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E-Mountainbike kaufen - Systeme vergleichen, richtig entscheiden

Welches E-Mountainbike passt zu mir? Worauf muss ich beim Kauf achten? Wir haben in einem praxisorientierten Test einen Systemvergleich unterschiedlicher Fahrrad-Komponenten vorgenommen.

E-Mountainbikes liegen im Trend. Jedes fünfte verkaufte Fahrrad fällt in diese Kategorie. Aber welches E-Mountainbike passt zu mir? Das kommt darauf an, ob man Tourenfahrer ist, Funparks herunterbrettert oder Cross Country bevorzugt. Für Downhiller sind E-Mountainbikes übrigens nicht die richtige Wahl (zu hoher Schwerpunkt, zu kurzer Radstand, zu geringer Federweg).

Wenn eingefleischte Mountainbiker sich über die Komponenten ihrer Fahrräder unterhalten, versteht man bisweilen Bahnhof. All jenen „Sonntagsradlern“, die für ihre Touren ins Gelände dennoch ein optimal auf ihre Bedürfnisse abgestimmtes Mountainbike haben möchten – und freilich auch den passionierten und versierten Stock-und-Stein-Radlern unter unseren Lesern -, soll dieser Systemvergleich eine Hilfe beim Kauf sein. Unser Vergleich ist so aufgebaut, dass der interessierte Käufer selbst erkennen kann, welche Ausstattungsvarianten bzw. welche Komponenten für seinen Bedarf ausreichend sind.

E-Mountainbikes im Systemvergleich  (Foto: Uwe Rattay - VKI/ADAC)

Acht verschiedene E-Mountainbike-Modelle mit möglichst unterschiedlichen Ausstattungen haben wir unter die Lupe genommen (Foto: Uwe Rattay/VKI/ADAC)

Verglichen haben wir unterschiedliche

  • Rahmen
  • Dämpfungen
  • Reifen
  • Antriebe
  • Schaltungen
  • Bremsen

Dafür haben wir acht E-Mountainbike-Modelle (Kaufpreis zwischen 2.600 und 4.700 Euro) mit möglichst unterschiedlichen Ausstattungen unter die Lupe genommen – wobei die konkrete Marke bzw. das Modell eine untergeordnete Rolle spielen; der Fokus liegt auf den Komponenten.

Folgende Komponenten beurteilen wir in der Tabelle:

Dämpfung

  • RockShox XC 30
  • Manitou Machete
  • Suntour Aion 35 / Rock Shox Monarch RL
  • FOX 34 Float Performance / FOX 34 Float DPS Performance EVOL

Antrieb

  • Shimano Steps E8000
  • Brose Drive S
  • Panasonic Multi Speed
  • Bosch Performanceline CX
  • Yamaha PW-X System
  • Continental e-bike drive unit

Schaltwerk / Gänge

  • Shimano Steps E8000
  • Brose Drive S
  • Panasonic Multi Speed
  • Bosch Performanceline CX
  • Yamaha PW-X System
  • Continental e-bike drive unit

Schaltung

  • Shimano Acera M3000 / 9 Gang
  • Shimano XT / 11 Gang
  • Shimano SLX / 11 Gang
  • Shimano Deore XT / 11 Gang (elektrische Schaltung)
  • Sram NX1 / 11 Gang

Bremsen vorne / Kolben / Scheibengröße

  • Tektro M285 / 2 / 180 mm
  • Magura MT5 / 4 / 180 mm
  • Magura MT5 / 4 / 203 mm
  • Sram DB5 / 4 / 200 mm
  • Shimano MT500 Disc SM-RT10 CL Rotor / 2 / 180 mm
  • Shimano Deore XT / 2 / 203 mm
  • Shimano Deore 6000 SMRT66 / 2 / 203 mm

KOMPONENTEN IM VERGLEICH

E-Mountainbikes: Systemvergleich (Tabelle, PDF)


