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Coffee to go - Kaffee mit Herzklopfen

, aktualisiert am

Kaffee zum Mitnehmen wird immer beliebter. Wer zwar den Geschmack, aber kein Koffein will, kann was erleben.

Zu lange geschlafen, sodass sich kein Frühstück ausgeht? Zu spät dran, weshalb vor der ersten Besprechung nicht einmal mehr Zeit für einen Stehkaffee bleibt? Kein Prob­lem: Schließlich gibt es Coffee to go. Den bekommt man inzwischen fast überall, in Coffee Shops, Kaffeehäusern, Bäckereiketten, Super­märk­ten, Fast-Food-Restaurants und sogar beim noblen Meinl am Wiener Graben.

Beliebt bei jungen Leuten

Coffee to go trinken am liebsten die Jün­geren, stellte eine Studie im Jahr 2012 fest. Bei 80 Prozent der befragten Kaffeetrinker zwischen 18 und 35 Jahren gehört er längst zum Alltag. Bei den Mittvierzigern liegt der Anteil nur mehr bei 54 Prozent. Und Männer trinken im Schnitt häufiger einen Coffee to go als Frauen – von wegen Kaffeeschwestern!

21 Cappuccinos mit und ohne Koffein im Test

Doch was steckt eigentlich in den Bechern, die man vor allem morgens überall sehen kann? Und was bekommen eigentlich Kaffeeliebhaber, die ihren Muntermacher lieber ohne Koffein trinken möchten? Um das ­herauszufinden, besuchten wir insgesamt 21 Geschäfte in Wien, in denen wir Cappuccino mit und ohne Koffein zum Mitnehmen bestellten. Viele der untersuchten Coffee Shops und Filialen großer Bäckereiketten gibt es auch in den Bundesländern.

Fachwissen ist Mangelware

Bereits beim Einkauf erlebten wir einige Überraschungen. Während die Verkäufer den verlangten Kaffee zubereiteten, wollten wir wissen, was eigentlich der Unterschied zwischen einer Melange und einem Cap­puccino ist. Erstaunlicherweise schafften nur wenige Anbieter eine korrekte Antwort ­(siehe Kasten "Was ist was?"). Alle anderen rätselten herum. Und bei Felber, Pascucci und Espresso Segafredo wollte man uns überhaupt einreden, dass zwischen einer Melange und einem Cappuccino kein Unterschied ­bestehe. Mit der viel gerühmten Wiener ­Kaffeehauskultur ist es offenbar doch nicht so weit her.

Mehrmalige Untersuchungen der Kaffees

Übrigens besuchten wir die Anbieter in einigen Fällen nicht nur einmal, sondern gleich mehrmals. Nach jedem Einkauf ermittelten wir, wie viel Kaffee im jeweiligen Becher steckte, und analysierten den Koffeingehalt. Bei Auffälligkeiten wurde der Test-Einkauf ­wiederholt.

Unterschiedlicher Koffeingehalt

Schönes Ergebnis unseres Tests: Wer einen Kaffee mit Koffein möchte, bekommt auch einen. Der tatsächliche Koffeingehalt ist aber höchst unterschiedlich. Dasselbe gilt für die Füllmengen: Von 0 bis fast 40 Prozent reichten hier die Abweichungen. So wurde uns in der Gelateria Ponticello, um das auffälligste Beispiel zu nennen, einmal 140 ml, ein anderes Mal 230 ml Kaffee verkauft. Das ergibt einen Unterschied von 39 Prozent.


 
Mehr zum Thema lesen Sie im satirischen Kommentar von Alois Grasböck zur "to go"-Mentalität der heutigen Zeit: Go, Verbraucher, go! 9/2013

Wie genießbar kleine Mahlzeiten zum Mitnehmen auf Bahnhöfen sind, lesen Sie in "Test: Take-away auf Bahnhöfen 9/2013".

Nicht immer koffeinfreier Kaffee

Von schwach bis stark

Wie viel Koffein können sich Coffee-to-go-Trinker erwarten? Kommt darauf an, wo sie einkaufen. Wer keinen starken Kaffee mag, ist bei Starbucks und Der Mann gut auf­gehoben. In ihren Produkten stecken durchschnittlich 257 bis 288 mg Koffein in 1000 ml Flüssigkeit. Wer es lieber intensiv mag, geht am besten zu Aida oder Merkur. 1047 mg Koffein in 1000 ml Cappuccino lautet das Ergebnis für Aida, die Kette mit dem cha­rakteristischen Rosa. Merkur bringt es auf durchschnittlich 895 mg, ebenfalls bezogen auf 1000 ml Becherinhalt.

