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ÖBB: Vorteilscard für Senioren - Günstig auf Schiene

Mit verschiedenen Vergünstigungen werben die ÖBB um Senioren. Frauen kommen fünf Jahre früher in den Genuss.

Etwa 400.000 der rund 1,9 Millionen Menschen über 60 Jahre in Österreich besaßen im Jahr 2010 eine Vorteilscard Senior. Sie ist damit die meistverbreitete ÖBB-Vorteilscard-Variante (insgesamt besitzen etwa 1,6 Millionen Menschen in Österreich eine der verschiedenen Varianten der ÖBB-Vorteilscard).

Vorteilscard Senior

Die Vorteilscard Senior kostet 26,90 Euro (statt der 99 Euro für die normale Vorteilscard Classic). Sie berechtigt ein Jahr lang, Tickets für Züge von ÖBB und Privat­bahnen, ÖBB-Postbus und Busse vieler Verkehrsverbünde um bis zu 50 Prozent ermäßigt zu erwerben. Ausgenommen sind aber Zahnradbahnen und Sonderfahrten.

In der Vorteilscard Senior ist auch eine Railplus-Card enthalten, die bei Reisen in vielen Staaten Europas zum Kauf von um 25 Prozent ermäßigten Tickets berechtigt. Wer eine Ausgleichs- oder Ergänzungszulage bezieht, bekommt die Vorteilscard Senior gleich für fünf Jahre gratis. Auskünfte zur Vorteilscard gibt es unter der Telefonnummer 0810 966 200 (maximal 10 Cent pro Minute) von Montag bis Freitag (Werktag) von 6 bis 22 Uhr, per Fax unter 01 930 00-38557.

Österreichcard Senior

Mit einer Österreichcard kann ein Jahr lang beliebig oft in Österreich Bahn gefahren werden. Zusätzlich gibt es Ermäßigungen bei ÖBB-Postbus und in den Bussen vieler Verkehrsverbünde. Die Österreichcard ­Senior kostet 1.260 Euro für die 2. Klasse und 1.750 Euro für die 1. Klasse. Damit ist sie um rund 30 Prozent billiger als die Standard-Österreichcard.

Frauen ab 60, Männer ab 65

Frauen ab 60, Männer ab 65

Den Zugang zur Vorteilscard Senior und zur Österreichcard Senior knüpfen die ÖBB an das gesetzliche Pensionsalter: Frauen können sie ab 60 erwerben, Männer erst ab 65 Jahren.

Diese Unterscheidung sorgt bei Betroffenen immer wieder für Unmut, wie etwa in einem Eintrag im KONSUMENT-Forum zu lesen: "Meine Frau und ich sind beide 60 Jahre alt und wollten die Vorteilscard Senior kaufen, um weniger oft mit dem Auto zu fahren. Doch Männer erhalten diese Karte erst ab 65 Jahren. Typischer Fall von Ungleich­behandlung! So benutzen wir weiterhin das Auto, bis ich auch als Senior gelte."

Diskriminierung aufgrund des Geschlechts

Diese Ungleichbehandlung wird derzeit vor Gericht verhandelt. Die Gleichbehandlungskommission im Bundeskanzleramt stellte in einem Gutachten vom Jänner 2009 fest, "dass unterschiedliche Ermäßigungen für Frauen und Männer in einem bestimmten Alter" jedenfalls "eine unmittelbare Diskriminierung aufgrund des Geschlechts darstellen".

Das gelte nicht für soziale Vergüns­tigungen, so die rechtlich kreative Argumentation der ÖBB, und um eine soziale Vergünstigung für Frauen handle es sich bei dieser Geschlechterdifferenzierung, weil bei Männern und Frauen unterschiedliche Einkommensstrukturen vorliegen und Frauen weniger Einkommen beziehen als Männer. Man darf auf die endgültige Entscheidung der Justiz gespannt sein, der die ÖBB "selbstverständlich Folge leisten werden", so ÖBB-Pressesprecher Thomas Berger.

Interrail

Bei Interrail, längst nicht mehr nur ein ­Angebot für Jugendliche, gibt es für die Globalpass-Varianten auch Seniorenermäßigungen: um zehn Prozent billiger als die normale Erwachsenen-Karte, und sowohl für Männer als auch für Frauen ab 60.

Spezielle Bundesländerangebote

Spezielle Bundesländerangebote

Menschen mit Wohnsitz in Niederösterreich, die eine Vorteilscard Senior besitzen, erhalten die Vorteilscard Senior NÖ (Kombination aus ÖBB-Vorteilscard Senior und NÖ aktiv-plus-Karte, die zu verschiedenen Vergünstigungen in Niederösterreich berechtigt, zum Preis der Vorteilscard Senior, was sieben Euro erspart).

In Oberösterreich gibt es für Vorteilscard-Senior-Inhaber um 17 Euro das nur an Montagen gültige "ÖBB Senioren Thermenticket OÖ". Dieses umfasst Thermeneintritt sowie Hin- und Rückfahrt 2. Klasse von allen ÖBB-Bahnhöfen in Oberösterreich nach Bad Ischl, Bad Schallerbach-Wallern und Rohr-Bad Hall (samt Bustransfer zwischen Bahnhof Rohr-Bad Hall und Bad Hall Busbahnhof).

ÖBB-SeniorenberaterInnen helfen

In der Steiermark hilft die ÖBB-Seniorenberatung. Dafür bilden die ÖBB und die Landentwicklung Steiermark im Rahmen des Projektes "Senior mobil" spezielle ÖBB-SeniorenberaterInnen aus. An die können sich Seniorinnen und Senioren wenden, wenn sie Informationen zum ­Reisen mit den ÖBB benötigen, ihre persön­liche Verkehrsverbindung im Internet suchen, Hilfe bei der Bedienung der Fahrkartenautomaten brauchen oder schon länger nicht mehr mit der Bahn ­gefahren sind, dies ändern möchten und dabei kundige Unterstützung suchen.

