Radler - Aufgezuckert

Radler bestehen aus Bier und Limonade. Doch wie viel Zucker in diesen Mischgetränken tatsächlich steckt, hat auch uns überrascht.

Folgende Produkte sind im Test:

  • Almradler - Almdudlerradler
  • Becks - Green Lemon
  • Egger - Zitronenradler naturtrüb
  • Gambrinus - Zitronenradler
  • Gletscher Bräu - Zitronenradler
  • Gösser - Zitronenradler natur
  • Hirter - Kräuterradler naturtrüb
  • Karlskrone - Zitronenradler
  • Landgraf - Zitronenradler
  • Nixe - Zitronenradler naturtrüb
  • Ottakringer - Citrusradler
  • Pittinger - Zitronenradler
  • Stiegl - Zitronenradler
  • Villacher - Zitronenradler naturtrüb
  • Zipfer - Limettenradler
  • Zwettler - Citrusradler

Und folgende alkoholfreien Radler

  • Gösser - Zitronenkracherl
  • Kaiser - ISO Zitronenradler
  • Kühles Blondes - Zitrone-Orangenblüteradler
  • Neumarkter Lammsbräu - Zitronenradler

Die Testtabelle enthält u.a. Daten zu: Dose oder Flasche, Preis pro Gebinde und Preis pro Liter, Testurteil, Verhältnis von Bier zu Limonade, Süßungsmittel, Gehalt an Glyphosat, Alkohol und Zucker, Kennzeichnung, Urteil der Verkoster, Geruch und Geschmack. - Und hier unser Testbericht:


Also gut: Die meisten gönnen sich zum Fußballschauen ein Bier. Es könnte zur Abwechslung aber auch einmal ein Radler sein. Vor allem dann, wenn der Abend lang ist und man selbst zu vorgerückter Stunde noch glasklar mitbekommen möchte, wer nun eigent­lich das Match gewonnen hat. Und nein: ­Radler ist nicht zwangsläufig ein Frauen­getränk. Auch Männer trinken ihn, wenn auch eher anlassbezogen nach dem Sport.

Nicht zwangsläufig ein Frauen­getränk

Also her mit einem Radler, der übrigens schon im vorigen Jahrhundert erfunden ­wurde, und zwar von einem geschäftstüch­tigen bayrischen Gastwirt. Er machte aus der Not eine Tugend und mischte an einem ­heißen Tag, als das Bier auszugehen drohte, den Gerstensaft mit Limonade (siehe Kasten „Erfolgsgeschichte aus Bayern“).

Mit und ohne Alkohol

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Unter einem Radler versteht man bis heute ein Biermischgetränk. Seit zehn bis fünf­zehn Jahren wird er auch fertig in Flaschen bzw. Dosen angeboten. Anfangs lag das Mischungs­ver­hältnis bei 50 : 50, also halb Bier, halb Limonade. Mittlerweile gibt es auch Radler, die weniger Bier und mehr Limo enthalten. Ein Mischungsverhältnis von 40 : 60 schmeckt kaum bitter und enthält auch ­weniger Alkohol, was bei vielen Kunden gut ankommt. Ebenfalls auf dem Markt sind alkohol­freie Radler für all jene, die Alkohol nicht mögen oder nicht vertragen. Auch ­Auto­fahrer, die kein Risiko eingehen möchten, sind hier eine wichtige Zielgruppe der Getränkehersteller.

Ge­schmacks­richtung Zitrone bzw. Kräuter

Für unseren Test suchten wir 16 Radler mit Alkohol und 4 ohne Alkohol aus. Als Ge­schmacks­richtung wählten wir Zitrone bzw. Kräuter, also die Klassiker in dieser Getränkegruppe. Eingekauft wurden sowohl Flaschen als auch Dosen. Zum einen, um den Markt abzubilden – auch wenn es uns aus ökologischen Gründen nicht gefällt, das Angebot an Radler in Dosen ist groß.

Unterschied Flasche/Dose

Außerdem wollten wir wissen, ob das Gerücht stimmt, dass man den Unterschied zwischen Flasche und Dose schmecken kann. Diese Frage­stellung führte natürlich gleich zur nächsten: Schmeckt ein Radler mit Alkohol anders als ein alkohol­freier? Und wie viel Zucker steckt eigentlich in diesen Getränken?

Aufreger Glyphosat

Aufreger Glyphosat

Anfang dieses Jahres gingen in unserem Nachbarland die Wogen hoch: Bei einer Unter­suchung der 14 meistgetrunkenen ­Biere Deutschlands wurden Rückstände des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat gefunden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft diese Substanz als erbgut­schädigend und für den Menschen wahrscheinlich krebserregend ein. Wir haben deshalb untersuchen lassen, ob sich das Pestizid auch in Radlern findet.

