Kompakt-Vans 11/2002 - In allen Variationen

  • Die Variationsmöglichkeiten spielen eine wichtige Rolle
  • Für jeden etwas: Luxus, Spaß oder Sparefroh
  • Die Grenzen zu Lieferwagen bzw. Limousine sind fließend

Der Diesel-Boom in Österreich scheint keine Grenzen zu kennen. Im Vorjahr ist der Anteil dieselgetriebener Pkw erstmals an die Zweidrittelmarke herangekommen. Heuer werden vermutlich an die 70 Prozent der verkauften Pkw mit dem Selbstzündermotor ausgestattet sein. Und im Segment der Minivans oder Großraumfahrzeuge ist das Verhältnis noch eindeutiger: 95 Prozent bei den großen, 81 Prozent bei den kompakten Vans (Jänner bis August 2002).

Von allen Modellen liegen Testergebnisse vor

Daher haben wir uns bei der vorliegenden Auswahl von kompakten Vans auf die Dieselversionen konzentriert. Von acht aktuellen Modellen liegen die Testergebnisse vor, darunter zwei japanische, die mittlerweile ihre Diesellücke geschlossen haben. Der Bogen reicht vom eher spartanischen Freizeit-Fahrzeug für die kleine Brieftasche bis zu Vans mit extravagantem Design, bei denen das Aussehen mindestens ebenso wichtig ist wie die Funktionalität. Da wäre beispielsweise der neue Peugeot 307 SW, technisch mit der 307er Limousine ident, aber mit einem Panorama-Glasdach, das sich über den Köpfen der Insassen wölbt und eine Fahrt unter freiem Himmel vermitteln soll. Oder der wuchtige PT Cruiser von Chrysler im Retro-Design, eine Mischung aus Fun-Car und Van, für den es somit keine direkte Konkurrenz gibt.

Vorsicht bei Vergleichen

Überhaupt muss man angesichts des vielfältigen Angebots mit Vergleichen vorsichtig sein. Was das Fahrzeugkonzept betrifft, lassen sich die klassischen Kompakt-Vans von Peugeot, Renault, Mazda und Mitsubishi direkt miteinander vergleichen, ebenso die Vielzweckautos, die mehr zum kleinen Lieferwagen tendieren, Fiat Doblò und Citroën Berlingo. Der Mercedes Vaneo liegt dazwischen.

Die Grenzen von der Limousine zum Van sind fließend. So ist der Peugeot 307 SW mit 154 cm nur unwesentlich höher als die Basisversion des 307 (151 cm), „typische“ Kompaktautos sind 140 bis 145 cm hoch. Der Klassiker Renault Scenic misst 168 cm. Der Mercedes Vaneo ist mit 183 cm das höchste unter den getesteten Modellen.

Funktion oder Design

Generell hat die Fahrzeughöhe natürlich Auswirkungen auf die Bequemlichkeit (Ein- und Aussteigen, Kopffreiheit) sowie auf die Ladekapazitäten (Höhe des Laderaumes, Ladevolumen). Da zeigen sich auch die Nachteile eines Design-Modells gegenüber solchen, wo die Funktionalität im Vordergrund steht. Das Haus Daimler Chrysler bietet beides an: Der PT Cruiser kommt auf eine Laderaumhöhe von 80 cm, die des Vaneo ist stattliche 28 cm höher. Das Kofferraumvolumen bei umgelegten Sitzen bis zur Fensterunterkante reicht von 720 Litern beim PT Cruiser bis 1130 Liter beim Vaneo.

Sitzplatzangebot

Alle Modelle verfügen über zwei Sitzreihen (5 Sitze). Nur für den Peugeot 307 SW sind gegen Aufpreis zwei Extrasitze für die dritte Reihe erhältlich. Damit mutiert der Kompakt-Van zum Siebensitzer, was in dieser Klasse sonst nur der Opel Zafira bietet. Theoretisch. In der Praxis bleiben die beiden Sitze im Kofferraum Kindern vorbehalten, und auch das ist für längere Reisen nicht zu empfehlen.

Verbrauch

Beim Verbrauch liegen die meisten Modelle relativ knapp beisammen. Am sparsamsten gibt sich der Zwei-Liter-Common-Rail-Diesel von Peugeot (6,2 Liter im Testdurchschnitt), der auch bei den Abgaswerten (als Einziger!) gut abschneidet. Dagegen schluckt die 2,2-Liter-Maschine des Chrysler schon deutlich mehr (7,8 Liter). Zum Vergleich: Der Klassendurchschnitt (Benziner und Diesel) liegt bei 8,3 Litern.

