Kompaktwagen - Dichtes Gedränge

  • Individuelle Stärken und Schwächen
  • Sicherheit: Nur ABS und zwei Airbags sind Standard

Obwohl die Anzahl eigenständiger Autohersteller im Rahmen wirtschaftlicher Globalisierung drastisch geschrumpft ist, hat sich das Modellangebot stark verbreitert. Mit Computerhilfe kann heute schneller und billiger konstruiert und flexibler produziert werden. Das geht nun so weit, dass sich keine klaren Grenzen zwischen den Fahrzeugklassen mehr ziehen lassen. Weil Autos üblicherweise bei jedem Modellwechsel ein wenig größer werden, ist etwa der neue VW Polo beinahe so groß wie der VW Golf von 1992.

Der Begriff Kompaktwagen lässt sich also weder über die Anzahl der Türen noch über den Preis oder eine eventuell vorhandene Heckklappe definieren. Allen hier getesteten Wagen ist aber eines gemeinsam: Sie sind kompakter als die Mittelklasse und geräumiger als Kleinwagen.

Ein Hauch von Mittelklasse

Nicht nur die Preise, auch die Talente und Schwächen der getesteten Fahrzeuge – durchwegs in der Ausführung als Benziner – laufen sehr weit auseinander. Während die einen bereits das Fahrgefühl ausgewachsener Mittelklasse-Limousinen vermitteln, glänzen andere durch üppiges Raumangebot und/oder hohe Flexibilität des Innenraumes. Doch für alle gilt: Zaubern kann keiner. Wer besonderen Wert auf großzügige Verhältnisse für Fahrer und Beifahrer und Langstreckentauglichkeit legt, muss spätestens hinter der ersten Sitzreihe Kompromisse eingehen. Wer maximale Flexibilität und optimale Raumausnutzung will, muss zwangsläufig Abstriche beim Fahrgefühl machen.

Wirtschaftliche Überlegungen

Warum Benziner und keine Diesel, könnte in Zeiten eines Diesel-Booms wohl eine nahe liegende Frage sein. Der oftmals beeindruckend niedrige Verbrauch moderner Direkteinspritz-Dieselmotoren und der etwas niedrigere Treibstoffpreis erwecken den Anschein, ein Diesel wäre grundsätzlich wirtschaftlicher. Dabei darf man eines jedoch nicht außer Acht lassen: Nach wie vor ist die vergleichbare Dieselvariante eines Modells in der Anschaffung meist teurer als der Benziner. Das heißt, es rentiert sich nur bei Jahreskilometerleistungen, die deutlich über 15.000 km liegen, den Aufpreis für den Dieselmotor zu riskieren. Das gilt besonders, wenn man das Auto auf Kredit- oder Leasingbasis erwirbt.

Russ belastet die Luft

Ein wichtiger Aspekt ist auch die Umwelt: Der Rußpartikel-Ausstoß der Dieselautos beeinträchtigt zusehends die Luft in den Großstädten, während ihr (positiv zu wertender) geringerer CO2-Ausstoß an Bedeutung verliert, da auch die Benziner immer sparsamer werden. Mit Testverbräuchen um die 7,5 l/100 km liegen unsere Kandidaten nicht viel mehr als einen Liter über ihren Diesel-Brüdern.

Die Tests haben zu Tage gebracht, dass es – jedenfalls in unserer Auswahl – keine wirklich schlechten Autos mehr gibt. Interessanterweise gibt es punktuelle Eigenheiten: So wirken sich die französischen Vorstellungen von Bequemlichkeit auch auf die Sitze der französischen Autos ganz allgemein aus – sowohl im Renault wie auch im Peugeot sind die Vordersitze sehr weich, vor allem im Lendenwirbelbereich bieten sie zu wenig Stütze.

Sicherheit: große Unterschiede

Die jüngsten Errungenschaften der Sicherheitstechnik finden nur langsam ihren Weg von den großen Limousinen in die Kompaktklasse. Hier heißt es aufpassen! Was bei dem einen Hersteller serienmäßig ist, gibt es beim nächsten oft nicht einmal gegen Aufpreis. Dies mag aber in vielen Fällen wichtiger für die Kaufentscheidung sein als das eine oder andere Plus in den Bewertungstabellen. Deshalb ist es hier besonders wichtig, individuelle Informationen einzuholen. Lediglich Antiblockiersystem und zwei Airbags sind bei allen Fahrzeugen selbstverständlich. Seiten- und Kopfairbags sind bei einigen Fahrzeugen erhältlich, aber meist aufpreispflichtig.

