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Sauerstoffwasser - Luft aus der Flasche

, aktualisiert am

Wahre Wunderdinge soll das mit Sauerstoff angereicherte Wasser vollbringen. Doch wissenschaftliche Studien sind rar.

Sauerstoff ist die Quelle allen Lebens. Mangel an Sauerstoff verursacht Krankheiten, sein Fehlen den Tod.“ So dramatisch diese Worte, die einem gewissen Dr. Eugene Blass zugeordnet werden, auch klingen, so banal sind sie. Denn dass Sauerstoff eines der wichtigsten Elemente zumindest im uns bekannten Teil des Universums ist, haben wir wohl alle in der Chemiestunde gelernt. Doch die, die solche Aussagen zitieren, haben anderes im Sinn. Sie wollen uns darauf einstimmen, dass die natürliche Versorgung des Menschen mit Sauerstoff zusehends abnimmt und man deswegen das Produkt X kaufen müsse, um dieses Defizit zu kompensieren.

Wundermittel für die Wellnessbranche

Die Wellness-Branche hat den Sauerstoff als Wundermittel entdeckt. Geworben wird mit gesteigerter Leistungsfähigkeit, höherer Widerstandskraft sowie einer Aktivierung der Fettverbrennung. Doch damit nicht genug: Sauerstoff soll auch bei zahlreichen Krankheiten helfen, wie Arteriosklerose, Herzinfarkt oder Darmerkrankungen.

Sauerstoff ins Wasser

Unter anderem wird Trinkwasser mit Sauerstoff angereichert. Auf dem österreichischen Markt sind vor allem zwei Produkte vertreten: Active O2 aus Bad Adelholzen („aus den Tiefen der bayrischen Alpen“) und Oxygizer „aus den Bergen Tirols“ (Firmensitz Innsbruck). Daneben gibt es noch eine Reihe von Heimgeräten, mit denen man selbst Trinkwasser aufbereiten kann.

Sauerstoff trinken?

Doch ob das „Trinken“ von Sauerstoff wirklich etwas bringen kann, darüber herrschen in der Fachwelt große Zweifel. Zunächst einmal muss man die Relationen sehen. Der Mensch nimmt selbst im Ruhezustand stündlich 20 bis 500 Gramm Sauerstoff auf. In einem Liter Sauerstoffwasser sind hingegen – laut einer aktuellen Untersuchung der Stiftung Warentest – 24 bis 226 Milligramm Sauerstoff gelöst. Also rund ein Tausendstel davon. Kritiker haben denn auch eine einfache Alternative zum teuren Sauerstoffwasser (bis zu 3 Euro für einen Liter) parat: Fenster aufmachen und dreimal kurz durchatmen.

Den Vergleich von eingeatmetem Sauerstoff mit Sauerstoffwasser wollen die Anbieter nicht gelten lassen. Denn das in Wasser gelöste Element sei biologisch wirksamer. Auf der Website von Active O2 erfährt man beispielsweise, dass der Sauerstoff in den Blutkreislauf und weiter in die Leber gelange. Andererseits müssen sich die Abfüller den Vorwurf gefallen lassen, dass in den Werbeaussagen diese Details unter den Tisch fallen; man macht sich das positive Image des Sauerstoffs zu Nutze und suggeriert, „das kann nur gut sein“. Dies wird auch in Fachkreisen heftig kritisiert.

Kein Interesse an Forschung

Prof. Wolfgang Marktl vom Institut für Physiologie der Universität Wien beklagt das generell geringe Interesse der Wirtschaft an der Forschung. So weiß er von einem großen Getränkekonzern zu berichten, der eine Studie abgelehnt habe, weil ihm der Preis von 33.000 Euro zu hoch schien. Man muss diesen Betrag mit den gigantischen Werbeetats der Konzerne vergleichen. So viel kostet durchschnittlich ein einmal geschaltetes Inserat in einer Tageszeitung.

Sehr widersprüchliche Studien

Oxygizer verweist auf eine Studie, wonach die regelmäßige Einnahme von Sauerstoffwasser bei Sportlern zwar zu keiner Leistungssteigerung, aber immerhin zu einer rascheren Erholung bei gleicher Leistung führen könne. Dem steht allerdings eine Reihe anderer Studien gegenüber, bei denen keinerlei Wirkung festgestellt werden konnte.

