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Datenhandel: Die Super-Schnüffler - Geschäfte mit Social Media und Kundenprofilen

In der Öffentlichkeit kennt man sie kaum, doch sie kennen uns. Die echten Profis im Datenhandel lassen Facebook, Google & Co wie Waisenknaben dastehen.

Die Tatsache, dass Google, Facebook oder Amazon eine Menge Daten über uns sammeln, ist allgemein bekannt. Dabei sind ihre Machenschaften nur ein kleiner Teil dessen, was in der Welt der digitalen Datengeschäfte tatsächlich passiert. Im Hintergrund arbeitet eine Unzahl an relativ unbekannten Firmen daran, unser Leben zu protokollieren und uns bis in die intimsten Winkel unserer Persönlichkeit zu durchleuchten. Oder haben Sie schon einmal von Acxiom, Cambridge Analytica oder Imagini gehört?

Unterschiedlich behandelt

Sie sind Spezialisten darin, Branchen wie den Marketingsektor, den Handel, Versicherungen, das Finanz- und in manchen Teilen der Welt sogar das Gesundheitswesen mit Daten zu versorgen. Mit Infos, die ausgewertet werden und dazu führen, dass Menschen unterschiedlich behandelt werden – je nachdem, in welche Kategorie sie fallen.

Drei Milliarden Datensätze

Die Firma Oracle beispielsweise ist vielen zumindest vom Namen her ein Begriff. Sie verfügt über Datendossiers von über drei Milliarden Menschen, mit denen sie mit 430.000 Unternehmen in 175 Ländern Handel treibt, sprich: Bis auf 20 Staaten ist ­Oracle überall auf dem Erdball präsent. Die Informationen holt sich der Konzern von Millionen von Webseiten, von Facebook, von Tausenden Handelskonzernen, von Kredit­auskunfteien und anderen Datenhändlern.

Das Unternehmen wirbt damit, "komplettestmögliche Kundenprofile" anbieten zu können, "die umfangreichste Einsicht auf den Konsumenten" zu haben, basierend auf Daten darüber, "was sie (die Konsumenten, Anm.) machen, was sie sagen und was sie kaufen".

700 Millionen Social-Media-Einträge pro Tag

Dafür wertet Oracle allein aus den Social-Media-Kanälen 700 Millionen Einträge aus – an einem Tag! Mithilfe einer Software ist das Unternehmen in der Lage, einer bestimmten Person jedes von ihr verwendete Gerät (Handy, PC, Tablet) zuzuordnen. Jede Mail-Adresse, jede von Cookies im Netz gesammelte Info, Tweets, Posts, Bilder, Videos, die Postadresse und andere Offline-Daten: Alles fließt auf den Servern dieser Firma zusammen.

Persönlichkeitsprofile von über 500 Millionen Menschen

Welcher Karrieretyp sind Sie?

Bei der Datenbeschaffung beweisen die Firmen kreatives Geschick. Das Unternehmen Imagini/Visual DNA (mittlerweile im Besitz des Marktforschers Nielsen) etwa hat Persönlichkeitsprofile von über 500 Millionen Menschen in Europa und den USA gesammelt.

Wie sie das geschafft haben? Indem sie Tests im Netz anbieten, in denen Menschen herausfinden können "wer sie sind" oder welcher "Karrieretyp" sie sind. Grundlage ist eine Auswahl an Bildern, untern denen sich der Teilnehmer eines aussuchen muss. Eine nette Spielerei für den User, die dem Seitenbetreiber wertvolle Infos da­rüber liefert, in welche Werbezielgruppe der Getestete gehört.

change.org verkauft Daten an Werbeindustrie

Noch dreister geht die Kampagnenplattform change.org vor. Das Portal bietet Bürgerbewegungen ebenso wie Menschen, die dafür kämpfen, dass die neue Blu-ray von "Arielle, die Meerjungfrau" mit englischem Originalton erscheint, die Möglichkeit, eine Onlinepetition zu starten. Die wird in den sozialen Netzwerken und per Mail verbreitet.

Und während die Teil­nehmer für die "gute Sache" kämpfen, sammeln die Seitenbetreiber deren Daten und verkaufen sie an die Werbeindustrie.

Finanzielle Lage, Gesundheit, Freizeit ausgeleuchtet

Über die nach eigenen Angaben größte Konsumenten-Datenbank verfügt die Firma Acxiom. Das Unternehmen versteht es wie kein anderes, Menschen in bestimmte Schubladen zu stecken. Mithilfe eines riesigen Berges von On- und Offlinedaten und einer Analyse- und Segmentierungs-Software unterteilt Acxiom Haushalte in über 1.200 Kategorien: Personen mit einem bestimmten Migrationshintergrund – Menschen, die gerne Pokern – Paare, die bald Eltern werden – Allergiker – Diabeteskranke und so weiter.

Auch über die finanzielle Lage weiß das Unternehmen viel mehr, als den Betroffenen lieb ist. Firmen, die Werbung für ein bestimmtes Angebot machen möchten, bietet Acxiom ein Adresspaket mit der gewünschten Zielgruppe.

