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Elektroräder - Favoriten ausgebremst

Pedelecs – so die korrekte Bezeichnung – sind umweltfreundlich und bequem. Doch im Labor enttäuschten gleich mehrere renommierte Marken wegen gravierender Sicherheitsmängel.

Mehr als 100 Millionen Elektrofahrräder bevölkern die Straßen. Jährlich kommen 20 Millionen hinzu. Kein Gestank, kein Motorenlärm. Allerdings nur in China. Dort katapultierten viele Städte die Steuer auf Benzin-Zweitakter in astronomische Höhen und ­ebneten damit den Weg für die E-Bikes, die elektrischen Zweiräder.

In Österreich sind wir noch weit davon entfernt – wenngleich die EU als zweitgrößer Weltmarkt für das Fahren mit elektrischem Rückenwind gilt: Mit 1 Million verkauften E-Drahteseln wurde für 2010 gerechnet, 20.000 waren es laut VCÖ allein in Österreich. Das ist – allen Freudentänzen der Hersteller und des Handels zum Trotz – im Vergleich zu den herkömmlichen Fahrrädern (noch) nicht wirklich viel: Von diesen werden EU-weit jährlich rund 19 Millionen Stück verkauft und rund drei Viertel aller österreichischen Haushalte besitzen zumindest eines davon (Schlusslicht Wien mit nur 54 Prozent).

Viele Hügel, viel Bedarf

Für 2011 wird mit einer Verdoppelung des heimischen Absatzes von Elektrofahrrädern auf 40.000 Stück gerechnet. Österreich bietet sich aufgrund seiner hügeligen Topographie für diese Art der unterstützen Fortbewegung ja geradezu an.

Komfort- und Trekkingräder im Test

Ob da jeder Käufer reine Freude empfinden wird, muss angesichts der aktuellen Test­ergebnisse, die wir in Kooperation mit ADAC und Stiftung Warentest erarbeitet haben, freilich bezweifelt werden. Getestet wurden Komforträder (unisex) sowie Trekkingräder (Herrenmodelle). Vor allem schlecht funktionierende Bremsen, gebrochene Lenker und mangelnde Ausstattung führten zu einem unterm Strich nicht gerade erfreulichen ­Gesamteindruck: 2 "guten“ und 4 "durchschnittlichen" Ergebnissen stehen 3 "weniger zufriedenstellende" und 2 "nicht zu­friedenstellende" Urteile gegenüber. (Lesen Sie auch E-Bikes - Sicherheitsschub.)

Gruppensieger Raleigh und Diamant

Leider finden sich auch die bekannten Marken KTM und Kettler unter den Gestrauchelten. Die Gruppensieger Raleigh und Diamant werden leider eher nur von kleineren Händlern angeboten (Händlerlisten sind auf fast allen ­Hersteller-Websites einzusehen, siehe "Anbieter“).

Praxis- und Labortest

Das Ergebnis unterscheidet sich deutlich von unserem Test Elektrofahrräder (KONSUMENT 6/2010), den wir kurz nach nennenswertem Auftauchen der ersten Elektrofahrräder am heimischen Markt anstellten: Dort schnitt keines der Pro­dukte schlechter als „durchschnittlich“ ab.

Das Labor ist unerbittlich

Wurden die E-Drahtesel um so viel mieser oder waren wir in der Vergangenheit schlicht blauäugig? Weder noch. Der wichtigste ­Unterschied liegt vielmehr darin, dass wir im vergangenen Jahr einen reinen Praxistest durchführten, bei dem unsere Tester Tau­sende Kilometer radelten – bzw. sich vom Elektroantrieb radeln ließen –, und dann ihre persönlichen Eindrücke zum Testergebnis zusammenfassten. Diesmal kam zum Praxistest der in vielen Belangen wohl noch härtere ­Labortest hinzu, bei dem die Einzelkomponenten unter genormten Bedingungen und im wahrsten Sinn des Wortes auf Biegen und Brechen zeigen mussten, was sie aushalten.

