Mund-Nasenschutz-Masken aus Stoff - Welche Gewebe Sinn machen

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Die Mund-Nasen-Schutzmaske ist nicht mehr aus unserem Corona-Alltag wegzudenken. Doch welche Stoffe bieten den besten Schutz und Tragekomfort?

Mund-Nasen-Schutzmasken: Welche Stoffe schützen am besten? (Bild: Patuss89/Shutterstock.com)

Folgende Stoffe finden Sie in der Testtabelle:

  • Bettlaken-Stoff, Fadendichte 57, 100 % Baumwolle
  • Bedruckter Baumwollstoff, Fadendichte 120
  • Burlington für Hosen, 100 % Polyester
  • Cretonne 50 % Polyester, 50 % Baumwolle
  • Cretonne, 100 % Baumwolle
  • Denim mit Batistfutter, 100 % Baumwolle
  • Dicker Baumwolljersey, 92 % Baumwolle, 8 % Elasthan
  • Klassischer T-Shirt-Jersey, 95 % Baumwolle, 5 % Elasthan
  • Lycra für Badebekleidun, 80 % Polyamid, 20 % Elasthan
  • Molton Sweatshirts, 95 % Baumwolle, 5 % Elasthan
  • Polyestersatin, 100 % Polyester
  • Popeline für Hemden, 100 % Baumwolle
  • Sport-Polyester, 100 % Polyester
  • Taschentuch (Kleenex), Zellulose
  • Viskose-Jersey, 92 % Viskose, 8 % Elasthan

Die Testtabelle informiert über Filtrationsleistung und Atmungsaktivität (neu und nach 10 Wäschen).

Lesen Sie im Folgenden unseren Bericht:


Macht die Maske Sinn?

Der Mund-Nasen-Schutz (MNS) ist international als wichtiger Baustein zur Eindämmung der Corona-Pandemie anerkannt. Die Maske funktioniert als Barriere, vor allem gegen ausgeatmete Partikel. Sie schützt diesbezüglich also vor allem das Gegenüber. Außerdem wird ihr auch eine pädagogische Funktion nachgesagt, da sie ein sichtbares Signal setzt, Abstand zu halten. Zudem schützt sie den Träger insofern vor einer Infektion, als sie ihn daran hindert, sich mit der Hand selbst im Mund- und Nasenbereich zu berühren.

Selbst genähte Masken

Manche begnügen sich mit einer einfachen OP-Maske, andere bevorzugen eine im Handel erhältliche Maske aus Stoff, viele nähen sich ihre Mund-Nasen-Schutzmaske (MNS) lieber selbst. Bezüglich Design und Material der Stoffe ist dabei eine beachtliche Kreativität zu beobachten. Vom dicken Baumwolllappen bis hin zum transparenten Dessousstoff mit Spitze findet sich so ziemlich alles, was sich mit Nadel und Faden verarbeiten lässt. Und so mancher dürfte sich wohl schon einmal leicht beunruhigt gefragt haben, ob das Accessoire, das sein Gegenüber im Gesicht trägt, vor irgendetwas schützt.

Stoffe im Test

Unsere Kolleginnen und Kollegen von der französischen Partnerorganisation UFC-Que Choisir haben Materialien, aus denen MNS-Masken gefertigt werden, unter die Lupe genommen. Untersucht wurde die Filtrationsleistung und die Atmungsaktivität der üblicherweise verwendeten Stoffe. Da die Schutzmasken zweilagig sein sollten, wurden mit einer Ausnahme immer zwei übereinandergelegte Lagen desselben Stoffes im Neuzustand und nach zehn Mal Waschen getestet.

Bester Schutz: Baumwolljersey, Viskose-Jersey, Molton für Sweatshirts u.a.

Filtrationsleistung

Bei der wichtigsten Aufgabe von MNS-Masken, dem Rückhalt von Partikeln, ist man mit zweilagigen Masken aus dickem Baumwolljersey, Viskose-Jersey, Molton für Sweatshirts sowie klassischem T-Shirt-Jersey am besten ausgerüstet. Ebenfalls sehr gut schnitt mit Batist gefütterter Denimstoff (Jeansstoff) ab. Die genannten Stoffe filterten mehr als 90 Prozent der ausgestoßenen Partikel. Nach dem Waschen wiesen alle genannten Stoffe immer noch eine sehr gute Filtrationsleistung auf.

Verbesserte Filtration bei einigen Stoffen durch Waschen

Vier weitere Stoffe (Popeline für Hemden, bedruckter Baumwollstoff mit Fadendichte 120, Sport-Polyester, Polyestersatin) filterten immerhin noch 70 bis 89 Prozent der Partikel und weisen somit eine gute Filtrationsleitung auf. Interessant ist, dass sich die Filtrationswirkung beim Baumwollstoff mit Fadendichte 120 und beim Polyestersatin nach zehnmaligem Waschen sogar leicht verbesserte.

Nicht für MNS-Masken geeignet sind Cretonne und Cretonne-Mischgewebe, Burlington für Hosen, Lycra für Badebekleidung sowie Bettlakenstoff mit Fadendichte 57. Allerdings verbesserte sich die Filtrationsleistung von Burlington und dem Bettlakenstoff nach zehn Mal Waschen ebenfalls markant.

Papiertaschentuch

Gute Werte lieferte ein simples Papiertaschentuch der Marke Kleenex. Und eine zweilagige Stoffmaske, in der man ein Papiertaschentuch als Filtereinlage einsetzt, kommt sogar an die Filtrationsleistung einer konventionellen OP-Maske heran. Allerdings muss das Taschentuch regelmäßig gewechselt werden. Es feuchtet nämlich rasch durch, was die Filtrationsleistung stark beeinträchtig.

