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Fluglinien im Ethik-Test - Bruchlandung beim Klimaschutz

  • Die Luftfahrtindustrie ist einer der größten Umweltverschmutzer
  • Geringe Bereitschaft zu erforderlichen Einschränkungen
  • Welche Fluglinien in einer gesamthaften Ethik-Beurteilung vorne liegen

Die Luftfahrtindustrie gerät ins Schwärmen, wenn es um die Darstellung ihrer Umweltaktivitäten geht. Auf einer eigenen Homepage feiert sie ihre „klare Vision für einen sauberen Himmel“ ab. Ohne Umschweife werden die Besucher gleich eingeladen, in den Chor mit einzustimmen: „Werden Sie Fan“, lautet die klare Aufforderung.

Die Billigfluglinie EasyJet warb lange Zeit mit der kühnen Behauptung, Fliegen mit EasyJet sei besser für die Umwelt als Fahren mit einem Hybridauto. Dafür ist die Airline auch zu den fünf größten „Grünwaschern“ des Jahres 2009 gekürt worden. Das sind Unternehmen, die mit plumpen Werbesprüchen versuchen, ihre Umweltsünden zu kaschieren.

Starke Lobby gegen Klimaschutz

Seriöse Schätzungen weisen in eine andere Richtung. Demnach emittiert ein Flugpassagier zweimal so viel Kohlendioxid wie ein Autoinsasse und sogar sechsmal so viel wie ein Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel. Und es ist nicht nur das Kohlendioxid, das die Erdatmosphäre bedroht. Es geht auch um Stickoxide und Rußpartikel, vor allem auch um den Ausstoß von Wasserdampf in großer Flughöhe.

Die Bildung von Zirrus- (oder Feder-)Wolken hat potenziell einen sehr starken Klimaeffekt, lässt sich aber schwer quantifizieren. Annähernd fünf Prozent der gesamten vom Menschen verursachten Klimaerwärmung gehen auf das Konto der Luftfahrt. Der Luftfahrtweltverband IATA will ab dem Jahr 2020 CO2-neutral wachsen. Das soll mithilfe von Biodiesel, treibstoffarmen Flugzeugen und Streckenbereinigungen gelingen.

ETS-Emission Trading System

Bill Hemmings, Luftfahrtexperte des europäischen Umweltverbandes Transport & Environment, hält das für unglaubwürdig. Die Luftfahrtindustrie, meint er, habe Bemühungen, die Luftfahrt in den Emissionshandel einzubeziehen, bis zuletzt torpediert.

Erst vor Kurzem hat die EU diesen Plan endlich beschlossen, ab Anfang 2012 unterliegen alle Flüge, die in einem Land der EU starten oder enden, dieser Bestimmung, mit deren Hilfe die Emissionen schrittweise reduziert werden sollen (ETS – Emission Trading System). 

 

Fehlende Standards

Fehlende Standards für Treibstoff-Effizienz

Ein längst fälliger erster Schritt. Bis heute ist es der Luftfahrtindustrie – im Gegensatz zu allen anderen Industriesparten – gelungen, Versuche, die von ihr verursachten Treibhausgas-Emissionen zu beschränken, im Keim zu ersticken.

Anders als etwa in der Automobilindustrie gibt es keine Standards für Treibstoff-Effizienz. Technologische Verbesserungen hätten, so Hemmings bisher immer nur dazu geführt, „noch weiter, noch schneller und noch schwerer zu fliegen“.

Einzigartige Steuerprivilegien

Außerdem profitiert die Luftfahrt von einzigartigen Steuerprivilegien, sie braucht keine Kerosin- und keine Mehrwertsteuer abzuführen. Für Hemmings stellt dies eine Subventionierung der ineffizienten Luftfahrtindustrie dar, anstatt ihr ökonomische Anreize zu geben, die Emissionen zu senken.

Das Versprechen, auf Biotreibstoffe umzustellen, hält Hemmings für Vernebelungstaktik. Es gebe gar keinen nachhaltigen Treibstoffersatz, der in ausreichender Menge zur Verfügung stände. Vielleicht könne man in 10 Jahren so weit sein, wenn man heute zu investieren beginne. Aber selbst dann gehen optimistische Prognosen von einer Reduktion der Emissionen um lediglich 5 Prozent bis 2030 aus.

Fluglinien im Ethik-Vergleich

Alles in allem wird also der gesamten Branche ein denkbar negatives Urteil ausgestellt. Können Fluglinien unter diesen Umständen überhaupt einer Ethik- (oder neudeutsch: CSR-)Bewertung standhalten? 28 europäische Fluglinien wurden für eine Überprüfung ausgewählt, Linienfluggesellschaften auf der einen Seite sowie Billig-Linien (Low-Cost-Carrier) und Charterfirmen von Reiseveranstaltern auf der anderen Seite (in der Übersicht finden Sie 19 Gesellschaften, die für Österreich Bedeutung haben).

