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Fairtrade-Rosen - Blumengrüße aus Tansania

Ein Großteil der in Europa verkauften Blumen stammt aus Ostafrika. Farmen mit Fairtrade-Gütesiegel bieten Mitarbeitern gerechtere Löhne und faire Arbeitsbedingungen.

Die Provinz Arusha im Norden Tansanias ist bei Touristen beliebt. Sie wollen den wohl bekanntesten Berg Afrikas, den Kilimandscharo, besteigen oder eine Safari in einem der vielen Nationalparks machen. Weit weniger bekannt ist der Blumenfarmen am Mount Meru: Der Berg ist etwa 65 Kilometer in südwestlicher Richtung vom Kilimandscharo entfernt. Er ist umgeben vom Arusha National Park (Bild: Susanne Wolf)Mount Meru, mit 4566 Metern Tansanias dritthöchster Berg, 65 Kilometer südwestlich vom Kilimandscharo gelegen. 

Dort, direkt am Fuße dieses Vulkans, liegt die Blumenfarm Mount Meru Flowers. Warum die Gegend nicht nur für Touristen ihren Reiz hat, erklärt Wedness Nsaro, Assistentin der Geschäftsführung von Mount Meru Flowers: „Die Durchschnittstemperatur von 25 Grad ist optimal für die Aufzucht von Rosen. Gleichmäßige Wärme, mindestens zehn Sonnenstunden täglich, ausreichend Niederschläge und fruchtbare Böden bieten die perfekten Bedingungen.“ 

Führung durch Gewächshäuser 

Am Tag unserer Ankunft zeigt sich der Mount Meru wolkenverhangen. Manager Emanuel Akyoo führt durch eines der riesigen Gewächshäuser, in dem sich ein Meer aus grünen Rosensträuchen mit vereinzelten orangefarbenen Rosenblüten erstreckt. Gelbe und blaue Farbtupfer vervollständigen das Bild – es sind Insektenfallen, die von der Decke hängen. „Jede Farbe zieht eine andere Mückenart an“, erklärt Akyoo. 

Gewächshäuser schützen vor dem Wind. Zwischen den Rosenbüschen Arbeiter und Arbeiterinnen (Foto: Susanne Wolf (VKI)​Trotz des optimalen Klimas sei ein Anbau in freier Natur nicht möglich. „Die Rosen vertragen keine direkte Sonne und keinen Wind.“ Hin und wieder sieht man zwischen den Rosenbüschen eine Arbeiterin Rosen abschneiden, in einem großen Raum nebenan werden die frisch geschnittenen Rosen zu Sträußen zusammengebunden. Eine andere Gruppe von Frauen kümmert sich darum, die Rosen zu bunten Sträußen zu binden. Später werden sie in Kühlboxen zu den Flughäfen in Dar Es Salaam oder Nairobi transportiert, von wo sie ihre Reise nach Europa antreten.

Einhaltung internationaler Arbeitsstandards

Fairtrade-Prämie 

Knapp die Hälfte der Arbeiter bei Mount Meru Flowers sind Frauen, sie werden „Grower“ oder „Harvester“ genannt. Sie verdienen ebenso wie die männlichen Angestellten rund 45 US-Dollar im Monat, das liegt knapp über dem Arbeiterinnen bei Mount Meru Flowers: In einem großen Raum werden die frisch geschnittenen Rosen zu Sträußen zusammengebunden (Foto: Susanne Wolf/VKI)gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn in Tansania. Hinzu kommen 20 Prozent der Fairtrade- Prämie, die direkt an die Beschäftigten gehen. Der Importeur bezahlt diese Prämie zusätzlich zum Exportpreis. Sie beträgt zehn Prozent des Preises. 

Mount Meru Flowers trägt seit 2006 das Fairtrade-Gütesiegel, der Fairtrade-Anteil am Absatz beträgt rund 50 Prozent. „Das ist im Vergleich zu anderen Blumenfarmen ein sehr hoher Wert“, erklärt Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich. Warum ist nicht das gesamte Sortiment Fairtrade-zertifiziert? „Die Nachfrage der Händler und Konsumenten ist nicht groß genug“, so Kirner. Er ergänzt: „Je höher der Fairtrade-Anteil an der Ernte, desto größer der Gewinn für die Arbeiter.“ 

Mehr Rechte für Frauen 

Fairtrade, das steht auch für die Einhaltung von internationalen Arbeitsstandards und einen besseren Schutz von Frauen. Auf vielen Blumenfarmen Afrikas steht Ausbeutung leider an der Tagesordnung. Besonders Frauen sind oft Belästigungen ausgesetzt. Viele Arbeiterinnen sind alleinerziehend und auf die Arbeit angewiesen, kennen jedoch ihre Rechte nicht. Bei Mount Meru Flowers ist, für alle Mitarbeiter gut sichtbar, eine Anleitung angebracht, wie mit Fällen von sexueller Belästigung umzugehen ist. Frauen werden dazu ermutigt, Übergriffe zu melden und eine Beratung in Anspruch zu nehmen. 

