Beamer im Test - Big, bigger, Beamer!

, aktualisiert am

  • Bessere Bildqualität als Flachbildschirme
  • Preise schon ab 800 Euro
  • HD ready ist oft ausreichend und billiger

Wenn bei der Fußball-Europameisterschaft erstmals der Ball im Netz zappelt, dann wird er beim einen oder anderen TV-Zuschauer mühelos die Größe einer prächtigen Wassermelone annehmen. Denn mögliche Bilddiagonalen von 5, 7 ja bis zu 19 Metern sind mit den getesteten Projektoren drinnen. Da kommt kein Flachbildschirm mit.

Wohnumgebung mitdenken

Wir haben aber beim Test der zwölf Beamer natürlich die Kirche im Dorf gelassen, da wohl die wenigsten unserer Leserinnen und Leser in einer aufgelassenen Fabrikhalle wohnen dürften, welche die für solche Bildgrößen benötigten Wandmaße zur Projektion bietet. Und natürlich sinkt mit größerem Abstand zwischen Beamer und Projektionsfläche auch die Bildqualität, weshalb wir diesen auf 2,8 bis 3,4 Meter festgelegt haben.

Die Testpersonen saßen rund zweieinhalb Meter vor der Leinwand. Aus dieser Anordnung ergibt sich bei 16:9- Darstellung eine Bilddiagonale von „nur“ rund 1,4 Metern (57 Zoll) bis 1,6 Metern (63 Zoll). Das ist immer noch mehr, als die meisten Flachbildschirme zu bieten haben. (Zur vergleichenden Erinnerung: Ein 42-Zöller kommt auf rund 1,07 Meter Bilddiagonale.)

Bildqualität bei allen "gut"

Die Bildqualität war bei allen Geräten „gut“. Leser unseres jüngsten TV-Geräte-Tests in der Ausgabe vom Mai 2008 mögen spätestens an dieser Stelle hellhörig werden. Denn dort brachten es gerade einmal 2 von 40 Geräten auf dieses Ergebnis, der Rest war „durchschnittlich“ oder „weniger zufriedenstellend“. Das schlägt natürlich auch auf das Gesamtergebnis durch – zwei Drittel der Beamer konnten mit „gut“, ein Drittel mit „durchschnittlich“ beurteilt werden. (Bei den Flachbildschirmen brachte es nur jedes achte Gerät auf ein „gutes“ Testurteil.)

Preise blieben unverändert

Es sind uns zwar keine Fälle bekannt, in denen die Frage „Flachbildschirm oder Beamer“ bereits Familien entzweit hätte, wichtig scheint die Gegenüberstellung für die richtige Kaufentscheidung aber dennoch, zumal die oft zu hörende Einschätzung nicht zutrifft, Beamer seien extrem teuer. Zwar sind sie mit einem Durchschnittspreis von rund 1.570 Euro nicht gerade ein Mitnahmeartikel, die Preise blieben aber in den vergangenen zwei Jahren annähernd unverändert, während Flachbildschirme – entgegen dem durch Aktions- und Abverkaufsangebote entstehenden Eindruck – deutlich teurer wurden (durchschnittlich 1.670 Euro für einen 40/42-Zöller).

„Gutes“ unter 900 Euro

Und wer genau hinsieht, der kann einen guten Beamer heute schon für unter 900 Euro erstehen (z.B. BenQ im Test). Genaues Hinsehen lohnt sich natürlich auch bei diesen Produkten. So kostet der Testsieger Panasonic PT-AE2000E mit 2.690 Euro (und 79 von 100 erreichbaren Testpunkten) mehr als doppelt so viel wie der Zweitplatzierte Panasonic PT-AX200E um 1.225 Euro (mit 76 Punkten); generell sind die „guten“ Geräte im Mittel etwas billiger (1.520 Euro) als die „durchschnittlichen“ Projektoren (1.663 Euro).