Dem waren leider vor allem in den Bereichen "Antriebssystem und Motor" sowie "Technische Prüfung" etliche Kandidaten nicht gewachsen; sie mussten deshalb abgewertet werden. Lesen Sie dazu auch unsere Testkriterien. Schlecht funktionierende Bremsen, brechende Gabeln oder Lenker sind halt kein Hersteller-Kavaliersdelikt, auch wenn das Rad sonst noch so gut fährt. Solche Defi­zite können den Pedalritter Kopf und Kragen kosten. Da kann es kein Pardon geben (wenngleich es natürlich jeder Leserin, jedem Leser überlassen bleibt, wie sie/er persönlich diese Aspekte gewichtet).

Preisspanne von 800 bis 2.700 Euro

Apropos Kosten: Diese liegen bei den Elektrofahrrädern erwartungsgemäß deutlich höher als bei herkömmlichen Drahteseln. Während ein normales Stadtfahrrad im EU-Durchschnitt heute rund 520 Euro kostet, liegt der Preis eines Pedelec (wir erklären gleich, was das heißt) bei 1.685 Euro. Im Test reichte die Preisspanne von 800 bis 2.700 Euro.

Akkus und Geschwindigkeit

Teuer sind auch die Zweit- oder Ersatzakkus (überwiegend Lithium-Ionen-Akkus), die dem Fahrrad ein Gewicht von rund 3 Kilogramm hinzufügen und mit 400 bis 800 Euro zu ­Buche schlagen. Sie werden nach etwa 500 bis 1.000 Entladungen fällig (entspricht einer Fahrleistung von 30.000 bis 50.000 Kilo­metern) oder – als Zweitakku – wenn man „auf Tour“ ganz sichergehen möchte, sein Ziel auch ohne Strom-Tankstopp zu erreichen. Die Akkus der getesteten Räder ließen sich übrigens durch die Bank problemlos an das Ladegerät anschließen, sie benötigten aber unterschiedlich viel Zeit zum Aufladen: zwischen 2:15 und 9 Stunden

Durchschnittliche Reichweite: 51 Kilo­meter

Im Betrieb brachten sie es dann auf eine durchschnittliche Reichweite von 51 Kilo­metern. Allerdings mit kräftigen Unterschieden: Während dem Modell von Ruhrwerk schon nach rund 23 Kilometern der Saft ausging, brachte es das Kalkhoff auf ca. 75 Kilometer. Man kommt also ganz schön weit bzw. kann man viele kürzere Strecken zurück­legen, bevor der Akku an die Ladestation muss.

In vielen Fällen sind die Pedelecs somit wohl als Alternative zum Auto interessant. Denn laut VCÖ sind zwei Drittel aller Autofahrten kürzer als 10 Kilometer, jede zweite Autofahrt ist sogar kürzer als 5 Kilometer. Ideale Entfernungen für das Pedelec, das „Pedal-Electric-Vehicle“, wie die hier getes­teten Produkte exakt heißen.

"Leicht-Elektro-Fahrzeuge"

Sie sind nur ein Mitglied der gar nicht so kleinen Familie der LEVs (übersetzt: der „Leicht-Elektro-Fahrzeuge“) und zeichnen sich dadurch aus, dass sich der elektrische Hilfsmotor nur zuschaltet, wenn man selbst auch tritt. Bei E-Bikes zum Beispiel ist dies nicht erforderlich, die fahren auch ohne Zutun des Lenkers (das ist die in China meist­verwendete Variante des Elektrorades).

Maximal 25 Stundenkilometer

Die zulässige Nennleistung der Pedelecs ist in Österreich auf 250 Watt und eine "Bauart­geschwindigkeit“ von maximal 25 Stundenkilometern beschränkt. Das klingt nicht nach viel, ist aber um ein Viertel schneller als die Weltrekord-Durchschnittsgeschwindigkeit beim Marathon der Männer (20,42 km/h).