​Auf die Frage, ob es Fälle von sexueller Belästigung gegeben habe, denkt Wedness Nsaro lange nach, bevor sie antwortet: „Nur einmal, und das ist lange her.“ Auch Mutterschutz und Karenz werden durch das Fairtrade-Gütesiegel gewährleistet. Pili Msabaha, eine Arbeiterin, die ihr drittes Kind erwartet, erzählt von 90 Tagen Mutterschutz und einer verkürzten Arbeitszeit für insgesamt neun Monate. Pili, die seit acht Jahren bei Mount Meru Flowers Rosen erntet, trägt ein leuchtend buntes Schwangerschaftskleid und ein breites Lächeln im Gesicht. „Dank der Fairtrade- Prämie können wir uns die Schulgebühren für unsere Kinder leisten. Und wir konnten einen Kredit aufnehmen, um ein größeres Haus zu bauen.“ Sie wartet auf den Bus, der sie nach getaner Arbeit nach Hause bringen wird.

Bessere Umweltstandards und mehr Mitsprache

Umweltstandards 

Die Fairtrade-Zertifizierung der Blumenfarm führte auch zur Verbesserung der Umweltstandards. Das Abwasser wird durch eine biologische Kläranlage geführt und wiederaufbereitet. Durch die Anwendung von integrierten Pflanzenschutzmaßnahmen wie Insektenfallen kann der Einsatz von Pestiziden reduziert werden. Ganz ohne Chemikalien geht es aber nicht, wie Emanuel Akyoo erklärt: „Die Rose ist eine mehrjährige Pflanze, die aufgrund des feuchten Klimas sehr anfällig für Schädlinge ist, vor allem für Mehltau.“ Daher sei generell bei Rosen auch kein Bio-Anbau, der den Einsatz von Pestiziden verbietet, möglich. Bei Mount Meru Flowers gibt es jedoch Schutzkleidung und Trainings zum sicheren Umgang mit Pestiziden – auf afrikanischen Blumenfarmen keine Selbstverständlichkeit. 

Mitsprache der Arbeiter 

Mount Meru Flowers hat im Lauf der Jahre drei weitere Blumenfarmen übernommen, die insgesamt rund 880 Mitarbeiter beschäftigen. Jeweils drei Mitarbeiter der Farmen werden ins Fairtrade Premium Committee bestellt, das die Wünsche und Ideen der Arbeiter sammelt, um Projekte mithilfe der Fairtrade-Prämien zu realisieren. Dazu gehören Englisch- und Computerkurse, Gender-Trainings oder Unterstützung bei den Schulgebühren. 

​Beim Besuch einer Primary School im nahegelegenen Ort Nguruman erzählt die Direktorin Evelyne Sanga, dass eines Mount Meru Flowers: Auch Schulklassen profitieren von Fair-Trade (Foto: Susanne Wolf/VKI)der Klassenzimmer mithilfe der Fairtrade-Prämie finanziert werden konnte. Ein Schild am Schulgebäude weist auf die Flower Power Foundation hin: Sie wurde gegründet, um die Prämieneinnahmen zu verwalten. Die Schüler sind aufgeweckt und aufgeschlossen, werfen sich für Fotos in Pose, eine Schulklasse singt ein Lied. Village Chairman Gabriel Kaaya erzählt stolz, dass 4.000 Menschen von der 2014 errichteten Trinkwasseranlage profitierten. „Wenn Sie Blumen von Mount Meru Flowers kaufen, unterstützen Sie damit meine Gemeinde.“

Was ist Fairtrade?

Das Fairtrade-Gütesiegel kennzeichnet Waren, bei deren Herstellung bestimmte soziale, ökologische und ökonomische Kriterien eingehalten wurden:

  • Organisation in demokratischen Gemeinschaften (bei Kooperativen)
  • Förderung gewerkschaftlicher Organisation (auf Plantagen)
  • Geregelte Arbeitsbedingungen
  • Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit
  • Diskriminierungsverbot
  • Förderung des Bio-Anbaus durch den Bio-Aufschlag
  • Umweltschonender Anbau
  • Schutz natürlicher Ressourcen
  • Verbot gefährlicher Pestizide
  • Kein gentechnisch verändertes Saatgut
  • Bezahlung von Fairtrade-Mindestpreis und -Prämie
  • Transparente Handelsbeziehungen
  • Vorfinanzierung

Der Fairtrade-Klima-Standard verbindet Fairtrade- Produzentenorganisationen und Gemeinden mit Unternehmen und Organisationen, die aktiv Maßnahmen gegen den Klimawandel ergreifen und soziale Verantwortung übernehmen wollen.

38 Millionen Rosen

Schätzungen von Fairtrade Österreich zufolge ist bereits jede dritte importierte Rose in Österreich Fairtrade-zertifiziert, der Marktanteil beträgt ca. 37 %. Im Jahr 2017 wurden in Österreich 38 Mio. Fair­trade-Rosen gekauft. Sie stammten zu 62 % aus Kenia, zu 26 % aus Tansania und zu 12 % aus ­Äthiopien. In heimischen Supermärkten werden fast ausschließlich die kurzstieligen Fairtrade-Rosen ­verkauft. Die lang­stieligen, teilweise in Österreich gezüchteten Rosen im Fachhandel kosten bisweilen deutlich mehr.

Recherche

Die Recherchereise erfolgte auf Einladung von Fairtrade Österreich.

VIDEO: Warum Fairtrade einen Unterschied ausmacht

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