DATENSCHUTZ IST UNS WICHTIG!

Bitte erteilen Sie uns die Zustimmung, Ihre Daten zur internen Analyse zu verwenden. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung.

Zum Inhalt

Winterdiesel: Frostschutz im Tank - 3 Proben nicht kältefest

Winterdiesel sollte bis minus 20 Grad kältefest sein. Nicht alle der von uns besuchten 58 Tankstellen haben diese Hürde geschafft.

Lesen Sie auch unsere Artikel Spritkosten: Sparen an der Tankstelle 8/2012, Biosprit 11/2012 und Kunde König: Spritpreise 8/2012


Immer wenn der Winter ins Land zieht, freuen sich die Skifahrer – und die Halter von Dieselfahrzeugen fürchten sich: Müssen sie nach einer Frostnacht damit rechnen, ihr Auto nicht mehr starten zu können? Dabei sollte das dank Winterdiesel kein Problem sein. Dafür gibt es klare gesetzliche Bestimmungen: Laut Kraftstoffverordnung darf in der Zeit von 1. November bis Ende Februar nur Dieselkraftstoff angeboten werden, der bis minus 20 Grad Celsius möglichst funktionstüchtig bleibt.

Winterdiesel: Frostschutz im Sprit

Winterdiesel reduziert das Ausflocken von Paraffinen bei niedrigen Temperaturen. Diese Paraffinkristalle bilden sich in Kraftstoffleitungen und können den Kraftstoff-Filter verstopfen. Die Zugabe spezieller Additive bzw. die Reduktion des Paraffinanteils soll dies verhindern, die Filtrierbarkeitsgrenze wird dadurch herabgesetzt. Der englische Ausdruck dafür ist Cold Filter Plugging Point (CFPP). Und dieser Punkt ist für die Wintermonate mit minus 20 Grad C festgelegt. Die Norm gilt für ganz Europa – mit unterschiedlichen CFPP-Werten und Zeiträumen.

58 Tankstellen im Winterdiesel-Test

Doch gibt es zwei Probleme: Woher weiß der Autofahrer, welchen Diesel er an der Tankstelle bekommt? Und was ist, wenn die Temperaturen unter minus 20 Grad sinken?

Im Test Winterdiesel gehen wir diesen Fragen auf den Grund: Haben die Tankstellenbetreiber Anfang November schon auf Winterdiesel umgestellt und liegt der CFPP tatsächlich bei minus 20 Grad? Von 58 Tankstellen haben wir österreichweit Proben entnommen, Markentreibstoffe und Diskontprodukte, mit Schwerpunkt Tirol (in Westösterreich sinken die Temperaturen häufiger unter den kritischen Bereich); unser Tester hat aber auch typische „Kältelöcher“ wie das nördliche Waldviertel, Lunz am See oder den Lungau in Salzburg aufgesucht.

ÖNORM EN 590 erlaubt Toleranz von plus/minus 3 Grad C

Vorab sei noch darauf hingewiesen, dass die ÖNORM EN 590 einen Toleranzbereich von plus/minus 3 Grad C zulässt. Das heißt, auch wenn der Winterdiesel schon bei minus 17 Grad ausflockt, gilt er als normgerecht.

3 Tankstellen nicht normgerecht

Nehmen wir das als Maßstab, so können die meisten Tankstellenbetreiber aufatmen. Nur 3 Dieselproben von 58 entsprachen nicht den gesetzlichen Bedingungen. AWI-Diskont in Wien 8 schaffte es nur auf schlappe minus 12 Grad – es war die einzige Biodiesel-Probe im Test. Enttäuschend auch A1 in Weißensee mit minus 15 Grad und die TK-Tankstelle in Zürs am Arlberg mit minus 16 Grad – beide Betriebe liegen in einer Gegend, in der tiefe Temperaturen im Winter alltäglich sind.

Mehrheit hält Norm nur sehr knapp ein

Die Mehrzahl hält die Normgrenze nur sehr knapp ein, bei mehr als der Hälfte der Proben (27) lag der CFPP über minus 20 Grad. Nur wenige lagen deutlich jenseits davon. Nicht unproblematisch, wenn man bedenkt, dass fast überall in Österreich Kälteperioden üblich sind, in denen das Thermometer in der Nacht unter minus 20 Grad absinkt.