Kaffee ohne Koffein

Und was ist mit jenen, die ein Getränk wollen, das zwar nach Kaffee schmeckt, aber kein Koffein enthält? Auch hier gehen die Kunden für den gleichen Preis mit mehr oder weniger Becherinhalt aus dem Geschäft. Die größte Abweichung fanden wir bei der ­Coffeeshop Company, wo man uns einmal 190 ml, ein andermal gleich 300 ml einschenkte, was einer Abweichung von 37 Prozent entspricht.

Hasardspiel: koffeinfrei ... 

Im wahrsten Sinn des Wortes vom Stuhl gerissen hat uns aber der Koffeingehalt einiger Proben, die uns als koffeinfrei verkauft wurden. Denn was wir im Coffee to go von Meinl und dem Traditionsbäcker Heberer fanden, beschleunigte unseren Herzschlag beträchtlich: 450 bis 501 mg bzw. 45 bis 1036 mg Koffein pro 1000 ml Flüssigkeit ­lautete die Bilanz nach mehreren Einkäufen – und das bei einem angeblich koffeinfreien Kaffee!

 ... oder doch nicht

Auch wenn in entkoffeiniertem ­Kaffee ­immer ein Restgehalt an Koffein steckt, sind diese Mengen, der niedrigste Wert ausgenommen, eine Zumutung. Hier wurde offensichtlich fast immer koffeinhaltiger Kaffee als koffeinfreier verkauft. Zum Glück für alle, die auf Koffein empfindlich reagieren, fanden wir in der überwiegenden Anzahl der eingekauften Proben nur geringe Werte von Koffein. Meistens kann man sich also darauf verlassen, dass man tatsächlich Kaffee mit einem nur geringen Anteil an ­Koffein bekommt.

Geschmacksfrage

Reine Geschmacksfrage

Natürlich haben wir jeden Coffee to go auch verkostet. Die Verkostung fand in kleinem Rahmen statt, daher flossen die Ergebnisse nicht in unser Testurteil ein. Beurteilt wurden Aussehen, Aroma, Geschmack, Temperatur und Milchschaum. Zudem mussten die Ver­koster erkennen, ob man ihnen gerade Kaffee mit oder ohne Koffein eingeschenkt hatte. Bei den Kaffees von Merkur und Der Mann taten sich einige schwer mit der Unter­scheidung koffeinhaltig oder nicht. Und ­natürlich beim Coffee to go von Heberer, was nachträglich niemanden wunderte. Dort wurde uns immer nur Kaffee mit Koffein verkauft.

Paolo's und Starbucks punkteten am ehesten

So richtig überzeugt waren unsere Tester von keinem Testprodukt. Am ehesten konnten noch Paolo‘s (Wiener U-Bahn-Station Westbahnhof) und Starbucks punkten. Ein miserables Geschmacksurteil setzte es dagegen für Merkur, Anker und Aida. Zumindest bei Letzterer ist das keine Überraschung: ­Entweder hasst man den Kaffee von Aida, oder man liebt ihn.

Die Besten

Wer entkoffeinierten Kaffee mag, sollte es ­einmal bei Starbucks, Der Mann und der Coffee Shop Company versuchen. Dort schmeckte ­unseren Testern die Ohne-Variante am besten. Erstaunlich: Die amerikanische Kette Starbucks, lange Zeit der Gottseibeiuns aller traditionellen Wiener Kaffeehäuser, machte bei Kaffee mit wie auch ohne Koffein eine gute ­Figur. Und Kaffee der Marke Illy war bei unserer Verkostung immer weit vorne zu finden.

Für Preisbewusste

Was kostet Kaffee zum Mitnehmen? Den mit Abstand preiswertesten Kaffee gibt es bei Tchibo (Eduscho). Mit Koffein kostet er 0,83 Euro, ohne Koffein 0,80 Euro pro 100 ml. Im Café-Restaurant Harry Holzer werden den Kunden für dieselbe Menge dagegen gleich einmal 3 Euro abgenommen. Espresso Sega­fredo verlangt für einen Coffee to go mit ­Koffein 2,38 Euro, die Ohne-Variante kostet dagegen 2,53 Euro, ebenfalls pro 100 ml.

