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Ketten-E-Mails - Ab in den Kübel

  • Sagen von heute warnen vor gefährlichen Produkten oder miesen Tricks
  • und verbreiten Freudenbotschaften, die nicht stimmen.

Der treue Schäferhund musste wegen einer schweren Erkrankung eingeschläfert werden, hieß es im E-Mail. Weil sich seine Besitzerin das plötzliche Ableben nicht erklären konnte, bestand sie auf einer Autopsie. Und da zeigt sich: Feuchttücher hatten das arme Tier vergiftet. Schrecklich, aber nur erfunden. Doch immer wieder fragen uns besorgte Tierfreunde, ob daran etwas Wahres ist. Und der Hersteller Procter&Gamble sah sich deswegen sogar zu einer offiziellen Stellungnahme veranlasst: Swiffer-Feuchttücher sind sicher für Tier und Mensch, denn sie enthalten hauptsächlich Wasser und herkömmliche Reinigungsmittel in unbedenklichen Mengen.

Zeitgenössische Märchen

Die Mär von den tückischen Tüchern ist eine zeitgenössische Sage. Unsere Vorfahren erzählten einander von Hexen, Gespenstern oder wundersamer Rettung durch einen Schutzgeist. Ähnlich myste riöse Geschichten verbreiten sich heute nicht nur im Gespräch, sondern auch per E-Mail. Weitere Beispiele: Tampons sollen Asbest enthalten (damit Frauen stärker bluten und mehr Tampons brauchen), Deodorants verursachen Brustkrebs, vom Süßstoff Aspartam kann man sterben. Oft führen die Mails als Zeugen Wissenschafter oder Institutionen an. Die sind allerdings in der Fachwelt unbekannt. Oder sie distanzieren sich energisch davon, wie das St.-Anna-Kinderspital von einer seit langem kursierenden gefälschten E-Nummern-Warnliste.

Kollektive Angstphantasien

Mit solchen Sagen reagieren Menschen auf echte oder vermeintliche Bedrohungen. Die falschen Warnungen werden auch bereitwillig geglaubt, weiterverbreitet und kaum kritisch hinterfragt. Tatsächlich werden ja immer wieder Waren mit technischen Fehlern oder problematischen Inhaltsstoffen gefunden. Noch vor einigen Jahren hätten Experten die Möglichkeit, dass Milch mit Kunstharz gepanscht wird, ins Reich der Fabel verwiesen. Manche Warnmails verbreiten ausländerfeindliche Tendenzen, so die Geschichte von der Frau mit Kopftuch, die im Supermarkt einen liegengelassenen Kassabon nimmt. Damit geht sie zum Käufer der Waren und behauptet, er habe ihren Einkaufswagen weggenommen. Mit diesem Trick bringt sie ihn um seinen rechtmäßig erworbenen Einkauf. Wer das schüchterne Auftreten von Kopftuchträgerinnen gegenüber fremden Männern kennt, weiß um den Wahrheitsgehalt solcher „Warnungen“. Auch bei den Sicherheitsbehörden sind keine derartigen Fälle dokumentiert. Doch das kümmert die Verbreiter solcher Geschichten wenig.

Urheber unbekannt

Die Urheber solcher Mails bleiben meist unbekannt. Mitunter aber wird Satire für bare Münze genommen. So zeigte eine Internetseite, wie Katzen in Glasflaschen aufgezogen werden, damit sie schön klein bleiben. Dies war natürlich frei erfunden. Doch abertausende Tierfreunde mailten ihre Empörung über diese Quälerei in die Welt hinaus. Andere Warnungen gehen auf altbekannte Schauermärchen zurück, so Meldungen von Bandwurmeiern oder kleingehackten Regenwürmern, die angeblich dem Fleischlaberl oder Kebap in manchen Imbisslokalen zugesetzt werden.

Heiter und erfreulich

Nicht immer sind solche Geschichten todernst, wie die Story von Vater, Mutter, Tochter und Hund im Shopping Center. Der schon altersschwache Bello bricht plötzlich tot zusammen. Im Elektromarkt bittet die Familie um einen großen Waschmaschinenkarton zum Abtransport des Kadavers. Der ist aber schwer, so holen die Eltern das Auto, die Tochter bleibt beim Karton. Ein Mann nähert sich und fragt (natürlich mit ausländischem Akzent), ob das Kind für ihn in einem Geschäft einen 100-Euro-Schein wechseln könnte. Als das Mädchen mit dem gewechselten Geld zurückkommt, ist der Mann samt dem Karton verschwunden. Als die Eltern ihr heulendes Kind finden, müssen sie lachen: Nicht nur, weil der Fremde statt der vermeintlichen Waschmaschine den toten Hund mitgenommen hat. Sie haben die Kosten für die Tierkörperverwertung gespart und ein nettes Trinkgeld kassiert.

Firmen antworten mit Standardmails

In die Kategorie „Schön wär’s“ fallen Meldungen, dass Nokia (Ericsson, Motorola usw.) Handys (seit neuestem: Notebooks) verschenken, wenn man das betreffende Mail weiter leitet. Den Ansturm müssen die genannten Unternehmen inzwischen mit Standardmails beantworten. Bereits alt, aber nicht auszurotten: Im Wirtshaus muss man nur drei Mal „Zahlen!“ rufen. Kommt der Kellner nicht, darf man aufstehen und gehen

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Ketten-E-mails: Mehr zum Thema

Auf der Seite der TU-Berlin findet man Infos zu falschen E-Mail-Warnungen (Hoaxes), Kettenbriefen und modernen Sagen.

Eine englischsprachige Seite bietet viele Informationen über Sagen: http://urbanlegends.about.com

Sagen, auch zeitgenössische, vor allem aus Österreich finden Sie hier.

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