 Mit Premium-Diesel besser dran

Einige Mineralölfirmen bieten auch Premium-Diesel an: BP, Genol, Mol, OMV, Shell. Dieser soll ja besonders hochwertig sein, mehr Leistung bei weniger Verbrauch wird versprochen. Daneben sollen die Premium-Sorten aber auch besonders kältefest sein. Deshalb werden sie oft auch als „Polar-Diesel“ oder „Arctic-Diesel“ gehandelt. Wir haben drei Proben genommen und können jedenfalls OMV Maxx Motion Diesel eine sehr hohe Kältefestigkeit attestieren: Minus 30 Grad C wurden in Frauenhofen gemessen.

OMV Maxx Motion Diesel: sehr hohe Kältefestigkeit

An zweiter Stelle landete BP Ultimate Diesel aus Wien-Heiligenstadt (minus 26 Grad C). Bei Shell V-Power Diesel lag der CFPP nur bei minus 22 Grad C. Allerdings spricht Shell seiner Premium-Sorte auch keine besondere Kältefestigkeit zu, auf der Shell-Homepage verspricht der Mineralölkonzern eine Filterdurchlässigkeit bis minus 20 Grad – ebenso tief wie für den „gewöhnlichen“ Diesel. Letzterer hat in unserem Test übrigens die Premium-Sorte übertrumpft. Der normale Winterdiesel von Shell im Tiroler Vils hielt bis minus 25 Grad durch. (Hinweis: Shell bietet heuer erstmals an 15 Standorten in Westösterreich einen V-Power-Diesel mit -30 Grad Kältefestigkeit an.)

Kältefestigkeit sollte deklariert werden

Alles in allem: Die Versorgung mit Winterdiesel kann als gegeben angesehen werden, wenn auch drei Ausreißer zu verzeichnen waren. Um die Unsicherheit unter den Autofahrern – vor allem bei unerwartetem Einbruch einer Kältewelle – zu reduzieren, wäre es sinnvoll, wenn an den Tankstellen die Kältefestigkeit (in Grad C) deklariert würde. Damit man weiß, woran man ist. Natürlich sollte die Temperaturangabe auch korrekt sein, der Anbieter sollte nicht einen theoretischen Tiefstwert angeben, sondern einen Mindestwert, für den er garantiert.

Diesel keineswegs mischen!

Was können Autofahrer sonst noch tun, um ihren fahrbaren Untersatz auch bei tiefen Temperaturen funktionsfähig zu halten? Früher war es einfach, da konnte man selbst nachhelfen, indem man Diesel mit Benzin verdünnte. Eine Beimischung von 20 Prozent Normalbenzin zum Dieselöl wurde vor Jahren sogar in vielen Betriebsanleitungen empfohlen. Doch das ist bei der heutigen Generation der Dieselmotoren (Common-Rail, Pumpe-Düse) streng verboten. Es drohen ernsthafte Schäden, die Pumpe oder sogar der ganze Motor könnten den Geist aufgeben.

Auch Additive könnten Filter verstopfen

Dasselbe gilt übrigens auch für die nachträgliche Zugabe von Additiven, sogenannten Fließverbesserern. Sie könnten die gegenteilige Wirkung haben, weil die von der Raffinerie eingesetzten Zusatzstoffe außer Gefecht gesetzt werden oder weil die beigemengten Wundermittel sich nicht mit dem Diesel vermischen und damit erst recht die Filter verstopfen.

Andere Ursachen für Startprobleme

Wenn der Motor tatsächlich einmal streikt, kann es auch andere Gründe geben: Vielleicht ist die Batterie schon zu schwach oder Wasser befindet sich im Dieselfilter. Dazu kann es vor allem dann kommen, wenn nach einer wärmeren Periode mit hoher Luftfeuchtigkeit die Temperatur über Nacht unter den Gefrierpunkt sinkt; dann kann das Wasser am Filter gefrieren und ihn verstopfen.

