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Aspartam: Unseriöse Panikmache per Mail - Entwarnung

Derzeit werden Warnungen vor dem Süßungsmittel Aspartam per Ketten-E-Mail verbreitet. Wir geben Entwarnung: Es handelt sich um unseriöse Panikmache.

Modernes Schauermärchen

Viele Konsumenten haben von Freunden oder Bekannten E-Mails mit einem PDF-Attachment erhalten. Darin heißt es drohend: „Aspartam ist es eine der gefährlichsten Substanzen, die jemals als Lebensmittel auf die Menschheit losgelassen worden ist.“

Panik ist unbegründet

Die Liste der Krankheiten, die Aspartam angeblich verursacht, ist schier endlos und reicht von Alzheimer über Impotenz bis zur Umnachtung. Stammen soll dieses Machwerk  angeblich von der seriösen amerikanischen F.D.A. (Food und Drug Administration), der  Lebensmittel- und Arzneibehörde. Mehrere besorgte Konsumenten haben uns danach gefragt. Panik ist unbegründet: Hier handelt es sich um eine so genannte „Urban Legend“. Darunter versteht die Sozialwissenschaft moderne Sagen. Sagen – also mündlich überlieferte Erzählungen - über Basilisken, böse Riesen oder Drachen haben unsere Vorfahren einander mit wohligem Erschauern erzählt. Schließlich gab es damals noch keine Fernsehkrimis.

Doch auch heute sind Sagen nicht ausgestorben. Aber die Inhalte haben sich gewandelt. Heute handeln sie von der „Spinne in der Yuccapalme“ (so der Titel einer einschlägigen Sammlung) oder vom Dackel, der seinen Besitzern im Chinarestaurant schön dekoriert als Mahlzeit serviert wird. Und Sagen werden heute oft über E-Mail und im Internet verbreitet.

Süßstoff wird verteufelt

Die TU-Berlin hat eine eigene Website, die diesem und anderen Phänomenen auf den Grund geht: [ TU-Berlin: www.hoax-info.de ]. Der Aspartam-Saga hat man dort sogar ein eigenes Info-Blatt gewidmet:  [ TU-Berlin - Warnung vor Aspartam ]

Diese Sage kursiert schon seit längerem. Wahrer wird sie deswegen aber auch nicht.

Aspartam ist ein chemisch hergestelltes Süßungsmittel. Es handelt sich um ein so genanntes Dipeptid, das aus den beiden Aminosäuren L-Aspargin und Phenylalanin besteht. Die drei wesentlichen Bestandteile, in die Aspartam durch Enzyme und Peptide abgebaut wird, sind die Aminosäuren Phenylalanin und Asparaginsäure sowie Methanol. Dies dürfte der Anlass für die Panik sein, die immer wieder in Bezug auf Aspartam verbreitet wird. Denn, wie auch chemisch Halbgebildete wissen, ist Methanol, auch Methylalkohol genannt,  eine Substanz, die toxisch wirkt, wenn größere Mengen davon eingenommen werden. Doch die beim Verzehr von Aspartam entstehenden Mengen von Methanol sind so gering, dass sie auf die Körperfunktionen keine Auswirkungen haben und auch nicht giftig sind. Methanol bildet sich übrigens auch, wenn man Frucht- oder Gemüsesäfte trinkt – ebenfalls in vernachlässigbaren Mengen.

Gut untersucht und im allgemeinen harmlos

Der vom wissenschaftlichen Lebensmittelausschuss der EU (SCF) festgelegte ADI-Wert (ein Wert, der die akzeptable, unschädliche  tägliche Zufuhr über ein Leben lang bestimmt) liegt für Aspartam bei 40 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht. Der ADI-Wert steckt lediglich einen Rahmen ab, geringfügige Verzehrsüberschreitungen gelten als vertretbar. Der ADI-Wert errechnet sich aus der Dosis eines Stoffes, der im Tierversuch noch keine schädlichen Wirkungen zeigt, und zwar dividiert durch den Sicherheitsfaktor 100, welcher bei Vorliegen besonderer Gründe auch verschärft werden kann.  

Nur für wenige Menschen gefährlich

Eine Personengruppe gibt es, die Aspartam und aspartamhaltige Lebensmittel und Getränke meiden soll, nämlich Menschen, die an Phenylketonurie (PKU) leiden. Das ist eine seltene erbliche Stoffwechselerkrankung. Aus diesem Grund schreibt die Süßungsmittelverordnung vor, das aspartamhaltige Süßungs- und Lebensmittel mit dem Hinweis „enthält Phenylalanin“ oder „enthält eine Phenylalaninquelle“ gekennzeichnet werden müssen. Die Betroffenen wissen darüber Bescheid. Aber wer die Hintergründe nicht kennt, verfällt womöglich in (unbegründete) Panik.  

Link zu einer englischsprachigen Seite mit modernen Sagen: [ About.com - Urban Legends ]

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