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Lebensmittel-Zusatzstoffe - Für Kinder zu viel

ABC – Azo-Rubin, Brillantblau oder Cochenille sorgen für strahlende Kinderaugen, doch oft steckt in der täglichen Kost weit mehr als gesundheitlich zuträglich.

Gelber Farbstoff E 160 Anatto

Am Morgen erst mal Kellogg’s Disney Winnie Puuh – Honig Bienchen. Ihre goldgelbe Farbe stammt unter anderem vom Farbstoff E 160 Anatto. Zum Nachtisch ein selbst gemachter Erdbeerpudding – für das Rosarot sorgt der Azo-Farbstoff Allurarot AC (E 129). Zwischendurch einige Gläser Kindersaft – vielleicht der Rote Spaß-Mix von Fruchttiger –, ebenfalls mit E 129. Ein paar Nascherein dazu, etwa Casali-Schokobananen mit Chinolingelb (E 104) – schon ist über den Tag aus einem bunten Mix eine beträchtliche Menge an Zusatzstoffen zusammengekommen.

Produkte aufgepeppt

Zusatzstoffe werden streng auf gesundheitliche Unbedenklichkeit geprüft, bevor sie zugelassen werden. Und es muss eine technologische Notwendigkeit für ihren Einsatz bestehen. Die ist aber nicht immer einsichtig. Mitunter drängt sich der Verdacht auf, dass Produkte „aufgepeppt“ werden, um gerade die Kleinen optisch ansprechen zu können.

Unzahl von Konservierungsstoffen

Fragwürdig ist auch die Unzahl von Konservierungsmitteln. Haben Sie sich nicht auch schon gewundert, dass Produkte ohne Beeinträchtigung ihres Aussehens viele Monate lang im Supermarktregal liegen können?

Viel zu viele Zusatzstoffe

Für Aufregung sorgte vor zirka einem Jahr eine Studie der Europäischen Union. Diese belegte, dass Kinder – vor allem kleine – mit ihrer täglichen Kost eine weit höhere Menge an Zusatzstoffen zu sich nehmen als gesundheitlich unbedenklich wäre. In Österreich wird die Aufnahme von Zusatzstoffen durch drei Programme überwacht, die seit 1996 durchgeführt werden (Zusatzstoff-Monitorings). Im letzten aus dem Jahr 2002 widmeten sich die Experten speziell der Altersgruppe der Drei- bis Sechsjährigen.

Kinderkost: weniger abwechslungsreich

Sie sind gefährdeter als Erwachsene, weil sie – bezogen auf ihr Körpergewicht und wegen der hohen Leistungen, die der Organismus für das Wachstum erbringen muss – drei- bis fünfmal so viel essen müssen. Zudem ist ihre Kost meist weniger abwechslungsreich, weil am Speiseplan oft nur die Lieblingsgerichte stehen. Spätestens im Kindergarten sind die knallbunten Süßigkeiten und Limonaden an der Tagesordnung. In größeren Familien ergattern die Kleinsten oft sogar noch früher solche Naschereien.

90 Stoffe untersucht

Im Zuge des Monitoring wurden insgesamt 90 Zusatzstoffe untersucht und anschließend auf verschiedene Szenarien umgerechnet. Bei 10 davon warnten die Experten, dass es zu Überschreitungen der akzeptablen Tageshöchstmenge oder des ADI-Wertes (siehe dazu: Inhaltsverzeichnis „Wussten Sie, dass…“) kommen kann. Dabei handelt es sich um vier Farb- und sechs Konservierungsstoffe. Eine Auflistung finden Sie im Inhaltsverzeichnis - „Was zu viel ist“.

Die Experten hatten außerdem ein „worst case“-Szenario angenommen, und zwar Sprösslinge mit einer sehr einseitigen Ernährung. Danach erwies sich die Aufnahme von weiteren 14 Zusatzstoffen höher als bisher angenommen. Hinzu kommt, dass in manchen Kindergetränken künstliche Süßstoffe stecken, und auch hier drohen die empfohlenen Höchstmengen pro Tag am ehesten von Vorschulkindern überschritten zu werden.

Wissenschaftlich bereits nachgewiesen ist ein Zusammenhang zwischen Zusatzstoffen und dem Auftreten so genannter Pseudoallergien. Dabei handelt es sich – ähnlich wie bei Allergien auf Nahrungsmittel – um Unverträglichkeitsreaktionen. Pseudoallergien treten äußerst selten auf, nur unter Neurodermitikern sind sie etwas häufiger zu finden. Sie können zu Nesselsucht, Asthma oder Hautödemen führen. Daran beteiligt sein soll eine Reihe von Zusatzstoffen (Azofarbstoffe, Konservierungsstoffe und Antioxidationsmittel). Zum selben Thema siehe dazu: Weitere Artikel - "Alldudler Kindergetränk" .