Die ÖBB-Seniorenberater organisieren auch Informationsveranstaltungen, für Gruppen nach Vereinbarung (Kontakttelefonnummern auf www.oebb.at > Reisen in Österreich > Steiermark). Laut ÖBB ist geplant, diesen Service auf ganz Österreich auszuweiten.

Eingestellt: 7-Euro Ticket

Trotz Erfolg eingestellt

Die ÖBB bieten auch immer wieder zeitlich beschränkte Sonderaktionen, auch für ­Senioren. Die Herausforderung liegt darin, sie der angepeilten Zielgruppe bekannt zu machen. Besonders ältere Menschen sind über die ÖBB-eigenen Medienkanäle wie Newsletter oder Internet kaum erreichbar. Angebote für Senioren werden laut ÖBB daher vor allem über Inserate in von ­Senioren gelesenen Printmedien beworben.

Noch gut in Erinnerung ist das mit der Mutter des Bullen von Tölz, der Schauspielerin Ruth Drexel, beworbene, sehr beliebte und erfolgreiche 7-Euro-Ticket, das in den Jahren 2005 bis 2008 zweimal jährlich angeboten wurde. Damit konnten Vorteilscard-Senior-Kunden sieben Wochen lang jedes Wochenende von Samstag 0 Uhr bis Sonntag 12 Uhr – also 36 Stunden lang – um nur sieben Euro mit der Bahn durch ganz Österreich fahren. Das 7-Euro-Ticket wurde laut ÖBB jedes Mal von 70.000 bis knapp über 100.000 Kunden genutzt.

Vom Rechnungshof unter die Lupe genommen

Im Jahr 2008 erregte dieses Schnäppchen die Kritik des Rechnungshofs, der die Sonderpreisangebote der ÖBB-Personenverkehr AG unter die Lupe nahm: Der Preis sei im Vergleich zum Normal- und Vorteilscard-Preis viel zu niedrig angesetzt. Das Ziel der Aktion, neue Kunden für die Vorteilscard Senior zu gewinnen, wurde bis Ende 2007 erreicht. Im Jahr 2008 nicht mehr, obwohl mit rund 917.000 Euro mehr in die Werbung für dieses Produkt inves­tiert wurde als je zuvor.

Senioren­aktion nicht mehr wiederholen

Dass die ÖBB-Personenverkehr AG im Vorfeld nicht erhoben hatte, ob das Marktpotenzial eine derart aufwendige Kampagne rechtfertigte, und der Auftrag für die Werbekampagne ohne die notwendige Genehmigung durch den Vorstand erteilt worden war, stieß dem Rechnungshof zusätzlich sauer auf. Die Kritik nahm der Vorstand der ÖBB Personenverkehr AG zum Anlass, diese Senioren­aktion nicht mehr zu wiederholen. Sehr zum Leidwesen der mittlerweile nicht zuletzt dank des 7-Euro-Tickets stark gewachsenen Vorteilscard-Senior-Gemeinde. 

59-Euro-Senioren-Ticket

59-Euro-­Senioren-Ticket

Als neues Zuckerl wurde das 59-Euro-­Senioren-Ticket kreiert, das bisher im ­November 2009 und 2010 für Vorteilscard-Senior-Inhaber angeboten wurde, eine Monats-Netzkarte für alle Züge der ÖBB sowie den IC-Bus Graz–Klagenfurt. Gültig von Montag bis Freitag (Werktag) ab 9 Uhr, an Samstagen ganztägig – allerdings nicht gültig an Sonn- und Feiertagen. Genutzt wurde das "Nebelticket", wie enttäuschte Senioren und Seniorenverbände über die nicht gerade attraktive Reisezeit November ätzten, im Jahr 2009 von etwa 7.000 älteren Menschen, eine bescheidene Zahl im Vergleich zu jener beim 7-Euro-Ticket.

Weitere Aktionen für 2011 geplant

Auch im Jahr 2011 sind wieder Senioren-Aktionen geplant – wie diese aussehen werden, dazu halten sich die ÖBB mit dem Hinweis auf die kommende Liberalisierung und damit zu erwartende Konkurrenz auf der Bahn noch bedeckt – derzeit würden mehrere unterschiedliche Angebotsformen analysiert, heißt es.

Diverse Seniorenermäßigungen, die teil­weise an den Besitz der ÖBB-Vorteilscard-Senior anknüpfen, gibt es weiters bei den Verkehrsverbünden und den Verkehrsbetrieben der Städte und Regionen in Österreich.

Zusammenfassung

  •  Vorteilscard Senior macht sich bezahlt. Wer zumindest gelegentlich Bahn fährt und zum Bezug berechtigt ist (Frauen ab 60, Männer ab 65), sollte sich eine Vorteilscard Senior um 26,90 Euro kaufen – der Preis macht sich rasch bezahlt.
  • ÖBB-Seniorenberatung. Ältere Menschen, die lange nicht Bahn gefahren sind und sich unsicher fühlen, sollten das Angebot der ÖBB-Senioren­beratung durch speziell ausgebildete ÖBB-Mit­arbeiterinnen und -Mitarbeiter nützen – derzeit nur in der Steiermark verfügbar, laut ÖBB bald in ganz Österreich.
  • Bahnreisen im Ausland verbilligt. Mit Rail-Plus, dem in der Vorteilscard Senior inkludierten Angebot für Bahnfahrten in vielen europäischen Ländern, fahren Senioren im Ausland um 25 Prozent ermäßigt Bahn.

 

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