Zum Inhalt

Kürbiskernöl - Die grüne Versuchung

  • Geschmeckt haben fast alle
  • Auch Günstige vorn dabei
  • Minimale Rückstände

Am Kernöl scheiden sich die Geister. Die einen lieben diese ursprünglich aus der Süd- und Oststeiermark stammende Spezialität, die anderen haben dafür nur verächtliche Ausdrücke wie „Wagenschmiere“ oder „Motoröl“ übrig. Doch wer einmal den typisch nussigen Geruch frisch gepressten Kürbiskernöls kennen gelernt hat, wird schnell zum Fan und kann sich zu deftigeren Speisen seinen grünen Salat ohne das dunkel-olivgrüne Dressing gar nicht mehr vorstellen. Und man kann zwar darüber diskutieren, ob zu einem Rindfleischsalat außer gekochtem Rindfleisch, grünem Paprika, Zwiebel, Salz und Essig auch Paradeiser gehören, eines steht für Kenner aber außer Streit: Ohne Kürbiskernöl schmeckt er nicht. Und dass zu einem Salat aus gekochten steirischen Käferbohnen steirisches Kürbiskernöl gehört, versteht sich sowieso von selbst.

Erfreuliches Ergebnis

Allerdings gehört Kernöl nicht gerade zu den billigen Speiseölsorten. Anlass genug, Qualität und Preise einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Mit einem durchaus erfreulichen Ergebnis: Von den 27 untersuchten Produkten konnten bis auf drei alle mit „sehr gut“ und „gut“ bewertet werden, wobei sich durchaus auch preisgünstigere Erzeugnisse auf den vorderen Plätzen fanden.

"Kernöl" und "Kürbiskernöl"

Geprüft wurden dabei Produkte mit der Bezeichnung „Kernöl“ oder „Kürbiskernöl“, die laut österreichischem Lebensmittelcodex nur aus 100 Prozent reinem Kürbiskernöl bestehen dürfen. Außerdem muss die erste Pressung verwendet werden. Mit Speiseöl gestrecktes Kernöl darf nur als „Salatöl“ (auch Speise- oder Tafelöl genannt) verkauft werden. Die getesteten Kernöle trugen ihre Bezeichnung jedoch alle zu Recht, Beimischungen anderer Öle wurden nicht entdeckt.

Pflanschutzmittelrückstände

Auch die Überprüfung auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln fiel sehr erfreulich aus. Trotz der mittlerweile immer feiner werdenden Nachweisverfahren konnten nur in 7 der 27 Erzeugnisse Rückstände nachgewiesen werden, bei 6 davon weit unter dem gesetzlichen Höchstwert. Lediglich ein Produkt („Klapotetz – Steirisches Kürbiskernöl“ des Vertreibers Steirerkraft Naturprodukte GmbH) erreichte genau den Höchstwert; es ist somit ebenfalls noch nicht zu beanstanden. Untersucht wurde dabei auf Trifluralin, das im Maisanbau verwendet wird, sowie auf die Pestizidgruppe der Organohalogene. Trifluralin wurde deshalb ausgewählt, weil dort, wo Kürbis angebaut wird, üblicherweise auch viel Mais wächst und der Eintrag von benachbarten Feldern oder Rückstände im Boden daher nicht auszuschließen sind.

Preise

Bei der Untersuchung der Preise fiel vor allem der große Unterschied zwischen den Produkten auf. Bewertet wurden Flaschen zu einem halben und einem Viertelliter, wobei vor allem bei den kleineren Gebinden eine Tendenz zu deutlich höheren Preisen auszumachen ist. Die meisten Produkte bewegen sich im Bereich von 12 bis 16 Euro je Liter. Das günstigste Erzeugnis kam dabei auf 9,98 Euro, das teuerste auf 32 Euro.

Geschmack

Vom Geschmack her befanden die Tester alle Produkte bis auf eines mit „sehr gut“ oder „gut“. Negativer Ausreißer war das italienische Kürbiskernöl von Engelberts Bio Naturprodukte, das von den Laienverkostern durchwegs heftig abgelehnt und von der Lebensmittelversuchsanstalt sogar beanstandet wurde. Noch eines stieß uns auf: Bei diesem Produkt soll es sich um eine Kaltpressung handeln. Kürbiskerne müssen vor dem Pressen aber bei Temperaturen von etwa 100 Grad C geröstet werden – da kann von kalt keine Rede sein!