Allergie-Auslöser

Zusatzstoffe stehen außerdem in Verdacht, am Zappelphilipp- oder hyperkinetischen Syndrom beteiligt zu sein. Ausreichend belegt ist das allerdings noch nicht. Eine Studie an der Münchner Kinderklinik zeigte, dass eine entsprechende Diät bei 70 Prozent der Betroffenen eine Besserung bewirkte. Die Kleinen durften ausschließlich Lebensmittel zu sich nehmen, die selten Allergien auslösen oder zu Unverträglichkeiten führen. Interessant war, dass diese Gruppe sich vorher sehr einseitig ernährt hatte. Sie sprach gerne und häufig bunten Limos und Süßigkeiten zu.

Zusatzstoffe stellen zwar normalerweise kein Risiko für die menschliche Gesundheit dar. Doch Kinder und Allergiker sollten sich zurückhalten. Wer bereits unter Neurodermitis, Asthma oder anderen Unverträglichkeiten leidet, sollte die Zutatenlisten sorgfältig studieren. Das bedeutet einen Verzicht auf viele Fertigprodukte. Bei Kindern geht es jedoch nicht so sehr darum, das Naschen gänzlich zu verbieten. Es kommt vielmehr auf die gesamte Ernährungsweise an. Sind viele Fertigprodukte und die erwähnten Süßigkeiten im Spiel, sollte man unbedingt gegensteuern. Jede Einseitigkeit wäre gerade in dieser Altersgruppe fehl am Platz, weil der Organismus durch das starke körperliche Wachstum ohnehin sehr belastet wird. Die Kleinen brauchen dringend eine ausgewogene Kost.

Was zu viel ist

Farbstoffe:

  • E 110 – Sunset Gelb FCF, Gelborange S
  • E 120 – Cochenille, Karmin
  • E 142 – Grün SE 151 Brillantschwarz BN, Schwarz PN

Konservierungsmittel:

  • E 200, 202, 203 – Sorbinsäure und Sorbate
  • E 210 bis 213 – BenzoateE 220 – Schwefeldioxid
  • E 221 bis 224; 226 bis 228 – Sulfite
  • E 249 bis 250 – Nitrite
  • E 338 bis 341, E 450 bis 452 – Phosphate

Wussten Sie, dass ...

… gegenwärtig mehr als 300 Stoffe in der EU zugelassen sind? Viele davon sind beschränkt auf eine bestimmte Anwendung. Sie werden Lebensmitteln aus technologischen Gründen zugesetzt, damit sie länger haltbar sind, besser aussehen, frischere Farben haben, intensiver schmecken oder auch, damit sie überhaupt industriell hergestellt werden können.

… Höchstmengen mittels ADI-Werten festgelegt werden? Zusatzstoffe werden streng auf ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit geprüft. Für viele gelten Höchstmengen. Diese werden aufgrund von ADI-Werten (Acceptable Daily Intake) festgelegt. Sie geben an, wie viel Milligramm eines Zusatzstoffes ein Mensch pro Kilogramm Körpergewicht ein Leben lang täglich zu sich nehmen kann, ohne ein gesundheitliches Risiko einzugehen. ADI-Werte werden aufgrund einer Bewertung der verfügbaren toxikologischen Daten festgelegt. Sie enthalten großzügige Sicherheitsspannen. Eine gelegentliche Überschreitung ist gesundheitlich nicht bedenklich.

… die Mengen an Zusatzstoffen, die Konsumenten zu sich nehmen, in den EU-Ländern erhoben werden? In Österreich gab es bisher drei Zusatzstoff-Monitorings zu diesem Zweck (1996, 1998, 2002). Die ersten beiden zeigten Überschreitungen bei den Konservierungsmitteln Schwefeldioxid (E 220) und den Sulfiten (E 221 bis 224, 226 bis 228). In der 2002 durchgeführten Studie wurde speziell die Zusatzstoffaufnahme der 3- bis 6-jährigen Kinder ermittelt.

… es eine Verpflichtung zur Kennzeichnung gibt? Angeführt werden müssen der Klassenname und der Stoffname oder die E-Nummer. Zum Beispiel: Farbstoff Azo-Rubin oder Farbstoff E 122. Ausgenommen von der Kennzeichnung sind Zusatzstoffe, die im Endprodukt keine technologische Wirkung mehr haben (ein Mittel gegen Braunwerden bei Erdäpfeln etwa, wenn die dann zu Püreepulver verarbeitet werden).

Kindersüßigkeiten

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Kompetent mit Konsument

  • Zutatenliste studieren. Halten Sie Ihren Nachwuchs von allzu bunten, auf den kindlichen Geschmack getrimmten Getränken und Süßigkeiten fern. Als bedenklich gelten neben Farbstoffen einige Konservierungsmittel und die künstlichen Süßstoffe.
  • Lupe nicht vergessen. Die Zutatenlisten sind vielfach in Zwergenschrift verfasst, und das Wesentliche steht oft auf durchscheinendem Untergrund. Allergiker haben es besonders schwer.
  • Natürlich statt künstlich. Milch (Kakao) oder Fruchtsaft statt Limonade, Selbstgebackenes statt bunter Bonbons. Je mehr industrielle Verarbeitungsschritte, desto mehr Zusatzstoffe. Produkte, die mit Farben aus der Natur gefärbt sind (rote Rübe, Chlorophyll, Spinat…), bevorzugen.

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