Bei Überschreiten der 25 km/h schaltet sich der Motor des Pedelec ab. Gemeinsam ist somit allen Pedelecs auch, dass sie trotz Motor nicht als Kraftfahrzeuge, sondern als Fahr­räder gelten – womit keine Versicherung, kein Nummerntaferl, kein Führerschein, kein Helm benötigt wird.

Antriebsmotor

Vorne, Mitte, hinten?

Gemeinsam ist ihnen außerdem das grund­legende Konstruktionsprinzip: Pedelecs bestehen neben dem Rahmen und den Rädern aus einem Antriebsmotor, einer Schaltelektronik und dem schon erwähnten Akku. Der Motor kann am Hinterrad, in der Mitte oder am Vorderrad montiert sein.

Hinterrad-Nabenmotor: Der Hinterrad-Nabenmotor (oder auch Heckmotor) bietet vor allem beim Anfahren auf sandigem oder glattem Grund Vorteile. Mit ihm wird das Elektrofahrrad (wir verwenden den Begriff synonym für Pedelec) allerdings etwas hecklastig und kann bei größerer Last am Gepäck­träger schon mal für unruhiges Fahrverhalten sorgen.

Elektrorad Hinterrad-Nabenmotor (Bild: STIWA)  

Mittel- oder auch Tretlager­motor: Der Mittel- oder auch Tretlager­motor verleiht zusammen mit dem auf der Sattelstange montierten Akku dem Rad einen tief liegenden Schwerpunkt. Er macht im Gesamtmarkt der Pedelecs derzeit den größten Anteil aus.

Elektrorad Mittel- Tretlagermotor (Bild: STIWA) 

Vorderrad-Nabenmotor: Der Vorderrad-Nabenmotor bietet vor allem dann einen Ausgleich, wenn der Gepäckträger hinten regelmäßig schwer beladen ist. Auf wenig griffiger Fahrbahn kann das Vorderrad allerdings zum Wegrutschen neigen.

Elektrorad Vorderrad-Nabenmotor (Bild: STIWA) 

Fahrverhalten und Wendigkeit

Im Fahrverhalten mit Motorunterstützung schnitten alle Elektroräder unabhängig von der Antriebsart "gut“ bis "durchschnittlich“ ab; auch die Wendigkeit war akzeptabel. Vom Fahrver­halten ohne Motorunterstützung hingegen waren unsere Tester nicht so begeistert: ­Lediglich die Pedelecs von Diamant und KTM schafften hier ein „gutes“ Ergebnis. Dabei sollte man gerade dieses Kriterium nicht unterschätzen, denn das Rad muss auch ohne zugeschalteten Motor (oder wenn der Akku doch einmal leer gefahren ist) sicher und ­bequem steuerbar sein.

Sicher und ­bequem steuerbar

Achten Sie bei der Probefahrt auf diesen Punkt, der einem in der Begeisterung für das mühelose Fahren schnell einmal aus dem Blickfeld geraten mag – wie übrigens auch die Beleuchtung, mit der wir häufig gar nicht zufrieden waren.

Vom Reha-Radl zum Trendartikel

Entwicklung zum Trendartikel

Vom Fahrerlebnis waren übrigens alle unsere Testpersonen, auch die Skeptiker, äußerst ­angetan. Das mag mit ein Grund dafür sein, dass sich das Elektrofahrrad langsam, aber ­sicher vom Vehikel für die "Silver-Ager“ erkennbar zum Trendartikel entwickelt: Schon sieht man hier und da den Herrn im Nadelstreif, der die Autos im Stoßverkehr hinter sich lässt und dennoch nicht verschwitzt in der Firma oder daheim ankommt. Oder die Familie, die sich einmal auf eine ungewohnt lange Radtour macht und die Motorunterstützung dabei als eine Art „Leistungsversicherung“ sieht, nicht nur für den mitradelnden Opa.