Nur 4 Fluglinien haben einen Fragebogen ausgefüllt bzw. Unterlagen zur Verfügung gestellt (SAS, Finnair, Iberia und TUI). Die anderen wurden aufgrund der öffentlich zugänglichen Informationen bewertet (Berichterstattung, Websites, Sekundärquellen). 

Die Untersuchung umfasste vier Hauptbereiche: Sozialpolitik (Leitlinien, Arbeitsbedingungen an Bord), Umweltpolitik (Leitlinien, Umwelt-Management-System), Kundenbeziehungen (Preistransparenz, Vertragsklauseln) und Transparenz (Information über gesellschaftliche Verantwortung). Der Schwerpunkt wurde auf den Bereich Umwelt gelegt, hier vor allem auf Maßnahmen zur Verminderung des Treibhauseffekts. 

Qualitative Bewertung der Kriterien

Die zur Verfügung stehenden Informationen sind nur begrenzt vergleichbar und überprüfbar. So ist keine Fluglinie imstande, konkrete Angaben zur Treibstoff-Effizienz zu machen (Verbrauch auf bestimmten Flugstrecken, Verbrauch pro Passagier, …).

Eine der wenigen vergleichbaren Messgrößen ist das Alter der Flugzeugflotte (neue Modelle sind sparsamer als ältere). Aus diesem Grund konnte keine detaillierte Beurteilung erfolgen. Wir beschränkten uns auf eine qualitative Bewertung der Kriterien.

Davon ausgehend lassen sich die Airlines in drei Gruppen teilen: in Branchenbeste, Durchschnitt und Nachzügler – alles natürlich relativ zu sehen. Maßstab ist der (niedrige) Branchenstandard.

 

Die besten der Branche

Branchenbeste

Als Branchenbeste wurden die Linienfluggesellschaften Air France KLM, Lufthansa und SAS klassifiziert, von den Billig- und Chartergesellschaften schafften es nur die Airline des Reiseveranstalters TUI sowie die zur SAS Group gehörende Spanair, Spezialistin für Spanien-Destinationen.

Unter den Nachzüglern finden sich unter anderem Alitalia und Brussels Airlines sowie der aggressive Low-Cost-Carrier Ryanair. Unauffällig im Mittelfeld platziert sind die österreichischen Marktführer Austrian und Air Berlin.

Flyniki wurde nicht getestet. Die Fluglinie von Niki Lauda betreibt eigenen Angaben zufolge eine eigenständige Geschäftspolitik, eine ausgewiesene CSR-Politik existiert nicht. Man achte aber darauf, beim Fluggerät auf dem letzten Stand zu sein, das Durchschnittsalter betrage 2 Jahre.

Auch die Besten der Branche können nicht als vorbildlich im Hinblick auf ihr Verantwortungsbewusstsein bezeichnet werden. Das mag allein der Umstand belegen, dass einer von ihnen, nämlich Lufthansa, dem Emissionshandelssystem ETS sehr skeptisch gegenübersteht. Von Kritikern wird der deutschen Fluglinie schlicht Lobbying gegen strengere Umweltauflagen vorgeworfen.

Personal unter Druck

Wie ist die soziale Situation einzuschätzen? Die Bezahlung bei den Fluglinien gilt zwar immer noch als attraktiv, doch das trifft nur auf die Stammbelegschaft der Linienfluggesellschaften zu. Neue Jobs gibt es indes nur bei den Billig-Airlines, deren Gehaltsniveau zwischen 5 und 40 Prozent unter jenem der etablierten Fluglinien liegt.

Die massive Konkurrenz hat aber auch diese veranlasst, die Kosten zu drücken. Häufig werden Bereiche in Tochtergesellschaften ausgelagert, in denen schlecht bezahlte Arbeitskräfte beschäftigt werden. Die starken Gewerkschaften leisten hinhaltenden Widerstand, gerade in letzter Zeit sorgten Streiks in Frankreich, Deutschland oder Großbritannien für Schlagzeilen. Doch der Trend ist scheinbar nicht aufzuhalten.

Die Arbeitsbedingungen des Flugpersonals sind geprägt von wenig Komfort, der Stressfaktor (Schichtarbeit, lange Arbeitszeiten) ist sehr hoch. Gesetzliche Maßnahmen haben diesen Druck in letzter Zeit reduziert.