Maßgeschneiderte Botschaften und juristischer Gegenwind

Maßgeschneiderte Botschaften

Seit Donald Trump 2016 US-Präsident ­wurde und damals die Runde machte, gezielt platzierte Meldungen in den sozialen Medien hätten das Wahlergebnis beeinflusst, ist viel von ihr die Rede: von der psychographischen Segmentierung. Dabei werden Menschen mit bestimmten psychologischen Merk­malen in Gruppen zusammengefasst.

Das gebräuchlichste Konzept ist das Ocean-­Modell, in dem die "Big Five"-Dimensionen der Persönlichkeit gemessen werden: Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Aufgeschlossenheit, Verträglichkeit und emotionale Labilität. Jede Eigenschaft wird mit einem Wert zwischen 0 und 100 bestimmt.

Social-Media-Daten ausgelesen

Die Merkmale werden aus jenen Daten ­herausgelesen, die Internetuser von sich aus produzieren – aus Fotos, Likes und Kommentaren auf Facebook beispielsweise. Unternehmen wie Cambridge Analytica, im Zuge der Trump-Wahl oft genannt, nutzen diese Daten, um Menschen mit genau für sie maßgeschneiderten Werbebotschaften zu versorgen. So wurden im besagten US-Wahlkampf angeblich an einem Tag über 175.000 Versionen ein und derselben Botschaft über Facebook verteilt. Um den Empfängern psychologisch optimal zu entsprechen, unterschieden sich die Messages in winzigen Details voneinander.

Juristischer Gegenwind wird stärker

Rechtlich gesehen arbeiten viele dieser Big-Data-Firmen in einer Grauzone. In Österreich etwa ist es laut Datenschutzgesetz schon jetzt verboten, personenbezogene Daten ohne Einwilligung des Betroffenen zu speichern. Demnächst wird der juristische Gegenwind in Europa noch stärker. Wenn ab Mai 2018 die neue Datenschutz-Grundverordnung in allen EU-Ländern in Kraft tritt, müssen Firmen eine unmissverständliche Einwilligung des Einzelnen zur Verarbeitung seiner personenbezogenen Daten einholen.

Jeder hat dann das Recht, die über ihn gesammelten Daten einzusehen und sie löschen zu lassen. Und weil die meisten von uns die AGB ob der unsäglich komplizierten Formulierungen und der übermäßigen Länge ungelesen bestätigen, müssen künftig auch die Nutzungsbedingungen noch klarer formuliert sein. (Wir werden noch darüber berichten.)

Was tun?

Was tun?

Eines vorweg: Vollständig kann sich niemand dieser neuen digitalen Begleit­erscheinung entziehen. Kein Smartphone oder Internet zu nutzen würde in der heutigen Zeit in etwa dasselbe bedeuten wie auf Strom oder ein Auto bzw. auf öffentliche Verkehrsmittel zu verzichten.

Ein gewisses Maß an Spionagetätigkeit im Netz ist leider unumgänglich. Experten sprechen sogar schon vom längst angebrochenen postprivaten Zeitalter. Dennoch kann der Einzelne einiges unternehmen, um es den Daten­saugern möglichst schwer zu machen.

Umsichtiger Umgang mit persönlichen Daten

Je weniger wir beim Surfen, Mailen oder Shoppen im Netz preisgeben, desto weniger kann über uns gesammelt werden. ­Des­wegen sollte man es sich gut überlegen, ob man das Posting eines Freundes auf Facebook in einem Anfall von Übellaunigkeit "originell" kommentiert oder das Partybild von letzter Nacht auf seiner Pinnwand pos­ten muss. Sofern es nicht unbedingt nötig ist, sollte man die eigene Telefonnummer im Netz ebenso wenig angeben wie die Postadresse und andere persönliche Daten.

Apps und Gewinnspiele

Apps laden Sie am besten nur dann herunter, wenn Sie sie tatsächlich brauchen. Bei der Einwilligung zur Installation kann man manchen Anwendungen auch Zugriffe auf bestimmte Daten (z.B. Kontakte, Fotos, Standort) verweigern. Gewinnspiele im Netz sind meist versteckte Datensauger.

Alternativen zu Google

Obwohl man darauf wohl nie ganz verzichten wird können, muss es nicht immer Google sein. Es gibt Anbieter, die sehr viel mehr auf Datenschutz achten.

DuckDuckGo oder StartPage sind Suchmaschinen, die auf Tracking verzichten. Für Fortgeschrittene ist der Tor-Browser eine Alternative, und in Sachen Messenger-Dienste tut sich Threema positiv hervor – wenngleich die Anwendung bis dato nur von wenigen Menschen genutzt wird.

Eine sehr nützliche Browsererweiterung (Add-on) ist Ghostery: Sie findet Tracker (versteckte Dienste, die unser Surfverhalten mitlesen und weitergeben) und kann sie blockieren.

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