Gute Auflösung

Ebenfalls nicht unbedingt zu erwarten: Während alle Geräte HD ready sind (also eine Auflösung von mindestens 1280 x 720 Bildpunkten bieten) und etwas weniger als die Hälfte sogar Full HD1080 bietet (1920 x 1080 Bildpunkte), haben die durchwegs (erheblich) teureren, hochauflösenden Beamer keineswegs automatisch in allen Wiedergabesituationen eine bessere Bildqualität. Beim „normalen“ PAL-Fernsehbild tun sich ohnehin die meisten etwas schwer (weil die niedrige PAL-Auflösung umgerechnet – interpoliert – werden muss), immerhin schafft es aber der billige BenQ, einige der hochauflösenden Projektoren dabei zu übertreffen.

Full-HD ab 1800 Euro

Auch bei der Wiedergabe von Material in HD-Auflösung können selbst die beiden Test-Schlusslichter mit ihren hochauflösenden Konkurrenten mithalten. Ähnliches gilt für die anderen von uns getesteten Eingabeformate wie DVD-Animationsfilm, Präsentation/Grafik und Fotodarstellung. Dort, wo die Full-HD-Beamer besser abschneiden, tun sie dies mit nur einer Note Unterschied („sehr gut“ statt „gut“). Wer nicht gerade Cineast oder ein Ich-muss-unbedingt-das-Hochwertigste-haben-Freak ist, mag dies bei der Kaufentscheidung in die Waagschale werfen, blättert er doch für einen Full-HD-Projektor im Schnitt über 1.800 Euro hin, während die HD-ready-Geräte im Mittel „nur“ wenig mehr als 1.000 Euro kosten.

Ersatzlampen sind teuer

Unbedingt vor dem Kauf erfragen sollte man auch den Preis für Ersatzlampen, da dieser locker mehrere Hundert Euro betragen kann und sich die Hersteller zunehmend über die zu erwartende Lebensdauer ausschweigen; wo sich Angaben finden, liegen diese zwischen 1.700 und 3.000 Stunden, was bei täglich vierstündigem Betrieb einem Zeitraum von 14 Monaten bis etwas mehr als 2 Jahren entspricht. Achten Sie vor dem Kauf auf die Garantiezeit für die Lampe, diese kann sehr unterschiedlich ausfallen.

Guter Anschluss wichtig

Zunehmend von Bedeutung sind auch Anzahl und Art der vorhandenen Schnittstellen, abhängig davon, was man so alles an sein Heimkino anschließen möchte. Die Tabelle gibt Auskunft über das Vorhandensein oder Fehlen der gebräuchlichsten Anschlüsse und zeigt beispielsweise, dass einerseits bei Weitem nicht (mehr) alle Beamer über einen SCART-Anschluss, anderseits erst wenige über eine USB-Schnittstelle (etwa zur PC-losen Wiedergabe von Digitalfotos) verfügen. Für die Wiedergabe von künftig mit HDCP-Kopierschutz versehenen Filmen ist die entsprechende Fähigkeit des Beamers Voraussetzung – sonst wird es nichts mit dem Kinoabend. Und der sollte, was die Lichtverhältnisse betrifft, wirklich ein Abend sein.

Dunkel soll es sein

Denn das ist nach wie vor eine Schwachstelle der Beamer-Technologie: Wirklich erstklassige Ergebnisse liefern die Geräte nur in abgedunkelten bis dunklen Räumen; die Lichtstärke des Projektors vermag hier zwar einen gewissen Ausgleich zu schaffen (höhere Lichtstärke bedarf geringerer Abdunklung), bei hellem Tageslicht wird man aber so und so wenig Freude damit haben. Von geringerer Bedeutung scheint uns hingegen das – gerne als Verkaufsargument strapazierte – Kontrastverhältnis, also der Unterschied zwischen hellster und dunkelster Stelle im Bild. Wie die Sehtests untermauern, genügt für ein gutes Bild (in abgedunkelter Umgebung) schon ein Verhältnis von rund 1 : 600. Voraussetzung: eine brauchbare Projektionsfläche. Die ist zwar teuer (Leinwand oder Spezial-Wandfarbe), aber für ein gutes Bild unabdingbar; mit der Raufasertapete oder dem Leintuch vom Gästebett schafft man das garantiert nicht!

