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Bierzapfsysteme im Test - O`zapft is!

, aktualisiert am

  • Zapfgeräte brauchen lange zum Kühlen  
  • Versprechen „30 Tage frisch“ wird nicht erfüllt
  • Dosenbier ist am billigsten

Fass, Dose oder Flasche?

Vollkommen egal, ob wir das Wunder von Cordoba ein zweites Mal erleben oder Österreich nur Statist sein wird. Eines wird dieser Tage wohl zum Grundnahrungsmittel ausgerufen werden: das Bier. Bis zum Anpfiff macht sich so mancher Fußballfan wohl seine Gedanken, in welchem Gebinde er das kühle Blonde zu Hause vor dem Fernseher servieren soll. Klassisch aus Flasche und Dose oder mit einem Hauch von Extravaganz – frisch vom Fass gezapft, mit edler Schaumkrone und perfekt gekühlt.

Aufreißen am einfachsten

Ganz unabhängig von Preis, Image oder Optik geht es beim Biertrinken natürlich in erster Linie um den Genuss. Auch Lagerung, Transport und Kühlung sollten möglichst wenig Probleme bereiten. Hier haben die traditionellen Gebinde wie Flasche und Dose die Nase vorn. Mit ihnen bleibt man flexibel, sie sind leicht zu transportieren und brauchen wenig Platz. Stilechter hingegen ist zweifelsohne das Bier vom Zapfhahn. Wir haben zwei Systeme getestet, den BeerTender und das DRAUGHT KEG.

Hoher Geräuschpegel

Der BeerTender funktioniert ähnlich wie eine Espressomaschine. Er gleicht ihr auch in puncto Geräuschentwicklung – die integrierte Pumpe wurde von unseren Testern als recht laut empfunden. Reinigen, Fass einsetzen und Fass wechseln aber ging völlig problemlos von der Hand. Das DRAUGHT KEG ist technisch weniger anspruchsvoll und wird im Kühlschrank auf Betriebstemperatur gebracht. Sowohl der BeerTender 4 Liter als auch das 5-Liter-Fass von DRAUGHT KEG sind nicht ganz so einfach zu transportieren wie eine Dose oder Flasche und brauchen relativ viel Platz.

Teure Schank

Wer primär auf den Preis schaut, fährt mit der Dose am billigsten. Ein Seidel kommt im Blechgebinde auf gerade einmal 0,82 Euro. Dicht gefolgt von der Flasche mit 0,90 Euro. Das Bier aus dem Tender kommt selbst ohne Berücksichtigung der Anschaffungs- und Energiekosten am teuersten. Wer sein Bier mit Stil zapfen möchte, zahlt dafür rund 10 Prozent mehr und kommt so auf 1,02 Euro pro Seidel. Dazu kommt für das BeerTender-Gerät ein Anschaffungs- preis zwischen 249 und 299 Euro sowie ein Pfand von 5 Euro pro Fass.

Wegwerf-System

Auch das DRAUGHT-KEG-System liegt mit 0,99 Euro für 0,33 Liter Bier in der gehobenen Preisklasse. Für umweltbewusste Biertrinker sei erwähnt, dass das Gebinde als Wegwerfprodukt verkauft wird. Nach Rückfrage bei der ARA kann das Fass- System, obwohl es Kunststoffbestandteile enthält, allerdings immerhin im Altmetallcontainer entsorgt werden.

BeerTender mit Folgekosten

Der BeerTender sorgt selbst für die passende Temperatur. Das Schöne dabei: Wer sein Bier lieber etwas wärmer trinkt, kann die Temperatur beim Topmodell entsprechend einstellen. Das Bier wird auf die gewählte Temperatur gebracht und auf dieser gehalten, bis das Fass leer ist. Somit wird rund um die Uhr auf Trinktemperatur gekühlt. Das kostet Strom, und zwar zirka 16 Cent täglich. Ein Vorkühlen im Keller oder im Kühlschrank hilft, etwas an Energie einzusparen. Das kann sich durchaus bezahlt machen.

Die Angaben des Herstellers über die Kühldauer wurden nämlich in der Praxis nicht bestätigt, sie wichen um rund ein Drittel ab. So brauchte das Gerät in unserem Tests fast 17 Stunden, um von 26 °C auf 4 °C zu kühlen. Der Hersteller gibt eine Kühldauer von etwa 10 Stunden an. Bei den Vorbereitungen für die EM-Party sollte dieser Umstand also einberechnet werden, sonst stehen die Gäste mit einem warmen Bier da.