Ab in die warme Garage

Egal ob gefrorenes Wasser oder ausgeflockte Paraffine den Filter verstopfen – da hilft am besten eines: den Wagen in eine geheizte Garage abschleppen. Ein Aufwärmen mit offener Flamme ist auf jeden Fall zu unterlassen (Explosionsgefahr).

Vor dem Winter Filter entwässern bzw. reinigen

Empfehlenswert ist, vor dem Winter den Filter entwässern bzw. reinigen zu lassen. Ein Garagenplatz ist ein wirksamer Schutz bei tiefen Temperaturen (es reicht auch eine ungeheizte Garage, sie sollte aber geschlossen sein). Oder suchen Sie zumindest einen geschützten Abstellplatz (wo das Fahrzeug nicht Wind und Wetter ausgesetzt ist). Und natürlich gibt es auch die Möglichkeit (zumindest für Stadtbewohner), eine Kälteperiode einfach zu übertauchen und aufs Auto für ein paar Tage zu verzichten …

Testtabelle: Winterdiesel

Testkriterien

Der Einkauf erfolgte in allen Bundesländern. Die Proben wurden vom Umweltbundesamt auf das Kälteverhalten von Dieselkraftstoff (CFPP - Cold Filter Plugging Point) untersucht. Laut Gesetz muss Winterdiesel bis zu einer Temperatur von minus 20 Grad C ordnungsgemäß funktionieren. Die Toleranz beträgt plus/minus 3 Grad C. Erreicht ein Produkt nur minus 16 Grad, dann reicht dies nicht für eine positive Beurteilung.

Reaktionen: AWI Mineralölgroßhandel

Stellungnahme der AWI Mineralölgroßhandel- und Bauunternehmen Ges.m.b.H

Sehr geehrte Damen und Herren!

Wir befassen uns seit dem Jahr 1998 mit dem Verkauf von 100%igem Biodiesel RME (reinem Raps-Methylester).

  1. Auf Grund dieser langjährigen Erfahrung ist uns bewusst, dass RME im Winter additiviert werden muss, um in der kalten Jahreszeit nicht zu "stocken" und Probleme hervorzurufen. Daher haben wir rechtzeitig unsere Vorlieferanten beauftragt additivierte Winterware (CFPP -22 Grad) zu liefern.
  2. In unserem steten Streben unseren Kunden immer beste Qualität nicht nur im Service, sondern auch bei unseren Produkten, insbesondere bei Biodiesel anzubieten, dürfen wir Sie ersuchen, uns einen Abzug der von Ihnen gezogenen Probe zur Verfügung zu stellen, damit wir entsprechend ebi unseren Vorlieferanten intervenieren können.

Mit freundlichen Grüßen
AWI Mineralölgroßhandel- und Bauunternehmen Ges.m.b.H.
Kreindlgasse 5a
1190 Wien
5.12.2012

Diesen Beitrag teilen

Facebook Twitter Drucken E-Mail

Das könnte auch interessant sein:

Elektroauto an E-Ladesäule premium

E-Autos in der Praxis

Das Für und Wider wird nicht erst seit dem EU-Beschluss zum Ende der Verbrennungsmotoren heftig diskutiert. Wir wollten wissen, wie sich ein E-Auto in den Alltag einfügt.

alt

Flugzeuge: Im Schwarm fliegen - Soll Treibstoff sparen

Wer kennt nicht das beeindruckende Schauspiel am Himmel, wenn Gänse in V-Formation fliegen? Die gemeinsame Reise der Zugvögel ist aber nicht nur schön anzusehen, sondern auch für die menschliche Technik nachahmenswert.

alt

Kreuzfahrten - Sicher und schmutzig

„Die Passagiere können sich sicher fühlen. Sie müssen aber in Kauf nehmen, dass ihre Reisen zulasten der Umwelt und des Personals an Bord gehen. Natur und Crew zahlen einen großen Preis.“

Gefördert aus Mitteln des Sozialministeriums

Sozialministerium
Zum Seitenanfang