Energieverbrauch ist bescheiden

Ideal sind die Räder für alle Umwelt­bewussten, deren sportliche Ambitionen sich in Grenzen halten. Der Energieverbrauch der Pedelecs ist – verglichen mit konkurrierenden Möglichkeiten der motorbetriebenen Fort­bewegung – äußerst bescheiden.

So haben die Fachleute von ExtraEnergy.org vorgerechnet: Mit der Energiemenge, die man zum ­Erwärmen von 10 Litern Duschwasser auf 40 Grad Celsius benötigt, kommt man mit dem Pedelec 33 Kilometer weit (250 Wh); die jährliche Energieleistung eines Solarpanels mit nur 0,3 Quadratmetern Fläche befördert das Elektrofahrrad samt Pedalritter 5.000 ­Kilometer weit.

Testtabelle: Elektro-Komforträder

Testtabelle: Elektro-Trekkingräder

Steckbrief

Im Folgenden kurze Steckbriefe der getesteten Elektrofahrräder; Details finden Sie in der Testtabelle.

Raleigh Leeds HS
Komfortabel und sportlich, leichtestes Rad im Test; Bremsen und Haltbarkeit der Teile sehr gut. Tief gezogener Rahmen – guter Einstieg. Durchschnittliche Reichweite. Etwas lange Akkuladezeit, dürftige LED-Anzeige, Motor schaltet sich bei leichter Berührung zu schnell zu (z.B. beim Warten vor Ampeln).

Kalkhoff Pro Connect C8
Einfaches und sportliches Komfortrad; solide gebaut, relativ leicht, große Akkukapazität und größte Reichweite im Test. Sehr gute Haltbarkeit der Bauteile, gute Ergonomie. Gänge lassen sich teilweise nicht sauber schalten, sehr lange Ladezeit, bescheidene LED-Anzeige.

FLYER C 8 Premium
Handlich und mit Anfahrhilfe (Anfahren auch ohne Treten, bis 6 km/h). Lenker- und Sattelhöhe einfach einzustellen, gutes Licht. Reichweite leicht unter Durchschnitt. Schaltung und Vibrationen am Lenker verbesserungswürdig. Bei Steigungen träge, relativ schwer, Sattel unangenehm, teuer.

KTM Macina Dual
Relativ leicht, bestes Fahrverhalten im Praxistest, gut auch ohne Motorunterstützung. Kurze Akkuladezeit, aber geringe Kapazität; reparaturfreundlich. Gepäckträger im Test gebrochen, die schlechten Bremswerte führten zur Abwertung.

Kettler Twin Front NX8
Einfach ausgestattetes Pedelec. Gute Reichweite und Gebrauchsanweisung, reparaturfreundlich, präzise Gangschaltung, Rücktrittbremse. Bremsprobleme führten zur Abwertung. Teuerster Akku, lange Ladezeit.

Pegasus E-Tour (Modell 2011)
An sich komfortabel zu fahrendes Pedelec mit guter Ergonomie. Jedoch gravierende Mängel im Test: Ein Rahmenbruch bei der Dauerprüfung nach 9.740 km und Bremsprobleme führten zur Abwertung. Lange Akku-Ladezeit.

Diamant Zouma Sport +
Angenehm zu fahren, auch im reinen Fahrrad-Betrieb, relativ leicht, reparaturfreundlich, gute Reichweite. Einziges Modell im Test mit Rekuperation (Akku lädt bei Bergabfahrt und beim Bremsen). Teuerstes Pedelec. Flotte Ladezeit, jedoch geringe Akkukapa­zität.

Winora F2
Gut ausgestattet, große Reichweite. Anfahrhilfe vorhanden (Anfahren auch ohne Treten, bis 6 km/h), auch im Fahrradbetrieb gut zu fahren; gute Ergonomie, Doppelständer, Schloss. Lange Akkuladedauer, große Hecklastigkeit, schlecht zu tragen, Stöße werden extrem an den Lenker weitergegeben.

