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Elfenbein - Jagd nach dem weißen Gold

Illegaler Elfenbeinhandel und Wilderei haben die Elefantenbestände in Afrika drastisch reduziert. Zahlreiche Organisationen setzen sich für den Schutz von Elefanten ein.

Es war vor fünf Jahren, als Andrea Crosta auf einer Reise durch Kenia ein totes Elefantenbaby sah – abgeschlachtet von Wilderern. Der Italiener, der bereits zahlreiche Naturschutzprojekte betreut und als Sicherheitsberater gearbeitet hatte, gründete die Elephant Action League (EAL), um illegalen ­Elfenbeinhändlern das Handwerk zu legen.

Schwarzhandel blüht

Offiziell ist der internationale Handel mit ­Elfenbein seit 1989 verboten, doch der Schwarzhandel blüht. Wissenschaftler an der Columbia University in New York fanden kürzlich heraus, dass der Großteil des Elfenbeins auf internationalen Schwarzmärkten von frisch getöteten Tieren stammt. Sie hatten rund 230 Elefantenstoßzähne untersucht, die zwischen 2002 und 2014 beschlagnahmt worden waren. Mehr als 90 Prozent davon stammten von Elefanten, die in den drei Jahren zuvor getötet worden waren.

Armut und Korruption

Laut WWF sind die Elefantenbestände Afrikas seit 2006 um mehr als 110.000 Tiere geschrumpft, vor allem aufgrund von Wilderei. Organisationen wie die EAL haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Elfenbeinhändlern das Handwerk zu legen. "Wir nehmen ­Undercover Kontakt mit den Zwischen­händlern auf, die oft in großem Stil agieren", erklärt Andrea Crosta. Das Hauptproblem seien korrupte Regierungen und Politiker ­sowie mangelnde Gesetze in Zentralafrika.

"Korruption ist in vielen afrikanischen Ländern Teil des Systems", so der Aktivist. Um gegenzusteuern, gründete Crosta zudem die Whistleblower-Plattform WildLeaks, die ano­nymen Informationen zum Wildtierhandel nachgeht. Und die Wilderer selbst? Viele leben in Armut, sind Analphabeten mit großen Familien.

Ausgerottet oder besonders gefährdet

"Wie kann man diese Leute verurteilen?", meint Crosta. "Sie bekommen für einen toten Elefanten eine Geldsumme, die einem Jahreseinkommen entspricht." In Ländern wie Burundi, Gambia oder Maure­tanien sind Elefanten bereits ausgerottet, weltweit stehen sie auf der Roten Liste besonders ­gefährdeter Tierarten.

Es gibt aber auch Gegenbeispiele: "In Botswana werden Wilderer und Elfenbeinhändler hart bestraft, der Präsident steht hinter dem Verbot", weiß Crosta. Das Land ist von einem florierenden Tourismus in der gehobenen Preisklasse geprägt, die Wirtschaft wächst.

In Nationalparks gut geschützt

Auch Mosambik hat langjährige Haftstrafen für Wilderer eingeführt; in Kenia übernimmt der Kenya Wildlife Service den Schutz von Wildtieren. "Grundsätzlich werden in den großen Nationalparks Elefanten gut geschützt, auch wenn es hier immer wieder zu Fällen von Wilderei kommt", weiß Georg Scattolin vom WWF Österreich. Die Tier­schutzorganisation unterstützt weltweit Maß­nahmen wie die Ausbildung von Rangern in afrikanischen Ländern. "Wichtig ist es auch, Mensch-Tier-Konflikte zu entschärfen – ­etwa, wenn Elefanten die Felder von ­Bauern zertrampeln."

Elefanten vom Aussterben bedroht

Elefanten vom Aussterben bedroht

Derzeit gibt es nach Schätzungen des WWF noch zwischen 400.000 und 570.000 Elefanten in Afrika, zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren es mehrere Millionen. Der WWF rechnet mit der Ausrottung der Tiere innerhalb von 15 Jahren, sollte die Wilderei nicht ­gestoppt werden. Die Vereinten Nationen betrachten den Wildtierhandel neben dem Drogen-, Waffen- und Menschenhandel als eines der großen Kapitalverbrechen.

Ähnlich wie beim Drogenhandel trägt eine regel­rechte Wildtiermafia zur Destabilisierung ganzer Regionen bei. Neben Elfenbein gehören die Hörner von Nashörnern, Tigerfelle oder Haifischflossen zu den begehrten – illegalen – Produkten. Laut der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN sind weltweit über 7.700 Tierarten vom Aussterben bedroht; von Elefanten und Gorillas über Rep­tilien bis zu Vögeln – das entspricht etwa 20 Prozent aller bekannten Säugetierarten und über 10 Prozent aller bekannten Vogelarten.

Handelssanktionen vereinbart

Im September 2016 brachte die CITES-Artenschutzkonferenz in Johannesburg einen wichtigen Erfolg gegen den internationalen illegalen Handel mit Elfenbein. Unter Androhung möglicher Handelssanktionen werden Staaten, die durch illegalen Handel auffallen, dazu gebracht, besser und effektiver da­gegen vorzugehen. Gleichzeitig sind alle Staaten aufgefordert, ihre nationalen Elfenbeinmärkte zu schließen.

