Fotografieren: Tierfotografie - Auf Fotopirsch

Vor der Kamera lassen sich Tiere nicht wie Menschen dirigieren. Der Tierfotograf hat vor allem mit dem Wesens- und Arttypischen der jeweiligen Spezies vertraut zu sein.

In der Menschenfotografie stehen die indi­viduellen Eigenheiten der abzubildenden Person im Vordergrund, in der Tierfotografie dagegen die Wesensmerkmale der jeweiligen Spezies. Ist das zu fotografierende Tier scheu oder zutraulich? Tag- oder nachtaktiv? Geruchssensibel oder -unempfindlich? Auf diese und ähnliche Fragen sollte der Tierfotograf eine Antwort wissen, und zwar idealerweise bevor er sich auf die Pirsch macht. Wer ein Tier vor die Kamera bekommen möchte, muss mit dessen Gepflogenheiten vertraut sein. Und diese Gepflogenheiten können mal eine größere, mal eine kleinere Herausforderung darstellen.

Ideale Bedingungen beim Foto von der Katze

Vergleichsweise leichtes Spiel hat, wer als Fotoobjekt seine Hauskatze auserwählt. In diesem Fall muss der Fotograf nicht einmal vor die Haustür treten. Die Katze bringt den Tag mehr oder weniger mit Schlafen zu. ­Quasi ein statisches Objekt: Der Fotograf kann in aller Ruhe den geeigneten Standort beziehen, den optimalen Ausschnitt wählen, die richtige Belichtung einstellen. Ideale ­Bedingungen mithin. Ein Nachteil mag nur sein, dass bei der Katze Anweisungen in der Art wie „Schau bitte einmal zu mir“ nichts fruchten. Andererseits: Im Unterschied zum Menschen neigt die Katze auch nicht zu ­kapriziösem Verhalten.

Geduld und schnelle Reaktion

Tiere in freier Wildbahn stellen den Fotografen schon vor eine größere Herausforderung, oft genug auf eine harte Geduldprobe. Die Kamera umgehängt und im Anschlag sitzt er vor einem Loch in der Erde, schon seit Stunden. Immer darauf hoffend, dass die Wühlmaus einmal ihr Köpfchen herausstreckt. Geschieht das, plötzlich und ohne große Vorankündigung, darf der Fotograf vor allem eines nicht machen: zuwarten. Er hat vielmehr umgehend auf den Auslöser zu drücken. Andernfalls ist die Chance dahin. Denn die Wühlmaus, gewarnt, wird sich bestimmt nicht so bald wieder blicken lassen.


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Blitzschnelle Reaktion

Agieren, wenn es darauf ankommt

Warten können und im entscheidenden ­Augenblick blitzschnell reagieren – vom in der freien Natur agierenden Tierfotografen wird ein ähnliches Verhaltensmuster verlangt wie vom Angler. Auch der muss einerseits unendliche Geduld an den Tag legen können – und dann, wenn es darauf ankommt, die Schnur in Sekundenschnelle einholen.

Es gebe, sagt der berühmte Autor Boris Alekseevich Trigorin in Anton Tschechows Komödie „Die Möwe“, nichts Schöneres auf der Welt, als am Ufer zu sitzen und auf den Schwimmer der Angel zu schauen. Ein ähn­liches Glücksgefühl mögen Tierfotografen empfinden. Je größer der gefangene Fisch, desto größer der Triumph des Anglers. Je ­seltener das im Foto festgehaltene Tier, desto mehr Lorbeeren kann der Fotograf ernten.

Fotos mit dem Teleobjektiv

Der Tierfotograf arbeitet gewöhnlich mit ­einem Objektiv, das eine größere Brennweite aufweist, mit einem Teleobjektiv. Mit dem lassen sich auch weiter entfernte Objekte formatfüllend einfangen. Mit Zunahme der Brennweite steigt auch die Verwacklungs­gefahr. Um eine unwillkommene Bewegungsunschärfe zu vermeiden, sollte der Tierfotograf seine Kamera daher auf ein ­Stativ setzen. Mit zunehmender Brennweite sinkt eine andere Größe: die Schärfentiefe, also der Bereich, den der Betrachter auf dem fertigen Bild als scharf empfindet. Gerade in der Tierfotografie braucht dies kein Nachteil zu sein. Verschwimmt der Hintergrund in ­Unschärfe, kommt das, worum es geht, das Tier, umso besser zur Geltung.

Mit Fernauslösung

Je scheuer das Tier, desto mehr Erfindungsreichtum und technisches Know-how sind seitens des Fotografen gefragt. Eine Fernauslösung sollte zu seinem Repertoire ge­hören. Noch besser, wenn er sich auf die ­Installation einer Lichtschranke versteht, die das Signal zum Auslösen gibt. In diesem Fall kann die Kamera an einem günstigen Ort platziert sein, nahe am Tier, während der Fotograf in sicherer Entfernung auf der Lauer liegt.

Manuellen Modus verwenden

Anders als in den meisten Museen ist das Fotografieren im Zoo erlaubt. Hier werden dem Fotografen die wildesten und exo­tischsten Tiere wie auf einem Präsentierteller dargeboten. Ein Problem mag sein, dass der Autofokus der Kamera nicht den Seehund oder Tiger ins Visier nimmt, sondern die Gitterstäbe. In diesem Fall ist unter Umständen auf manuellen Modus umzustellen. Dass so ein Zoobesuch für leidenschaftliche Tierfotografen nur ein müder Ersatz ist, zeigt nicht zuletzt der Umstand, dass Großwild-Foto­safaris in fernen Ländern sehr gefragt sind.

Vom Zeichnen zum Fotografieren

Heute sind Tieraufnahmen ganz selbstverständlich, doch sie wurden erst mit dem Aufkommen der Fotografie möglich – Anfang des 19. Jahrhunderts, das ist noch gar nicht so lange her. Zuvor mussten Biologen und andere Forscher vor allem zeichnen können. Denn wie sonst hätten sie festhalten können, was sie in der Natur oder unter dem Mikros­kop entdeckten? Mit der Fotografie wurde die Wissenschaft um ein wertvolles visuelles Medium reicher.

Tierbilder eigenen sich für das Biologiebuch – und genauso für das Fotoalbum der Familie. Je nachdem, mit welcher Intention sie gemacht werden. Die Aufnahmen können wertvolle Dokumente oder sentimentale Erinnerungsbilder sein. Gelungene Schnappschüsse oder seltene Unikate. Muster großer Farbenpracht oder puristische Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Ein Reich unendlicher Möglichkeiten tut sich dem Fotografen auf. Doch er muss sich entscheiden. Er muss ­wissen, in welcher Weise er die Sache an­gehen will. Andernfalls ist die Gefahr groß, dass beliebige, nichtssagende Fotos herauskommen.

Hund: Pashin Georgiy/Shutterstock.com  Ziegen: Vinogradov Illya/Shutterstock.com 
Enten: Geanina Bechea/Shutterstock.com  Katzen: karamysh/Shutterstock.com 

Der Tierfotograf hat mit dem Wesens- und Arttypischen der jeweiligen
Spezies vertraut zu sein.

Buchtipp: Fotografieren

Die Möglichkeit jederzeit, schnell und einfach Fotos erstellen zu können ruft auch einen Überdruss hervor. Die Flut der vielen beliebigen und nichtssagenden Fotos nährt die Sehnsucht nach dem Besonderen,  nach authentischen Bildern. Weg von der Massenware und hin zum individuellen und unverwechselbaren Ausdruck.

In unserem Buch "Fotografieren statt knipsen"  wollen wir ungewohnte Wege gehen und zusammenbringen, was sonst streng getrennt ist: Fototheorie und Fotopraxis. Es soll – anhand vieler Beispiele – Lust darauf machen, die eigene Kreativität zu entdecken und das Thema Fotografie buchstäblich mit anderen Augen zu sehen.

Wir wollen Möglichkeiten aufzeigen und Anregungen bieten, die Sie unterstützen zu Ihrem eigenen, ganz persönlichen Ausdruck in der Fotografie zu finden.

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Aus dem Inhalt

  • Zeichnen mit Licht
  • Schärfe und Unschärfe
  • Flächen, Linien, Perspektive
  • Porträt- und Landschaftsfotografie
  • Architekur- und Sachfotografie

184 Seiten, 19,60 € + Versand

Fotografieren statt knipsen

 

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