Prophete Alu Rex Art. Nr. 1973
Zweitbilligstes Pedelec. Motorunterstützung richtet sich nicht nach der Trittfrequenz, sondern ist einstellbar (= Faulenzer-Pedelec); flottes Laden des Akkus. Schaltung hakt, Antrieb spricht spät an und läuft nach. Schutzblech klappert, Antrieb ist laut, Akku­anzeige stimmt nicht.

Giant Twist Esprit Power
Gute Ausstattung (Taschen, Schloss, Rücktritt­bremse), kurze Ladezeit, gutes Bedienfeld. Geringe Akkukapazität und Reichweite, starke Fahrgeräusche; schwerstes Pedelec. Probleme mit Bremse und Beleuchtung (abgewertet); Sitz hart. Ohne Motor­unterstützung schlecht zu fahren.

Ruhrwerk 28“ E-Bike
Optisch auffallend, billigstes Rad im Test. Sattel­taschen inkludiert. Beim Test traten mehrere schwerwiegende Defekte auf. Geringste Reichweite. Prob­leme auf dem Bremsprüfstand (Abwertung). Ohne Motor schlechtes Fahrverhalten. Schlechte Bedienungsanleitung.

Bremsen, Schaltung, Akkutyp

BREMSEN

Felgenbremse
Eine Felgenbremse nimmt die Felge des Rades in die Zange. Durch Reibung von Bremsklötzen auf den Seiten der Felgen entsteht eine Bremswirkung. In unserem Test kamen hydraulische und mechanische Felgenbremsen vor.

Mechanische Felgenbremsen
Die am weitesten verbreiteten Bremsen sind mechanische Felgenbremsen, bei Anziehen des Handgriffes werden über den Bowdenzug (Bremsseil) die Bremsbacken zur Felge gedrückt. Nachteil der mechanisch betätigten Felgenbremse ist, dass diese, ohne regelmäßige Einstellung, selten gleichmäßig bremst. Dadurch nützen sich die Bremsbacken ungleichmäßig ab.
Hydraulische Felgenbremsen
Bei Betätigung des Bremshebels wird Druck auf die Bremsflüssigkeit in der Leitung ausgeübt, wodurch die Bremsgummis gegen die Felge gepresst werden. Der Vorteil der hydraulischen Bremse ist, dass gegenüber Bowdenzügen keine Reibungsverluste entstehen. Somit ist sie leichter zu bedienen und  zu dosieren. Hydraulische Bremsen nutzen beide Seiten in gleichem Maße ab.
ACHTUNG: Fahren Sie vorsichtig bei Nässe! Hierbei lässt die Bremswirkung beider Felgenbremsen deutlich nach.

Scheibenbremse
Bei dieser Bremstechnik werden die Bremsbeläge gegen die Bremsscheibe gedrückt. Bei Nässe sind Scheibenbremsen zu empfehlen. Diese Bremsart ist sehr zuverlässig, aber nur in Verbindung mit  hydraulischen Bremsleitungen sinnvoll.

Rücktrittbremse
Die Rücktrittbremse ist in der Hinterradnabe integriert. Durch Zurücktreten des Pedals entsteht die Bremswirkung. Oftmals findet man diese Bremsart bei Kinderfahrrädern. Bei Rädern für Erwachsene gibt es die Rücktrittsbremse meist zusammen mit einer Nabenschaltung (siehe unten). Die Nachteile dieser Bremse liegen in ihrer schlechten Dosierbarkeit und der Stellung der Pedale, welche beim Anhalten nicht verändert werden kann.

Rollenbremse
Die Rollenbremse ist eine Weiterentwicklung der Rücktrittsbremse mit Handhebelbedienung per Seilzug. Sie wird für Vorder- und Hinterrad verwendet.