Vieles bleibt offen

In einer weiteren, noch unveröffentlichten Studie konnten chemische Reaktionen in den Darmzellen nachgewiesen werden (allerdings nicht nur im wünschenswerten Sinn). Vieles bleibt offen: die Frage der richtigen Dosierung – zu viel Sauerstoff kann die Bildung freier Radikaler begünstigen; die Zusammensetzung des Wassers; die optimale Verpackung etc. Hauptkritikpunkt ist, dass derlei Studien immer isoliert durchgeführt werden und bislang nicht reproduziert werden konnten.

Befristete Genehmigung in Deutschland

Das könnte den Anbietern auf den Kopf fallen. Denn in Deutschland wurde nur eine befristete Genehmigung für Sauerstoffwasser erteilt, innerhalb von neun Jahren muss der ernährungsphysiologische Nutzen wissenschaftlich nachgewiesen werden. Marktl appelliert an die Wirtschaft: „Wir haben neun Jahre Zeit, setzen wir uns zusammen, und erstellen wir eine systematische Studie mit Hand und Fuß.“ Bis dahin bleibt uns nur folgendes Resümee: Sauerstoffwasser ist teuer, die Wirkung fraglich. Der Geschmack ist gelinde gesagt gewöhnungsbedürftig.

Pelziges Gefühl im Mund

Durch höhere Sauerstoffkonzentration schmeckt das Wasser weicher und sanfter als üblich. Allerdings hinterlässt es ein etwas kratzendes, pelziges Gefühl im Mund (siehe die Expertenbeschreibungen). Erfreulich: Bei den Überprüfungen der Stiftung Warentest konnten keine Schadstoffe (Nitrit, Arsen, halogenierte Kohlenwasserstoffe) festgestellt werden. Auch mikrobiologisch waren die Wässer in Ordnung: Es wurden keine Keimarten gefunden, die Säuglinge oder immungeschwächte Personen gefährden könnten.

Flüchtiges Gas

Da Sauerstoff wie jedes Gas flüchtig ist, wird bei der Abfüllung kräftig überdosiert, damit nach ein paar Wochen Lagerung im Supermarktregal überhaupt noch etwas übrig ist. Daraus erklärt sich auch die Diskrepanz zwischen dem auf dem Etikett angegebenen Sauerstoffgehalt und dem tatsächlich gemessenen.

Active O2

Produktbeschreibung (laut Anbieter): Tafelwasser mit Sauerstoff und wenig Kohlensäure versetzt

Expertenbeschreibung: schmeckt sehr leicht nach Acetaldehyd, ansonsten leicht sauer, leicht bitter, wenig spritzig, leicht flach und abgestanden

Preis: 1,59 Euro/l (Preis: April 2003)

Zusammensetzung:

  • Sauerstoff laut Anbieter: 60 mg/l
  • Sauerstoff gemessen: 91 mg/l
  • Kohlensäure: 1,800 g/l
  • Gesamtmineralstoffgehalt: 468 mg/l

Oxygizer

Produktbeschreibung (laut Anbieter): Tafelwasser

Expertenbeschreibung: schmeckt leicht nach Kunststoff, ansonsten leicht süß, sehr leicht bitter, zum Teil seifig, still, nicht spritzig, flach und abgestanden

Preis: 2,98 Euro/l1)

Zusammensetzung:

  • Sauerstoff laut Anbieter: 150 mg/l
  • Sauerstoff gemessen: 226 mg/l
  • Kohlensäure: 0,007 g/l
  • Gesamtmineralstoffgehalt: 1146 mg/l

Kompetent mit Konsument

  • Sauerstoff ist gesund. Die Atmung versorgt den Körper ausreichend, um den Energiestoffwechsel der Organe aufrechtzuerhalten. Bei körperlicher Anstrengung steigt zwar der Sauerstoffbedarf, allerdings wird auch mehr aufgenommen: statt 6 Liter Luft pro Minute bis zu 100 Liter.
  • Wasser ist gesund. Trinken Sie mindestens zwei Liter Wasser täglich. Es hat keine Kalorien und hilft, den Stoffwechsel in Trab zu halten.
  • Sauerstoffwasser ist teuer. Sicher ist nur der hohe Preis des Wellnessgetränks. Positive Wirkungen sind wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Auch die Sauerstoffkonzentration im Blut wird Studien zufolge nicht signifikant erhöht.

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