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Navigationsgeräte: TomTom, Falk, Medion, Sony, Clarion, Navigon, Garmin, Becker - Zielführend

  • Besser, aber noch nicht perfekt
  • Preiswerter, aber noch nicht billig
  • Ratgeber, aber keine Allwissenden

Schon die Prognosen waren recht optimistisch – und sie wurden von der Wirklichkeit sogar noch übertroffen: 14,6 Millionen portable Navigationsgeräte haben laut letzten Zahlen der GfK Marktforschung in diesem Jahr in Zentraleuropa ihren Weg aus dem Regal in die Halterung am Armaturenbrett gefunden; 246.000 davon in Österreich, mehr als doppelt so viele wie im Jahr davor. Für 2008 wird bei uns mit einer weiteren Steigerung auf 280.000 verkaufte Navis gerechnet.

Navigation, Handhabung, Vielseitigkeit, Ausstattung

Die plaudernden Wegweiser erfreuen sich beim Autofahrer also anhaltender Beliebtheit. Dazu mag beitragen, dass die Geräte seit unserem letzten Test im April nicht nur billiger, sondern auch besser geworden sind: Brachten es im Frühjahr nur 8 von 15 Kandidaten auf ein „gutes“ Testurteil, dürfen sich aktuell schon 11 von 14 darüber freuen. Vor allem bei der Handhabung wurde bislang Versäumtes aufgeholt. Aber trotz generell verbesserter Qualität bleibt den Herstellern noch einiges zu tun, wie unser Test zeigt.

Entscheidend sind die Fähigkeiten in vier Kategorien: Navigationsbetrieb, Handhabung, Vielseitigkeit und Ausstattung. Kernaufgabe der elektronischen Fährtenhunde ist dabei die korrekte Beantwortung folgender Fragen: Wo stehen wir? Wo will mein „Herrchen/Frauchen“ hin? Welche Routenempfehlungen gebe ich dafür? Und was mache ich, wenn am Weg ein Hindernis auftritt?

Wo bin ich?

Die dafür benötigten Basisinformationen erhalten die Navis von GPS-Satelliten, von denen mindestens drei gleichzeitig empfangbar sein müssen, um die aktuelle Position richtig bestimmen zu können. Dazu muss das Gerät aber natürlich erst eingeschaltet werden – und das dauert beispielsweise bei den beiden getesteten Navigon 10 Sekunden, während derer man das Ein-/Ausschaltknöpfchen gedrückt halten muss. Eine kleine Ewigkeit, wenn man es eilig hat. Erst dann kann die Suche nach dem Satellitensignal und damit die Standortbestimmung beginnen.

 

Die dauerte im Test nach einem Kaltstart – die Navigationsgeräte waren für mindestens 12 Stunden abgeschaltet worden – beim Sony NV-U92T geschlagene 8 Minuten. Selbst beim Warmstart – nach nur 15 Minuten Betriebsunterbrechung – waren dafür noch 80 Sekunden erforderlich, während z.B. das Clarion MAP 770 dafür nur 2 Sekunden benötigte. Ein Zeitfaktor, den man nicht unterschätzen sollte. 

Wohin will ich?

Bei der Mehrzahl der Geräte erfolgt die Zieleingabe am berührungsempfindlichen Display (Touchscreen) mit Unterstützung der dahinterliegenden Adressen-Datenbank. Drei Navis hören aber auch schon auf „His Master’s Voice“: TomTom GO 720T, Medion GoPal P4410 und Navigon 7110. An diesem liegt es nun zu entscheiden, welche Art von Route berechnet werden soll: die schnellste, kürzeste, schönste? Sollen Autobahnen, Mautstraßen und Fähren gemieden werden oder nicht? Wir haben im Test alle Varianten auf 12 genau daraufhin ausgesuchten Strecken ausprobiert. Dabei interessierte uns die Dauer der Routenberechnung, die Prognose der Fahrzeit und Streckenlänge, die Korrektheit und Nachvollziehbarkeit der Routenwahl sowie die Anzahl der möglichen Varianten.

Was lange währt

Auch bei der für die Berechnung benötigten Zeit zeigten sich erhebliche Unterschiede: So brauchte etwa das Gerät VDO Dayton PN 3000 zur Berechnung einer langen Strecke nur 6 Sekunden (schlug dafür aber eine um 100 Kilometer längere Route vor als alle anderen Systeme), jenes von Blaupunkt hingegen mehr als 6 Minuten. Gute Werte mit 7 bis 14 Sekunden erzielten Clarion MAP 770, Falk E60 Europe und N220L Europe, Medion GoPal P4410 und TomTom GO 720T.

Nur keine Sonderwünsche

Die Hälfte der Geräte berücksichtigte unseren Wunsch nicht, mautpflichtige Strecken zu vermeiden; keines kalkulierte Tempo-30-Zonen und verkehrsberuhigte Straßen in die Berechnung der Fahrzeit ein – die generell zu optimistisch ausfiel. Die tatsächlichen Fahrzeiten waren länger. Kein Navi berücksichtigte im Benutzermodus „Lkw“ das zulässige Gesamtgewicht auf Brücken oder die maximale Durchfahrtshöhe bei Unterführungen. Selbst ausdrückliche Lkw-Durchfahrtsverbote wurden von Navigon 7110 und Sony NV-U92T hartnäckig ignoriert.
Stiefkinder scheinen bei den meisten Herstellern auch die Fußgänger zu sein.