SCHALTUNG

Nabenschaltung
Eine Nabenschaltung ist in der Radnabe des Hinterrades eingebaut. Das Getriebe mit all seinen Komponenten ist gut geschützt, wodurch auch der Verschleiß einer Nabenschaltung im Vergleich zu einer Kettenschaltung sehr gering ausfällt. Der Aufwand bei der Herstellung ist ein höherer, weswegen der Kaufpreis gegenüber einer Kettenschaltung entsprechend höher ist. Nabenschaltungen sind nahezu wartungsfrei und schmutzunempflindlich. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass man auch im Stehen die Gangschaltung betätigen kann. Nachteil: Bei hoher Belastung (stärkere Steigungen) ist ein Gangwechsel kaum möglich. Nabenschaltungen besitzen einen höheren Reibungwiderstand als Kettenschaltungen und verfügen über weniger Gänge.

Kettenschaltung
Vorne sind verschieden große Kettenblätter und hinten verschieden große Ritzel. Beim Schalten verändert der Fahrer die Übersetzung zwischen Tretkurbel und Hinterrad, um den Kraftaufwand an die Streckenverhältnisse anzupassen. Bei einer Kettenschaltung sind die Gänge leicht variierbar (große Abstufungsmöglichkeit) und sie sind einem geringeren Widerstand ausgesetzt als bei einer Nabenschaltung. Daher bieten sie eine bessere Kraftübertragung, was jedoch mit höheren Wartungsaufwendungen (schmieren, einstellen, usw.) verbunden ist. Bei Kettenschaltungen ist der Gangwechsel nur beim aktiven Fahren möglich.

AKKU-TYP

Lithium-Akkus
Am gebräuchlichsten sind derzeit Akkus in Lithium-Technologie. Ihr Vorteil gegenüber Blei-Akkus und Nickel–Metallhydrid–Akkus ist das geringere Gewicht, die höhere Energiedichte sowie der Wegfall des Memory-Effekts.
In unserem Test sind drei Akkutypen vertreten: Li-Ion (Lithium-Ionen), Li-Po (Lithium-Ionen-Polymer-) und Li-Ion-Mg (Lithium-Ionen-Mangan). Es gibt zwar technische Unterschiede, für den Konsumenten lassen sich daraus aber keine Vor- und Nachteile angeben, weswegen wir hier nicht auf die einzelnen Typen eingehen.
Für alle Akkus gilt: Laden Sie sie nicht in der Nähe von brennbarem Material auf und verwenden Sie unbedingt das mitgelieferte Ladegerät.

Leistung des Pedelecs
Kapazität des Akkus in Amperstunden (Ah) + Spannung des Akkus in Volt (V)
Die angegebenen Ah (Amperstunden: Stromstärke x Zeitdauer) sind die Anzahl der Ampere, die der Akku in einer Stunde liefern kann; danach ist er leer. Hohe Amperestundenzahlen (Ah) des Akkus sind nicht zwangsläufig Maßstab für Leistung oder Reichweite eines Elektrorades. Erst in Verbindung mit der Spannung (Volt) ergibt sich die eigentliche Leistung in WH (Wattstunden)!  Eine höhere Spannung (Volt) bei gleicher Amperestundenzahl (Ah) bringt eine höhere Leistung des Pedelecs.

Zusammenfassung

Ausprobieren steht beim Pedelec-Kauf an erster Stelle – möglichst verschie­dene Modelle verschiedener Hersteller.

Wie beim herkömmlichen Fahrrad gibt es auch beim Elektrorad unterschiedliche Rad-Typen: vom City-Rad bis zum Mountainbike.

  • Gewicht ist von Relevanz, wenn Sie Ihr Pedelec beispielsweise in den 3. Stock oder in den Keller schleppen müssen.
  • Fahreigenschaften: Sie müssen auch ohne Motorantrieb akzeptabel sein.
  • Akkus sind beliebte "Mitnahmeartikel" für Diebe. Achten Sie auf leichte Demontage, damit Sie ihn nach Hause nehmen können.
  • Elektronische Anzeige für Akku-Ladestand etc. muss übersichtlich und gut ablesbar sein.