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Touren

Tourenfahrer sind auf befestigten und unbefestigten Radwegen unterwegs, auf Waldwegen und sie müssen auch kleine Bergauffahrten bewältigen. Für diese Anwendungen ist folgende Ausstattung empfehlenswert: 

  • Rahmen: Ein Hardtail – also ein Rad mit ungefedertem Heck – ist für einen Tourenfahrer ausreichend. Wichtiger sind die Rahmen- und die Sitzgeometrie. Erstere sollte so gewählt werden, dass ein entspanntes Sitzen möglich ist.
  • Dämpfung: Gute Dämpfungseigenschaften der Reifen sind für Tourenfahrer wichtiger als jene der Federgabel. Daher ist auch – je nach Fahrbahneigenschaft  – eine einfache Federgabel mit einem Federweg bis 100 mm ausreichend. Auf eine einfache Einstellmöglichkeit sollte geachtet werden.
  • Reifen: Die 29-Zoll-Bereifung zeigt sich spurstabiler als die 27,5-Zoll-Variante; und sie sorgt in Verbindung mit einer geringen Reifenbreite (ca. 2,3 Zoll) für ein gutes Handling. Das Reifenprofil sollte nicht allzu breit und zu grob sein, um die Lautstärke bei Asphalt gering zu halten.
  • Antrieb: Die Reichweite in der Ebene ist bei allen Antriebsherstellern ausreichend. Der Tourenfahrer sollte sein Augenmerkt auf die Bedienphilosophie der Antriebe legen. Beachtet werden sollten der Informationsumfang, die Darstellung, die Displaygröße und die Lesbarkeit.
  • Schaltung: Eine 9-Gang-Schaltung genügt bei einfachem Gelände.
  • Bremsen: Standard-Scheibenbremsen mit 180 mm Durchmesser sind für den Tourenfahrer ausreichend. Geringer Kraftaufwand beim Bremsen bzw. eine gute Dosierbarkeit der Bremse sind wichtig.

E-Mountainbikes im Systemvergleich: Abfahrt im Wald (Foto: Uwe Rattay - VKI/ADAC)

Standard-Scheibenbremsen mit 180 mm Durchmesser sind für den Tourenfahrer ausreichend (Foto: Uwe Rattay/VKI/ADAC)

Cross Country

Wenn Sie auf Waldwegen (inklusive Wurzelwerk) und Schotterstraßen unterwegs sind und auch steile Anstiege nicht scheuen, dann sollte Ihr E-Mountainbike folgende Ausstattung haben: 

  • Rahmen: Ein sogenanntes Fully (zusätzliches Federelement am Heck) ist zu favorisieren. Alternativ ist auch ein Hardtail (etwas geringerer Komfort, aber preislich doch deutlich günstiger) eine Überlegung wert. Wählen Sie die Rad-Geometrie so aus, dass nicht der Großteil des Gewichts voll auf den Schultern liegt. Komfort, den man nicht mehr missen möchte, bietet eine absenkbare Sattelstütze. Ein Sattelhöhen-Schnellverschluss am Sattelrohr sollte auf jeden Fall vorhanden sein.
  • Dämpfung: Es kommt nicht auf das Modell alleine an. Entscheidend ist das Wissen, wie man die Dämpfung individuell anpasst. Vorsicht bei Internetkäufen: Die Einstellmöglichkeiten sind nicht immer gut in den Bedienungsanleitungen beschrieben.
  • Reifen: Je nach Vorliebe und Streckenanforderung. Aber generell bietet 29 Zoll mehr Stabilität, mit 27,5 Zoll ist man etwas wendiger unterwegs. Das Reifenprofil nicht allzu grob wählen, die Laufruhe wird dadurch beeinträchtigt (abhängig vom Untergrund bzw. von der Bodenbeschaffenheit). Einem aktuellen Trend können wir übrigens nichts abgewinnen: Dicke Reifen bringen keinen wesentlichen Vorteil. Im Gegenteil – das Lenkverhalten und das generelle Handling sind schlechter.
  • Antrieb: Zu bevorzugen sind jene Antriebe, die eine kraftbezogene Leistungsregulierung haben (je nach Hersteller unterschiedliche Bezeichnungen). Großer Vorteil: Bei der intelligenten Tretkraftunterstützung wird das Gefühl des normalen Radfahrens am besten nachempfunden.
  • Schaltung: Die Mindestanforderung für dieses Einsatzgebiet ist eine 10-Gang-Schaltung mit 11-42-Übersetzung. Besonderen Komfort bieten elektronische Schaltungen, aber auch gut eingestellte mechanische Schaltungen tun ihren Dienst.
  • Bremsen: Dosierung und Leistung sind nicht so wichtig wie im Funpark. Der Fokus liegt eher auf der Bedienung. So sorgt z.B. eine Ein-Finger-Bremse für mehr Sicherheit, da dabei die Hände immer am Lenker bleiben können.

