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Lebensmittel auf dem Prüfstand - "Originell statt Original"

Analogkäse und Wasserschinken sind seit einiger Zeit in aller Munde. Selbst wenn diese keine Gesundheitsgefährdung darstellen, ist die Verunsicherung der Konsumenten groß.

Versprechungen versus Realität

Rund 60 Produkte hat „Konsument“-Ernährungswissenschafterin Birgit Beck stichprobenartig im Rahmen einer Einkaufstour in den Warenkorb gefüllt (siehe Download rechts "Lebensmittelimitate & Co"). Darunter:

  • Zitronenlimonade
  • Erdbeerjoghurt
  • Pesto
  • Kürbiscremesuppe
  • Garnelen
  • Schafkäse
  • Rindsroulade
  • Schokomilch
  • Früchtetee und
  • Thunfischaufstrich

Ein genauerer Blick auf die Zutatenliste zeigt: Der Inhalt hält mit den Versprechungen bzw. dem Erwarteten nicht immer Schritt – was sowohl für Billigprodukte als auch für Markenprodukte gilt. Da wird das ganze Rahmschnitzerl schon auch mal zum Formfleisch, der Schaf(misch)käse zu Magermilch und Pflanzenöl in Salzlake, oder der Vanilletraum zum Milchmischgetränk mit Beta Carotin und Aroma – ohne echte Vanille.

Der Konsument wird an der Nase herumgeführt

Imitationen finden sich vielfach: Ob nun begünstigt durch bildliche Darstellungen, eine geringere Menge an Inhaltsstoffen, ausgeklügelte Produktbeschriftungen oder das bewusste Spiel mit Assoziationen. Wer hinterfragt etwa, ob die angepriesene Schokomilch nicht doch aus Kakaopulver und Aroma besteht oder die in Schokolade getunkten Enden der Linzerkipferl letztlich doch nur aus kakaohaltiger Fettglasur bestehen? Für manchen mag der Unterschied von Kakao und Schokolade ohnehin vernachlässigbar sein - in der "Geldbörse“ der Produzenten ist er es nicht.

Großes Täuschungspotential haben auch die Aromen: Eines der wohl beliebtesten ist die Vanille, ob nun in der vermeintlichen Vanilletopfencreme, dem Milchmischgetränk oder dem Vanilleeis – die dann allesamt ohne  Vanilleschoten auskommen. Doch auch in Keksen, Pudding, Limonaden oder Cappuccino tummeln sich die Aromen, ob nun mit Erdbeer-, Zitrone-, Himbeer- oder Haselnuss-Geschmack. „Nicht selten werden dabei auf den Verpackungen Abbildungen von Früchten geboten, die in Wirklichkeit nicht annähernd enthalten sind und zur Irritation der Verbraucher beitragen“, beanstandet Birgit Beck.

Inhaltsstoffe in geringer Menge enthalten

Die Grenze zwischen Aufmachung und Inhalt verschwimmt nicht zuletzt dann, wenn zwar die angepriesenen Inhaltsstoffe tatsächlich enthalten sind – allerdings nur in sehr geringer Menge: etwa das Erdbeerjoghurt mit nur einem Prozent Erdbeeren, oder die Kürbiscremesuppe mit nur neun Prozent Kürbis. Umgekehrt gibt es auch den Fall, bei dem Produkte mit zusätzlichen billigen Zutaten gestreckt werden: So enthält etwa ein Pesto in der Erhebung zusätzliche Zutaten wie Molke und Reismehl, die in einem klassischen Pesto nichts verloren haben. Abgesehen davon wurden die Pinienkerne in diesem Fall mit Cashewkernen ersetzt und Olivenöl zum größten Teil mit Sonnenblumenöl – à la: „Es merkt keiner, wenn’s auch billiger geht.“

Zutatenliste genau anschauen

"Die Produkte müssen nicht per se schlechter sein, so hat etwa Schinken mit mehr Wasser zugleich auch weniger Kalorien. Unter Einhaltung hygienischer Standards stellen all diese Produkte – maßvoll genossen – keine Gesundheitsgefährdung dar. Dreh- und Angelpunkt ist aber nicht, ob die Produkte gesund oder schädlich sind, sondern die mögliche Verbrauchertäuschung und deren Ausmaß“, kritisiert Birgit Beck. Konsumenten, die auf Nummer sicher gehen möchten, rät die „Konsument“-Ernährungswissenschafterin zum genauen Blick auf die Zutatenliste: „Je kürzer und einfacher diese ist, umso besser. Je mehr E-Nennungen darauf zu finden sind, desto länger wurde das Produkt verarbeitet.“ Zudem steht auf verpackten Produkten  eine Zutatenliste. Die Zutaten sind mengenmäßig gereiht, d.h. das was als erstes steht, ist am meisten drinnen. Steht z.B. Aroma vor dem Käse, ist mehr Aroma als Käse enthalten.

