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Kinderfahrradsitze & Fahrradanhänger - Baby- und Kindertransport mit dem Fahrrad

  • Kindersitz oder Anhänger – das ist die Frage
  • Viele Modelle mit Sicherheitsmängeln
  • Was die neue Fahrradverordnung bringt

Radfahren tut der Umwelt und dem eigenen Körper Gutes. Doch wohin mit dem Nachwuchs, der noch nicht aus eigener Kraft strampeln kann? Die Alternativen heißen Fahrradkindersitz oder kindertauglicher Fahrradanhänger. Beide haben Vor- und Nachteile, in Tests zeigten sich sowohl bei Kindersitzmodellen als auch bei einigen Anhängern arge Sicherheitsmängel.

Vier Sitze erreichten ein „Gut“

Bei den Fahrradkindersitzen konnten von elf Testkandidaten immerhin vier mit gut und weitere vier mit durchschnittlich bewertet werden. Das ist gegenüber früheren Tests als Fortschritt anzusehen.

Fast durchwegs gute Einzelbewertungen ergaben für den Sirius der Marke OK Baby das beste Gesamtergebnis. Einziger Wermutstropfen: das im Testfeld schlechteste Ergebnis bei der Haltbarkeitsprüfung (nur „durchschnittlich“). Ebenfalls im Spitzenfeld, und dies seit mehreren Jahren, der Römer Jockey Relax, der vor allem durch eine gute Sitzbelüftung und einfache Sitzbefestigung positiv auffällt. Letzteres trifft auch auf die ebenfalls guten Produkte von Hamax zu. Der Hamax Kiss ist mit 45 Euro für einen guten Kindersitz geradezu ein Schnäppchen, wenngleich hier Abstriche im Komfort gemacht werden müssen.

Am anderen Ende der Tabelle kommt der Topeak Seat TCS 2000, mit 140 Euro teuerster Sitz im Testfeld, nicht über ein „weniger zufriedenstellend“ hinaus. Ausschlaggebend war ein schlechtes Ergebnis in der Sicherheitsprüfung – man kann das Kind nur mit Mühe anschnallen. Aus diesem Grund wurde auch das Endurteil entsprechend abgewertet. Das gleiche Schicksal widerfuhr den Modellen Bike ’N’ Carry Carry Kid und Polisport Wallaby, bei denen die mangelhafte Befestigung des Sitzes am Sattelrohr zur Abwertung führte.

Sinnvolles Detail für ausgedehnte Touren sind in der Neigung verstellbare Rückenlehnen – im Test beispielsweise bei den Modellen von OK Baby, Römer und Messingschlager. Dadurch können die Kinder auf längeren Etappen besser ruhen und hängen beim Schlafen nicht seitlich aus dem Sitz heraus.

Das Fahrgefühl mit einem Kindersitz ist gewöhnungsbedürftig. Wer unsicher ist, sollte die erste Probefahrt daher nicht unbedingt gleich mit Kind absolvieren. Üben können Sie etwa mit einem 10-kg-Kartoffelsack.
Um Verletzungsgefahren möglichst gering zu halten, sollten Sie weiters darauf achten, dass die Sitzfedern beim Fahrersitz abgedeckt (Klemmgefahr für die Finger der Kleinen) und die Beine des Kindes gut geschützt sind (Quetschung der Füße in den Speichen). Das Kind sollte unbedingt einen Helm tragen und ausreichend warm gekleidet sein – es kühlt schneller aus, weil es sich ja kaum bewegen kann.

Große Preisschere bei Anhängern

Überraschendes Ergebnis bei Fahrradanhängern für den Kindertransport: Die teuersten sind bei weitem nicht die besten. Während der „gute“ Blue Bird 368 Euro kostet, müssen für den durchgefallenen Leggero Cuatro 2 mit Bremse fast 1200 Euro hingeblättert werden.

Dabei wären gebremste Anhänger grundsätzlich zu bevorzugen, nur war die Auflaufbremse beim Leggero nahezu wirkungslos. Beim zweiten im Test befindlichen Modell mit Bremse – von Weber – war zwar das Bremsen erleichtert, allerdings geriet der Hänger durch die kurze Deichsel und ein Gelenk am Hinterrad bei schnellerem Fahren und kurzen Schlingerbewegungen gefährlich ins Wanken. Negative Sicherheitsergebnisse setzte es weiters für Kiddy Van 101 und Kool-Stop The Original. Und zwar für Mängel am Rückhaltesystem für die Kinder. In allen Fällen führte das negative Sicherheitsergebnis zur Abwertung des Gesamturteils. Immerhin hat ein Hersteller, Kiddy, mittlerweile reagiert: Die Konstruktion wurde verbessert, den Kunden eine kostenlose Nachrüstung angeboten.

Weber bietet neben dem abgewerteten Modell mit Bremse auch ein bauähnliches ohne Bremse an: Dieses – Ritschie 2 Biker – wurde ungleich besser bewertet und landete auf dem Spitzenplatz.

Praktisch sind zweiteilige Kupplungen, bei denen ein Teil fix am Fahrradrahmen verbleibt. Dadurch wird das Zusammenstellen oder auch das Anhängen an einem anderen Fahrrad zu einem Kinderspiel.

Noch verbesserungsfähig ist bei vielen Modellen die Ausstattung und Anbringung von Reflektoren und Beleuchtung. In Österreich ist dies ja per Verordnung mittlerweile auch für ältere Anhänger Pflicht (siehe Kasten).

Achten Sie auch auf die Bodenkonstruktion. Während beim Kool-Stop die Kinderbeine nur durch eine Textilbespannung von Steinen, Wurzeln oder dergleichen getrennt sind, haben die meisten Modelle eine solide Bodenwanne. Das sorgt für Stabilität und erleichtert auch die spätere Nutzung als Gepäcktransporter.