E-Mountainbikes im Systemvergleich: Abfahrt im Wald (Foto: Uwe Rattay - VKI/ADAC)

Versierte Fahrrad-Tester beurteilten die Fahreigenschaften der E-Mountainbikes (Foto: Uwe Rattay(VKI/ADAC)

Funpark

Der wesentliche Unterschied zu Cross Country: Im Funpark fährt man hauptsächlich bergab, und das zumeist um einiges schneller. Deshalb sind die Bremsen die wichtigste Komponente. 

E-Mountainbikes im Systemvergleich: Stoßdämpfertest (Foto: Uwe Rattay - VKI/ADAC)

Auf einem Parcours wurden die Stoßdämpfer getestet (Foto: Uwe Rattay/VKI/ADAC)

  • Rahmen: Nur mit einem Fully kann man es so richtig krachen lassen. Komfort-Tipp: eine absenkbare Sattelstütze! Ein Sattelhöhen-Schnellverschluss am Sattelrohr sollte auf jeden Fall vorhanden sein.
  • Dämpfung: Ein Federweg von 150 mm oder mehr ist anzustreben. Das Modell ist weniger entscheidend; vielmehr die Möglichkeit, die Dämpfung einfach einzustellen (individuell auf den Fahrer abgestimmt). Vorsicht bei Internetkäufen: Die Einstellmöglichkeiten sind nicht immer gut in den Bedienungsanleitungen beschrieben.
  • Reifen: Eine Mischbereifung von 29 Zoll vorne und 27,5+ hinten sorgt im Funpark für ein beeindruckendes Fahrverhalten. Reifenbreite vorne eher etwas schmaler. Hinten gerne auch 2,8 Zoll. Reifendruck am unteren Limit. 
  • Antrieb: Im Funpark keine Auffälligkeiten bei den unterschiedlichen Antriebshersteller. Wobei zu beachten ist, dass manche Funpark-Betreiber es nicht gerne sehen, wenn man selbst nach oben radelt. Im Vorfeld fragen!
  • Schaltung: Wenn das Hochfahren erlaubt ist und auch regelmäßig gemacht wird, ist eine 10-Gang-Schaltung mit 11-42-Übersetzung die Mindestanforderung. Besonderen Komfort bieten elektronische Schaltungen, aber auch eine gut eingestellte mechanische Schaltung reicht aus.
  • Bremsen: Hydraulische Scheibenbremsen vorne mit einem Mindestdurchmesser von 200 mm bzw. 203 mm sollten der Standard sein. Bestenfalls auch hinten, denn durch den Dauerbetrieb der Hinterradbremse wird diese sehr heiß. Noch wichtiger als die Leistung der Bremse sind das Ansprechverhalten und die Dosierbarkeit – um die Überschlagsneigung bzw. das Wegrutschen des Vorderrades beim Bremsen auf losem Untergrund zu minimieren.