Klare Kennzeichnung nötig

„Die feinen Unterschiede zwischen Original und Imitat sind aber selbst für Experten nicht immer einfach sichtbar. Umso notwendiger ist eine verpflichtende und unmissverständliche Kennzeichnung von Lebensmittelimitaten – und zwar auf europäischer Ebene“, fordert Franz Floss, Geschäftsführer und Leiter des Bereichs Untersuchung beim VKI. „Selbst wenn gewisse Ersatzstoffe einigen Zielgruppen durchaus recht kommen, etwa wenn sich Käseimitate auch für Veganer oder Menschen mit Lactoseintoleranz eignen: Wenn Käse draufsteht, dann soll er auch drinnen sein.“

SERVICE: Eine Liste mit sämtlichen Produkten der Erhebung können Sie rechts als PDF-Datei herunterladen.

Lebensmittelimitate: Was draufsteht ...

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Reaktionen: Fa. Blasko


Fa. Blasko

Nach der Veröffentlichung unserer Liste hat die Firma Blasko, Erzeuger von "SPAR-Hühnerschnitzel" und "Chef-Menü Puten Cordon Bleu", mit uns Kontakt aufgenommen und die angewandte Technologie vorgestellt:

Es handelt sich dabei um kein Imitat und kein Formfleisch. In einem eigens entwickelten Verfahren, dem "Patch-Verfahren", werden ausschließlich ganze Puten- bzw. Hühnerfilets als Ausgangsprodukte verwendet. Das Verfahren ist auch im Österreichischen Lebensmittelbuch (Codex Alimentarius Austriacus) als zulässiges Herstellungsverfahren codifiziert.

Laut Firmenangaben handelt es sich zwar "nicht um ein natur gewachsenes Stück", aber um ein nach einem besonderen Verfahren hergestelltes Produkt aus ganzen Filets, um der Anforderung des Marktes zu entsprechen, dass jedes Schnitzel gleich groß und gleich schwer ist. Diesbezügliche Unterlagen und Überprüfungszeugnisse wurden uns übermittelt.

Wir begrüßen die Klarstellung der Firma, halten aber an unserer Forderung fest auf der Stirnseite der Verpackung neben den Abbildungen verständlich und lesbar zu kennzeichnen, dass es sich hier um ein aus Stücken zusammengesetztes Fleisch handelt.

Konsument.at

Fa. Bioquelle

Auch die Firma Bioquelle hat uns genauere Informationen zu ihrem Produkt „Knüsperli Crunchy Flakes plus Himbeer-Joghurt“ übermittelt:


Laut Zutatenliste sind im Produkt 3 Prozent Himbeeren enthalten. Da diese gefriergetrocknet sind, entspricht ihr Anteil, so der Hersteller, einem Frischfruchtgehalt von 18 Prozent Himbeeren, weil durch die Gefriertrocknung ein Faktor von 1:6 zum Tragen kommt: 6 Gramm frische Himbeeren ergeben 1 Gramm gefriergetrocknete Früchte. Beim angeführten Aroma, so Bioquelle weiter, handelt es sich um Vanillin und nicht um Himbeeraroma.

Wir haben die Aussagen überprüft: Die Angaben (Umrechnungsfaktor bei der Gefriertrocknung) sind nachvollziehbar. Auch andere Hersteller gehen davon aus, dass für 1 Gramm gefriergetrocknete Himbeeren 6 Gramm frische Früchte benötigt werden. Nicht ganz so viel Rosa und ein paar Himbeeren weniger auf der Verpackung würden trotzdem nicht schaden. Bei der jetzigen Aufmachung entsteht für einen unbedarften Kunden nämlich der Eindruck, das Müsli würde hauptsächlich aus Himbeeren bestehen.

Fa. Denree

Wir bedauern sehr, dass Sie keine Antwort  auf  Ihre Anfrage erhielten. Gern beantworten wir Ihre Fragen zu dem Thema Analogkäse.

Wir als Unternehmen für Bio-Produkte vertreiben selbstverständlich nur Artikel, welche eine Zertifizierung als Lebensmittel aus kontrolliert biologischen/ökologischen Anbau besitzen. Des weiteren überprüfen wir all unsere Produkte regelmäßig durch akkreditierte Labore auf alle relevanten Parameter um Qualitätsmängel auszuschließen.
Für das Unternehmen dennree, welches sich der Qualität und Authentizität verpflichtet fühlt, kam und kommt es nicht in Frage solche, den Verbraucher täuschenden Lebensmittelimitate zu vertreiben.

Wir hoffen wir konnten Ihre Fragen zur Gänze beantworten und stehen Ihnen für Rückfragen jederzeit zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Peter Herz
staatlich geprüfter Lebensmitteltechniker
Qualitätssicherung

dennree GmbH
Hofer Straße 11
5183 Töpen
 

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