Zu beachten ist, dass das Fahrrad so stabil sein sollte, dass es den Belastungen (vor allem beim Bremsen) standhält. Und wie beim Fahren mit Kindersitz gilt: Die ersten Ausfahrten ohne Kind unternehmen, um sich an das geänderte Fahrverhalten zu gewöhnen.

Sitz oder Anhänger?

Vor- und Nachteile

  Fahrradkindersitz Fahrradanhänger
Einsatz-möglichkeiten

max. ein Kind, das schon sitzen kann, bis etwa 22 kg Körpergewicht

max. zwei Kinder, auch Babys, max. Gesamtgewicht bei gebremsten Anhängern 100 kg (ungebremst 60 kg)
Sicherheit - stürzt der Fahrer, stürzt das Kind mit
- Sitzposition auf Stoßstangenniveau
- Gefahr bei Kollision mit Auto
+ der Anhänger stürzt nicht mit dem Fahrer um
+ bei stabiler Rahmenkonstruktion wird der Anhänger von einem Auto eher weggeschoben
Fahrverhalten + wendiger, bedingt geländetauglich
- in manchen Fällen Tretbewegung beeinträchtigt
+ stabiler
- spürbar mehr Gewicht, vor allem beim Bremsen
- mehr Luftwiderstand
Komfort + bessere Kommunikation mit dem Fahrer + durch Verdeck guter Witterunsschutz

Fahrradverordnung: Schonfrist vorbei

Seit Mai 2003 gilt die Fahrradverordnung nicht nur für neue, sondern auch für alle älteren Fahrräder, Fahrradkindersitze und Fahrradanhänger. Mit Ende Juni endet die Schonfrist, ab dann wird auch gestraft.

Kindersitz

Am Fahrrad darf nur mehr ein Kind im Kindersitz mitgeführt werden. Der Kindersitz darf nur mehr hinter dem Sattel und direkt am Rahmen befestigt werden (also nicht mehr vorne am Steuerrohr des Lenkers, aber auch keine Montage am Gepäckträger!). Darüber hinaus sind erforderlich:

  • ein höhenverstellbarer Beinschutz mit Fixierriemen für die Füße,
  • eine Lehne zum Abstützen des Kopfes,
  • ein Gurtsystem, das vom Kind nicht leicht geöffnet werden kann.

Fahrradanhänger

Bei neuen Fahrradanhängern fällt nun die Bewilligungspflicht durch die Behörde weg. Höchstgewichte: ungebremste Anhänger 60 kg, gebremste 100 kg.

Laut VO müssen nun alle Kinderfahrradanhänger wie folgt ausgestattet sein:

  • rotes Rücklicht,
  • weißer Reflektor nach vorne und roter nach hinten,
  • bei einer größten Breite von mehr als 60 cm sind jeweils zwei Rücklichter bzw. Reflektoren nötig, um die Fahrzeugbreite erkennbar zu machen,
  • Feststellbremse,
  • eine 1,5 Meter hohe Fahnenstange mit leuchtfarbenem Wimpel,
  • Abdeckung der rotierenden Laufräder gegen Hineingreifen,
  • geeignete Rückhalteeinrichtungen (Gurte).

Ausstattung für das Fahrrad

  • Fahrradständer obligat
  • zumindest eine Gangstufe mit einer Entfaltung von höchstens 4 Metern pro Kurbelumdrehung

Links

Die Einzelheiten der neuen Fahrradverordnung finden Sie unter http://check-and-ride.sicherleben.at/

.

So haben wir getestet

Aus Tests der Stiftung Warentest wurden in Österreich erhältliche Modelle ausgewählt.

Fahrradkindersitze

  • Fahren: Praktische Fahrversuche zur Beurteilung von Fahrstabilität und Schiebebetrieb.
  • Sicherheit: Schutz von Händen und Füßen, Befestigung der Sitze, Sicherung im Sitz, Verletzungsgefahr an Ecken und Kanten.
  • Handhabung: Gebrauchsanleitung, Montage, Aufsetzen und Verriegeln des Sitzes, Hineinsetzen, Anschnallen und Herausnehmen des Kindes, Transport im Auto.
  • Komfort (Eignung für das Kind): Sitzen, Federungskomfort, Sitzbelüftung und Wetterschutz.
  • Haltbarkeit: 2 Dauerprüfungen – auf Rollenprüfstand mit Holperstegen zur Simulation einer 160 km langen Holperstrecke sowie eine weitere zur Simulation seitlicher Schwingungen.

Fahrradanhänger

  • Fahren: 5 Fahrer prüften die Fahreigenschaften auf Asphalt, Schotter, Pflaster, Waldweg; mit Gefälle, an Steigungen und auf Slalomkurs.
  • Sicherheit: In Anlehnung an gesetzliche Bestimmungen wurden u.a. geprüft: Notbremsung, Gurte (Gurtgeometrie, Festigkeit, Befestigung), Kippgefahr bei Ausweichmanövern, schlingernder Fahrweise und Schleuderneigung.
  • Handhabung: Bedienungsanleitung, Zusammenbau und Demontage, Bedienvorgänge, Herausnehmen und Hineinsetzen der Kinder, Anschnallen sowie mögliche Fehlbedienung.
  • Komfort: Vielseitigkeit, kindgerechte Gestaltung, Schutz vor Schmutz und Geräuschen, Sitzkomfort, Hitze- und Wetterschutz.
  • Haltbarkeit: Dauerprüfung auf Rollenprüfstand mit 100.000 Schlägen durch Holperleisten bei 1,5-facher Nennbelastung. Beurteilung der Verarbeitung und Zugbelastung der Verbindungen.

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