Glyphosat in sieben Radlern

Erfreuliches Ergebnis: In 13 von 20 Produkten war Glyphosat nicht nachweisbar. In 7 Radlern wurden Spuren dieses Unkrautvernichters gefunden. Auch wenn die analysierten Mengen sehr gering sind und weit unter dem vorsorgeorientierten Grenzwert für Pestizide in Trinkwasser liegen (für Biermischgetränke existiert kein eigener Wert), hat dieser Stoff hier nichts verloren. Alle Radler, die Spuren von Glyphosat enthalten, sind alkoholhaltig. Die ­meisten davon konnten übrigens auch insgesamt nicht überzeugen, wie unser Testurteil zeigt.

Alkohol korrekt angegeben

Nichts zu beanstanden gab es dagegen beim deklarierten Alkoholgehalt. Was auf der ­Flasche bzw. ­Dose draufsteht, ist meist auch drin. Wir ­fanden hier keine gröberen Abweichungen. Alkoholfrei heißt übrigens nicht: ganz ohne Alkohol. Auch in alkoholfreien Radlern ­fanden wir etwas Alkohol, nämlich zwischen 0,1 und 0,3 Vol-%. Das passt, denn gemäß einer EU-Verordnung darf als alkoholfrei ­bezeichnet werden, was nicht mehr als 0,5 Vol-% Alkohol enthält.

Süß, süßer

Süß, süßer

Jeder, der Radler trinkt, weiß: Sie schmecken unterschiedlich süß. Obwohl Süßungsmittel nach Angaben der Hersteller wegen ihres oft unangenehmen Nachgeschmacks weniger eingesetzt werden, fanden wir sie, und zwar in den Radlern mit Alkohol von Karlskrone, Pittinger, Landgraf, Gletscher Bräu und Gambrinus. Das alkoholfreie Getränk von Kaiser enthält sowohl Süßungsmittel als auch Zucker.

Aufgezuckert

KONSUMENT-Test zeigt: vor allem alkoholfreie Radler enthalten viel Zucker (Bild: Payer/VKI)

Apropos Zucker: Wie viel Süße tatsächlich in Radlern steckt, vor allem aber, wie groß die Unterschiede zwischen den einzelnen Produkten sind, hat selbst uns überrascht. ­Umgerechnet auf 100 Milliliter (ml) fanden wir mit 3,1 Gramm (g) den wenigsten Zucker im naturtrüben Zitronenradler von Nixe. Gleich 5,4 g Gesamtzucker sind es dagegen beim Ottakringer Citrusradler. Beide Getränke enthalten Alkohol. Noch mehr aufgezuckert sind die Radler ­ohne Alkohol. Drei von vier enthalten mehr als 6 g Gesamtzucker pro 100 ml. Mit 6,8 g/100 ml ist der Zitrone-Orangenblüte­radler von Kühles Blondes der süßeste von allen. Wie viele Stück Würfel­zucker Sie sich mit ­jeder Flasche oder Dose einverleiben bzw. ob Süßstoff enthalten ist, finden Sie in unserer Tabelle.

Radler auch verkostet

Selbstverständlich ­wurden alle Radler auch verkostet. Diesmal wollten wir von unseren Testern aber mehr wissen. Wir fragten nicht nur ab, ob bei Aussehen, Geruch und Geschmack alles passt und ob sie das Produkt auch selbst kaufen würden, sondern auch, ob der eingeschenkte Radler ihrer Einschätzung nach aus einer ­Dose oder einer Flasche kommt; und ob er Alkohol enthält oder nicht.

Dose/Flasche: keine Geschmacksfrage

Dose/Flasche: keine Geschmacksfrage

Einfache Fragen, einfache Antworten? Fehlanzeige! Nur beim Zitronenradler von Karlskrone und beim Limettenradler von Zipfer war die Mehrheit der Tester sicher, dass es sich um einen Dosenradler handelte – was auch stimmte. Ansonsten löste sich die Einschätzung, dass ein Getränk aus der Dose zuverlässig nach Blech schmeckt, schnell in Luft auf. Kein Wunder: Da die Dosen innen beschichtet sind, kann es erst gar nicht zu einer Geschmacksveränderung kommen.

