erzeugers Hoco vermissen: Hoco stellt derzeit das Sortiment um und ist deshalb in diesem Test nicht vertreten.

Was gibt es wo?

  • Peg-Perego:  Das Modell von Peg-Perego  ( www.peg.de ) finden Sie in den Möbelhäusern Kika und Lutz sowie den Kinderwagenfachgeschäften BabyOne, Baumgarten, Dohnal und Gutwein in Wien bzw. Harrer in Landeck.
  • Esprit vertreibt die Firma Hauck  ( www.hauck-group.de ), gesehen haben wir den Buggy aber auch bei Lutz.
  • Herlag ( www.kettler.net ) können Sie direkt über Kettler Austria, Ginzkeyplatz 10, 5020 Salzburg bestellen.
  • Graco  ( www.graco.de ) gibt es bei Lutz, Chicco ( www.chicco.de ) bei Kika, Lutz, Toys ’R’ Us, BabyOne und Gutwein.
  • Inglesina   ( www.inglesina.com ) ist erhältlich bei Kika, Lutz, Baumgarten bzw. Gutwein und Harrer.
  • ABC Design  ( www.abc-design.de ) finden Sie im Möbelhaus Leiner
  • Bebe Confort  ( www.bebeconfort.com ) bei Gutwein und Harrer.
  • Maclaren  ist erhältlich bei Kika, Lutz, Baumgarten, Dohnal, Gutwein und Harrer.
  • Hauck  ( www.hauck-group.de ) gibt es bei Lutz und Baumgarten.
  • Stokke  ( www.stokke.de ) finden Sie bei Lutz, Dohnal und Gutwein.
  • Bugaboo  ( www.bugaboo.com ) bei Kika, Lutz, BabyOne, Baumgarten, Dohnal und Gutwein sowie Harrer.

Alle Angaben vom Sommer 2006.

Chemie-Cocktail im Kinderwagen

Folgende Schadstoffe wurden gefunden:

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK): Quelle sind Teeröle in der Gummiherstellung. PAK gelten als krebserregend und erbgutschädigend. Sie gehen schon bei kurzem Kontakt mit belasteten Teilen auf die Haut über, vor allem wenn man schwitzt oder eingecremte Hände hat. Insbesondere schwarze, weiche Gummiteile, die stinken, können PAK-hältig sein.

Phthalate (Weichmacher): Machen PVC weicher. Sie können die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen, Leber und Nieren schädigen. Einige besonders kritische sind zwar in Kinderspielzeug, aber nicht in Kinderwagen verboten. Im Test wurden Phthalate in vielen Kunststoffteilen und in Regenhauben gefunden. Auch hier gilt: Was stark riecht, ist verdächtig.

Organozinnverbindungen: Sie kommen in Textilien vor und stehen unter Verdacht, das Hormonsystem negativ zu beeinflussen.

Reaktion nach dem Test

Mit Entsetzen und Unverständnis haben wir den Test Kinderbuggys ausgewertet, da an unserem Modell 202432 Jet 6 h-sports orange eine unangemessene Konzentration an PAK nachgewiesen wurde. Hier muss es sich eindeutig um einen „Bewertungsfehler“ seitens der Stiftung Warentest handeln.

Laut unserem Prüflabor liegen alle PAK-Werte in Schiebegriffen, am Schutzbügel, im Kopfbereich und an der Fußstütze unterhalb der Bestimmungsgrenze.

Hauck GmbH + Co.KG

Buggys: Kompetent mit Konsument

  • Nichts für die ersten Monate. Buggys sind erst für Kinder ab einem halben Jahr geeignet (sie müssen schon gut alleine sitzen können).
  • Die beste Wahl. Peg-Pérego Pliko lite um 189 Euro verfehlte nur knapp ein „gut“. Für Preisbewusste mit zartem Kind kommt noch der sehr enge Graco CitiSport um 139 Euro infrage. Beide Modelle sind schadstofffrei.
  • Teure Stadtwagen. Stokke Xplory Complete und Bugaboo Cameleon sind sowohl mit Liege- als auch mit Sitzaufsatz ausgestattet und kosten wesentlich mehr als Buggys. Im Test kamen auch sie über ein „durchschnittlich“ nicht hinaus.