Behandlung der Fluggäste

Die Kundenbeziehungen werden stark von den gesetzlichen Bestimmungen beeinflusst, durch die in den letzten Jahren die Rechte der Fluggäste verbessert wurden. So wurden klarere Preisangaben verordnet (All-inclusive-Preise), Entschädigungen bei Verspätungen oder Flugstornierungen geregelt. Trotzdem gibt es immer noch grobe Missstände.

So wird nach wie vor mit attraktiven Preisen geworben, die bei Weitem nicht dem Gesamtpreis inklusive aller Gebühren entsprechen. Die Kundenbeschwerden, mit dem Aufkommen der Billig-Airlines in die Höhe geschnellt, sind immer noch wesentlich zahlreicher als in anderen Branchen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die behördliche Kontrolle lückenhaft ist und zwischen den Staaten der EU nicht koordiniert erfolgt.

Unzureichende Preistransparenz

Laut Untersuchungen der EU erfüllt nur ein Viertel der Fluglinien die Bestimmungen für Preistransparenz. Die Passagierrechte werden von weniger als der Hälfte nach dem Buchstaben des Gesetzes befolgt: Positiv erwähnt werden in diesem Zusammenhang unter anderem Austrian, Lufthansa, British Airways oder Swiss.

Dagegen setzen viele Billiganbieter eher darauf, dass sie im Fall des Falles ohnehin nicht geklagt werden. Als besonders konsumentenfeindlich gelten EasyJet oder Ryanair, aber auch Air Berlin oder TUI.  

Tabelle: Ethiktest Fluglinien

Zusammenfassung

Zusammenfassung

  • Geringes Engagement: Die Luftfahrtindustrie leistet hinhaltenden Widerstand gegen wirksame Maßnahmen zur Eindämmung der globalen Erwärmung. Die Airlines zahlen nur unzureichend für die externen Kosten, die sie durch Umweltschädigung verursachen.
  • Branchenführer: Bei einer Überprüfung der gesellschaftlichen Verantwortung schneiden Air France KLM, Lufthansa und SAS bzw. Spanair und TUI noch am besten ab.
  • Was können Sie tun: Am besten ist es, so oft wie möglich auf Flugreisen zu verzichten. Wenn Sie fliegen, können Sie durch den Kauf eines Klimatickets den von Ihnen verursachten CO2- Ausstoß kompensieren. Wählen Sie aber nur Projekte, die nach dem Goldstandard zertifiziert sind, weil dieser strengen Regeln und wirksamer Kontrolle unterliegt (z.B. www.myclimate.org, www.atmosfair.de).

Die Marktfüher in Österreich

Air Berlin

Wenig ambitionierte Maßnahmen zur Reduktion von Treibstoff. Das durchschnittliche Flottenalter beträgt nur 5 Jahre. Keine Zielsetzungen, nur beschränkte Umweltberichterstattung. Unsaubere Vertragsbedingungen zur Rückerstattung des Ticketpreises, Inklusivpreis-Grundsatz nur teilweise erfüllt.

Austrian Airlines

Hat einige begrüßenswerte Emissionsmaßnahmen gesetzt, Programm zur Minimierung von Abfall während des Fluges. Fair gegenüber den Kunden. Inklusivpreis-Prinzip nicht vollständig erfüllt. Alter der Flotte 8,4 Jahre. Quantitative Ziele fehlen komplett. Kein eigener Ethik-Report, nur ein Umweltkapitel im Jahresbericht.

Lufthansa

Ambitionierter Zielkatalog zum Klimaschutz, auch quantitative Ziele wurden definiert. Teilbereiche sind umweltzertifiziert nach ISO 14001. Informiert die Öffentlichkeit über ausführliche jährliche CSR-(Ethik-)Reports. Fair gegenüber den Kunden. Inklusivpreis-Grundsatz nur teilweise erfüllt. Alter der Flotte sehr hoch (11,2 Jahre). Auf der Negativseite steht das Lobbying gegen den Emissionshandel.

Ryanair

Mit einem Flottenalter von nur 2,77 Jahren Spitzenreiter. Aber sehr schwache CSR-Politik. Leistet Widerstand gegen jegliche Umweltsteuern und gegen Emissionshandel. Betreibt „Grünwasch“-Werbung mit irreführenden Behauptungen, Inklusivpreis-Prinzip nur teilweise erfüllt, Verurteilung wegen unfairer Behandlung einer Konsumentenbeschwerde.

TUI

Betreibt eine durchschnittliche CSR-Politik. Klare Zielsetzungen zur CO2-Reduktion. Unterstützt den Emissionshandel. Flottenalter wird nicht veröffentlicht. All-inclusive-Preise verwirklicht, aber unfaire Rückzahlungsregelungen.

 

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