Atmungsaktivität

Stoffe mit einer sehr guten Filterwirkung haben den Nachteil, dass sie das Atmen erschweren. Von den Materialien mit sehr guter Filtrationsleistung bekommt man durch klassischen T-Shirt-Stoff aus 95 Prozent Baumwolle und 5 Prozent Elastan noch am meisten Luft. Allerdings sinkt die Atmungsaktivität dieses Stoffes mit dem Waschen. Noch deutlich leichter atmet es sich durch zwei Lagen von Sport-Poylester.

Plastikvisier: schützt kaum

Neben der Stoffmaske hat auch das Plastikvisier inzwischen einen festen Platz im Alltag. Vor allem in Geschäften und in Gastronomiebetrieben ist das Personal häufig damit ausgestattet. Eine Studie der Florida Atlantic University zeigt allerdings eindrücklich, dass ein Plastikvisier beim Husten und Niesen kaum Schutz vor ausgestoßenen Partikeln bietet.

Die Vorwärtsbewegung der Tröpfchen wird durch den Schild zunächst abgebremst, danach verteilen sich die Aerosole aber mehr oder weniger ungehindert um das Visier herum im Raum – teilweise sogar über weite Strecken. Noch schlechter schnitten im Test der Forscher Gesichtsmasken ab, die ein Atemventil besitzen. Durch das Ventil gelangen die Tröpfchen nahezu ungefiltert nach draußen.

Tabelle: Mund-Nasenschutz-Masken

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Verschiedene Maskenformen

Barrieremaske

Barrieremaske: mit horizontalen Falten, empfehlenswert; (Bild: fizkes/Shutterstock.com)

Empfehlenswert. Mit horizontalen Falten. Die Maske entfaltet sich von der Nase bis zum Kinn.

„Ninja“-Maske

Ninjamaske: Die vertikale Naht ist ein mögliches Leck für Partikel; beliebt, aber nicht unbedingt geeignet; (Bild: Grustock/Shutterstock.com)

Beliebte, aber nicht unbedingt geeignete Maske. Die vertikale Naht ist ein mögliches Leck für Partikel. Bei derartigen Masken ist besonders auf die Stoffqualität zu achten. Die Naht sollte möglichst kleine Löcher haben.

 

Entenschnabelmaske

Geeignetes und relativ einfach herzustellendes Modell, das jedoch aus ästhetischen Gründen eher unbeliebt ist.

 

Die getesteten Stoffarten

  • Jersey: Gestrickter Stoff, der elastischer ist als gewebte Stoffe.
  • Molton: Gewebter Stoff aus Baumwolle (oder Mischungen), der zumindest auf einer Seite aufgeraut ist. Sehr saugfähig.
  • Denim: Klassischer Jeansstoff, sehr schwer und grob gewebt.
  • Batist: Sehr dünn gewebter Baumwollstoff.
  • Popeline: Fein gewebter Stoff für Oberbekleidung, manchmal leicht gerippt.
  • Sport-Polyester: Polyester-Gewebe, das zur Herstellung für Sportbekleidung gedacht ist. Wenig saugfähig, bietet aber sehr gute Atmungsaktivität.
  • Polyestersatin: Gewebter Stoff, der durch die Webtechnik auf der einen Seite mehr glänzende Schussfäden zeigt und auf der anderen Seite mehr matte Kettfäden. Dichter gewebt als Sport-Polyester.
  • Cretonne: Grobes Gewebe, meist eine Mischung aus mehreren Fasern. Wird als Vorhangstoff oder Möbelbezug verwendet.
  • Burlington: Dieser knitterfreie Stoff wird auch Texture genannt. Er besteht aus 100 % Polyester und wird meist für Hosen verwendet.
  • Fadendichte: Die Fadendichte gibt Auskunft darüber, wie viele Fäden je Quadratzoll verwebt wurden. Je höher die Zahl, umso dichter das Gewebe. Fadendichte 120 ist ein eher dünner Stoff, Laken mit Fadendichte 57 sind sehr dünn und dadurch atmungsaktiv.

VKI-Tipps

  • Filtrationsleistung. Selbst genähte Mund-Nasen-Schutzmasken können ebenso gut Partikel filtern wie gekaufte Einweg-Masken. Voraussetzung ist allerdings, dass man geeignete Stoffe verwendet. Diese sollten unbedingt zweilagig verarbeitet werden. Taschentücher als Filtereinlage funktionieren dabei erstaunlich gut. Je dichter bzw. dicker der Maskenstoff, desto schlechter bekommt man Luft.
  • Schnittmuster. Im Internet finden sich zahlreiche Schnittmuster für das Selbernähen von MNS-Masken. Empfohlen werden Barrieremasken mit Falten oder die sogenannte Entenschnabelmaske. Diese Modelle schließen Nase und Mund gleichermaßen gut ein. Weniger empfehlenswert sind sogenannte Ninja-Masken. Die vertikale Naht ist ein mögliches Leck für Partikel.

 

Testkriterien

Im Labor wurden zwei idente Stofflagen übereinandergelegt und anschließend getestet. Einzige Ausnahme: Denim wurde aufgrund seiner Dicke mit einem einfachen feinen Baumwoll-Batist gefüttert.

Die Stoffe wurden im Neuzustand und nach mehrmaligem Waschen auf folgende Parameter getestet:

Atmungsaktivität. Gemessen wurde der Atemwiderstand gemäß der Norm ISO 9237.

Filtrationsleistung. Gemessen wurde die Beständigkeit gegen das Eindringen von Partikeln mit einer Größe von mehr als 3 µm.

Zusätzlich wurde ein Taschentuch der Marke „Kleenex“ getestet.

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