Mit Alkohol, ohne Alkohol

Nicht nur beim angeblichen Dosengeschmack wurden wir eines Besseren belehrt. Auch die Behauptung, dass Radler mit Alkohol besser seien als solche ohne, erwies sich als Gerücht. Den Verkostern gelang es nämlich erst gar nicht, die Produkte ein­deutig als alkoholfrei bzw. alkoholhaltig zu identifizieren. So waren sich die Tester etwa bei Gambrinus, Gletscher Bräu und dem ­Ottakringer Citrusradler sicher, einen alkoholfreien Radler zu trinken. In ihnen allen steckt aber Alkohol. Wieder was gelernt.

"Riecht nach WC-Spray"

Überraschend auch, dass bei der Verkostung kein einziger Radler die Bestnote erhielt. Und der Wunsch, das Getränk selbst zu kaufen, hielt sich bei den Testern ebenfalls in sehr engen Grenzen. Entsprechend fielen die Kommentare zu manchen Produkten aus. "Riecht nach WC-Spray“, lauteten einige Einträge im Prüfprotokoll zum Zitronenradler von Egger. Beim Villacher Zitronenradler natur­trüb war einigen der Geschmack „zu künstlich“. Und beim „giftig grünen“ Becks Green Lemon dachten manche Tester an „Spülmittel“. Eine echte Niederlage!

Testtabelle: Radler mit Alkohol

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Testtabelle: alkoholfreie Radler

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Zahlen und Fakten zum Radler

Mit Lager-/Märzen­bier

Die meisten Radler werden mit Lager-/Märzen­bier, der in Österreich beliebtesten Biersorte, hergestellt. Weizenbier kommt eher selten zum Einsatz. Bei den Geschmacksrichtungen liegt Zitrone an der Spitze. ­Ebenfalls ein Klassiker sind Mischungen mit Limette oder Kräutern. Um das Geschäft anzukurbeln, werden saisonal immer wieder neue Sorten angeboten, die aber meist schnell wieder aus den Regalen verschwinden. Versuche mit Himbeere oder Cola sind inzwischen Geschichte.

Im Westen saurer Radler

Radler gibt es nicht nur fertig zu kaufen, er wird in vielen Gasthäusern auch offen und damit selbst gemischt angeboten. Vor allem im Westen Österreichs ist der saure Radler beliebt, ein frisch gezapftes Bier, das mit Sodawasser gespritzt wird.

Sechs Prozent Marktanteil

Der Markt für Radler hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Nach bescheidenen Anfängen 1995 mit 70.000 Hektolitern (hl) hielten wir 2015 bei 510.000 hl. Radler hat damit einen Anteil von 6 Prozent am gesamten Bierkonsum. 105 Liter Bier werden pro Kopf und Jahr bei uns getrunken. 8,56 Millionen Hektoliter Gerstensaft kamen im Vorjahr aus den heimischen Brauereien. Da ist für den Radler noch viel Luft nach oben.

Erfolgsgeschichte aus Bayern

Nicht nur die Maß wurde in unserem Nach­barland erfunden, sondern auch der Radler.

20 Kilometer außerhalb von München betrieb Franz Xaver Kugler, Deutschlands damals bekanntester Bierwirt, die nach ihm benannte Kugleralm, auf die ein eigens angelegter Radweg führte. Als an einem heißen Samstag im Juni 1920 massenweise Radfahrer in sein Gasthaus einfielen und Bier gegen den Durst verlangten, drohte der Gerstensaft auszugehen. In seiner Not mischte Kugler Zitronen­limonade, die bislang ein Ladenhüter gewesen war, mit Bier und verkaufte seinen Gästen dieses Mischgetränk stolz als extra für sie erfundene "Radlermaß".

Alsterwasser in Hamburg

Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich der Radler zum Modegetränk. Er wurde nicht nur in allen Biergärten Münchens angeboten, sondern sogar im fernen Hamburg, also weit jenseits des Weißwurstäquators, ausgeschenkt. Dort heißt diese Mischung bis heute allerdings nicht Radler, sondern Alsterwasser.

Zusammenfassung

  • Alk kein Argument: Alkoholfreie Radler sind genauso gut wie jene mit Alkohol. Wer nach der EM-Party noch ins Auto steigt, muss geschmacklich auf nichts verzichten.
  • Ziemlich süß: Erstaunlich, aber in Radlern kann viel Zucker stecken. Wir fanden bis zu 6,5 Stück Würfelzucker in einem halben Liter.
  • Von wegen Metall: Dass man erkennen kann, ob ein Radler aus der Dose kommt, ist ein Gerücht. Geschmacklich ist zwischen Flasche und Dose kein Unterschied.
  • Vergleichen: Radler gibt es schon ab 1 Euro pro Liter. Das teuerste Produkt im Test kommt von Nixe und kostet 3,55 €/l. Ein Preisvergleich vor dem EM-Groß­einkauf lohnt sich also.