Inhaltsstoffe

Gutes Öl sollte über einen nussigen Geschmack mit einer Spur Röstaroma verfügen. Bitter sollte es nicht schmecken, das wäre ein Hinweis, dass die Kerne zu stark geröstet wurden. Angezeigt wird dies auch durch eine deutliche Verschiebung der Farbe ins Rötlichbraune. Vom Standpunkt einer gesunden Ernährung können wir Ihnen durchaus zur Verwendung von Kürbiskernöl raten – allerdings nur als Salatöl, es darf nicht erhitzt werden. Ein hoher Gehalt an ein- und mehrfach ungesättigten Fettsäuren und an Vitaminen wie E und Carotinoiden macht es sehr wertvoll. Wie jedes andere Speiseöl enthält ein Esslöffel zwischen 10 und 12 Gramm reines Fett und hat 90 bis 110 Kalorien. Wer die positive Wirkung des Kürbis auf Prostatabeschwerden und Harnwegserkrankungen nützen möchte , sollte sich eher aufs Kerneknabbern verlegen, wie jüngste Studien ergeben haben; Wunder darf man sich jedoch nicht erwarten.

Kürbiskernöl

×

Die Günstigsten unter den "sehr guten"

×

Die Bezeichnung „Steirisches Kürbiskernöl“ wurde als geografische Angabe von der EU unter Schutz gestellt.

Angebaut werden darf in den steiermärkischen Bezirken Deutschlandsberg, Feldbach, Fürstenfeld, Graz-Umgebung, Hartberg, Leibnitz, Radkersburg, Voitsberg und Weiz. Die Nachfrage nach dem steirischen Kernöl übersteigt jedoch mittlerweile das Angebot an Kürbis-Anbauflächen, daher wurde die Produktion auf andere Gebiete ausgeweitet; auf die burgenländischen Bezirke Jennersdorf, Güssing und Oberwart sowie die niederösterreichischen Hollabrunn, Horn, Mistelbach, Melk sowie die Gerichtsbezirke Zistersdorf und Stockerau.

Das Pressen der Kerne ist allerdings Ölmühlen in den genannten steiermärkischen und burgenländischen Bezirken vorbehalten. Und während Produkte mit der Bezeichnung „Kernöl“ oder „Kürbiskernöl“ laut Codex theoretisch aus den Kernen irgendeiner Kürbissorte stammen können, darf „Steirisches Kürbiskernöl“ ausschließlich aus den Samen des „Steirischen Ölkürbis“ (Cucurbita pepo var. Styriaca) gewonnen werden. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass seine Samen schalenlos sind. Dies ist vor allem für die Verarbeitung – Trocknen, Mahlen, Rösten und Pressen – von Bedeutung. Damit sich nicht ungarische oder gar chinesische Kerne unter die heimischen mischen, gibt es ein Kontrollsystem, das überprüft, ob Anbaufläche, Ernteertrag und Ölmenge in etwa zusammenpassen.

Erkennbar ist das „Steirische Kürbiskernöl“ am gelb-blauen EU-Siegel (siehe dazu: Bildergalerie "Steirisches Kürbiskernöl") bzw. an einer eigenen Banderole (siehe dazu: Bildergalerie "Steirisches Kürbiskernöl"). Dann handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein heimisches Produkt.

Keine Frage des Preises. Auch preisgünstigere Produkte sind von sehr guter Qualität. Kleine Mengen kauft man teuer.

Je frischer, desto ausgeprägteres Aroma. Im Handel ist die Frische am Ablaufdatum erkennbar – Öl hält sich bis zu einem Jahr, auf manchen Fläschchen findet sich auch das Abfülldatum. Oder direkt bei einem Kernölbauern oder in der Ölmühle kaufen.

Schmecken sollte es. Die geschmackliche Vielfalt ist groß. Gutes Öl verfügt über ein nussiges Aroma mit Röstgeschmack. Dieser darf aber nicht ins Bittere gehen.