Einbau von Kindersitzen

Was die Befestigung von Kindersitzen betrifft, gilt nach wie vor, dass man auch hier nicht darum herumkommt, sich für den Einzelfall speziell zu erkundigen. Denn auch eine serienmäßige
Isofix-Sitzhalterung bedeutet noch nicht, dass man einen vorhandenen Sitz auch tatsächlich daran befestigen kann. In der passiven Sicherheit, bewertet auf einer nach oben offenen Punkteskala, erreichten der BMW (10,5) sowie der Golf und Honda Civic (je 10) die besten Werte; innerhalb des Testfeldes in dieser Prüfung an letzter Stelle: der Mazda 323 (mit dem Wert 8).

Preisliche Überlegungen

Ein ganz wesentliches Kriterium ist natürlich der Preis, und hier ist die Spanne gewaltig. Wer aufs flotte Image eines Audi oder BMW verzichtet, kann am VW Golf vorbei die Preisliste steil hinunterrutschen – und unser Test zeigt: Signifikante Nachteile muss man dabei nicht in Kauf nehmen.

Kompaktwagen 2002

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Der Toyota Prius ist das erste serienmäßige Auto mit Hybridantrieb und
tritt deshalb außer Konkurrenz an.

Die Kombination aus Benzin- und Elektromotor schreckt – neben dem doch relativ hohen Preis (27.144 Euro) – viele Käufer ab, wenngleich sich die Skepsis gegenüber der komplizierten Technik als unbegründet erwiesen hat. Der Hybridantrieb zeigt keinerlei Schwächen; ganz im Gegenteil, er wirkt ausgereift. Wäre da nicht dieses bunte Display am Armaturenbrett, man würde meist gar nicht wissen, in welchem Betriebsmodus man gerade fährt, ob mit reinem Benzin-, reinem Elektroantrieb oder kombiniert, etwa beim starken Beschleunigen. Toyota ist damit den anderen Autoherstellern um Jahre voraus. Der Testverbrauch von 5,5 Liter Superbenzin pro 100 km ist in dieser Wagenklasse derzeit konkurrenzlos niedrig und liegt sogar noch deutlich unter den als sehr sparsam bekannten Direkteinspritz-Diesel-Fahrzeugen. Dabei bietet der Hybridantrieb auch noch die höchste Laufkultur und stößt im Gegensatz zur Diesel-Konkurrenz praktisch keine Rußpartikel mit dem Abgas aus. Weitere Gutpunkte holte sich der Prius auch noch durch gute Verarbeitung, komfortable Federung und einen kleinen Wendekreis. Unübersichtliche Karosserie, indifferente Lenkung, mäßige Richtungsstabilität und die fehlenden Seitenairbags schlugen hingegen negativ
zu Buche.

Günstig im Spitzenfeld. Mit BMW und Audi sind zwei „Nobelmarken“ im Siegerquintett, sie sind aber deutlich teurer. Im Preis-Leistungs-Verhältnis unschlagbar: der Skoda Fabia.

Heckklappe oder Kofferraum? Hängt vom Einsatzweck ab. Bei den Kompakten bringt der „angehängte” Kofferraum zwar zusätzliches Volumen, für ein Fahrrad reicht es allerdings nicht.

Zwei oder vier Türen? Vier Türen sind einfach praktischer, in engen Parkgaragen ist auch das Ein- und Aussteigen in der Regel leichter. Zweitürer wirken meist dynamischer und sind oft etwas billiger.

Aufpreis für mehr Sicherheit. Die beiden Airbags vorne sind bei allen Modellen serienmäßig. Wenn Ihnen Sicherheit ein besonderes Anliegen ist, achten Sie darauf, ob auch Seiten- beziehungsweise Kopfairbags – wenigstens gegen Aufpreis – erhältlich sind.

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