Meinl und Heberer: nicht koffeinfrei

Und was legten wir für die beiden „Kuckuckseier“ hin? Bei Meinl wurden uns für 100 ml entkoffeinierten Kaffee, der in Wahrheit ­keiner war, 2,27 Euro verrechnet. Bei Heberer waren es 1,73 bis 2,36 Euro pro 100 ml, abhängig davon, wie viel – oder wie wenig – man uns einschenkte. Bleibt nur zu hoffen, dass das, was uns passierte, ein Ausreißer war. Alles andere wäre nämlich schlicht Irreführung.

Testtabelle: Coffee to go mit Koffein

Testtabelle: Coffee to go entkoffeiniert

Melange versus Cappuccino

Melange

Darunter versteht man einen Espresso mit

  • cremig geschäumter Milch und
  • zusätzlich etwas feinporigem Milchschaum.
  • Das Mengenverhältnis lautet: halb Espresso, halb Milch und als Draufgabe ganz wenig Milchschaum.
Zusammensetzung einer Melange (Bild: Montage: Erwin Haberl/VKI) 

Cappuccino

Das ist ein Espresso mit

  • cremig geschäumter Milch und
  • viel Milchschaum.
  • Hier ist das Mengenverhältnis ein Drittel Espresso, ein Drittel Milch, ein Drittel Milchschaum.
Zusammensetzung eines Cappuccino (Bild: Montage: Erwin Haberl/VKI) 

Menge des Milchschaums entscheidend

Die Menge des Milchschaums macht bei diesen beiden Kaffeearten also den entscheidenden Unterschied. Obwohl es eine Definition gibt, wie ein Cappuccino zusammengesetzt ist, fehlt eine Verpflichtung. Die Folge: Jeder Anbieter macht, wie er glaubt. Das Personal ist häufig schlecht geschult und die Kunden können raten, was sie tatsächlich serviert bekommen.

Inteview: Johanna Wechselberger, Vienna School of Coffee, Masterbarista

Johanna Wechselberger (Bild: Mathias Cimzar)

  Johanna Wechselberger  

Milchaufschäumen ist eine Wissenschaft

Wie man zu Hause einen guten Kaffee braut, darüber sprach KONSUMENT mit Johanna Wechselberger von der Vienna School of Coffee. Sie ist Masterbarista – eine von derzeit fünf weltweit –, internationale Jurorin, Brewmaster und Kaffeerösterin.

Was ist ein perfekter Espresso?
Ein tadelloser Espresso, für den ich 8 bis 9 Gramm Kaffee verwende, besteht aus 25 bis 30 ml Wasser, das mit einem Druck von 8 bis 9 Bar durch das Kaffeepulver gepresst wird. Die ideale Brühtemperatur liegt zwischen 88 und 94 Grad C und die Durchflusszeit sollte 20 bis 30 Sekunden betragen.

Gelten diese Angaben für alle Kaffeesorten?
Nein, natürlich nicht. Manche Kaffees brauchen weniger Druck und Temperatur, sonst schmecken sie schnell brandig, andere zu sauer. Profis wissen, wie sie ihren Kaffee behandeln müssen, denn jede Sorte hat andere Aromen und damit unterschiedliche Ansprüche an Temperatur, Mahlgrad, Druck und Kontaktzeit.

Wie macht man daheim am besten Kaffee?
Das Wichtigste sind erstklassige, frisch geröstete Kaffeebohnen, die nicht älter als sechs Monate sein sollten. Am besten geht man beim Einkaufen zum Spezialisten, wie man das in der Regel auch beim Wein macht. Es gibt inzwischen kleine Röstereien mit einem sehr guten Angebot an reinsortigen, oft auch schon direkt importierten und damit fair gehandelten Kaffees. Dann immer nur die Portion Bohnen mahlen, die Sie aktuell brauchen. Niemals auf Vorrat Kaffeepulver herstellen oder die Bohnen mehr als ein paar Stunden im Trichter des Mahlwerks lassen! Wenn Sie eine Kaffeemühle verwenden, achten Sie auf Qualität: Kein Schlagmesser, sondern besser ein Fabrikat mit Mahlscheiben. Für ein gutes Gerät müssen Sie hier mit mindestens 150 Euro rechnen. Aber auch gegen eine Handmühle ist nichts zu sagen.