Sicherheit

In puncto Sicherheit haben die meisten Fahrzeughersteller ein hohes Niveau erreicht. Dennoch lassen sich Unterschiede festmachen, wie am Beispiel Bremsen zu erkennen ist: Die besten Bremsen werden dem Mercedes Vaneo und dem Peugeot 307 SW bescheinigt. Bei einer Notbremsung aus 100 km/h sind sie nach 40,5 bzw. 41 Metern zum Stillstand gekommen. Deutlich länger ist der Bremsweg bei den beiden „Lieferwägen“ von Fiat und Citroën (rund 45 Meter). Die passive (Unfall-)Sicherheit ist diesmal nicht in der Bewertung berücksichtigt. Ursache ist, dass das aufwendige Überprüfungsprogramm der europäischen Verbraucherorganisationen angesichts der rasant gestiegenen Anzahl zu testender Fahrzeuge (rund 80 pro Jahr) nicht mehr wie bisher aufrechterhalten werden kann. In welcher Form die passive Sicherheit in Zukunft in den Autotests berücksichtigt wird, ist Gegenstand intensiver Verhandlungen. Eines lässt sich jedenfalls feststellen: Hinsichtlich Sicherheitsausrüstung gehören heute neben den Front- auch Seitenairbags zum Standard – nur die beiden Sparmodelle Fiat Doblò und Citroën Berlingo haben sie nicht. Peugeot 307 sowie Mazda Premacy können überdies auf einen serienmäßigen Kopfairbag verweisen.

Kompakt-Vans

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Nicht nur seine Optik ist spektakulär, auch das Konzept: halb Coupé, halb Großraumlimousine. Halten ihn die einen für den Vorreiter einer neuen Autogeneration, ist er anderen bloß ein skurriler Ausreißer. Der Renault Avantime sorgt für Gesprächsstoff.

3 Liter, 6 Zylinder. Das Mittelklasse-Gefährt war auch im jüngsten Testzyklus vertreten, und zwar in seiner Luxusversion: 6-Zylinder-Ottomotor mit 3 Litern Hubraum und 152 kW (207 PS) zum stolzen Preis von fast 39.000 Euro (535.000 Schilling).

Luxus mit Lücken. Die luxuriöse Ausstattung kontrastiert mit nicht immer ganz sinnvollen Detaillösungen und schlampiger Verarbeitung. Die vollverzinkte, kunststoffbeplankte Karosserie widersteht sowohl Rost als auch dagegen schlagenden Türen. Auf den vorderen Sitzplätzen hat man wegen des Abstands zur Frontscheibe ein sehr großzügiges Raumgefühl. Aber hinten! Gelenkigkeit und Kraft sind erforderlich, um die schweren Vordersitze nach vorne zu schieben und sich in den Fond hineinzuzwängen. Die Kopffreiheit reicht nur für 1,80-Meter-Personen. Gemessen an Mittelklasse-Limousinen ist der Kofferraum groß: 755 Liter bei umgelegter Rücksitzbank (gemessen bis Fensterunterkante). Doch die Variationsmöglichkeiten sind gering, es fehlen Ablagefächer, die hohe Ladekante ist beim Be- und Entladen hinderlich.

Per Saldo Durchschnitt. Der 6-Zylinder-Benzinmotor läuft in jedem Bereich sehr vibrationsarm und kultiviert. Dafür ist er auch im Verbrauch sehr anspruchsvoll. In der Stadt fast 16 Liter, im Testdurchschnitt 12,1 Liter, sind selbst in der Mittelklasse recht hoch. Vergleichsweise gering sind da die Schadstoffanteile. Alles in allem ergibt das ein „Durchschnittlich“ in der Endabrechnung (53 Prozent vom Maximum).

Preis-Leistung beachten. Der Peugeot 307 SW punktet am meisten – 74 Prozent sind einsame Spitze. Wer sich mit weniger Ausstattung bescheidet, kommt mit einem Fiat Doblò allerdings deutlich billiger davon – knapp 17.000 Euro. Wesentlich schlechter ist das Preis-Leistungs-Verhältnis beim Chrysler Cruiser, der gleich um 10.000 Euro mehr kostet.

Van-Konzepte. Die Van-Konzepte sind sehr unterschiedlich – und kaum vergleichbar. Vor allem wegen der fehlenden Variationsmöglichkeiten schneidet Mitsubishi am schlechtesten ab. Letztlich muss aber jeder selbst entscheiden, welches Konzept den eigenen Bedürfnissen am ehesten entspricht.

Umweltproblem Diesel. Wegen der hohen Emissionen von Rußpartikeln und Stickoxiden sind Dieselmotoren generell weniger umweltfreundlich als Benzinaggregate. Die meisten Experten sind sich darin einig, dass am Rußfilter, den Peugeot derzeit als einziger Hersteller anbietet, kein Weg vorbeiführt.

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