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Fahrradträger - Sicher am Heck

  • Heck- und Kupplungsträger verdrängen die Dachträger
  • Auf dem Dach nicht crashtauglich

Da das Fahrrad immer weniger selbst Transportmittel ist, sondern zusehends Sport- und Freizeitgerät, muss es zum Ort des Freizeitvergnügens gebracht werden – was bei den herkömmlichen Dachträgern eher Qual als Vergnügen bedeutet und oft mit Schrammen in Haut und Lack endet. Die Heck- und Kupplungsträgersysteme sind nicht nur praktischer, sie weisen auch bei Fahr-, Brems- und Crashtests durchwegs ein günstigeres Verhalten auf, und sie verringern den Mehrverbrauch an Treibstoff. Wir haben Vertreter aller Systeme getestet und miteinander verglichen.

Klassische Dachträger

Bei den klassischen Dachträgern müssen die Räder auf das Autodach gehoben und stehend befestigt werden. Neben der mühsamen Verstauung in luftiger Höhe verschlechtern sie die Fahreigenschaften des Autos; der Luftwiderstand kann den Spritverbrauch um zwei bis vier Liter erhöhen. Der Vorteil ist, dass auf dem Grundträger auch andere Sportgeräte wie Paddelboote oder die Skibox befestigt werden können.

Lifteinrichtung

Zwei der getesteten Dachträger haben eine Lifteinrichtung. Der Lift sorgt für eine bequeme Beladung des Autodachs schon in Fußhöhe. Beim Atera Bike Lift werden die Räder mittels eines Schwenkarms mit Servounterstützung einzeln auf das Autodach gehoben. Eine zusätzliche Neuerung weist der Unitec Dachlift auf: Der Träger kann in Hüfthöhe beladen werden und schwenkt dann komplett auf das Dach, wo die Räder liegend transportiert werden, was die aerodynamischen Nachteile verringert. Allerdings können maximal zwei Räder transportiert werden.

Mangelnde Crashsicherheit bei Dachträgern

Der großer Nachteil der Dachträger besteht in der mangelnden Crashsicherheit. Sieben der acht getesteten Dachträger wurden auf einem Golf montiert: Beim Crashtest mit 30 Stundenkilometern rissen in allen Fällen die Halterungen der Grundträger, und die gesamte Dachladung verabschiedete sich im Sturzflug. Beim achten Modell (auf Audi A6) rutschte der Träger trotz Dachreling mitsamt den Rädern vom Dach. Schuld daran waren nicht die eigentlichen Fahrradträger, sondern die Basisträger, auf denen die Elemente für den Radtransport befestigt werden. (In der Tabelle sind nur die Fahrradträger ohne Basisträger bewertet.)

Grundsätzlich gelten die schlechten Crashtestergebnisse der Grundträger nur für die geprüften Modelle und nur auf den eingesetzten Fahrzeugen. Doch das übereinstimmende Crashverhalten lässt darauf schließen, dass es sich um eine generelle Schwäche von Dachträgern handelt. Die Hersteller von Automobilen und von Trägersystemen sind dringend gefordert, die Befestigungsmöglichkeiten für Dachlasten zu verbessern.

Heck: abenteuerlich, aber stabil

Die Heckträger ohne Befestigung an der Anhängerkupplung halten das Rad durch ein System aus Spanngurten und gepolsterten Stützbügeln. Die Gurte werden am Kofferraumdeckel oder an der Heckklappe eingehängt, die Halterungsbügel an Stoßstange und Kofferraumdeckel/Heckklappe abgestützt. Das absolut billigste System, Unitec Professional, ist schon ab 49 Euro erhältlich. So abenteuerlich manche Konstruktionen auch wirken, sie sind trotzdem stabil und halten auch bei Vollbremsungen und im Slalomtest. Die Nachteile: Bei montiertem Heckträger können Kofferraum und Heckklappe nicht mehr geöffnet werden; ihre Montage ist relativ kompliziert; bei den Universalsystemen ist nicht klar ersichtlich, ob sie sich gerade für Ihr Auto eignen – manche Automodelle haben keine entsprechend ausgebildete Stoßstange. Es gibt allerdings auch schon Heckträger, die speziell für eine Automarke konstruiert wurden (wir haben zwei davon für den Golf IV getestet). Durch die Abstützvorrichtungen können Beulen bzw. Kratzer am Auto entstehen.