Wie lange bleibt Kaffee frisch?
Nur kurz! Ich empfehle, erstens nur kleine Mengen ganzer Kaffeebohnen einzukaufen und sie zweitens nach Öffnen der Verpackung innerhalb einer Woche aufzubrauchen. Die in den Bohnen enthaltenen Fette verändern sich sofort, sobald Sauerstoff an den Kaffee kommt, oxidieren und werden ranzig; den Trichter am Mahlwerk deswegen ständig reinigen. Kaffeebohnen am besten in der Originalverpackung lassen. Diese nach jeder Entnahme gleich wieder mit einem Gummiringerl, einer Klammer oder einem Klebeband möglichst luftdicht verschließen. Bei Zimmertemperatur lagern. Bohnen niemals in eine Dose umleeren und schon gar nicht im Kühlschrank bunkern. Keinen glänzenden, speckigen, fettigen Kaffee kaufen und ihn nicht bei heißen Temperaturen stundenlang im Auto oder Einkaufs-Trolli herumkutschieren.

Was halten Sie von Kaffee-Vollautomaten für zu Hause?
Die sind okay, wenn man sich ein Gerät aussucht, bei dem man die Temperatur und die Kaffeemenge, die gemahlen wird, einstellen kann. Wichtig ist, sich nicht nur auf die Maschine und irgendwelche „werkseitigen Einstellungen“ zu verlassen, sondern zu experimentieren. Also ausprobieren, was zur Kaffeesorte passt, damit der Kaffee nicht zu sauer oder zu bitter schmeckt. Niemals den Trichter mit Kaffeebohnen vollfüllen, sondern immer nur genau eine Portion mahlen. Nicht zu viel Wasser durch das Kaffeepulver schicken: Das laugt den Kaffee zu sehr aus, macht ihn dünn und bitter. Schmeckt Ihnen der Espresso zu intensiv, gießen Sie heißes Wasser obenauf; oder besser: Füllen Sie die Tasse zur Hälfte mit Heißwasser und dann je nach Geschmack 1 oder 2 Espressi draufrinnen lassen. Dann klappt’s auch mit der „Crema.“

Wie stehen Sie zu Kapselmaschinen?
Sagen wir so: Ich habe auch ein paar Konserven in der Speisekammer stehen. Aber will ich deswegen täglich Dosenkost? Kapselmaschinen sind unbestritten praktisch. Wenn man sich aber ausrechnet, wie viel man tatsächlich für ein Kilo Kaffee bezahlt, wird einem schwindlig: Je nach Anbieter werden 75 bis 108 Euro verlangt! Die Kaffeekapseln sind auch immer viel teurer als eine Einzelportion frisch gemahlener Kaffee. Das Ergebnis in Sachen Aroma ist bestenfalls mäßig. Und von dem vielen Müll, der durch die Kapseln anfällt, rede ich erst gar nicht. Die bei den Vollautomaten täglich(!) entleerten gepressten Kaffeekekse kann man wenigstens als Blumendünger verwenden oder mit Flüssigseife zum Peeling in der Dusche.

Filterkaffee geht?
Gar keine schlechte Idee. So wie beim Espresso müssen Wassermenge und Kaffeepulver zusammenpassen. Für Filterkaffee nehme ich 60 Gramm Kaffee für 1 Liter Wasser. Für eine Einzelportion genügen 15 Gramm Kaffee und ein Viertelliter Wasser. Die Kontaktzeit beträgt 2,5 bis 3 Minuten. Unbedingt mit einer Stoppuhr und Küchenwaage arbeiten.
Wasser kochen und in eine Kaffee- oder eigene Filterkanne mit einem dünnen Ausgießer umleeren. Damit kühlt das Wasser auf 91 bis 93 Grad Celsius ab. Das Kaffeepulver im Filter mit 87 bis 93 Grad  heißem Wasser anfeuchten und 30 Sekunden anquellen lassen. Anschließend mit kreisrunden Bewegungen spiralig aufgießen, sodass das Pulver ständig gewendet wird und im Sud schwimmt. Nach zweieinhalb Minuten ist man fertig, die letzte halbe Minute fließt nur noch das restliche Wasser durch den Filter.