"Lens shift" ist Mangelware

Last but not least: Schmerzlich mag sich bei ungünstigen Platzierungsmöglichkeiten für den Beamer das Fehlen von „Lens shift“ bemerkbar machen (vorhanden nur beim Mitsubishi HC 4900); dieses erlaubt das Ausrichten der Linse parallel zur Projektionsfläche, auch wenn der Projektor selbst nicht so ausgerichtet werden kann. Bei Montage ober- oder unterhalb beziehungsweise seitlich des Projektionsmittelpunktes sollte man auch auf die Trapez-Korrektur (Keystone-Korrektur) achten, damit das im Netz zappelnde Leder auch wirklich ein runder Fußball ist, und nicht eher einem Laberl gleicht.

×

Beamer: Kompetent mit "Konsument"

  • Für bewusste Fernseher. Für den alltäglichen TV-Konsum ist ein Beamer eher ungeeignet – der Raum sollte abgedunkelt sein.
  • Gute Bildqualität. Beamer sind eine interessante Alternative zu Flachbildschirmen. Das Bild ist nicht nur größer, sondern auch von besserer Qualität; bei vergleichbarem Preis.
  • Preis entscheidend. Das billigste gute Gerät (von BenQ) kostet 885 Euro. Full-HD-Geräte sind deutlich teurer als HD-ready-Beamer, die Qualität ist aber nicht besser.
  • Zusatzkosten. Anders als bei TV-Geräten müssen Sie auch Kosten für Leinwand und Ersatzlampen (alle ein bis zwei Jahre) veranschlagen.

Beamer: Testkriterien

Im internationalen Gemeinschaftstest wurden Videoprojektoren mit DLP- und LCD-Technik in der Preisklasse von 800 bis 2.700 Euro untersucht.

Bildqualität. Bei den Sehtests beurteilten Laien und Fachleute Bildschärfe, Helligkeit, Kantenschärfe und Flächenstrukturen sowie den Gesamteindruck inklusive Farbwiedergabe in einem stark abgedunkelten Raum. Zur Beurteilung wurden eine Szene aus dem Film „Rumor has it“ von DVD und BluRay und eine Szene aus „Open Season“ von BluRay verwendet. Für den Sehtest Computergrafik projizierten wir eine vierteilige Powerpoint-Präsentation (4 : 3), bei Fotografie ein Testbild aus einem Fotostudio mit vielen Farben, Details und schwierigen Farbverläufen (1024 x 768 Bildpunkte). Die Wiedergabe erfolgte mit Sony PS3 (BluRay-Player) über HDMI bzw. über DVI-Ausgang einer hochwertigen Grafikkarte auf eine mattweiße Leinwand mit 1,50 Metern Bildbreite.

Messwerte. Gemessen wurden Helligkeit, Helligkeitsverteilung und Kontrastumfang im Standard- und im Sparmodus unter den jeweils automatisch vorgegebenen und den optimalen Einstellungen. Für optimale Einstellung wurden, soweit möglich, der Kontrast und die Helligkeit anhand eines Graustufenbildes optimal eingestellt.

Handhabung. Zwei Fachleute bewerteten die Bedienungsanleitung, ferner Inbetriebnahme, Benutzung (Bedienung und Menüführung) sowie die Fernbedienung.

Vielseitigkeit. Die Ausstattungsmerkmale wurden nach einem Punkteschema gewichtet und bewertet.

Umwelteigenschaften. Das Betriebsgeräusch wurde im Standard- und im Sparbetrieb von allen Seiten gemessen und von zwei Prüfpersonen subjektiv beurteilt. Der Stromverbrauch wurde ermittelt bei: ausgeschaltet, Stand-by, Standardund Sparbetrieb. Außerdem haben wir die maximale Temperatur der Abluft am Gehäuse gemessen.

Diesen Beitrag teilen

Facebook Twitter Drucken E-Mail
Zum Seitenanfang

DATENSCHUTZ IST UNS WICHTIG!

Bitte erteilen Sie uns die Zustimmung, Ihre Daten zur internen Analyse zu verwenden. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung.