Betriebliche Vorsorgekassen: Vergleich - Zweites Standbein für die Pension

Der betrieblichen Vorsorge wird wenig Augenmerk geschenkt. Sie betrifft aber bald jeden Erwerbstätigen und kann ein nettes Zubrot zur Pension bringen.

LESEN SIE UNSEREN AKTUELLEN TEST AUS DEM JAHR 2018: Betriebliche Vorsorgekassen im Vergleich - Die Spitze rückt zusammen


In unserem Test der betrieblichen Vorsorgekassen vergleichen wir:

  • Allianz
  • APK
  • Bonus
  • BUAK
  • fair-finance
  • NÖ-Vorsorgekasse
  • Valida
  • VBV

In der Testtabelle finden Sie Daten zu:

  • Performance
  • Volatilität
  • Kosten
  • Nachhaltigkeit
  • Sicherheit/Garantie

NEU: Neben unserer Standardtabelle haben wir eine Spezialtabelle entwickelt. Mit dieser können Sie Ihren persönlichen Testsieger erstellen. - Hier unser Testbericht:


Altersvorsorge: Renten und betriebliche Vorsorge

Wenn es um die zukünftige Rente geht, ­werden oft viele Überlegungen angestellt: So wird anhand der Kontoinformation durch den Sozialversicherungsträger gerechnet und geschätzt, wie hoch wohl die gesetzliche Pension ausfallen wird, es werden Beratungsstellen der gesetzlichen Pensionsversicherer aufgesucht, und es werden private Altersvorsorgeangebote eingeholt, miteinander verglichen und durchkalkuliert. Wenig bis gar keine Beachtung findet hingegen eine weitere Geldquelle für die Zeit der Pension: die betriebliche Vorsorge.

Prüfen Sie mit dem KONSUMENT-Rechner Ihre betriebliche Vorsorgekasse (Illustration: Klaus Pitter/VKI)

Betriebspen­sionen

Darunter sind im Wesentlichen zwei Varianten zu verstehen. Einerseits Betriebspen­sionen, die aber nur einem vergleichsweise kleinen Teil der Erwerbstätigen zukommen. Dabei handelt es sich um eine freiwillige ­Zusatzleistung zur gesetzlichen Pension, die der Arbeitgeber einem oder mehreren seiner ­Arbeitnehmer zusagt ("Firmenpension").

Der Anspruch auf ­diesen betrieblichen Zuschuss besteht also nicht automatisch, sondern er wird entweder im Arbeitsvertrag eines einzelnen Beschäftigten, in einer Betriebsvereinbarung für die ­Mitarbeiter eines Unternehmens oder im Kollektivvertrag einer Branche festgelegt. Die Betriebspension muss zudem nicht unbedingt eine reine Altersversorgung sein; sie kann auch Berufsunfähigkeits- oder Hinterblie­benenpensionen umfassen.

Abfertigung neu für fast jeden

Abfertigung neu für (fast) jeden

Die zweite Variante der betrieblichen Vor­sorge steht hingegen nicht nur einzelnen Personen oder Gruppen zu, sondern per ­Gesetz jedem Beschäftigten: Seit dem 1. Jänner 2003 haben alle Arbeitnehmer, die ab diesem Stichtag in ein neues Dienstverhältnis eintreten oder eingetreten sind, Anspruch auf Abfertigung (Abfertigung neu); 2008 wurde ­dieser Anspruch auf freie Dienstnehmer, Lehrlinge und selbstständig Erwerbstätige ausgeweitet. Für alle Dienstverhältnisse, die vor 2003 begannen, galt und gilt zum Teil noch heute die Abfertigung alt, die sich in einigen Punkten maßgeblich vom neuen Abfertigungsrecht unterscheidet (siehe Kasten "Abfertigung alt oder neu?“).

Monatlich 1,53% des Bruttoentgelts

Bei der Abfertigung neu muss der Arbeit­geber für jeden Mitarbeiter ab dem 2. Monat des Dienstverhältnisses monatlich 1,53 Prozent des Bruttoentgelts gemeinsam mit dem Sozialver­sicherungsbeitrag an die Krankenkasse zahlen. Die Krankenkasse leitet den Beitrag an die vom Arbeitgeber oder Selbständigen ausgewählte betriebliche Vorsorgekasse (BVK) weiter. Bei den Selbstständigen, die ihre Sozialver­sicherungsbeiträge direkt an die gewerbliche Sozialversicherung (SVA) zahlen, wird der entsprechende Betrag von der SVA an die ­Abfertigungskassen überwiesen. Für die Abwicklung verrechnen die Sozialversicherungsträger 0,3 % der Beiträge.

Baustein zur Altersvorsorge

Baustein zur Altersvorsorge

Anders als beim alten Abfertigungssystem können nun die bislang angesparten Vor­sorgebeiträge bei einem Jobwechsel zum nächsten Unternehmen mitgenommen werden. Der Betrag wird in die Vorsorgekasse des neuen Betriebs übertragen und das ­Ansparen geht weiter. Nach mindestens drei Dienstjahren kann man sich die Abfertigung auch auszahlen lassen und wieder bei null beginnen. Zu empfehlen ist das aber nur in wirklichen Ausnahmefällen; etwa, wenn es finanziell hinten und vorne brennt und Kre­dite – selbst zu den aktuell günstigen Kon­ditionen – keine Option sind.

Auszeit, Bildungskarenz, ­Weltreise

Auch wenn man eine längere Auszeit plant, etwa eine Bildungskarenz, ­eine lange Weltreise oder Ähnliches, belässt man das Geld besser in der Vorsorgekasse und nimmt es bei einem späteren Jobeinstieg im Rucksacksystem zum neuen Arbeitgeber mit. In der Zwischenzeit kann es in der BVK in kleinen Schritten, aber doch, wachsen und später mögliche Pensionslücken zu stopfen helfen.

Zwang zum späteren Glück

Zwang zum späteren Glück

Befürchtungen, dass die betrieblichen Vorsorgekassen mit diesem Geld nicht redlich umgehen, sind angesichts vieler unrühm­licher Nachrichten über Finanzdienstleister in den vergangenen Jahren verständlich, aber unbegründet. Die BVK unterliegen sehr strengen gesetzlichen Vorschriften und agieren – anders als eine Bank bei einer herkömmlichen Geldanlage – als Treuhänder der Kundengelder. Auch bei den Anlage­vorschriften gibt es strenge Auflagen: Die Gelder müssen sicher veranlagt werden; und damit die Kapitalgarantie hält (das heißt, der Anleger mindestens so viel herausbekommt, wie er eingezahlt hat), müssen die Vorsorgekassen jährlich ihre Kapitalgarantierücklage aufstocken. Weiters sind sie in ein Anleger­entschädigungssystem eingebunden, das derzeit einen Schutz von Abfertigungs­ansprüchen bis zu 20.000 Euro vorsieht.

Acht Kassen teilen sich den Markt

Acht betriebliche Vorsorgekassen (BVK) ­teilen sich den Markt in Österreich. Nach dem verwalteten Vermögen gereiht sind das die VBV, Valida, Allianz, APK, Bonus, BUAK, die NÖ Vorsorgekasse und die erst vor sechs Jahren eingestiegene fair-finance Vorsorgekasse. Die Victoria Vorsorgekasse AG wird von der Bonus übernommen und nimmt ­daher am Vergleich nicht teil. Bei welcher Vorsorgekasse das eigene Geld deponiert wird, kann der einzelne Arbeit­nehmer nicht bestimmen. Die BVK wird vom Arbeitgeber und in größeren Betrieben ­ab einer bestimmten Mitarbeiterzahl durch Betriebsverein­barung gemeinsam mit dem Betriebs­rat ausgewählt.

Kleine Zahlungen läppern sich

Es ist auch nicht möglich, sich dem Abfertigungssystem ganz zu entziehen, denn: Hat ein Arbeitgeber oder ein Selbstständiger binnen sechs Monaten keinen Beitrittsvertrag abgeschlossen, so kann er vom Hauptverband der Sozial­ver­sicherungsträger einer BVK zugewiesen ­werden. Der "Zwang“ zur betrieblichen Vorsorge ist nicht jedem recht, auch nicht jedem Anspruchsberechtigten, hat aber speziell für jene, denen es schwerfällt, ihr Geld "beisammenzuhalten", den Vorteil, dass sich selbst bei kleinen Beitragszahlungen im Lauf der Jahre ein gar nicht so kleiner Kapitalstock bildet.

Wechseln ist einfach

Wechseln ist einfach

Wie hoch dieser ist, hängt von der Einzahlungsdauer (also der Summe der Dienst­jahre), der Summe der eingezahlten Beiträge plus dem Veranlagungsgeschick der jeweiligen Vorsorgekasse minus den Verwaltungskosten ab. Die Rendite, die mit den Vorsorge­beiträgen erzielt wird, fällt nach unseren ­Erhebungen nicht berauschend aus, was aber angesichts der strengen Vorschriften hinsichtlich sicherer Anlage und aufgrund der Kapitalgarantie nicht verwundert. Trotzdem zeigt sich im Zehn-Jahres-­Vergleich eine Band­breite von 1,92 bis 2,58 Prozent Rendite. Mehr als ein ­halber Prozentpunkt Unterschied macht bei einem Betrag von 5.000 Euro über zehn Jahre immerhin gut 250 Euro mehr oder weniger in der Tasche aus.

Verwaltungskosten zwischen 0,4 und 0,7%

Auch bei den Verwaltungskosten gibt es ­Unterschiede. Sie variieren zwischen 0,4 und 0,7 Prozent. Die per Gesetz festgelegte Höchstgrenze bei den Vermögensverwaltungskosten liegt bei 0,8 Prozent des Ver­mögens; Spielraum für Verhandlungen mit der jeweiligen Vorsorgekasse gibt es hier keinen, da jede BVK ihre Kunden gleich ­behandeln muss – individuelle Gebührenvereinbarungen, zum Beispiel für Großkunden, sind nicht möglich. Wer aber zu dem Schluss kommt, dass eine andere BVK nicht nur bei den Gebühren, sondern auch bei den Erträgen besser abschneidet, besseren Service bietet oder nachhaltiger veranlagt, sollte das Gespräch mit dem Arbeitgeber bzw. dem Betriebsrat suchen und gemeinsam mit Kollegen auf einen Wechsel drängen.

Kündigung bis 30.6.

Sofern keine kürzere Kündigungsfrist vereinbart wurde, muss die Kündigung bis spätestens 30.6. bei der BVK einlangen, damit sie mit 1.1.des Folge­jahres wirksam wird. Die dazu erforderlichen Schritte werden von der neu gewählten Vorsorgekasse übernommen und sind üblicherweise mit wenig Aufwand verbunden.

Unterschiedliche Stärken der Kassen

Unterschiedliche Stärken der Kassen

Damit jeder Interessierte das Angebot und die Leistungen der betrieblichen Vorsorgekassen einfacher vergleichen kann, werden die BVK ab jetzt einmal jährlich durch unsere Experten bewertet. Neben mehr Wettbewerb zwischen den Anbietern und besseren Konditionen für die Kunden soll das bei den Anspruchsberechtigten mehr Klarheit und Bewusstsein für diese wichtige Säule zur ­Altersvorsorge schaffen. Denn auch wenn die betriebliche Vorsorge durch das neue Abfertigungsgesetz nun für alle Beschäftigten ein Thema ist, wissen doch nur wenige ­Bescheid darüber, wo und wie ihre Abfindungsgelder verwaltet werden und was sie am Ende zu erwarten haben.

Auch Nachhaltigkeit ist ein Kriterium

Die Detailergebnisse unseres Vergleichs zeigen, dass die Kassen ganz unterschiedliche Stärken aufweisen. Betrachtet man nur die Performance, liegt fair-finance vorn. Legt man Wert auf eine stabile Entwicklung, zeigen Allianz und Valida Stärke. Bei den Kosten tun sich die BUAK und die NÖ Vorsorgekasse hervor. Hohe Rücklagen als Zeichen der ­Sicherheit finden sich vor allem bei der VBV. Als besonders informationsfreudig zeigten sich die Bonus Vorsorgekasse und die APK. Beim Thema Nachhaltigkeit weisen bereits vier Kassen (Bonus, fair-finance, Valida und VBV) die ÖGUT-Gold-Zertifizierung auf. So findet sich für jeden Bedarf die jeweils rich­tige Kasse.

In unserer Bewertung liegt VBV vorne

Bei der von uns gewählten Gewichtung liegt die VBV in der Endbewertung vorn. Doch wir wollen Ihnen die Möglichkeit geben, die Kriterien nach Ihren persönlichen Vorstellungen zu gewichten. Dazu haben wir ein Online-Tool eingerichtet.

Performance ausgeblendet

Alle entsprechen gesetzlichen Grundlagen

Die Kontonachrichten der Vorsorgekassen haben bei unserer Erhebung allesamt den sehr strengen gesetzlichen Grundlagen entsprochen. Unterschiede gab es bei der Gestaltung: Manche Informationen waren sehr kompakt gehalten, andere etwas ausführ­licher. Auch was die Informationsmöglich­keiten via Homepage, Hotline oder E-Mail angeht, schnitten alle Vorsorgekassen gut ab.

Performance ausgeblendet

Dennoch fehlt aus Sicht der Anspruchsberechtigten noch eine wichtige Informa­tion: die Performance, die mit dem veranlagten Betrag im Jahresrückblick erzielt wurde. Angaben dazu werden zwar gesetzlich nicht gefordert, aber da es hier um das Geld der Anspruchsberechtigten geht, sollten sie auch erfahren, wie sie ertragsmäßig mit ihrer Vorsorgekasse dran sind.

Testtabelle: Betriebliche Vorsorgekassen

Tabelle öffnen

So funktioniert die Abfertigung neu

Einzahlung: Der Arbeitgeber oder selbstständig Erwerbstätige zahlt ab dem zweiten (Beschäftigungs-)Monat 1,53 Prozent des Bruttoentgelts an eine Betriebliche Vorsorgekasse (BVK). Die Beiträge werden von der Krankenkasse eingehoben und an die jeweils gewählte BVK weitergeleitet. Die Höhe der Abfertigung neu hängt vom Einkommen während der gesamten Dienst- bzw. Erwerbsjahre und vom Veranlagungsergebnis der BVK ab.

Auszahlung: Endet ein Arbeitsverhältnis durch Arbeitgeberkündigung, Fristablauf, einvernehmliche Lösung, unberechtigte/unverschuldete Entlassung oder berechtigten Austritt und liegen zumindest drei Einzahlungsjahre vor (Zeiten bei verschiedenen Arbeit­gebern werden zusammengezählt), kann die Auszahlung der Abfertigung verlangt werden.

Endet das Dienstverhältnis durch Arbeitnehmerkündigung, berechtigte/verschuldete Entlassung, unberechtigten Austritt oder bevor insgesamt drei Einzahlungsjahre vorliegen, bleibt die Abfertigung in der BVK und wird dort weiter veranlagt.

Auszahlungsvarianten: Die bislang angesammelte Abfertigung kann auf Wunsch des Anspruchsberechtigten

  • als Kapitalbetrag ausgezahlt werden,
  • in der BVK belassen und dort weiter­veranlagt werden,
  • an die BVK des neuen Arbeitgebers ­übertragen werden (sogenanntes ­Rucksackprinzip) oder
  • in eine private Pensionszusatzversicherung oder Pensionskasse übertragen werden, wo zum Beispiel eine monatliche Zusatz­pen­sionszahlung vereinbart werden kann.

Abfertigung alt oder neu?

Das neue Abfertigungsrecht gilt erst seit rund 13 Jahren.

Alle Dienstverhältnisse, die vor dem 1.1.2003 abgeschlossen wurden, fallen noch unter die Abfertigung alt. Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein Wechsel zur Abfertigung neu sinnvoll sein. Ein Übertritt ist allerdings nur möglich, wenn der Arbeitgeber zustimmt. Sinnvoll wäre ein Wechsel zum Beispiel, wenn man vorhat, ein Dienstverhältnis selbst zu kündigen. Für Arbeitnehmer, die schon viele Dienstjahre bei einem Arbeitgeber angesammelt haben und ziemlich sicher nicht von sich aus kündigen werden, ist das alte Abfertigungsmodell in der Regel finanziell attraktiver.

  Abfertigung alt Abfertigung neu
Anspruch erst nach drei Jahren ununterbrochener Beschäftigung im gleichen Unternehmen ab 2. Beschäftigungsmonat bzw. ab 2. Monat der Selbstständigkeit
Bedingung Anspruch nur, wenn das Arbeits-verhältnis durch Arbeitgeber­kündigung oder einvernehmliche Auflösung beendet wurde Anspruch auch bei Selbstkündigung
Auszahlung

Keine Möglichkeit der vorzeitigen Auszahlung.
Bei Kündigung durch den Dienstnehmer selbst oder Entlassung verfallen die bisherigen Abfertigungsansprüche

Nach drei Jahren Möglichkeit, sich bei Dienstgeberkündigung die Abfertigung auszahlen zu lassen. Bei Dienstnehmerkündigung keine Auszahlungsmöglichkeit, aber ­Beiträge verbleiben in der Vorsorgekasse bzw. Ansprüche können zum nächsten Dienstgeber mitgenommen werden
Höhe Berechnung der Abfertigung erfolgt auf Basis des Letztbezugs. Je nach Dauer des Dienstverhältnisses liegt die Höhe der Auszahlungsbeträge bei 2 bis 12 Monatsentgelten Höhe der Einzahlungsbeiträge ist gesetzlich mit 1,53 % des Bruttoentgelts festgelegt; Höhe der Auszahlung hängt von den einbezahlten Beiträgen und vom erzielten Veranlagungserfolg der Vorsorgekasse ab
Auszahlung direkt vom Arbeitgeber von betrieblichen Vorsorgekassen

 

FAQ

Wie funktioniert das Modell der Abfertigung neu?
Der Arbeitgeber zahlt ab Beginn des zweiten Beschäftigungsmonats 1,53 % der Bruttolohn- und -gehaltssumme an eine betriebliche Vorsorgekasse (BVK). Die Beiträge werden von der Krankenkasse eingehoben und an die jeweilige BVK weitergeleitet. Die Höhe der Abfertigung neu ist vom Einkommen während der gesamten Dienstzeit und von den Ergebnissen der jeweiligen Kasse abhängig. Für die eingezahlten Beiträge gibt es eine Kapitalgarantie. Keine Auszahlung oder Überweisung darf niedriger ausfallen als die Summe der vom Arbeitgeber gezahlten Beiträge.

Was sind die Aufgaben einer betrieblichen Vorsorgekasse?
Eine betriebliche Vorsorgekasse veranlagt und verwaltet die einbezahlten Beiträge treuhändisch. Eine gesetzliche Kapitalgarantie sichert eine Abfertigungszahlung in Höhe von mindestens der Summe der einbezahlten Beiträge. Als Sonderkreditinstitute unterliegen die betrieblichen Vorsorgekassen der gesetzlichen Einlagensicherung und der Kontrolle durch die Finanzmarktaufsicht.

Wie oft erhalte ich Informationen von der betrieblichen Vorsorgekasse?
Einmal jährlich, mindestens alle 3 Jahre, wird den Anwartschaftsberechtigten von der betrieblichen Vorsorgekasse eine Kontoinformation über die Höhe ihres Guthabens übermittelt,

Ist das Kapital dort sicher?
Es gibt Veranlagungs- und Aufsichtsvorschriften, die mit der Veranlagung am Kapitalmarkt verbundene Risiken minimieren sollen. Die Anbieter sind auch in ein Anlegerentschädigungssystem einbezogen. Individuelle Abfertigungsansprüche sind bis 20.000 Euro insolvenzgesichert. Grundlage für die systemische Sicherheit ist die wirtschaftliche Trennung der Veranlagungsgemeinschaft (VG) als treuhändiges Sondervermögen von der Vorsorgekasse selbst, die in der Regel in der Rechtsform einer AG betrieben wird.
Unterschiede bei der Sicherheit können sich in der Höhe der vorhandenen Eigenmittel bzw. der Eigenkapitalquote und in der „Verlässlichkeit und persönlichen Verantwortung des Managements“ oder dem „Image und der strategischen Ausrichtung der Eigentümer“ ergeben.

Kann mein Kapital dort auch weniger werden?
Die gesetzliche Kapitalgarantie schützt die Kunden vor nominellen Verlusten. Eine gesetzliche Mindestzinsgarantie bietet aktuell nur die fair-finance Vorsorgekasse.

Seit wann gilt die betriebliche Vorsorge "Abfertigung neu“?
Für Arbeitsverhältnisse, die ab dem 1. Jänner 2003 begonnen wurden, gilt die „Abfertigung neu“. Arbeitsverhältnisse, die am 31.12.2002 schon bestanden haben, unterliegen dem alten Abfertigungsrecht. Hier besteht die Möglichkeit, in die Abfertigung neu zu wechseln.

Wie funktioniert die "Abfertigung neu“ (= betriebliche Vorsorge)?
Ab dem zweiten Monat eines Arbeitsverhältnisses zahlen Arbeitgeber für ihre Arbeitnehmer 1,53 % des monatlichen Bruttogehaltes (inkl. Sonderzahlungen) an die Krankenkasse. Von dort werden die Beiträge an die betriebliche Vorsorgekasse (BVK) weitergeleitet.

Ab wann wird ein Beitrag geleistet?
Ab Beginn des Arbeitsverhältnisses.  Bei einem neuen Dienstverhältnis ist der erste Monat beitragsfrei.