Kühl und lichtgeschützt. Wie bei jedem anderen Öl können Sie Geschmack und Aroma durch die richtige Lagerung länger erhalten. Es sollte in dunkle Flaschen abgefüllt sein.

Berghofer Mühle KG, (03155) 22 22

Engelberts Bio Naturprodukte: EP Naturprodukte AG, (05332) 756 54

Familie Reicher, (03157) 24 46

Familie Watzlawek, (03387) 26 35

Fandler: Gegenbauer Erwin, (01) 604 10 88

Hausgold: Zielpunkt-Löwa Warenhandel GesmbH, (01) 610 58-0

Hötzl Josef, (03472) 21 88

Ja! Natürlich Naturprodukte GesmH, (02236) 60 00-950

Kernsaat Waren-BetriebsgesmbH Nfg. KEG, A-8435 Wagna

Kiendler GmbH, (03183) 82 01-0

Klapotetz: Steirerkraft Naturprodukte GmbH, (03178) 25 25-17

Kleinschuster Karl, (03387) 32 57

Kürbishof Koller, (03155) 34 14

Lödersdorfer: Gegenbauer Erwin, (01) 604 10 88

Lugitsch Rudolf KG, (03152) 22 42-0

Mandl Exclusiv, (03143) 60 28

Neuwirth Walter, (03117) 51 71

Ölmühle Birnstingl GmbH, (03123) 27 17

Pelzmann Ölmühle GmbH, (03452) 823 68-0

Pirstinger Ingrid, (03118) 26 15

Reicher Anton, (03155) 24 57

Sowieswächst: Kettler GmbH, (02944) 82 63-0

Spindler Josef, (03386) 72 65

Steirerkraft: Steirerkraft Naturprodukte GmbH, (03178) 25 25-17

Url  F. & Co GesmbH, (0316) 40 07-260

Weinhandl-Mühle, (03473) 82 86-0

Im Test: 27 Flaschen Kürbiskernöl, zum Großteil aus Supermärkten und anderen Geschäften. 5 davon wurden direkt beim Erzeuger gekauft.

Kennzeichnung: laut Lebensmittelkennzeichungsverordnung 1993.

Zusammensetzung: Untersucht wurde die Zusammensetzung des Fettsäurespektrums mittels Gaschromatografie.

Rückstände von Pflanzenschutzmitteln: Untersucht wurde auf Organohalogenverbindungen und das Herbizid Trifluralin; als Höchstwerte wurden jene aus der Schädlingsbekämpfungsmittel-Höchstwerteverordnung herangezogen.

Geruch und Geschmack: Aussehen, Geschmack, Geruch und Konsistenz wurden durch das VKI-Laienverkosterpanel nach dem Schulnotenprinzip bewertet und die Ergebnisse statistisch ausgewertet.

Diesen Beitrag teilen

Facebook Twitter Drucken E-Mail

Das könnte auch interessant sein:

Ein Strauch mit Oliven hängt an einem Olivenbaum. premium

Test Olivenöl: 18 Produkte, viele Verlierer

Wir haben 18 Olivenöle der Güteklasse „nativ extra“ getestet, die in Supermärkten, bei Diskontern und im Feinkosthandel angeboten werden. Das Ergebnis ist enttäuschend. Nur zwei Produkte bekamen eine gute Bewertung, drei Olivenöle fielen komplett durch.

alt premium

Olivenöl - Gemischter Satz

Die Qualität von Olivenöl "extra vergine" aus Supermärkten und Drogerien wird besser. Wer Wert auf die Herkunft der Oliven legt, sollte allerdings genau hinsehen.

alt premium

Kürbiskernöl - Echt steirisch?

Steirisches Kürbiskernöl muss aus heimischen Kürbissen produziert werden, soll möglichst nicht mit Pestiziden belastet sein und gut schmecken.

alt

Spezialöle: Lein-, Sesam-, Traubenkernöl - Stark belastet


Test Spezialöle: Sie sollen für kulinarische Abwechslung sorgen - Leinöl, Sesamöl, Traubenkernöl, Walnussöl, Kokosnussöl und Arganöl. Drei Produkte waren so mit Schadstoffen belastet, dass sie nicht verkauft werden dürften.

Gefördert aus Mitteln des Sozialministeriums

Sozialministerium
Zum Seitenanfang