Welchen Filter soll man nehmen?
Es werden verschiedene Filtersysteme angeboten: Metallfilter, Papierfilter Stofffilter. Wofür man sich entscheidet, ist reine Geschmacksache. Wichtig ist: die Kanne, in die gefiltert wird, vorher mit heißem Wasser vorwärmen und Papierfilter schwemmen, um Feinstaub oder Fasern zu entfernen.
Filtert man eine größere Kaffeemenge, müssen die Bohnen gröber gemahlen werden, weil sonst die Kontaktzeit zu lang ist und das Durchrinnen des Wassers mehr als 3 Minuten dauert. Filterkaffe nicht länger als 15 Minuten auf der Wärmeplatte stehen lassen, sonst ist er „überextrahiert“, also bitter wie beim Tee ...

Was ist mit italienischen Mokkakannen?
Das ist eine Filtermethode, für die man natürlich auch Filterkaffee braucht. Die Mokkakanne hat nicht einmal annähernd den Wasserdruck, um Espresso zu machen, und wird trotzdem oft fälschlicherweise Espressomaschine genannt. Sobald das Wasser gleichmäßig in den oberen Behälter rinnt, weg mit der Hitze. Und kaum ist der letzte Tropfen oben, runter vom Herd und auf ein nasses, kaltes Tuch stellen. Sonst brüht der Kaffee nach, was ihn bitter macht.

Gibt es besondere Ansprüche an die Kaffeetassen?
Am besten sind Häferln aus Keramik, weil sie die Wärme gut halten. Ein Henkel ist natürlich auch nicht schlecht. Für einen Espresso sollten die Tassen klein, eng, dickwandig und innen rund sein. Die Flüssigkeit am besten mit einem Strahl an die Wand rinnen lassen, damit keine unnötigen Blasen entstehen.

Welche Art von Milch soll in den Kaffee?
Ich nehme immer Frischmilch mit 3,6 % Fett, weil diese ein guter Geschmacksträger ist. Für mich gibt es keinen Grund, H-Milch oder Magermilch zu verwenden. Alle Sorten kann man gleich gut schäumen. Für die Gastronomen ist die H-Milch natürlich praktisch, weil sie auch ohne Kühlschrank lange lagerfähig ist. Sie bilden sich auch ein, dass die besser zu schäumen ist, was keinen Sinn macht, denn verantwortlich für festen Schaum ist das Eiweiß (und das ist bei jeder Milch zwischen 3,3 und 3,5 %) und mein Geschick, die richtige Menge Luft einzusaugen und diese auch fein zu schlagen. Keine Ausreden also für Haltbarmilch. Das kommt von den Automaten, wo das Personal zu faul ist, den Milchbehälter täglich auszuleeren und zu reinigen.

Wie schafft man einen perfekten Milchschaum?
Das Milchaufschäumen ist eine Wissenschaft. Es geht darum, mit der Aufschäumdüse Luft hineinzusaugen. Dafür muss man unmittelbar unter der Milchoberfläche einen Sog erzeugen. Anschließend genügen Rollbewegungen der Milch – nicht des Kännchens –, um die Luftblasen zu verfeinern. Die Milch darf dabei nicht heißer als 65 Grad werden, sonst schmeckt sie nicht mehr süß und frisch. Und wenn sie kocht, fällt der Schaum zusammen.

Wohin geht der Trend in Sachen Kaffeegenuss?
Im Moment erleben wir die sogenannte Third Wave. Nach dem Alt-Wiener Kaffeehaus und Starbucks & Co sind nun spezielle Coffeeshops angesagt. Dort werden reinsortige Bohnen von Kleinröstern angeboten. Zubereitet wird der Kaffee mit verschiedensten Methoden von ausgebildeten Baristas auf erstklassigen sauberen(!) Maschinen und Geräten. In diesen Geschäften sind der Kaffee und seine besondere Behandlung das Hauptprodukt. Die neuen Jungen machen slow coffee und damit eine andere Art von Kaffeekultur.