Wildtiermärkte noch nicht geschlossen

Einer der größten Absatzmärkte für Elfenbein ist China, wo der nationale Handel bis vor Kurzem erlaubt war – was nach Meinung vieler Experten Schlupflöcher für den ille­galen Handel bot. Mittlerweile hat die chinesische Regierung beschlossen, den Handel mit Elfenbein ab Ende 2017 zu verbieten. "In China gelten Elfenbeinschnitzereien als Statussymbole", weiß Scattolin. "Hier ist es enorm wichtig, die Konsumenten über die Auswirkungen des Elfenbeinhandels zu informieren." Die ersten Stätten für Elfenbeinschnitzerei in China wurden bereits ­geschlossen. Der WWF fordert auch die Schließung der großen Wildtiermärkte in Vietnam, Thailand und Myanmar.

Elfenbeinprodukte weiter im Handel

Exportverbot für Rohelfenbein

Dass der Elfenbeinhandel auch vor Europa nicht Halt macht, zeigt die Sicherstellung von 90 Elefantenstoßzähnen in Wien im ­ver­gangenen Jahr. In der EU herrscht ein allgemeines Vermarktungsverbot für Elfenbein, bisher aber nicht für altes Elfenbein aus der Zeit vor 1990. Eine neue EU-Regelung besagt, dass per 1.7.2017 kein EU-Staat mehr Exportdokumente für Rohelfenbein aus­stellen darf.

Damit ist der bisher legale ­Export von "altem" Elfenbein aus der EU unmöglich gemacht. Dazu muss man wissen, dass das Alter von Elfenbein nicht so einfach festgestellt werden kann. Illegale Exporte von relativ neuem Elfenbein konnten so kaum verhindert werden. "Auslöser für die Entscheidung der Kommission waren die Handelsverbote der USA und Chinas", erklärt Scattolin. 2016 sei zudem ein trauriges ­Rekordjahr für Elfenbeinbeschlagnahmungen gewesen: 564 Kilo in Österreich, 1,2 Tonnen in Deutschland, 744 Kilo in Spanien und 470 Kilo in Frankreich.

Ausfuhr von verarbeitetem Elfenbein

Die Ausfuhr von verarbeitetem Elfenbein ist zwar nach wie vor möglich, aber unter strengen Bedingungen. Elfenbeinprodukte – dazu gehören Jagdtrophäen, Schnitzereien oder etwa ein Klavier mit Elfenbeintasten – ­dürfen nur ausgeführt werden, wenn der Verkäufer nachweisen kann, dass er sie vor dem Jahr 1976 erworben hat; nur dann sollen nach dem Willen der EU Exportdokumente aus­gestellt werden.

Elfenbeinprodukte weiter im Handel

Auf vielen Online-Plattformen werden Produkte aus Elfenbein jedenfalls weiterhin verkauft. Der IFAW (International Fund for ­Animal Welfare) untersuchte im Jahr 2014 in einem Zeitraum von sechs Wochen 280 Online-Marktplätze in 16 Ländern und entdeckte 33.006 bedrohte Wildtiere, Wildtierteile oder -produkte. Über 32 Prozent der erfass­ten Anzeigen in der Studie boten Elfenbein oder mutmaßliches Elfenbein an.

Die Online-Plattform eBay dagegen hat bereits 2009 ein Handelsverbot für Elfenbein ausgesprochen. Auf dem Online-Anzeigenportal willhaben ist der Verkauf von Elfenbein nur mit einer CITES Bestätigung (Ausnahmebestätigung des Umweltministeriums) gestattet, wie willhaben-Sprecher Thomas Reiter erklärt. Der Inserent ist für das Angebot verantwortlich und sichert willhaben über die AGB zu, dass er nichts tut, was illegal ist", ergänzt Reiter.

Elfenbein erschnüffelt

Sollten Anzeigen gemeldet werden, die nicht den gesetzlichen Erfordernissen entsprechen, würden sie von will­haben entfernt. Das geht WWF-Experte Scattolin jedoch nicht weit genug: "Im Internet kann es keine glaubwürdigen Altersnachweise für Elfenbein geben", lautet seine Einschätzung. Er plädiert für die Sensibilisierung von Zollbehörden. Auf internationalen Flughäfen, auch in Wien, kommen zunehmend Artenschutzspürhunde zum Einsatz, die Wildtierprodukte wie Elfenbein erschnüffeln können.

Dokumentation: "The Ivory Game"

Andrea Crosta ist einer der Protagonisten der preisgekrönten Doku "The Ivory Game", der den Machenschaften der Elfenbeinmafia auf den Grund geht. Produziert wurde der Film von den österreichischen Terra Mater Factual Studios gemeinsam mit Vulcan Productions und Appian Way, der Produktionsfirma von Schauspieler Leonardo DiCaprio (Doku: The Ivory Game).

Zusammenfassung

  • Handelsverbot. Prinzipiell ist der internationale Handel mit Elfenbein verboten, in der EU herrscht ein Vermarktungsverbot. Bis vor Kurzem gab es Ausnahmen für Elfenbein, das vor 1990 eingeführt wurde. Seit 1. Juli 2017 darf überhaupt kein Roh­elfenbein mehr ausgeführt werden.
  • Keine Onlinekäufe. Hände weg von Elfenbeinprodukten, die im Internet angeboten werden. Denn im Fernhandel ist die Überprüfung, ob der Handel legal erfolgt, besonders schwierig.
  • Alternative. Eine Alternative ist Tagua (Steinnuss), das auch als pflanzliches Elfenbein bezeichnet wird.

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