Buggys: So haben wir getestet

Im Test: 15 Kinderwagen, darunter 13 Buggys für Kinder ab zirka sechs Monaten sowie exemplarisch zwei hochpreisige Stadtwagen mit zusätzlichem Liegeaufsatz für Säuglinge.

Einkauf der Prüfmuster: Januar bis Februar 2006. Preise: Anbieterbefragung im April und Mai 2006.

ABWERTUNGEN

Bei „weniger zufriedenstellender“ Schadstofffreiheit wurde das Qualitätsurteil um eine halbe Note abgewertet, bei „nicht zufriedenstellender“ Schadsfofffreiheit konnte es nicht besser sein.

Die Schadstofffreiheit konnte nicht besser sein als das schlechteste Einzelurteil. Waren Sitzen und Liegen „weniger zufriedenstellend“, wurde die Eignung für das Kind höchstens eine halbe Note besser. Bei „weniger zufriedenstellend“ oder „nicht zufriedenstlelend“ in Ein- und Verstellen, Schieben, Feststellbremse, Fahreigenschaften oder Tragen/Transportieren war die Handhabung maximal eine halbe Note besser.

EIGNUNG FÜR DAS KIND: 45 %

Sitzen und Liegen: Bestimmung der altersbezogenen anthropometrischen Verhältnisse des Sitzes und der Liegeschale (falls vorhanden), auch mit Dummys. Wir beurteilten auch Polsterung, Sichtkontakt zwischen Schiebendem und Kind sowie Blickrichtung des Kindes sowie Gurtsystem und Federung . Beim Regenschutz (mit Regenhaube) prüften wir, ob das Kind und Polster vor Nässe geschützt sind.

HANDHABUNG: 35 %

Fünf Fachleute beurteilten Gebrauchsanleitung, Ein- und Verstellen, Zusammenlegen und Aufklappen, Schieben (u.a. Höhe und Gestaltung der Schiebegriffe, Beinfreiheit), Betätigen der Fesstellbremse aus verschiedenen Positionen, Fahreigenschaften (Lenken, Schieben und Bremsen auf festen und unbestigten Wegen), Tragen und Transportieren über Treppen sowie Zuladen von Gepäck. Reinigen nach Bekleckern der Bezüge mit Jogurt.

SCHADSTOFFFREIHEIT: 10 %

Kunststoffbeläge an Schiebegriffen, Schutzbügel und Teile, die im Griffbereich liegen, wurden auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) untersucht, Bezugsmaterialien im Griff- oder Kopfbereich des Kindes je nach Material auf Schwermetalle, Phtalate (Weichmacher), Flammschutzmittel sowie auf Phenole. Ergänzend untersuchten wir auf verbotene Azofarbstoffe und Organozinnverbindungen.

SICHERHEIT UND HALTBARKEIT: 10 %

Angelehnt an EN 1888. Sicherheit: Geprüft wurden u.a. Sicherheitshinweise, Kippsicherheit, Bremsen, Klappmechanismus, Gurtsystem, Klemmstellen. Haltbarkeit: Laufband mit 72 000 Hindernissen, Laufleistung etwa 100 Kilometer. Belastung der Wagen mit 15 kg („Kind“) sowie 5 kg im Korb und 2 kg am Schieber, Geschwindigkeit 5 km/h. Auch fuhr der Wagen zehnmal hart gegen eine Kante. Das Knickgelenk am Schieber wurde dynamisch einseitig geprüft, Zugkraft 200 N. Sicherheitsprüfungen nach dem Haltbarkeitstest teilweise wiederholt.

Buggys (ein Aufsatz) 9/2006

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Stadtwagen (zwei Aufsätze) 9/2006

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