Gibt es guten Kaffee im Kaffeehaus?
Ganz im Gegenteil! In der Gastronomie darf inzwischen jeder auch ohne Einschulung an die Kaffeemaschine. Baristas, also Fachfrauen und -männer für Kaffee, sind absolute Mangelware. Dazu kommen noch häufige Personalwechsel. Eine erstklassige Gastromaschine kostet außerdem von 7.000 Euro aufwärts bis zum Preis eines Kleinwagens. Das wollen die wenigsten Kaffeehausbetreiber ausgeben. Sie stellen sich lieber Billigmodelle um 2.000 bis 3.000 Euro auf oder nehmen, was der Großröster ihnen hinstellt. Diese Geräte arbeiten mit dem alten Wärmetauschersystem und überhitzen leicht. Das Ergebnis ist schlechter, weil verbrühter Kaffee, verstärkt durch zu 95 % ungereinigte, versiffte Geräte, schlecht gerösteten Billigkaffee und mangelnde Kenntnis der Rezepte.

Und was ist mit der alten Kaffeehauskultur?
Sie sagen ganz richtig – KaffeHAUSkultur. Heute wird leider so gearbeitet: Man kauft billigen Kaffee ein, drückt ihn auf einer ungereinigten, überhitzten Maschine herunter und beschäftigt ungeschultes Personal. Eigentlich müssten die Lokale auf Tortenhäuser umbenannt werden. Denn ihr Hauptprodukt – der Kaffee – wird selten korrekt und dazu noch wie ein Massenprodukt hergestellt. Stellen Sie sich vor, in einer teuren Cocktailbar steht kein Barkeeper, der Ihren Drink speziell für Sie mixt, sondern stattdessen ein Automat, bei dem irgendjemand auf den Knopf drückt.

Zusammenfassung

  • Koffeinfrage. Wie viel Koffein im Kaffee steckt, kommt auf den Verkäufer an. Bei Aida und Merkur gibt es starken Kaffee, bei Starbucks und Der Mann das Gegenteil.
  • Viel oder wenig. Wenn Sie immer beim gleichen Anbieter kaufen, achten Sie auf die Füllmenge. Da der Preis stets gleich ist, sollte es auch der Inhalt sein.
  • Mit Risiko. Auch koffeinfreier Kaffee enthält eine geringe Menge Koffein. Und bei Heberer und Meinl wurde uns überhaupt Kaffee mit Koffein als koffeinfreier verkauft.
  • Moderat. Gegen drei bis vier Tassen Kaffee (oder ein anderes koffeinhaltiges Getränk) am Tag ist nichts einzuwenden. Bei Schwangeren sollten es maximal drei mittelgroße Tassen Kaffee sein.

Testkriterien

Im Test: 21 Proben „Kaffee über die Straße“ (Coffee to go) mit Koffein und 21 ohne Koffein. Eingekauft wurde in Wiener Bäckereien, Coffee-Shops, aber auch Kaffeehäusern, die dieses Produkt anbieten. Bestellt wurde jeweils ein Cappuccino, wobei die Verkaufskräfte während der Zubereitung des Kaffees nach dem Unterschied zwischen Cappuccino und Melange gefragt wurden. Stimmten der Koffeingehalt oder die Füllmenge der Kaffees nicht überein, wurde das Produkt nochmals eingekauft.

Zwei Männer und zwei Frauen verkosteten den Kaffee und bewerteten mittels Fragebogen Geruch, Geschmack und Aussehen. Außerdem mussten die Testpersonen erkennen, welche der beiden Proben Koffein enthielten und welche nicht. Die Urteile der Verkostung flossen nicht in die Bewertung ein, da sie aufgrund der geringen Anzahl der Verkoster zu wenig repräsentativ sind.

Korrektes Getränk: 10 %
Stimmten der Koffeingehalt und/oder die Füllmengen der Getränke nicht überein, wurde der Kaffee nochmals eingekauft. Insgesamt wurden 3 bis 4 Einkäufe getätigt. Wurden bei allen Untersuchungen die gleichen Ergebnisse erzielt, wurde das Kaffeegetränk entsprechend bewertet. Wurden z.B. bei der 1. Messung Koffein in entkoffeiniertem Kaffee gefunden und in der 2. und 3. Messung nicht, gingen wir davon aus, dass es sich beim Ersteinkauf um einen einmaligen Irrtum handelte.

Produkte, deren Gruppenurteil beim Prüfpunkt korrektes Getränk „nicht zufriedenstellend“ war, konnten im Gesamturteil nur 2 Noten besser sein, also maximal die Note „durchschnittlich“ erhalten.