Erhältlich sind bekanntere Marken in der Regel in großen Sportgeschäften; wenn sie nicht lagernd sind, kann man die Räder meist bestellen. Bei weniger gebräuchlichen Marken lohnt sich ein Blick auf die Hersteller-Homepage: Fast immer finden Sie dort eine Händlerliste.

Testkriterien

Im Gemeinschaftstest mit der Stiftung Warentest und ADAC untersuchten wir 11 Elektrofahrräder (Pedelecs), davon 6 Alu-Komforträder (tiefer Rahmendurchstieg) und 5 Alu-Trekkingräder mit Diamantrahmen (Herrenrahmen).

Praktische Prüfung

4 Männer und 3 Frauen fuhren auf unterschiedlichen Strecken (bergauf und bergab) und beurteilten unter anderem Fahrverhalten (auch mit Gepäck), Komfort (u. a. Sitzposition, Federungsverhalten), Wendigkeit und Schaltung. Beurteilt wurden auch das Anfahren und das Fahrverhalten ohne Motorunterstützung.

Antriebssystem und Motor

Die Reichweite wurde von einem Fahrer (ca. 80 kg) auf zwei Teststrecken in der Praxis und auch durch Nachfahren der Strecke auf einem Prüfstand mit mittlerer und hoher Last ermittelt. Die Testpersonen beurteilten das Ansprechverhalten und Motorunterstützung u. a. anhand der Dosierung der Unterstützungsstufen und dem Abregel- und Anfahrverhalten des Motors. Die Ladedauer des Akkus wurde bis zum selbstständigen Abschalten gemessen; die Fahrgeräusche durch die Testpersonen.

Technische Prüfung

Dauerprüfung von Gabel, Lenker & Vorbau, Sattelstütze und Rahmen mit in Fahrversuchen ermittelten Lasten über 20.000 km.
Bremsen: Wirkung geprüft auf dem Prüfstand trocken und nass in Anlehnung an DIN EN 14764 (März 2006); weiters auf Grund praktischer Erfahrungen der Probanden.
Elektrische Sicherheit der Fahrräder wurde in Anlehnung an Prüfgrundsatz für Sicherheit von Pedelecs EK 2 von Mai 2010 der ZLS und DIN EN 15194 (Juni 2009) geprüft, darunter u. a. Elektromagnetische Verträglichkeit (Störsendung und Störfestigkeit) und Steuerungen in Anlehnung an EN 13849 Level C. 
Ladegerät: Prüfung des Ladegeräts in Anlehnung an DIN EN 60335-2-29 (2004) und Prüfung der Akkuzellen in Anlehnung an DIN EN 62133 (September 2003) auf Kurzschluss, Quetschen, Überladen und Tiefentladen.
Sicherheit: Weitere Sicherheitsaspekte beinhaltet u. a. Abzugskräfte der Lenkergriffe, Abstand Pedal-Vorderrad und ausgewählte Punkte der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG (Mai 2006) wie Start des Rades bei statischer Pedalkraft.
Licht: Fahrbahnausleuchtung, Erkennbarkeit der Reflektoren und Reflexbereifung sowie Einhaltung der STVO. Haltbarkeit weiterer Bauteile auf einem Rollenprüfstand in Anlehnung an Prüfgrundsatz der ZLS über 450 km mit über 1.000.000 Impulsen durch Holperleisten in verschiedener Höhe und unterschiedlicher Geschwindigkeit. Verarbeitung: u. a. Lackierung und Spurversatz sowie Verlegung der Züge.

Handhabung

Die Bedienungsanleitung wurde von einem Experten hinsichtlich Sicherheits- und Warnhinweisen beurteilt, die Testpersonen beurteilten u. a. den logischen Aufbau, Verständlichkeit und Gestaltung der Bilder. Die Testpersonen beurteilten Einstellen und Anpassen von u. a. Vorbau, Lenker und Sattel  sowie die Bedienelemente und Anzeigen u.a. durch Sinnhaftigkeit und Ablesen der Anzeige (auch bei Dunkelheit).