Wie hoch ist der Beitrag zur betrieblichen Vorsorge?
Er beträgt 1,53 % der Bruttolohnsumme, inklusive Sonderzahlungen, Sachbezüge, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Überstunden etc.

Wer zahlt den Beitrag zur betrieblichen Vorsorge?
Das Unternehmen zahlt den Beitrag über die jeweilige Krankenkasse. Von dort wird der Beitrag an die jeweilige betriebliche Vorsorgekasse (BVK)weitergeleitet.

Welche Veranlagungsvorschriften gelten für die betriebliche Vorsorgekasse?
Die Veranlagungsvorschriften sind im BMSVG verankert. Sie müssen vom Aufsichtsrat und von der Finanzmarktaufsicht (FMA) genehmigt werden. Der maximale Aktienanteil ist auf 40 % beschränkt. Für den Kunden gilt eine Kapitalgarantie.

Was passiert bei einem Konkurs der Vorsorgekasse?
Theoretisch kann eine Vorsorgekasse wie jedes andere Unternehmen in Konkurs gehen. In diesem Fall werden die Konten der Anspruchsberechtigten bzw. wird die VG (Veranlagungsgemeinschaft) vom Finanzministerium an eine andere Vorsorgekasse zur weiteren Betreuung übertragen.

Was passiert bei Insolvenz des Arbeitgebers?
Nach Bezahlung der Beiträge an die betriebliche Vorsorgekasse haben weder der Arbeitgeber noch seine Gläubiger Zugriff auf die Abfertigungsansprüche. Sollten Beiträge bzw. noch ausständige Übertragungsteilbeträge beim insolventen Arbeitgeber uneinbringlich sein, werden diese vom Insolvenzfonds übernommen.

Wer wählt die betriebliche Vorsorgekasse aus?
Die betriebliche Vorsorgekasse wird vom Dienstgeber gemeinsam mit dem Betriebsrat ausgesucht. Bei Firmen ohne Betriebsrat schlägt der Arbeitgeber eine betriebliche Vorsorgekasse vor. Wird vom Arbeitgeber kein Beitrittsvertrag abgeschlossen, hat der Hauptverband der Sozialversicherungsträger dem Arbeitgeber eine BVK zuzuweisen.

Was passiert bei Beendigung des Dienstverhältnisses?
Nach Beendigung des Dienstverhältnisses durch Arbeitgeberkündigung, bei ungerechtfertigter Entlassung oder bei einvernehmlicher Auflösung hat der ausgeschiedene Mitarbeiter die Möglichkeit, durch Abgabe einer Erklärung die Auszahlung der Abfertigung zu fordern, sofern die Mindestliegedauer von 36 Monaten (3 Jahren) verstrichen ist. - Auch bei Selbstkündigung oder Entlassung bleiben die Beiträge erhalten.

Was gilt bei Karenz, Präsenzdienst oder Bildungskarenz?
Während der Kinderbetreuungszeiten sowie einer Bildungs- oder Hospizkarenz werden die Beiträge in Höhe von 1,53 % des Kinderbetreuungsgeldes vom Familienlastenausgleichsfonds bezahlt. Für Präsenzdiener erfolgt die Beitragszahlung bei weiterhin aufrechtem Dienstverhältnis für maximal 1 Jahr durch den Arbeitgeber.

Wann kann ich die Auszahlung der Abfertigung von der BVK verlangen?
Endet ein Arbeitsverhältnis durch Arbeitgeberkündigung, Fristablauf, einvernehmliche Lösung, unberechtigte/unverschuldete Entlassung oder berechtigten Austritt und liegen zumindest drei Einzahlungsjahre vor (Zeiten bei verschiedenen Arbeitgebern werden zusammengezählt), kann die Auszahlung der Abfertigung verlangt werden.
Endet das Dienstverhältnis durch Arbeitnehmerkündigung, berechtigte/verschuldete Entlassung, unberechtigten Austritt oder bevor insgesamt drei Einzahlungsjahre vorliegen, bleibt die Abfertigung in der BVK und wird dort weiter veranlagt.