Herkunft: 20 %
Die Herkunft der Rohstoffe bzw. welche Kaffeesorte und Milchsorte verwendet wird, ist für viele Konsumenten sehr wichtig. Es wurden daher alle Hersteller angeschrieben und um die Bekanntgabe der Herkunft der Hauptrohstoffe gebeten. Ebenso wurde nach der Zusammensetzung des Kaffeegetränks gefragt. Bewertet wurde, ob und wie vollständig eine Auskunft gegeben wurde. Bekamen wir eine genaue Auskunft, wurde das mit „sehr gut“ benotet. Wurden nur unvollständige Information gegeben, lautete das Urteil „durchschnittlich“. Die Note „nicht zufriedenstellend“ bekam, wer die Auskunft verweigerte.

Produkte, deren Gruppenurteil bei der „Herkunft „nicht zufriedenstellend“ war, konnten im Gesamturteil maximal ein „durchschnittlich“ erhalten, also nur 2 Noten besser sein.

Füllmenge: 30 %
Kaffees, bei denen unterschiedliche Füllmengen festgestellt wurden, kauften wir mehrmals ein. Grundlage für die Berechnung der Füllmengendifferenz waren der niedrigste und der höchste Wert (in Prozent). Das Produkt mit der niedrigsten Gewichtsdifferenz in Prozent erhielt die Note „sehr niedrig“ mit der vollen Punkteanzahl. Die Grenze zwischen „durchschnittlich“ und „hoch“ liegt bei 30 Prozent. D.h., Proben mit einer Gewichtsdifferenz zwischen 0 und 30 Prozent wurden zwischen „sehr niedrig“ und „durchschnittlich“ gereiht. Produkte mit einer Gewichtsdifferenz von mehr als 30 Prozent erhielten die Beurteilung „hoch“ bis „sehr hoch“.

Produkte, deren Füllmenge zwischen „durchschnittlich“ und „sehr hoch“ gereiht war, konnten maximal 2 Noten besser sein als das Gruppenurteil „Füllmenge“.

Koffeingehalt: 40 %
Der Koffeingehalt bei koffeinhältigem Kaffee wurde nicht bewertet. Bei entkoffeiniertem Kaffee wurde ein maximaler Koffeingehalt von 35 Milligramm (mg) pro Liter (l) toleriert. Koffeingehalte von 10 bis 35 mg/l Kaffee wurden zwischen „sehr niedrig“ und „durchschnittlich“ gereiht. Koffeingehalte von mehr als 35 bis 150 mg/l Kaffee wurden zwischen „hoch“ und „sehr hoch“ gereiht. Produkte mit mehr als 150 mg Koffein pro Liter Kaffee erhielten die Note „nicht zufriedenstellend.

Grundlage für diese Berechnungen war der maximale Koffeingehalt von 0,1 % (laut österreichischem Lebensmittelbuch) Demnach stecken in 7 Gramm (g) Kaffee – entspricht der Menge für einen Espresso – maximal 0,007 g bzw. 7 mg Koffein. Dieser Wert wurde zur Sicherheit mit 5 multipliziert (falls für das Kaffeegetränk mehr als 7 g Kaffee bzw. mehr als 1 Espresso verwendet wurde).

Das Gesamturteil für die einzelnen Kaffees konnte nicht besser sein als das Gruppenurteil für den Koffeingehalt. Das heißt: Kaffees, deren Koffeingehalt nicht entsprach, wurden mit „nicht zufriedenstellend“ beurteilt.

Reaktionen

Anbieter mit einem negativen Testergebnis – „nicht zufriedenstellend“ – bekommen hier Gelegenheit, eine Stellungnahme abzugeben.

Heberer. Der Traditionsbäcker (ohne Koffein)

Heberer – Der Traditionsbäcker ist ein Franchise-Konzept auf Lizenzbasis. Als Lizenzgeber setzen wir höchste Produktqualität sowie systemkonforme Führung des Standortes voraus. Leider wurde dieser Anspruch am Standort Bahnhof City Wien West nicht erfüllt, wodurch es zu einem Wechsel der Standortbetreiber, sprich Lizenznehmer kam. Als Lizenzgeber können wir die Bewertung mit „nicht zufriedenstellend“ aufgrund des Fehlverhaltens eines früheren Mitarbeiters durchaus nachvollziehen.

