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Fotografieren: Farbaufnahmen - Die Kraft der Farbe

Farbfotografie ist mehr als Schwarz-Weiß-Fotografie plus Farbe. Die wichtigsten Tipps zum Einsatz von Farben.

Ein Verkehrsschild mit grauem Zeichen? Unvorstellbar! Es soll ja auffallen, und daher ist dieses Zeichen in der Regel rot. Rot hat Signalcharakter. Diese Farbe erregt sofort unsere Aufmerksamkeit. Sie drängt nach vorne, im Gegensatz etwa zu Blau oder Braun, die eher im Hintergrund bleiben.

Farbe als Sinneseindruck ...

Farbe, so haben wir es im Physikunterricht gelernt, ist ein Sinneseindruck. Die Transformation von Licht, genauer: von bestimmten elektromagnetischen Wellenlängen, mithilfe unseres Sehapparats in einen visuellen Eindruck. Einen Tisch erkennen wir deshalb als blau, weil er genau jene Wellenlängen reflektiert, die unser Gehirn als blau interpretiert. (Die anderen Wellenlängen aus dem für uns sichtbaren Bereich absorbiert der Tisch.)

... berührt uns emotional

Doch mit dieser physikalischen Erklärung ist noch nicht alles gesagt. Dazu kommen weitere Eigenschaften, die der Farbe eigen sind. Zuvor haben wir es bereits gesagt: Farbe kann auffallen oder eben nicht, sie kann uns darüber hinaus auch emotional berühren. Das können wir alle bestätigen. Denn jeder hat eine bestimmte Lieblingsfarbe.

Belebender Kontrast oder harmonischer Gleichklang

Sie kaufen ein neues Sofa, und selbstverständlich achten Sie dabei nicht nur auf Form und Material (und den Preis), sondern auch auf die Farbe. Die muss Ihnen gefallen. Sie muss außerdem zum Farbton der anderen Möbel im Raum passen, sei es im Sinn eines belebenden Kontrastes oder eines harmonischen Gleichklangs.

Die Farbe im Hintergrund

Die Farbe im Hintergrund

Wie bei der Wohnraumgestaltung müssen Sie auch in der Fotografie stets die spezifischen Eigenschaften der Farbe bedenken. Ein typischer Anfängerfehler besteht darin, bei einer Porträtaufnahme nicht auf die Farbe im Hintergrund zu achten. Diese Farbe kann sich nun mit jener des Pullovers, den die porträtierte Person trägt, "beißen", wie es in der Umgangssprache heißt.

Kleine Details können Dissonanzen hervorrufen

Die beiden, beispielsweise ein sattes Purpur und ein sattes Rot, passen einfach nicht zusammen, sie harmonieren nicht. Die Person vor der Kamera mag ihre Sache noch so gut machen – was schwierig genug ist –, die Aufnahme wird kaum zufriedenstellend ausfallen. Es stört nur ein Detail, doch das hat es in sich. Eine kleine Dissonanz, die das ganze Bild zunichte zu machen vermag.

Farbe und Charaktereigenschaften

Welches Hemd in welcher Farbe muss Herr X tragen, damit er auf dem Plakat vertrauenswürdig (oder dynamisch) erscheint? Eine Frage, die in der Werbefotografie von eminenter Bedeutung ist. Die Entscheidung für Blau oder Gelb kann letztlich den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg der Werbekampagne ausmachen.

Wir wollen es noch einmal betonen: Auch wenn Ihr Metier nicht die Werbefotografie ist, sondern Sie eher für das Familienalbum fotografieren, sollten Sie stets einige wichtige Wirkungsgesetze der Farbe im Auge behalten.

Systematik der Farben

Systematik der Farben

Bild: VKI 

Werfen Sie einen Blick auf den Farbkreis. Hierbei handelt es sich um ein Modell, eines von vielen und sehr unterschiedlichen, die den Versuch unternehmen, die reichhaltige Welt der Farben mit einer gewissen Systematik zu erfassen.

Unendliche Vielfalt an Farbtönen

Dem zufolge lassen sich in der additiven Welt alle Farben auf die drei Grundfarben Rot, Grün und Blau zurückführen. Aus Mischungen dieser Grundfarben ergeben sich die sogenannten Sekundär­farben. Und diese Mischungen können nun wieder mit anderen Mischungen zusammengebracht werden – eine unendliche Vielfalt an Farbtönen tut sich auf. Durch Zugabe von Weiß bzw. Schwarz kann jeweils die sogenannte Farbsättigung variiert werden.

Die meisten Regeln sind uns intuitiv vertraut. Einige wichtige wollen wir hier auflisten: Kommen im Bild Farben zusammen,

... die im Farbkreis weit auseinander liegen, so handelt es sich um Kontrastfarben; liegen sie einander sogar genau gegenüber, so haben wir Komplementärfarben. Gegensätze prallen aufeinander. Das schafft Spannung, unter Umständen gar einen vibrierenden Effekt. Eine Farbe scheint neben ihrer Komplementärfarbe leuchtender zu sein als neben jeder anderen Farbe.

... die im Farbkreis nebeneinander liegen, so sprechen wir von verwandten Farben. Sie wirken ausgleichend, ruhig.

... die im Farbkreis ein gleichschenkliges Dreieck bilden, so stellt sich auch der Eindruck von Zusammengehörigkeit ein.

