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Erdbeereis - Eiskaltes Farbenspiel

Sommerzeit ist Eiszeit. Doch wie viel Eis bekommen Schlecke­rmäuler eigentlich für ihr Geld? Und was kann ­Erdbeereis knallrosa färben?

Folgende Eisgeschäfte waren in unserem Erdbeereis-Check:

Wien

  • Bortolotti
  • Eis Greissler
  • Eissalon am Schwedenplatz
  • Tichy Eissalon
  • Tuchlauben Eis
  • Zanoni & Zanoni

Innsbruck

  • Eisgrotte
  • Eis Peintner
  • Tomaselli Gelateria

Geprüft haben wir: Geschmack, Preis/100g, Farbstoffe. - Nachfolgend unser Report.


Rund 8 Liter oder etwa 64 Kugeln Eis werden hierzulande pro Kopf und Jahr geschleckt. Das ist im europäischen Vergleich nicht ­wenig, aber auch nicht viel. Damit die Österreicher mehr auf den Geschmack kommen, propagieren die Eissalons beim traditio­nellen Saisonstart Mitte März immer eine Eissorte des Jahres.

Waren es 2014 Beeren und Beerenvariationen, so sind die Spezialitäten der Sommersaison 2015 Schokolade und Zitrusfrüchte. Mehr Klassik geht fast nicht mehr, denn Schokolade zählt seit Jahren neben Vanille, Haselnuss und Erdbeere zu den beliebtesten Eissorten des Landes.

Preis, Geschmack, Farbstoffe

Was genau in Vanilleeis steckt, haben wir zuletzt vor drei Jahren untersucht (Vanilleeis - Eiskalt erwischt). Diesmal wollten wir wissen: Wie viel Geld nehmen die Eissalons eigentlich für ihre Ware? Oder anders gefragt: Wie viel Eis bekommt der Kunde für sein Geld? Als Testobjekt wählten wir Erdbeereis aus.

Diese Sorte gehört zum Standard­angebot jeder Eisdiele und ist vor allem bei Kindern wegen ihrer Farbe beliebt. Eine ­weitere Frage lautete daher: Was macht ­dieses Eis so schön rosa? Und natürlich: Schmeckt Erdbeereis immer gleich oder gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen ­Geschäften?

Wiener und Innsbrucker Eissalons

Eingekauft haben wir unser Eis in sechs ­Wiener und drei Innsbrucker Eissalons. Bei jedem Geschäft verlangten wir die kleinste Eisportion im Becher. Während die einen Tester das Eis erstanden, suchten die anderen einen möglichst unauffälligen Platz zum Ausfüllen der Fragebögen.

Jede Eisportion wurde genau abgewogen. Anschließend kam ein Teil unserer Einkäufe in etikettierte Flaschen, die zur Untersuchung der ver­wendeten Farbstoffe ins Labor transportiert wurden. Darauf folgte der kulinarische Teil: die Verkostung.

Von frisch bis künstlich

Kaum zu glauben, aber wahr: Die geschmacklichen Unterschiede bei Erdbeereis sind enorm. Von süß bis säuerlich, von ­milchig bis cremig, von frisch bis künstlich war alles vertreten. Wirklich überzeugen konnte uns übrigens kein einziges Eis. Mehr noch: Gerade einmal in der Hälfte der Eis­salons würden unsere Tester nochmals ­Erdbeereis kaufen.

Große Unterschiede bei Preis und Portion

Schlechter als die Mitbewerber

In beiden Städten gab es übrigens ein Eis­geschäft, das deutlich schlechter abschnitt als die Konkurrenz. In Wien war das der Eissalon Zanoni & Zanoni und in Innsbruck die Eisgrotte. Beim dort verkauften Erdbeereis konsta­tierten unsere Tester allesamt mangelnde Fruchtigkeit bzw. einen unangenehm künstlichen Geschmack, was zu einem ­"weniger zufriedenstellenden" Ergebnis in Sachen Verkostung führte.

Vor allem bei Zanoni & Zanoni stellten sich einige die Frage, ob sie hier statt Erdbeereis vielleicht überlagerte, aufge­taute Tiefkühl­erdbeeren löffelten.

Portionsgrößen

Erstaunlich auch die unterschiedlichen Portionsgrößen. Die Wiener sind offenbar Eis­tiger, denn an der Donau gibt es wesentlich mehr Gefrorenes im Becher als am Inn. Wer in Wien am Verkaufstresen eine kleine Portion verlangt, bekommt zwischen 79 Gramm (Zanoni & Zanoni) und 177 Gramm Eis (Bortolotti). In Tirol gibt es dagegen zwischen 82 Gramm (Eisgrotte) und 92 Gramm Eis (Peintner).

Große Preisunterschiede

Genauso stark wie die Portionsgrößen schwanken natürlich auch die Preise. Für ­eine kleine Portion Eis im Becher werden in Wien zwischen 1,30 und 2,60 Euro fällig, in Innsbruck 1,20 bis 1,30 Euro. Nur auf den ersten Blick ist der Eisgenuss in Innsbruck günstiger zu haben: Für weniger Geld gibt es dort nämlich auch deutlich weniger zum Schlecken.

Azofarbstoffe im Eis

Azofarbstoffe im Eis ...

Bleibt noch die Frage nach der Farbe im Erdbeereis. Dass Lebensmittel häufig gefärbt werden, ist nicht neu und auch nicht ver­boten. Wir wollten wissen, ob bei Erdbeereis auch künstliche Farbstoffe wie zum Beispiel Azofarbstoffe eingesetzt werden. Um das herauszufinden, wurden alle unsere Proben im Labor voruntersucht. Nur in einem Fall ergab sich ein Verdacht. Diese Probe wurde daher noch genauer analysiert.

... von Zanoni & Zanoni

Und tatsächlich: 52,3 (+/– 7,85 Messunsicherheit) Milligramm Cochenillerot A (E 124) pro Kilogramm Eis lautete der Befund der Untersuchungs­anstalt für das auffällig pinke Erdbeereis vom ebenso bekannten wie beliebten ­Wiener Eissalon Zanoni & Zanoni!

Kennzeichnungspflicht

Nicht genug damit, zählt Cochenillerot A auch noch zu den kennzeichnungspflichtigen Azofarbstoffen. Produkte, die damit gefärbt werden, müssen von Gesetzes wegen folgenden Warnhinweis tragen: "Kann die Aktivität und Aufmerksamkeit von Kindern beeinträchtigen."

Abgesehen davon, dass künstliche Farb­stoffe unserer Meinung nach in einem Eis nichts verloren haben, konnten wir den hier vorgesehenen Warn­hinweis bei Zanoni & Zanoni ­natürlich auch nirgendwo entdecken.­ Lesen Sie dazu auch unser "Aufgespießt": Erdbeereis - Eiskaltes Farbenspiel.

Erdbeereis in Innsbruck und Wien: Geschmack und Preis

INNSBRUCK

Eis Peintner
Geschmack: gut

kleinste Portion: 92 g
Preis/Portion: 1,20 €
Preis/100 g: 1,30 €

Tomaselli Gelateria
Geschmack: gut

kleinste Portion: 86 g
Preis/Portion: 1,30 €
Preis/100 g: 1,51 €

Eisgrotte
Geschmack: weniger zufriedenst.
              
kleinste Portion: 82 g
Preis/Portion: 1,20 €
Preis/100 g: 1,46 €

WIEN

Bortolotti
Geschmack: gut

kleinste Portion: 177 g
Preis/Portion: 2,30 €
Preis/100 g: 1,30 €

Eis Greissler
Geschmack: gut

kleinste Portion: 98 g
Preis/Portion: 1,50 €
Preis/100 g: 1,50 €

Eissalon am Schwedenplatz
Geschmack: gut

kleinste Portion: 141 g
Preis/Port.: 2,60 €
Preis/100 g: 1,84 €

Tuchlauben Eis
Geschmack: gut

kleinste Portion: 129 g
Preis/Portion: 2,50 €
Preis/100 g: 1,94 €

Tichy Eissalon
Geschmack: durchschnittlich

kleinste Portion: 160 g
Preis/Portion: 2,00 €
Preis/100 g: 1,25 €

Zanoni & Zanoni
Geschmack: weniger zufriedenst.

kleinste Portion: 79 g
Preis/Portion: 1,30 €
Preis/100 g: 1,65 €

Grafische Darstellung
(inkl. Adressen):

Wie viel Erdbeereis in Wien und Innsbruck kostet und wie es schmeckt (Grafik: VKI)

 

Kalt erwischt

Das Wetter im Sommer des Vorjahres war eine Katastrophe, vor allem für die Eisverkäufer. Tiefe Temperaturen und jede Menge Regen vermiesten sowohl den industriellen Eiserzeugern wie auch den Eissalons das Geschäft, und zwar gehörig.

"In dieser Extremheit haben wir das Wetter und den Einfluss auf den Eisumsatz gesamt noch nie erlebt", stellte Christian Kratky, Verkaufs­direktor von Unilever Austria (Eskimo), ernüchtert fest.

Eismarkt verlor um 7,6 Prozent

Der Großteil des Geschäfts mit der eiskalten Süßigkeit läuft bei uns über den Handel. Dort verlor der Eismarkt 2014 im Vergleich zum Jahr davor rund 7,6 Prozent, rechnete das Marktforschungsinstitut Nielsen vor. Das ist in Zahlen ein Minus von 10,5 Mio. Euro.

Doch nicht nur die Großproduzenten wie Eskimo und Schöller (Nestlé) holten sich im vergangenen Sommer kalte Füße. Auch die rund 300 Eissalons in Österreich, die sich vom Eisumsatzkuchen 17 Prozent abschneiden, erwischte es eiskalt. Sylvio Molin Pradel, Obmann der Berufsgruppe Eissalons in der Wirtschaftskammer, hofft daher für heuer auf bessere Zeiten.

Zusammenfassung

  • Erstaunlich unterschiedlich. Erdbeer­eis ist nicht gleich Erdbeereis. Je nach Eissalon gibt es große geschmack­liche Unterschiede. Kosten Sie sich durch, um Ihr ­Lieblingseis zu finden.
  • Knallbunt ist verdächtig. Kaufen Sie keine farblich auffälligen Eissorten, vor allem nicht für Ihre Kinder. Wie wir im Test feststellen mussten, kann selbst Erdbeer­eis mit Azofarbstoffen aufgehübscht sein.
  • Wien mag’s üppig. Wer eine kleine Portion Eis im Becher kauft, bekommt in der Bundeshauptstadt deutlich mehr als in Innsbruck. Preislich liegen beide Städte aber fast gleichauf.

Untersuchungskriterien

Am 30. April 2015 wurde in 6 Wiener und 3 Innsbrucker Eissalons die jeweils kleinste Portion Erdbeereis im Becher gekauft. Anschließend wurden (nach Abzug der jeweiligen Tara des Bechers) alle Proben abge­wogen und verkostet.

Jedes Erdbeereis wurde außerdem im Labor auf künstliche Farbstoffe untersucht.

Reaktion von Zanoni & Zanoni

Was die Firma Zanoni & Zanoni dazu sagt, dass ihr Erdbeereis mit dem Azofarbstoff Cochenillerot A (E 124) gefärbt ist:

"Wir haben in den letzten beiden Wochen des April und in den ersten Tagen im Mai bei einigen Sorten Entwicklungstests gemacht. Aufgrund mangelhafter Fruchtqualitäten und verändertem Grundmix war die Farbe bei einigen Produktionschargen nicht verkaufsfähig (gräulich). Aufgrund dessen haben wir bei diesen Produktionen mit einem längst ausgeschiedenen Farbstoff geholfen, der gekennzeichnet hätte werden müssen. Wir möchten Ihnen versichern, dass wir diese Kategorie Farbstoffe längst nicht mehr verwenden."

Zanoni & Zanoni

Leserreaktionen

Keine „Dielen“ in Österreich

Auch nach 32 Jahren Aufenthalt sind mir in Wien keine „Eisdielen“ mit „Tresen“ bekannt. Als überzeugter Europäer lege ich Wert auf die Vielfalt der regionalen Eigenheiten und bitte Sie: verwenden Sie in einem österreichischen Magazin die lokale Sprache.

User "djmp1964"
(aus KONSUMENT 8/2015)

Videoüberwachung bei Zanoni

Ich fand das Eis von Zanoni auch schon vor Ihrem Test nicht so gut wie das der getesteten Mitbewerber. Seit man mir im (damals noch recht neuen) Lokal in der Innenstadt nach einer Konsumation im Lokal einen Kassenbon mit der Aufschrift „Zahlen Sie bitte an der Kasse – das Lokal wird videoüberwacht“ in die Hand gedrückt hat, meide ich Zanoni gänzlich. Wer seine Gäste unmissverständlich wissen lässt, dass er sie primär für (potentielle) Zechpreller hält, bekommt von mir kein Geld mehr.

Siegfried Lenz
E-Mail
(aus KONSUMENT 8/2015)

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