Anhängerkupplungsträger

Als das beste System sowohl beim Verstauen der Räder als auch bei allen Sicherheitstests haben sich die Anhängerkupplungsträger erwiesen. Obwohl das Gestell nur mittels Halterung an der Kugel der Anhängerkupplung befestigt und mit einer Zusatzhalterung verstärkt wird, bleiben Träger und Räder auch bei schnell gefahrenen Kurven stabil. Bei den meisten Modellen werden die Räder einzeln in rinnenartigen Halterungen aufgestellt; den Rädern kann dadurch weniger passieren als bei den normalen Heckträgern. Zwei Nachteile haben auch diese Systeme: Sie sind relativ teuer, und falls Ihr Wagen keine Anhängerkupplung hat, müssen Sie mit einer zusätzlichen Investition von etwa 500 Euro rechnen; und will man sie nicht nach jeder Ausfahrt zerlegen, brauchen sie ziemlich viel Stauraum.

Straßenverkehrsordnung beachten

Bei Heck- und Kupplungsträgern ist die Straßenverkehrsordnung zu beachten: Werden Nummerntafel oder Heckleuchten abgedeckt, muss ein Lichtbalken mit Kennzeichenhalterung hinter dem Träger montiert werden, wozu eine Anhängerkupplung mit Steckdose notwendig ist. Die Räder dürfen die größte Breite des Autos (von Außenspiegel zu Außenspiegel) nicht überragen. Für alle Trägersysteme gilt: Vor der Abfahrt und bei Zwischenstopps alle beweglichen Teile und Halterungen überprüfen!

Fahrradträger

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AL-KO Kober GmbH, Zellbergeben 23, A-6280 Zell am Ziller, (05282) 26 51-0

Atera: Rothmund & Konhäuser KG, Laxenburger Straße 240–242, A-1230 Wien, (01) 616 26 11-0

Audi: Auto Z Autozubehör HandelsgesmbH, Ketzergasse 120, A-1230 Wien, (01) 866 96-0

Mont Blanc: KWB Kettenindustrie GmbH, Kettenwerk 6, A-9371 Brückl, (04214) 23 21-0

Thule: Birner & Co, Mühlgasse 91, A-2380 Perchtoldsdorf, (01) 866 39-0

Twinny Load: Koch Kleeberg GmbH & Co KG ELBE Twinny Load KG, Bleriotstraße 12, D-50827 Köln, (0049 221) 95 65 29-0

Unitec: Kern Viktor E. GmbH, Percostraße 14, A-1220 Wien, (01) 250 35-0

VW: Auto Z Autozubehör HandelsgesmbH, Ketzergasse 120, A-1230 Wien, (01) 866 96-0

Sicherheitsrisiko Dachträger. Alle Basisträger für den Transport auf dem Dach fielen beim Crashtest vom Dach herunter. Da müssen sich die Hersteller noch etwas einfallen lassen. Die eigentlichen Fahrradträger waren hingegen in Ordnung. Dachträger sind dann sinnvoll, wenn auch andere Lasten transportiert werden sollen.

Einfach, sicher und teuer mit Kupplung. Für neue Automodelle empfiehlt sich die Investition in Anhängerkupplung und die Kupplungsträger: Sie schonen Auto und Rad, nicht aber die Geldbörse.

Billige Alternative. Für ältere Modelle (sowohl Auto als auch Rad) reichen die Heckträger aus, wenn Ihnen die geringeren Anschaffungskosten mehr Zeitaufwand beim Montieren wert sind.

Im Test 15 Fahrradträger für Pkw. Darunter 6 Dachträger, 2 Dachträger mit Lifteinrichtung, 2 Heckklappenträger und 5 Anhängerkupplungsträger.

Fahrprüfungen: Versuchsfahrzeuge: VW Golf IV (2001), Audi A6 (1998) und Mercedes C 280 (1999). Wir beluden die Träger mit der maximal zulässigen Anzahl von Rädern und testeten sie in typischen Stresssituationen: Kreisfahrt, Slalomstrecke und Vollbremsung aus 80 km/h.

Handhabung: Vier Männer und eine Frau beurteilten die Montage- und Gebrauchsanleitungen, berücksichtigten beim Zusammenbau die Anzahl der zu montierenden Teile sowie die Zeit des Zusammenbaus. Die Montage und Demontage am Pkw und vor allem das Auf- und Abladen der Räder sowie das Vorhandensein bzw. die Funktion von Diebstahlhemmungen wurden bewertet. Weiters: Platzbedarf zur Aufbewahrung und Wartungsaufwand.

Haltbarkeit: Bei einer Rüttelprüfung wurde eine Fahrt (ca. 500 km) über verschiedene Straßenbeläge simuliert um festzustellen, ob sich am Trägersystem Teile lösen. Außerdem führten wir eine Bewitterungsprüfung (72 Stunden Salznebel nach DIN 50021) durch und beurteilten die Verarbeitung.

Aufpralltest: Der Citycrash erfolgte in Anlehnung an den DIN-Entwurf 75302 aus 30 km/h mit bis zu 12 g Verzögerung.

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