Empfehlung, Beratung, Probefahrt

Im Folgenden ein paar generelle Tipps, die wir aus dem Praxistest ableiten können: 

  • Gute Bremsen sind die wichtigste Komponente am E-Mountainbike! Optimalerweise sollen Ansprechverhalten, Druckpunkt und Bremsleistung ausgewogen sein (je nach Anwendung). Die Ein-Finger-Bremshebelform wusste im Test besonders zu überzeugen. Sie vermittelt im Zusammenspiel mit einer sehr guten Dosierbarkeit maximale Sicherheit bergab, da der Lenker immer fest im Griff gehalten werden kann. 
  • Die getesteten Antriebe meisterten die Anstiege (durchschnittlich 13 Prozent Steigung) problemlos. Mit vollem Akku (500 Wh) schafften sie 860 (Panasonic) bis 1.360 Höhenmeter (Bosch). Die Reichweite in der Ebene lag zwischen 70 und 90 Kilometer (mit mittlerer Unterstützerstufe). Für Cross-Country-Anwendungen ist ein Automatikmodus empfehlenswert. Die Bedienelemente bzw. Bildschirme gibt es in den unterschiedlichsten Varianten, Größen und Ausführungen – hier kommen wohl individuelle Vorlieben zum Tragen. 
  • Hardtails sind für die meisten Anforderungen ausreichend. Im Funpark bringt das Fully durch bessere Traktion, höhere Sicherheit beim Fahren über grobes Wurzelwerk und eine eindeutig bessere Bremswirkung durch mehr Bodenkontakt wesentliche Vorteile. Breite Reifen bringen keinen unmittelbaren Vorteil. Insbesondere wirkt sich ein zu breiter Vorderreifen negativ aufs Handling aus. Wichtig: der individuell passende Reifendruck. Tipp: Tendenziell immer am unteren Reifendruckspektrum und vorne um rund 0,2 Bar weniger Druck als hinten – so machte das Fahren am meisten Spaß.
  • Die richtigen Felgen- bzw. Reifengröße hat großen Einfluss auf das Fahrverhalten. 29-Zoll-Reifen sind nicht so „nervös“ wie 27,5-Zöller, sie lassen sich in schwierigen Fahrsituationen besser kontrollieren. Hindernisse werden mit den größeren Reifen besser überfahren. Das Fahrverhalten der Reifenkombination 29 Zoll (bessere Spurstabilität und Hindernisbewältigung) mit 27,5 Zoll (Wendigkeit) in Funparks ist beeindruckend. 
  • Optimale Einstellung der Dämpferelemente am Fully ist wichtiger als die Marke (bei vergleichbarer Qualität und ungeachtet der Lebensdauer). 
  • Bei der Schaltung zeigt sich schnell, welcher Hersteller das Zusammenspiel mit dem Antrieb beherrscht. Begeistert waren wir von der elektronischen Schaltung Shimano Deore XT: schnell, direkt, leise. Bei den mechanischen gefielen die Sram NX1 und die Shimano XT am besten. Generell zeigte sich: Eine 11-fach Schaltung ist für Bergfahrten zu bevorzugen. 
  • Vario-Sattelstützen bringen bei Cross-Country-Anwendungen und im Funpark betreffend das Einstellen der Sitzposition hohen Komfort.
  • Auf den Pedalabstand zum Boden achten (speziell bei Fullys).

Beratung und Probefahrt

Prinzipiell sollte man beim Kauf des E-Mountainbikes im Fachhandel umfangreiche Beratung sowie eine individuelle Einstellung von Schaltung, Bremsen und v.a. Dämpfungen einfordern. Schauen Sie auch in die Bedienungsanleitung, sie sollte verständlich aufgebaut sein. Und kaufen Sie nichts ohne ausgiebige Probefahrten – auch das Fahren ohne Unterstützungsmodus sollte getestet werden.

Den Verheißungen von Elektro-Antrieben zum Trotz gilt: Ohne Grundkondition kommt man auch mit Unterstützung durch einen E-Motor nicht den Berg hinauf. Den Weg hinunter sollte man seinen fahrerischen Fähigkeiten anpassen – Selbstüberschätzung kann schnell schmerzhaft enden. Tasten Sie sich insbesondere im Funpark langsam an Ihre Grenzen heran und vergessen Sie auch bei Touren und bei Cross Country nicht auf adäquate Schutzausrüstung.

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