Welche Wahlmöglichkeiten habe ich bei einem Auszahlungsanspruch?
- Auszahlung der Abfertigung als Kapitalbetrag
- Belassen der Abfertigung in der BVK und Weiterveranlagung des Geldes
- Übertragung der Abfertigung an die BVK des neuen Arbeitgebers
- Übertragung in eine private Pensionszusatzversicherung oder in eine Pensionskasse

Wozu dient die Kontoinformation?
Die Kontoinformation informiert über den Kontostand am Anfang des Jahres, über die für das Kalenderjahr geleisteten Beiträge und die angefallenen Kosten, über das erwirtschaftete Veranlagungsergebnis, den Kontostand am Ende des Jahres und die Arbeitgeber, die im Kalenderjahr Beiträge gemeldet haben.
Warum erhalte ich nur alle drei Jahre eine Kontoinformation?
Werden auf das Konto keine Beiträge eingezahlt (beispielsweise, wenn das Arbeitsverhältnis beendet wurde, erhält der Arbeitnehmer nur alle drei Jahre eine Kontonachricht. Ändert sich der Kontostand jedoch um mehr als 30 Euro, hat der Arbeitnehmer auch vor Ablauf der drei Jahre Anspruch auf eine Kontonachricht zum Bilanzstichtag.

Wie hoch sind die Verwaltungsgebühren?
Die Verwaltungsgebühren sind gesetzlich gedeckelt. Die Höchstgrenze für Verwaltungsgebühren auf die laufenden Beitragszahlungen beträgt 3,5 %. Die Höchstgrenze für Verwaltungsgebühren auf das Vermögen beträgt p.a. 0,8 %. Alle Kunden müssen hinsichtlich der Verwaltungsgebühren gleich behandelt werden. Es gibt keine individuellen Vereinbarungen (zum Beispiel für Großkunden); auch Verhandlungen bei Vertragsabschluss entfallen.

Welche Erträge werden erwirtschaftet?
Die Kapitalgarantie in Kombination mit der durchschnittlich kurzen und für die Kassen nicht planbaren Veranlagungsdauer der Beiträge ist verantwortlich für eine konservative und geldmarktnahe Veranlagungsstrategie. Diese verhindert große Verluste, schlägt sich dafür aber in einer vergleichsweise geringen durchschnittlichen Performance nieder.

Kann die betriebliche Vorsorgekasse gewechselt werden?
Ja, ein Wechsel kann zum jährlichen Stichtag erfolgen und ist für das Unternehmen leicht durchzuführen. Der Vertrag mit der neuen Vorsorgekasse wird geschlossen, der alte gekündigt. Die neue Vorsorgekasse kümmert sich um die Formalitäten.

Wie läuft ein Wechsel der BVK ab?
Zuerst wird die Kündigungsmöglichkeit des Beitrittsvertrages (zum 30.6. oder 30.9.) der aktuellen BVK geprüft.
Dann wird die neue BVK ausgewählt, die auch die Übernahme der Anwartschaftsberechtigten bestätigt (§ 12 BMSVG). Dann wird die bestehende BVK gekündigt, ein Beitrittsvertrag mit der neuen BVK abgeschlossen (diese meldet den Wechsel der jeweiligen GKK) und die Mitarbeiter werden intern über den Wechsel informiert (i.S. § 9 BMSVG).  Ab dem 1.1. werden die Beiträge von der GKK an die neue BVK überwiesen. Im März erfolgt die Vermögensübertragung in die neue BVK (§ 12 BMSVG).

Was passiert bei Tod eines Arbeitnehmers?
Bei Tod gebührt die Abfertigung den unterhaltsberechtigten gesetzlichen Erben als Direktanspruch. Sind keine solchen Erben vorhanden, fällt die Abfertigung in die Verlassenschaft.
 

Zusammenfassung

  • Nicht verprassen: Wer das Geld nicht absolut dringend braucht, sollte sich die Abfertigung nicht vorzeitig auszahlen lassen, sondern das Rucksackprinzip nutzen und Kapital aufbauen, um dem Vorsorgegedanken Rechnung zu tragen.
  • Wechsel des Abfertigungssystems: Wer einen Umstieg in das neue Abfertigungssystem ins Auge fasst, sollte vorher unbedingt die diversen Beratungsmöglichkeiten (Betriebsrat, Gewerkschaft, Arbeiterkammer) nutzen.
  • Kontonachricht studieren: Bei Un­­klar­heiten an den Betriebsrat oder direkt an die Vorsorgekasse wenden.
  • Informieren und vergleichen: Erscheint ein Wechsel der Vorsorge­kasse sinnvoll, Kollegen informieren und gemeinsam Druck auf den Arbeitgeber oder Betriebsrat ausüben. Die Übertragung an eine andere Kasse ist einfach. Eine Kündigung bis zum 30.6. des Jahres wird zum 1.1. des Folgejahres wirksam.