Heberer GmbH
Traiskirchen

Meinl (ohne Koffein)

Die überhöhten Werte, die bei einem Cappuccino to go festgestellt wurden, sind nach unseren Untersuchungen durch einen Fehler beim Ausschenken passiert. Es ist uns wichtig zu betonen, dass unser entkoffeinierter Kaffee natürlich keine überhöhten Koffeinwerte enthält. Der gegenständliche Fehler stellt einen Einzelfall dar, den wir sehr bedauern. Wir werden in Zukunft die internen Überprüfungen und Schulungen intensivieren und alles daran setzen, dass derartige Fehler nicht mehr passieren.

Meinl am Graben
Wien

Anbieter

Aida: Chocolaterie & Großkonditorei AIDA-Prousek & Co.
Schönthalergasse 1
A-1210 Wien
01 258 26 11-0
www.aida.at

Ankerbrot AG
Absberggasse 35
A-1100 Wien
01 601 23-0
www.ankerbrot.at  

Bäckerei Felber: Franz Felber & Co GesmbH
Dassanowskyweg 11
A-1220 Wien
01 256 88 00
www.felberbrot.at  

Bäckerei Schwarz
Aufhostraße 138
A-1130 Wien
01 802 02 02
www.bswien.at  

Caffetteria Pascucci
Europaplatz 2
A-1150 Wien
01 962 15 93

Coffeeland e.U.
Donauzentrum Top 906A
A-1220 Wien
01 954 53 39
https://de-de.facebook.com/coffeeland.DZ 

Coffeeshop Company: Schärf Coffeeshop GmbH
Dr. Alexander Schärf Platz 1
A-7100 Neusiedel am See
05 90 10-430
www.coffeeshopcompany.com  

Eduscho Austria GmbH
Gadnergasse 71
A-1110 Wien
01 766 22-0
www.eduscho.at  

Espresso Segafredo
Graben 29
A-1010 Wien
01 533 50 25

Firma Harald Holzer GmbH
Schillerstraße 48-50
A-2351 Wiener Neudorf
02236 893 660
www.harryholzer.at 

Gelateria Ponticello e.U
Rennbahnweg 42
A-1220 Wien
01 933 50 48
www.ponticelloeis.at  

Heberer GmbH
Leonfeldner Straße 328
A-4040 Linz
www.heberer-traditionsbaecker.at  

Interspar Pasta & Cafe: SPAR Österreichische Warenhandels-AG
Europastraße 3
A-5015 Salzburg
0810 111 555
www.spar.at  

Kurt Mann Bäckerei & Konditorei GmbH & Co KG
Perfektastraße 100
A-1230 Wien
01 866 99-0
www.dermann.at  

McDonald´s Österreich
Campus 21
Liebermannstraße A01601
A-2345 Brunn am Gebirge
02236 3070-0
www.mcdonalds.at  

Meinl am Graben
Graben 19
A-1010 Wien
01 532 33 34
www.meinlamgraben.at  

Merkur Warenhandels AG
IZ NÖ-Süd,Straße 3, Objek
A-2355 Wr. Neudorf
01 2236 600-0
www.merkur.co.at  

Paolo's. ProDev Handelsges.m.b.H
Hardeggasse 65A/1/20
A- Wien
0680 214 58 56
http://paolos.at  

Starbucks coffee Austria GmbH
Theobaldgasse 20
A-1060 Wien
01 33 66 33
www.starbucks.at  

Ströck-Brot GmbH
Johann-Ströck-Gasse 1/Industriestraße 68
A-1220 Wien
01 204 39 99-0
www.stroeck.at  

TrattoVia Bahnof City Wien West
Europaplatz
Ebene 1/25
A-1150 Wien
01 343 95 08
www.trattovia.at  

Leserreaktionen

Zu subjektiv

Im Artikel „Kaffee mit Herzklopfen“ schreiben Sie „… Zumindest bei Letzterer ist das keine Überraschung: Entweder hasst man den Kaffee von Aida, oder man liebt ihn.“ Ich finde diese Aussage etwas zu subjektiv und für den Leser nicht nachvollziehbar, da kein Bezug auf objektive Testkriterien hergestellt wird. In Ihrem sonst sehr informativen Magazin mit gut recherchierten Artikeln passt diese Kritik meiner Meinung nach nicht ins Bild.

Christine Breier
Rottenmann
(aus KONSUMENT 11/2013)

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