Natürlich ist keine Regel ohne Ausnahme: Auch gegensätzliche Farben können harmonieren – die verhaltenen Rottöne einer Herbstlandschaft passen bekanntlich gut zu den gedämpften Grüntönen.

Reduktion: Weniger ist mehr

Weniger ist mehr

Je mehr Gemüse Sie in eine Suppe schneiden, desto mehr gewinnt sie an Geschmack. Allerdings ist eine Aufnahme keine Gemüsesuppe. Hier gilt die umgekehrte Regel: Je bunter ein Bild, umso verwirrender. Das Auge des Betrachters weiß nicht, wohin es schauen soll. Es irrt über das Bild hinweg, ohne einen Anhaltspunkt zu finden. Alles scheint gleichwertig zu sein. Wie in vielen anderen Bereichen des Lebens, so gilt auch in der Farbfotografie die Regel: Weniger ist mehr. Die Konzentra­tion auf wenige Farben verhilft der Aufnahme üblicherweise zu einem klaren Ausdruck.

Mehr als bloß Schwarz-Weiß plus Farbe

In der Frühphase der Fotografie waren ausschließlich Bilder in Schwarz-Weiß möglich. Dann kam 1935 der erste Farbfilm auf, und mit der Farbe erhielt dieses Genre über Ton, Struktur und Form hinaus eine weitere Dimension, ein zusätzliches Gestaltungs­mittel. Dieses Gestaltungsmittel heißt es gezielt einzusetzen. Denn Farbfotografie ist eben mehr als Schwarz-Weiß-Fotografie plus Farbe.

Langweilig oder herzergreifend

Wie wirkt ein in der Mittagssonne aufgenommener Berg? Langweilig! Er mag in Wirklichkeit noch so erhaben, noch so mächtig sein, in dem hellen, schattenlosen Licht kommt davon in der Aufnahme wenig bis gar nichts herüber. Wie anders aber wirkt derselbe Berg am frühen Morgen aufgenommen, von der Morgensonne in warmes Licht getaucht. Plötzlich sind wir beeindruckt, von der Aufnahme angerührt.

Diffuses Licht, lebendige Farben

Diffuses Licht macht Farben lebendig

In der Porträtfotografie können Sie die Aufnahme weitgehend nach Ihren Vorstellungen arrangieren. In der Landschafts- oder Reportagefotografie sind Ihre Eingriffsmöglichkeiten limitiert, das heißt, Sie haben vorwiegend mit dem Material zu arbeiten, das Sie vorfinden. Schließlich lässt sich ein Berg oder ein Haus nicht nach Belieben verrücken.

Zeitpunkt der Aufnahme bewusst wählen

Doch auch in diesem Bereich haben Sie noch genügend Raum für Gestaltung, etwa, indem Sie den Zeitpunkt Ihrer Aufnahme bewusst wählen. Im harten Sonnenlicht verringert sich die Lebendigkeit der Farben, bei hellem, diffusem Licht kommen sie optimal zu Geltung.

Helligkeit und Sättigung per Mausklick

In der vordigitalen Zeit wählte der ambitionierte Fotograf sein Filmmaterial mit Bedacht. Wusste er doch, dass jeder Film seine eigene Farbcharakteristik hat. Strebte er einen eher nüchternen Farbton an, griff er zu Fuji-Material; ging es ihm um "warme" Töne, so nahm er Kodak-Material.

Heute, wo in der digitalen Nachbearbeitung fast jeder Farbton in der gewünschten Helligkeit und Sättigung per Mausklick erzielt werden kann, spielt das Ausgangsmaterial nicht mehr diese entscheidende Rolle.

Schwarz-Weiß als Ausweg

Eine schneebedeckte Winterlandschaft in der Abenddämmerung. Im Haus brennen Kerzen. Draußen blaues, drinnen gelbes Licht. Ein Bild, das zugleich Kälte und Wärme vermittelt, auch im übertragenen Sinn: Unwirtlichkeit und Geborgenheit. Ein interessanter Kontrast. Und gerade in der Weihnachtszeit ein beliebtes Fotomotiv.

Farbe als Mittelpunkt des Bildes

Dieses Beispiel zeigt, dass der Ausgangspunkt für Aufnahmen auch Farbe bzw. eine bestimmte Farbkombination sein kann. Die Farbe ist dann nicht mehr bloß Beiwerk oder Zusatzinformation, sondern avanciert zur Hauptsache, zum Mittelpunkt des Bildes.

Schwarz-Weiß als Ausweg

Und wenn das aufzunehmende Objekt spannend ist, aber die Farben stören? Dann bleibt immer noch der Ausweg Schwarz-Weiß. Ein Mausklick genügt, und schon ist ein Farbbild am Computer in den Graustufenmodus umgewandelt.

Bildergalerie: Farbfotografie

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Buchtipp: Fotografieren

Die Möglichkeit jederzeit, schnell und einfach Fotos erstellen zu können ruft auch einen Überdruss hervor. Die Flut der vielen beliebigen und nichtssagenden Fotos nährt die Sehnsucht nach dem Besonderen,  nach authentischen Bildern. Weg von der Massenware und hin zum individuellen und unverwechselbaren Ausdruck.

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Aus dem Inhalt

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  • Schärfe und Unschärfe
  • Flächen, Linien, Perspektive
  • Porträt- und Landschaftsfotografie
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