Testkriterien

Performance und Volatilität (30 % Gewichtung)
Unter Performance versteht man die Wertentwicklung einer Kapitalanlage. Sie wird im Vergleich zu einem Referenzwert, der sogenannten Benchmark, ermittelt. In unserem Test wurde sie am höchsten gewichtet. Benchmark ist das beste Ergebnis unter den Anbietern.
Bei der Performance wurden 4 Werte abgefragt. 1, 3, 5 und 10 Jahre. Die Anlagen sind als sehr langfristige Investments anzusehen, daher wurde die langfristige Performance am stärksten gewichtet.
Die Volatilität ist die Schwankungsbreite während eines bestimmten Zeitraumes (je größer, desto risikoreicher ist die Kapitalanlage). Aufgrund der gesetzlichen Anlagevorschriften sowie einer eher geringen Streuungsbreite wurde sie niedriger gewichtet. Sie wurde für 3, 5 und 10 Jahre erhoben und bewertet.

Kosten (15 %)
Bei den Kosten wurden Beitragserhebungskosten sowie Vermögensverwaltungskosten berücksichtigt. Da die Kosten auch in der Performance Berücksichtigung finden, wurde dieses Gruppenurteil geringer gewichtet. Eine Berücksichtigung der Kostenbelastung erfolgte trotzdem im Hinblick auf einen überproportionalen Einfluss vor allem in Niedrigrenditejahren, die aktuell eher zu erwarten sind.
Auch die Kosten sind als relative Bewertung angelegt.

Nachhaltigkeit (10 %)
Die Nachhaltigkeit als wichtiges, aber nur für einen Teil der Verbraucher relevantes Entscheidungskriterium wurde mit 10 % der Gesamtnote festgesetzt. Die Bewertung erfolgte anhand etablierter ÖGUT-Zertifizierungen (Gold, Silber, Bronze). Alternative Ansätze wurden nach ihrer Vergleichbarkeit mit der ÖGUT-Zertifizierung bewertet.
Gold 100 %, Silber 75 %, Bronze 50 %, Sonderbewertung – individuell nach ÖGUT-Vergleichbarkeit.
Gewertet wurde nur die höchste Zertifizierung, eine Kumulation mehrerer Zertifikate erfolgte nicht.

Sicherheit/Garantie (25 %)
Wegen des Vorsorgecharakters ist für den Verbraucher der Sicherheitsaspekt von besonderer Bedeutung. Daher erfolgte eine starke Gewichtung mit 25 % der Gesamtpunktezahl.
Zur Bewertung der Sicherheit zählen Kapitalgarantie (gesetzlich ohne Abweichungen), Zinsgarantie Eigenkapitalquote (bilanziell oder Ausstattung nach Eigenmittelvorschriften). Als weitaus wichtigstes Bewertungskriterium wurde die Kapitalrücklagendeckung (in Prozent des Soll) berücksichtigt.

Information und Transparenz (20 %)
Eine qualitative Prüfung anhand objektiver Punkte ist nicht realisierbar, daher wurde dieser Bereich auf das Vorhandensein von Parametern geprüft. Dabei flossen 9 Hauptpunkte ein, wobei die Kontonachricht das wichtigste Kriterium war und anhand von 4 Unterparametern bewertet wurde.
Obwohl die gesetzlichen Grundlagen sehr streng und klar sind, sind die Kontoinformationen der Anbieter recht unterschiedlich gestaltet – manche ausführlicher, andere recht kompakt.
Unsere Testkriterien beziehen sich vor allem auf Angaben zu den unseres Erachtens essenziellen Punkten wie Performance, den aktuellen Saldo zum Stichtag, die Höhe der Beiträge im letzten Jahr und die Höhe der Verwaltungskosten. Die Vorsorgekassen müssen den aktuellen Saldo, die Beiträge des letzten Jahres und die Höhe der Verwaltungskosten angeben und tun das auch. Lediglich die Performance wird in keiner Kontonachricht angegeben.
Weiters haben wir geprüft, wie viel an Information für den Kunden auf der Homepage zur Verfügung steht (Nachhaltigkeitsinfos, Informationen zur Anlagepolitik, FAQ etc.).
Zusätzlich wurde geprüft, ob für die Kunden ein Onlinezugang zu ihrem Konto zur Verfügung steht und ob ein Kontakt via Hotline bzw. E-Mail ermöglicht wird.

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