TomTom One XLT Europe für Sightseeing

Wer sich in einer fremden Stadt beim Sightseeing von seinem Navi durch das City-Gewühl leiten lassen möchte, kann zwar sicher sein, nicht zum Geistergeher auf der Autobahn zu werden, für Passanten durchaus begehbare Sackgassen sowie Fußgänger-Durchgänge wurden jedoch von keinem Gerät in den Routenplan einbezogen und führten zu erheblichen Umwegen. In diesem Punkt schnitt das TomTom One XLT Europe am besten ab. Das Gerät von VDO verfügt als Einziges über keinen Fußgängermodus.

Wie komme ich hin?

Sieht man von diesen „Sonderfällen“ ab, waren die für Kfz-Lenker auf dem Display und via Lautsprecher abgegebenen Fahrempfehlungen im Großen und Ganzen durchaus brauchbar, man kommt also ganz gut von Punkt A nach Punkt B. Allerdings gibt es auch hier verbesserungswürdige Teilaspekte: So führte keines der Geräte um die verkehrsberuhigte Straße auf einer der Testrouten herum (was aber eine erhebliche Zeitersparnis bedeutet hätte); keines zeigte in Tempo-30-Zonen die Höchstgeschwindigkeit an, teilweise wurden die zulässigen Maximalgeschwindigkeiten – etwa in einem Gewerbegebiet oder auf der Landstraße – überhaupt falsch angezeigt, was teuer werden kann, wenn man sich allein auf das Navigationsgerät verlässt. Keine Anzeigen wären hier besser als falsche.

Wo geht’s zum Stau?

Als überwiegend brauchbar erwies sich hingegen der Einsatz des TMC (Traffic-Message-Channel), der von der Mehrzahl der Geräte empfangen und interpretiert werden kann (außer Falk E60 Europe und Garmin nüvi 250W). Diese Meldungen werden kontinuierlich ausgestrahlt und weisen z.B. auf Staus auf der gewählten Route hin – sofern man den „richtigen“ Sender gewählt hat. Andernfalls werden auch weit entfernte, nicht interessierende Streckenabschnitte empfangen. Alle Geräte zeigen diese Meldungen sofort bei Eintreffen am Display an, der betroffene Straßenabschnitt wird farblich hervorgehoben (außer bei Medion GoPal E3215 und GoPal P4410, das die Verkehrsmeldung aber vorliest) und das Gerät schlägt eine Umfahrungsroute vor.

Bei den meisten kann dieser automatische Vorschlag jedoch auch abgeschaltet werden (außer Navigon 5110 und 7110 sowie Sony NV-U92T). Mäßig schnitten in diesem Prüfpunkt die beiden Letztplatzierten des Tests ab, am besten das Medion GoPal P4410.

Was passiert im Tunnel? 

Eine Herausforderung für die Navis sind Tunnelfahrten, da dort kein GPS-Signal empfangen werden kann. Wir erschwerten diese Situation noch, indem wir ein Ziel eingaben, das zur Benutzung einer Ausfahrt im Tunnel zwang, und zusätzlich die Geschwindigkeit in der Röhre im Vergleich zur Strecke davor verringerten – was die Berechnung des aktuellen Standortes zusätzlich komplizierte. Die Mehrzahl der Geräte meisterte diese Situation aber gefällig, besonders das Sony NV-U92T konnte dank eingebautem Beschleunigungssensor durch lückenlos fortgeführte Navigationsangaben überzeugen. Das Clarion MAP 770 hingegen zeigte im Tunnel zwar die Position an, gab aber keine Anweisungen; Blaupunkt und VDO verschlug es nicht nur die Sprache, sie schafften auch keine Positionsanzeige auf dem Bildschirm.

Brauchen Sie Schnickschnack?

Viele Navis sind mit Zusatzfunktionen wie MP3- und Fotowiedergabe ausgestattet. Führende Hersteller haben jedoch durchblicken lassen, den Multimedia-Schnickschnack nicht weiter ausbauen, sondern sich auf die Verbesserung der Kernaufgabe – die Navigation – konzentrieren zu wollen. Wir informieren Sie in der Tabelle dennoch über die entsprechenden Geräte-Fähigkeiten. Auch über das im Navi-Preis inkludierte Kartenmaterial, das bei eventuell erforderlichem Nachkauf erheblich ins Geld gehen kann. Entscheidend ist auch die einfache Handhabung der Geräte, um beim Autofahren nicht abgelenkt zu sein. Voraussetzung dafür ist eine ausführliche Bedienungsanleitung, die wir beim Garmin nüvi 250W weder gedruckt noch auf CD, ja nicht einmal im Internet aufzutreiben vermochten – was uns so bislang nur selten untergekommen ist und was denn auch zur Abwertung des Gerätes führen musste.

Zusammengestellte Routen übertragen

Von Bedeutung mag weiters die Übertragbarkeit von auf dem PC zusammengestellten Routen an das Navigationsgerät sein, welche – im Unterschied zu unserem Test im April – mittlerweile doch einige Navis beherrschen, sowie die Akku-Betriebsdauer, die beim Einsatz im Fußgänger-Modus nicht unterschätzt werden sollte. Es sei denn, man nimmt lieber doch den gedruckten Stadtplan mit in den Urlaub, um auch den Rückweg ins Hotel ganz bestimmt zu finden …

Navigationsgeräte - die besten im Test

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