Testkriterien

Im Test: 20 Radler mit Zitronen, Citrus- oder Kräutergeschmack. Vier der untersuchten Radler sind ohne Alkohol. Es wurde sowohl Radler in Flaschen als auch in Dosen eingekauft. - Die Prozentangaben beschreiben den Anteil am Gesamturteil.

Chemie: 30 %
Glyphosat: Bestimmung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat mittels Derivatisierung und Messung mittels LC-MS/MS (Flüssigkeitschromatographie-Tandemmassenspektrometrie).
Alkoholgehalt: Bestimmung des Alkoholgehalts mittels Biegeschwinger. Enzymatische Bestimmung bei alkoholfreien Radlern.

Zucker: 10 %
Bestimmung der Zuckerarten und des Gesamtzuckers mittels HPLC (Hochleistungsflüssigkeitschromatographie).
Die Bewertung erfolgte nach dem britischen Ampelsytem.

  • niedrig (grün) bis 2,5 mg/100 ml
  • mittel (gelb) über 2,5 bis 6,3 mg/100 ml
  • hoch (rot) über 6,3 mg/100 ml

Bei wenig Zucker steht die Ampel auf Grün, bei einem hohen Zuckergehalt dagegen auf Rot. Radler, die Süßungsmittel anstatt Zucker enthalten, wurden abgewertet und alle Produkte wurden nach dem Ampelprinzip mit Gelb bewertet.

Kennzeichnung: 30 %
Überprüfung der Kennzeichnung nach LMIV (Lebensmittel-Informationsverordnung) und nationalen Verordnungen.

Verkostung: 30 %
Ein Laienpanel (mind 20 Personen; diese müssen zuvor den Triangeltest bestehen) bewertete Aussehen, Geruch, Konsistenz und Geschmack nach dem Schulnotenprinzip. Die Tester wurden auch gefragt, ob sie glauben, dass der Radler alkoholfrei ist und ob er aus der Flasche oder aus der Dose stammt. Anschließend erfolgte eine statistische Auswertung.

Die Analysen im Rahmen dieses Tests wurden in Kooperation mit dem Umweltbundesamt durchgeführt.

Stellungnahmen

Anbieter mit einem Testergebnis„weniger oder nicht zufriedenstellend“ bekommen hier die Gelegenheit zu einer Stellungnahme.

Becks Green Lemon
Aus Anhang II Nr. 1 a) VO (EU) 1169/2011 folgt, dass Glukose-Fruktose-Sirup aus Weizen keine allergieauslösende Zutat und somit von der Allergen-Kennzeichnung ausdrücklich ausgenommen ist.
Brauerei Beck, Bremen

Zwettler Citrusradler
Die hier verwendete Limonade wird aus Orange, Limette und Zitrone komponiert und im Verhältnis 6 zu 4 mit Vollbier angereichert. Unseren hohen qualitativen Ansprüchen entsprechend kommt kein künstlicher Süßstoff in das Biermischgetränk, sondern nur Fruchtzucker. In der Interpretation der gegenständlichen Kennzeichnungsverordnung, welche sich in ihrer Komplexität herausfordernd darstellt, wurde es zu unserem Bedauern verabsäumt, die genaue Deklaration des Zitronensaftanteiles in Prozent auf der Flaschen-Rückenetikette anzuführen. Selbstverständlich werden wir bei der nächsten Etikettenproduktion den korrekten Wert hinzufügen und so den gültigen Bestimmungen der Verordnung vollauf entsprechen.
Privatbrauerei Zwettl, Zwettl

Villacher Zitronenradler naturtrüb
Es liegt uns fern, die Konsumenten zu täuschen. Hier ist uns in der Ausarbeitung des Textes ein Fehler unterlaufen. Auch wir hatten diese Abweichungen in der Kennzeichnung im Zuge der zurzeit laufenden Etikettenumstellung bemerkt. Daraufhin haben wir sämtliche Etiketten nochmals auf korrekte Deklaration überprüft. Im Mai wurden diese neuen Etiketten für den Radler naturtrüb 0,33 l erstmals aufgebracht und die alten Etiketten aus dem Sortiment genommen.
Vereinigte Kärntner Brauereien AG, Villach

Stiegl Zitronenradler
Ihre Beanstandung der Sachbezeichnung von Radler als Biermischgetränk im aktuellen Falle „Stiegl-Radler Zitrone 0,5L Mehrweg“ wurde von einem externen Gutachter geprüft. Das Gutachten beschreibt Ihre Beanstandung als nicht nachvollziehbar, da im vorliegenden Fall keine Täuschung des Konsumenten vorliegt.
Stieglbrauerei, Salzburg

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