Der Prüfpunkt "Akku" beinhaltet u. a. Entnehmen und Einsetzen sowie Anschluss ans Ladegerät. Bei der Prüfung des Tragens wurde das Transportieren über Hindernisse,  z.B. Treppen geprüft. Ein Experte beurteilte das Reparieren, u.a. den Ausbau der Laufräder und Schlauchwechsel.

 

Anbieter

Diamant
Trek Fahrrad AG
Stettbachstraße 2
CH-8600 Übendorf
0820 820 121
www.diamantrad.com

Flyer
Bike & Sports Handels GmbH
Rietern 12
A-4822 Bad Goisern
06135 64 09
www.bike-sports.at

Giant
Klocker KG
Giant Österreich
Maurach 200
A-6200 Buch in Tirol
05244 622 23
www.giant-bicycles.com

Kalkhoff
Derby Cycle Werke GmbH
Siemensstraße 1-3
D-49661 Cloppenburg 
+49 4471 966-0
www.derby-cycle.de

Kettler Austria GmbH
Ginzkeyplatz 10
A-5020 Salzburg
0662 62 05 01-0
www.kettler.at

KTM Fahrrad GmbH
Harlochner Straße 13
A-5230 Mattighofen
07742 40 91-0
www.ktm-bikes.at

Pegasus
Zweirad Einkaufs-Genossenschaft eG
Longericher Straße 2
D-50739 Köln
+49 221 179 59-0
www.zeg.at

Prophete GmbH & Co KG
Postfach 2 124
D-33349 Rheda-Wiedenbrück
+49 5242 41 08-0
www.prophete.de

Raleigh Univega GmbH
Siemensstraße 1-3
D-49661 Cloppenburg
+49 4471 92 34-0
www.raleigh-univega.de

Ruhrwerk
Hellweg Ihr Baufreund Handels GmbH
Neubauzeile 102
A-4034 Linz
0732 38 30 81
www.hellweg.at

Winora-Staiger GmbH
Max-Planck-Straße 6
D-97526 Sennfeld
+49 9721 65 94-0
www.winora.de

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Räder teilen!

Elektrofahrräder (Pedelecs) sind im Vergleich zu Autos im Betrieb sicher umweltfreundlicher. Es geht aber nicht nur darum, ob die Energie für die Betreibung der Elektrofahrräder aus erneuerbaren Quellen kommt. Zu berücksichtigen ist, dass ein E-Fahrrad üblicherweise zusätzlich zu einem Auto gekauft wird.

Eine wesentliche Rolle spielt schon der Energieverbrauch in der Produktion der Räder. Nicht zu unterschätzen ist auch der Verbrauch seltener Rohstoffe, etwa für die Batterien. Der Abbau vieler Rohstoffe hat in den Rohstoffländern oft verheerende Auswirkungen auf Menschen und Natur, nur um westliche Konsummuster zu befriedigen.

Mir geht es daher darum, dass es bei Elektrofahrrädern nicht die gleiche Tendenz wie bei den Autos gibt, nämlich Privatbesitz, wo (fast) jeder Haushalt dann welche in Eigentum hat, obwohl die Räder dann meistens herumstehen. Sinnvoll finde ich die Möglichkeit, solche Räder (eventuell im gemeinschaftlichen, kommunalen Besitz) nutzen zu können; dadurch werden nur circa 10 % der sonst anfallenden Räder benötigt.

Andererseits finde ich es keine Schande, manchmal 10 Minuten zu Fuß zu gehen (etwa einen Hügel hinauf das Fahrrad zu schieben), denn das Pedelec dient eher dazu, unseren Alltag weiter zu beschleunigen.

Fritz Pichlmann
Innsbruck
(aus KONSUMENT 10/2011)

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