Schal nach 20 Tagen

Die Ergebnisse der Blindverkostung (verkostet wurde immer ein und dieselbe Biersorte) fielen doch ein wenig überraschend aus. In puncto Aussehen und Geruch konnten unsere Tester keine Unterschiede zwischen Dosen- und Flaschenbier ausmachen. Beides wurde mit „gut“ beurteilt. Beim Beer Tender und dem DRAUGHT-KEG-System gab es dagegen Qualitätsverluste im Hinblick auf die Spritzigkeit des Bieres. Der Gerstensaft aus dem Tender konnte zwar in frischem Zustand mit Dosen- und Flaschenbier mithalten. Nach 20 beziehungsweise 30 Tagen Lagerung jedoch schmeckte das Bier aus beiden Behältnissen nicht mehr ganz so gut. Und das, obwohl die Hersteller eine Frische über 30 Tage versprechen.

Der BeerTender Type B 90 ist mit einer Füllstandsanzeige ausgestattet, damit immer klar ist, wie viel Bier sich noch im Fass befindet. Doch die funktioniert leider nicht hundertprozentig. Geht das Bier zu Neige, beginnt die Anzeige zu blinken. Dann wird es eng. Bei einem der BeerTender konnten wir zu diesem Zeitpunkt immerhin noch fünf Pfiff abzapfen, bei einem anderen nur noch einen. Dass die Temperaturmessung korrekt ist, hilft dem Bierfreund da nur wenig.

Wer braucht was?

EM hin oder her, ein Bierzapfsystem hat in Wahrheit das ganze Jahr Saison. Bleibt die Frage offen, ob es auch für jeden Biertrinker geeignet ist. Wer wirklich nur ab zu zum Bier greift, wird mit dem Tender aus Platz- und Kostengründen nicht glücklich werden. Außerdem schmeckt das Bier nur frisch wirklich gut. Gleiches gilt für das DRAUGHT-KEG-System – es braucht viel Platz im Kühlschrank und ist bei einem Fassungsvermögen von fünf Litern für den Gelegenheitstrinker in 30 Tagen wahrscheinlich nicht zu leeren.

Mit dem BeerTender wird also vor allem glücklich werden, wer täglich Bier trinkt. Geeignet ist er auch für eine Party bis maximal 20 Personen. Sind mehr Gäste im Haus, kommt man mit dem Kühlen und Zapfen nur schwer nach. Auch das Easy-Zapf-System ist perfekt für gesellige Runden bis 20 Mann. Die Klassiker Dose und Flasche hingegen eignen sich für alle Bedürfnisse.

Test Bierzapfsysteme: "Kompetent mit Konsument"

  • Zeitfaktor . Der BeerTender braucht relativ lange, um das Fass zu kühlen. Am besten das Fass schon vorab über Nacht in den Kühlschrank geben, das spart Zeit und Geld.
  • Geldfaktor . Am billigsten ist die Dose, gefolgt von der Flasche. Wer das Fass beim BeerTender nicht gleich leert, zahlt massig für Strom, denn die gewählte Temperatur wird durchgehend gehalten.
  • Stilfaktor . Das wahre Wirtshausfeeling kommt am ehesten mit dem BeerTender zustande.
  • Genussfaktor . Der Hersteller wirbt zwar mit einer 30-Tage-Frischegarantie, aber wer die Fässer nicht schnell leert, wird mit zunehmend schalem Geschmack bestraft.

Test Bierzapfsysteme: Testkriterien

Technische Prüfung. BeerTender. Mittels Temperaturfühler wurde die Temperatur im Raum, am Fass und im vollen Bierglas gemessen. Der Energieverbrauch wurde während 24 Stunden bei gleichbleibenden Umgebungsbedingungen (20 °C Raumtemperatur, 55 bis 70 % Luftfeuchtigkeit) bis zum Erreichen einer Biertemperatur von 4 °C ermittelt. Die Kühldauer des Bieres bis zum Erreichen von 4 °C wurde ausgehend von 20 °C beziehungsweise 26 °C ermittelt.

Verkostung . Laienverkostung von Heineken Bier aus verschiedenen Gebinden. Beurteilt wurden Aussehen, Geruch und Geschmack nach dem Schulnotensystem. Im Vordergrund stand die Frische des Bieres, nicht der Geschmack der Biersorte.

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